Schlagwort: interview-interneteinfluss

Andrea Hackenberg: Ich bin eine Heimatdichterin ohne Angst vor Kitsch

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin eine Heimatdichterin ohne Angst vor Kitsch. „Regio-Chick-Lit“ heißt das neue Genre, in dem ich mich Zuhause fühle: Darin verbindet sich die für Frauen-Belletristik typische Suche nach Mister Right mit einer Liebeserklärung zu dem Landstrich, in dem die Geschichte spielt. Die Heldin meines ersten Romans „Abgeferkelt“ stöckelt daher nicht durch London, New York oder Berlin, sondern durch die Lüneburger Heide – und bleibt mit ihren hohen Absätzen auch gleich im Schweinemist stecken. Seit meiner Zeit als Lokal-Reporterin in Lüneburg, Celle und Wittingen ist mir diese Region so sehr ans Herz gewachsen, dass ich in meinem Buch kein Klischee ausgelassen habe: Die Heide steht in voller Blüte und aus der Ferne erklingt das Löns-Lied. Doch die Wanderschäfer befördern Teile ihrer Herde mit dem Öffentlichen Personennahverkehr, die Schnucken neigen zur Profilneurose und die Schützen vor Ort sind schwul. Das Rosarote ist gewollt und erlaubt, geht jedoch immer mit dem Skurrilen, Derben, Unerwarteten einher. Das macht für mich den Reiz am neuen Heimatroman aus.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Hauptberuflich arbeite ich als Redakteurin für ein Fachmagazin, daher schreibe ich werktags meist nur journalistische Texte. Sofern ich eine Deadline im Nacken habe, setze ich mich auch nach Feierabend für ein paar Stunden an meinen Roman: In guten Phasen ist das wie Fernsehgucken im eigenen Kopf – ich genieße es dann, jenseits aller Sachzwänge einfach das aufzuschreiben, was mir in den Sinn kommt. An schlechteren Tagen starre ich den Bildschirm an, zerbeiße meine Bleistifte und frage mich, warum ich mir das alles eigentlich antue. An den Wochenenden und im Urlaub fällt mir die Arbeit am Buch generell leichter: Dann stehe ich früh auf, lese und korrigiere die Passagen vom Vortag und versuche mich an einem neuen Abschnitt. In der Regel mache ich mir keine festen Vorgaben wie eine Mindestanzahl an Seiten, die ich am jeweiligen Tag schaffen müsste. Stattdessen nehme ich mir vor, die Geschichte um einen inhaltlichen Baustein voranzutreiben – das kann unterschiedlich lange dauern und mal mehr, mal weniger Seiten in Anspruch nehmen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Das Internet hat eine Menge Unruhe in meine stille Schreibstube gebracht. Statt komplett in Klausur zu gehen, investiere ich jetzt auch Zeit ins Netzwerken auf Facebook, halte nach Online-Rezensionen Ausschau und trete über Portale wie Lovelybooks.de in Kontakt mit meinen Lesern. Ein bisschen sehe ich da schon die Gefahr, zu abgelenkt zu sein und verordne mir jetzt regelmäßig eine Surf-Diät. Sonst komme ich zu gar nichts mehr.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich schreibe über eine Region, in der ich nicht mehr lebe. Das stellt mich bei jeder Passage mit Lokalkolorit vor große Herausforderungen. Um diese geografische Kluft zu überbrücken, zählen die Online-Ausgaben mancher Lokalzeitungen in der Lüneburger Heide zu meiner Pflichtlektüre. Auch ein Besuch vor Ort ist demnächst wieder angesetzt. Das müsste ich viel öfter machen – was neben meinem Vollzeit-Job leider nicht ganz einfach ist.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner offenen Facebook-Fanseite sowie auf den Seiten des Droemer Knaur Verlags. Darüber hinaus gibt es noch eine ganz klassische Homepage: www.andrea-hackenberg.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Michael Kleinespel

Marianne Harms-Nicolai: Ich habe die rasante technische Entwicklung der Buchproduktion noch hautnah miterlebt

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Marianne Harms-Nicolai, ich bin Texterin, Lektorin, Marketingmensch mit Kulturschwerpunkt und übersetze leidenschaftlich gerne Sachbücher und Belletristik aus dem Englischen ins Deutsche. Ich komme aus dem Verlagswesen und habe die rasante technische Entwicklung der Buchproduktion und Fertigungswege vom handgeklebten Umbruch (Fixogum!) zur internationalen Massenproduktion in 10 Sprachen über den Datentransfer an eine Druckerei in Asien sozusagen noch hautnah miterlebt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Irgendwie sehr „normal“. Wenn meine Tochter in die Schule entschwunden ist, und nach einem langen Spaziergang über frühmorgendliche Felder, sitze ich am Rechner und beginne zu schreiben, zu übersetzen, zu administrieren oder zu akquirieren. Telefonate, Konzentration. Einarbeitung und Recherche zu den Themen meiner Kunden. Zwischendrin sammle oder verteile ich Impulse über Kundenkontakte, Freunde, soziale Netzwerke, verknüpfe und verfolge Ideen und versuche, mich immer wieder neu zu orientieren, möglichst an vielen neuen Strömungen und insbesondere auch Sprachstilen und -ebenen. Meinen Tagestakt könnte man vielleicht so klopfen: Lesen, Schreiben, Lesen, Lesen, Reden, Schreiben, Lesen, Schreiben, Lesen, Pause, Lesen, Reden.

Ich liebe meine Arbeit, weil sie gedanklich frei, (meistens) sehr inspirierend und ungeheuer vielfältig ist. Ich muss immerzu meinen Blick verändern; das finde ich sehr schön und bereichernd.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Die generelle „Virtualisierung“ von Arbeit – insbesondere auch im Buchmarkt – hat natürlich auch mein berufliches Leben in den letzten Jahren stark geprägt, sehr angenehm, wie ich finde, wenn man für sich persönlich einen Weg gefunden hat, mit der potentiellen ständigen Erreichbarkeit umzugehen.

Im Moment verändert sich aber gerade wieder etwas. Ich empfinde selbst, aber auch um mich herum, wieder viel stärker das Bedürfnis nach mehr persönlichem Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Ich glaube, das hängt mit der Freude und dem Interesse daran zusammen, etwas authentisch mit einem tatsächlichen Gegenüber zusammen zu erleben, sozusagen für einen Moment die gleiche Luft zu atmen und vielleicht auch Schwingungen gemeinsam aufgreifen zu können. Ich gehe also wieder sehr viel mehr nach Außen, treffe Menschen, nehme Termine wahr und denke über eine damit verbundene Veränderung und „interdisziplinäre Öffnung“ meiner Geschäftsfelder und meiner Arbeit nach.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Immer wieder dasselbe: Akquise. Ich finde es wie die meisten Menschen sehr viel leichter, andere oder anderes zu vermarkten als mich selbst.

Wo finden wir Sie im Internet?

Gerne unter www.pepptext.com. Ich beantworte übrigens E-Mails grundsätzlich.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Marianne Harms-Nicolai

Uwe Pilz: Die Idee für Readgeek ist mir in Nepal gekommen und sie hat mein Leben komplett verändert

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Gründer von readgeek.com, einem in der Entstehung befindlichen Portal für Buchbegeisterte, welches seinen Nutzern individuell passende Buchempfehlungen bietet. Für die Empfehlungen vergleichen wir tausende Geschmacksprofile miteinander und können dann sehr genau Wahrscheinlichkeiten für Buchvorlieben berechnen. Dabei steht der Geschmack des Einzelnen im Vordergrund und nicht Verkaufszahlen wie bei anderen Anbietern. Damit unterscheidet sich readgeek.com von allgemein bekannten Marktführern.

Readgeek hilft auch dabei, die eigene Bücherei zu katalogisieren und zu sortieren. So behält der Leser den Überblick über verliehene Bücher, jene im eigenen Bücherregal oder darüber, was er schon gelesen hat oder was er unbedingt noch lesen möchte. Ich würde mit der Plattform gerne erreichen, dass Menschen noch mehr Freude an Büchern haben. Vielleicht wird sogar der ein oder andere dazu angeregt, eher zum Buch zu greifen als zur Fernbedienung.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Im Moment sind wir ein noch sehr kleines Team, bestehend aus einer Mitarbeiterin fürs Marketing und mir. Ich verbringe viel Zeit mit Programmierarbeit, bin für die Gestaltung der Webseite zuständig und arbeite an der weiteren Verbesserung des Empfehlungsalgorithmus. Darüber hinaus mache ich mir Gedanken, wie Menschen nach Büchern suchen und wie man jene fürs Lesen begeistern kann, die bisher noch keine Leseratten sind.

Zur Zeit bin ich auf der Suche nach einem Webdesigner – begeisterte Mitstreiter sind also sehr willkommen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Ich bin eigentlich Umwelttechnikingenieur und habe noch vor einem Jahr Biomassekraftwerke mitentwickelt. Die Idee für Readgeek ist mir in Nepal gekommen. Dort hatte ich während einer 14-tägigen Wanderung zwei Bücher dabei, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte. Das hatte mich natürlich total geärgert, weil ich einerseits unnötig Gepäck mitschleppen musste und andererseits nichts zu lesen hatte. Dafür hatte ich aber genügend Zeit, darüber nachzudenken, wie ich vorher hätte wissen können, ob mir die Bücher gefallen würden. Das Ergebnis ist Readgeek.

Seit der Idee hat sich mein Leben komplett verändert. Ich habe programmieren gelernt, habe mich mit der Funktionsweise von Datenbanken beschäftigt und sitze viel vor dem Computer. Nun weiß ich dank Readgeek zwar, was ich lesen sollte, habe aber kaum noch Zeit dafür …

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Um für den Urlaub in Paris ein passendes Buch zu finden (z.B. ein Krimi in dieser Stadt zur Zeit Napoleons), sind jede Menge Daten über die Bücher notwendig. Dafür verlässliche und freie Quellen zu finden, ist mitunter nicht so einfach. So sind auch die Abbildungen der Buchumschläge älterer Ausgaben meist so durch das Urheberrecht geschützt, dass es schwer wird, diese nutzen zu können. So haben der Illustrator, der Verlag und derjenige, der den Buchumschlag eingescannt hat, Rechte an der Abbildung. Die sind in dem Falle alle einzuholen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Das Portal findet man unter www.readgeek.com, Updates kommen über die frisch eingerichtete Seite auf Facebook unter www.facebook.com/readgeek.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Uwe Pilz

Stefanie Maucher: Statt den Ideen-Zettel in den Papierkorb zu schmettern, werfe ich ihn meinem dotbooks-Lektor zu

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin einer der kreativen Köpfe, die sich hinter einem spannenden Buch verstecken: die Autorin von Kalte Berechnung – Eine Rachegeschichte. Darin erzähle ich auf 56 Seiten eine Geschichte, die wirklich unter die Haut geht, thematisiere das heikle Thema Kindesmissbrauch aus der Sicht einer Mutter, die ihr Kind schützen möchte. Das Buch ist im Juli 2012 beim neuen Ebook-Verlag  dotbooks erschienen.

Kalte Berechnung ist eigentlich meine zweite Veröffentlichung, jedoch die erste bei einem professionellen Verlag. Darum betrachte ich es als mein eigentliches Debut. Mein erstes Manuskript, Franklin Gothic Medium – Aus dem Leben eines Kannibalen, sandte ich in gnadenloser Unkenntnis des hart umkämpften Markts und absolut überzeugt von mir selbst an genau einen Verlag. Anschließend wartete ich ein halbes Jahr, bis ich ein Standard-Absageschreiben aus dem Briefkasten zog. Auch mein nächster Versuch war nicht erfolgreicher. Nun muss man wissen: Ich bin nicht gerade die Geduldigste. Das dauerte mir alles zu lang, also habe ich das Buch selbst publiziert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich bin „Nachwuchsautorin“, habe mit Kalte Berechnung ein Debut abgeliefert, auf das bislang ausschließlich begeisterte Reaktionen folgten. Damit steigt auch die Erwartungshaltung, schließlich will man mit dem nächsten Werk nicht enttäuschen. Folge dessen ist es gerade ein bisschen wie im Sandkasten. Oder besser gesagt, wie beim Ballspiel. Ich habe eine Idee, artikuliere diese in einem Word-Dokument, nenne es Manuskript oder Handlungsexposé und statt den Zettel zu zerknüllen und in den Papierkorb zu schmettern, werfe ich diesen Spielball meinem Lektor zu. Dann kommt der Ball zu mir zurück, ich streiche das Papier wieder glatt, entziffere die hilfreichen Zeichen und versuche, es noch besser zu machen, bevor der Ball wieder die Seiten wechselt. Meist vergehen ein paar Tage dazwischen.

Ich empfinde das Schreiben nicht als Arbeit im eigentlichen Sinn. Vielmehr habe ich das Talent, mit Worten zu jonglieren, mit ihnen zu spielen und andere Menschen damit auf eine Reise zu nehmen, die dahin geht, wo ich will. Es macht mir großen Spaß, es zu nutzen. Ein Tag, an dem ich schreibe, ist ein Tag, an dem ich etwas mache, das ich liebe. Ein typischer Arbeitstag hingegen ist einer, an dem ich meine Zeit nur deshalb mit etwas verbringe, weil man mich dafür bezahlt.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Es war nach wie vor mein Wunsch, einen seriösen Verlag zu finden, der mir hilft, das Beste aus meinen Texten herauszuholen und sie danach auch zu verkaufen. Als Indie-Autorin Fuß zu fassen, mag in Amerika gut funktionieren. Hierzulande ist es (noch?) schwierig und man wird eher belächelt. Also begann ich, mich online umzusehen, entdeckte eine für mich interessante Ausschreibung. Mit der Geschichte, die ich für einen Wettbewerb bei einem großen Publikumsverlag schrieb, war ich dann erfolgreich. Ich machte damit mehrere Verlage auf mich aufmerksam und konnte mir aussuchen, mit wem ich arbeiten möchte. Entschieden habe ich mich gegen einen Verlagsriesen, für einen Ebook-Verlag, der gerade erst entstand. Der kleine Verlag hatte einen großen Wettbewerbsvorteil: einen Lektor, der nicht nur kompetenter Vollprofi ist, sondern sich darüber hinaus für meine Art zu schreiben begeistert. Jemand, bei dem ich von Anfang an das Gefühl hatte, dass die Chemie stimmt. Timothy Sonderhüsken, der sich hier vor kurzem ebenfalls vorstellte.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Momentan feile ich am Spannungsbogen des nächsten geplanten Thrillers. Noch vermag er nicht völlig zu überzeugen. Es ist wie beim Kochen eines raffinierten Gerichts, für das man die richtigen Zutaten braucht, immer wieder abschmeckt und nachwürzt. Ich habe gerade gekostet. Irgendetwas fehlt da noch.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Stefanie Maucher

Sandra Elm: Ich re-cycle alte Lieblings-T-Shirts und mache daraus Cover für Notizbücher

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Hallo. Ich bin Sandra Elm von re-cover.de und verpasse ihnen ein neues Outfit. Ich liebe Notizbücher und mag Materialien, die Geschichten erzählen können – und daraus ist ein sehr spannendes Projekt entstanden: Ich re-cycle alte Lieblings-T-Shirts und mache daraus Cover für Notizbücher.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Da re-covern nicht mein Haupt-Job ist, gibt’s den klassischen Arbeitstag in diesem Sinne bei mir so nicht und ich werde – je nachdem, was ansteht – erst nach Feierabend aktiv. Dann bearbeite ich Anfragen im Internet, bereite alte T-Shirts auf, drucke, schneide und kaschiere, bastele Visitenkarten, schreibe Rechnungen und bringe Bestellungen zum Versand. Wochenends streife ich über Flohmärkte auf der Suche nach alten T-Shirt-Schätzen. (Wobei ich mich immer wieder frage, wo die guten alten Konzert-T-Shirts geblieben sind, die ja offensichtlich kein Mensch mehr anzieht.)

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Die handwerklichen Arbeitsschritte sind nach wie vor unverändert: Ich wähle anhand einer Schablone den Ausschnitt für das Cover aus, kaschiere und schneide das Material, steppe – wenn gewünscht – die Buchkanten mit der Nähmaschine ab und fertige farblich passende Verschluss-Gummibänder.

Was sich verändert hat, ist das Marketing. Da ich nicht viel Budget habe, bietet sich facebook an, um online auf „Neu-Erscheinungen“, Aktionen und Veranstaltungen hinzuweisen. Das ist unkompliziert und kostenlos, aber ich erreiche halt überwiegend nur die Mitglieder, die re-cover.de eh schon kennen. (Dass der Like-Button definitiv beliebter ist als die Teilen-Funktion , sollte bekannt sein:)

Da man im Internet Haptik bis dato nur schwer rüberbringen kann, ist es für mich unumgänglich, meine Produkte ab und an live vorzustellen und zu präsentieren. Dafür investiere ich dann Geld – zum einen für analoge Werbemittel (Visitenkarten, Sticker und Buttons aus T-Shirt-Stoff) und zum anderen Teilnahmegebühren für Design-Märkte und Verkaufs-Messen. So hat dann auch der Besucher, der auf einer Veranstaltung kein Buch gekauft hat, die Möglichkeit, eine Referenz für den Service, den re-cover.de bietet, zunächst mit nach Hause und eventuell zu gegebener Zeit in Anspruch zu nehmen.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein Problem ist, dass die Feierabende zu kurz und die Feiertage zu knapp sind. Und dass ich kein eigenes Ladengeschäft habe, in dem interessierte Kunden ihre T-Shirts abgeben, Muster-Bücher anschauen und ihre fertigen ShirtBooks abholen können.

Als schwierig gestaltet sich auch die Präsentation der Produkte auf Plattformen wie dawanda, da wirklich jedes Teil ein Unikat ist. Da komme ich kaum hinterher mit Fotografieren, Fotos hochladen, Produkt beschreiben. Und eigentlich möchte ich ja auch lieber den re-cover-Service anbieten: Jemand überlässt mir sein altes Lieblings-T-Shirt und bekommt im Gegenzug ein Notizbuch mit einem Cover aus eben diesem. Mit Bezug zum Bezug sozusagen…

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf direktem Wege via www.re-cover.de – Spaß macht aber auch ein kleiner Umweg über unsere facebook-Site

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Sandra Elm

Lea Korte: In meinem Online-Autorenkurs vermittele ich Jungautoren das nötige Handwerkswissen eines Autors

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich mache vieles mit Büchern: Zum einen schreibe ich sie: Als Lea Korte veröffentliche ich historische Romane (Droemer Knaur) und Liebesromane (Aufbau Verlag), unter anderen Pseudonymen sind Liebes- und Sachromane von mir bei Heyne und Lübbe erschienen. Da ich mit den Jahren immer öfter Anfragen von Jungautoren bekommen habe, die Rat beim Schreiben ihres Erstlings suchten, habe ich einen Online-Autorenkurs entwickelt. In diesem Kurs vermittele ich Jungautoren über ein Jahr hin das nötige Handwerkswissen eines Autors vom bildhaften Schreiben über Figurenplanung, Spannungsaufbau und vieles mehr bis hin zum Erarbeiten des Romanplots inklusive Exposé und Leseprobe und mit der Möglichkeit, das Projekt u.a. bei der Literaturagentur AVA international von Roman Hocke vorzustellen. Es ist der begleitete Weg zum ersten eigenen Roman – wobei man entweder eine Romanidee ausarbeiten kann, die man schon mitbringt oder sie im Kurs entwickelt. Und last but not least biete ich Manuskriptcoachings und Autorenseminare an.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Er teilt sich auf zwischen meinem neuen Roman und dem Autorenkurs sowie der Arbeit mit den Autoren im Manuskriptcoaching. Meine Arbeit am Roman beinhaltet neben dem Schreiben und Überarbeiten viel Recherche, die mir großen Spaß macht und aus der zugleich immer wieder neue Inspirationen erwachsen. Parallel dazu läuft meine Arbeit mit den Kursteilnehmern: Ich kommentiere deren Übungstexte, beantworte Fragen, überarbeite die Lektionen immer wieder neu, und gleichzeitig stehe ich mit den Teilnehmern über unsere „Yahoo-Gruppe“ im regen Austausch. In der Gruppe diskutieren wir ausgewählte Texte der Teilnehmer oder klären allgemeine Fragen über das Schreiben. Ebenso intensiv ist die Zusammenarbeit mit den Autoren im Manuskriptcoaching. Ich fiebere mit ihnen zusammen, um das Optimale aus ihrer Romanidee herauszuholen und arbeite mit ihnen natürlich auch direkt am Text. Es ist sehr befriedigend zu sehen, wie ihr Roman dabei immer mehr Gestalt annimmt und besser und besser wird. An den Coaching-Büchern hänge ich mit der Zeit ebenso wie an meinen eigenen „Babys“.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Früher habe ich neben dem Romanschreiben auch für Zeitschriften gearbeitet, aber heute widme ich mich ausschließlich den Kursteilnehmern. Ich empfinde den Austausch als sehr belebend und inspirierend und er schärft umgekehrt auch wieder den Blick für meine eigene Arbeit. Im Herbst (und manchmal im Frühjahr) biete ich Seminare in Tossa de Mar (Spanien/Costa Brava) an. Beim Coaching nutze ich teilweise Skype, so dass man auch einmal direkt und nicht nur per Mail mit mir über sein Projekt reden kann.

Beim Romanschreiben profitiere ich inzwischen von einigen guten Programmen wie „Cuecard“ für das Sammeln von Recherchematerial und „Papyrus“ beim Schreiben des Romans, beides Programme, die die Arbeit eines Autors erleichtern, aber allein natürlich auch noch keinen guten Roman machen. Dazu braucht es, nicht zuletzt, handwerkliches Können – das man aber erlernen kann.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Da könnte ich ganze Liste aufführen, aber im Kern geht es immer um das Gleiche: das Optimieren von Texten! Typische Fragen, die ich mir dann stelle, sind z.B.: Wie kann ich den Spannungsaufbau einer Szene bzw. des Romans verbessern? Zieht der Protagonist den Leser in seinen Bann? Ist er lebendig? Logisch in seinen Handlungen? Sind die Entwicklungen der Figur nachvollziehbar oder sprunghaft? Ist das Kräfteverhältnis zwischen dem Protagonisten und dem Antagonisten „ausgewogen“? Und am Ende von vielen weiteren Fragen steht die Feinarbeit, die erst dann zu Ende ist, wenn jedes Wort „sitzt“.

Wo finden wir Sie im Internet?

Als Autorin auf www.leakorte.de – Infos über meine Kurse und Coachings finden sich auf dem Blog www.schreibkurse.wordpress.com. Eine passende Webseite ist im Aufbau und wird dort bekanntgeben werden. Geplant sind auf dieser Webseite z.B. Autoreninfos, Schreibtipps, etc.. Natürlich bin ich auch bei Facebook, und ebenso kann man mich per Mail erreichen: leakorte@leakorte.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Lea Korte

Carla Berling: ‚Bücher schreiben‘ ist ein Beruf, von dem man, wenn man ihn gewählt hat, auch leben können will

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Carla Berling und ich schreibe Bücher. Zuerst waren das ein paar sendungsbewusste Projekte in kleinen Auflagen bei Kleinstverlagen, und die hatten genau den Erfolg, den sie verdienten. Nämlich keinen. Seit fast 20 Jahren arbeite ich daran, schreiben zu lernen, und ich hoffe, dass ich mit jedem Buch besser werde. Ich will mit meinen Büchern niemanden beeindrucken. Ich will unterhalten. Das Handwerk kenne ich von der Pike auf, zehn Jahre lang habe ich für Zeitungsredaktionen alles geschrieben, was in den Bauchladen einer Lokalreporterin gehört.

Mein erster Roman erschien 2007, der zweite ein Jahr später. Es folgten Satirebücher zu meinen satirischen Bühnenprogrammen – und dann ein Buch über‘s Kämpfen und Schreiben. Alles, was ich in 17 Jahren im Literaturbetrieb gelernt habe, steht da drin. Alle Siege, alle Fehler, jedes Scheitern. Dieses Buch ist sehr erfolgreich, nicht zuletzt, weil mein eigenes Guerilla-Marketing dafür gesorgt hat.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Diszipliniert und strukturiert – sonst würde ich total verlottern. Um sieben gehe ich mit meinem Hund, um acht Uhr sitze ich am Schreibtisch und lese die Onlineausgaben verschiedener Tageszeitungen. Den ersten Kaffee trinke ich bei Facebook, dort bin ich mit rund 8000 Menschen vernetzt. Das ist ein ganz wichtiges Fundament. Von 9 bis 11 bin ich beim Sport. Fast täglich. Wenn ich mir keinen körperlichen Ausgleich schaffe, kann ich nicht arbeiten. Danach erledige ich Mail, Post und Telefonate, kümmere mich um Buchungen für Lesungen, suche Veranstalter und Veranstaltungsorte, stelle Programme für Lesungen zusammen, verhandle um Honorare, pflege meine Homepage und mein soziales Netzwerk, blogge, unterhalte mich virtuell mit Lesern und Kollegen, pflege bestehende Kontakte, knüpfe neue, entwerfe Aktionen wie Verlosungen und Gewinnspiele, mache auf mich aufmerksam. Dabei ist es sehr wichtig, dass ich den Leuten zuerst etwas biete – nämlich ein bisschen Unterhaltung, bevor ich etwas anbiete – nämlich meine Bücher und Lesungen. Von 15:00 – 20:00 ist Buch-Zeit: Ich schreibe an meinem aktuellen Projekt, korrigiere das Buch, das demnächst erscheint, plane und skiziziere weitere Projekte. Und dann falle ich auf‘s Sofa und lese.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Es ist leichter und schwerer geworden. Kommunikation geht schneller, fast alle Informationen der Welt sind jedem zugänglich. Wenn ich früher Hintergrundwissen in einem Buch verarbeiten wollte, ging ich in die Bücherei und suchte Fachliteratur, manchmal musste die Bücher bestellt oder im ganzen Land gesucht werden, bis ich sie mir ausleihen konnte. Ich führte Gespräche, Interviews vis a vis, in Cafés, Büros, Parks und Wohnungen. Mein Netzwerk funktionierte über Telefon, Fax und Briefverkehr. Ich wertete die Quellen aus, sichtete, sortierte, verwarf, verwendete. Heute klicke ich dreimal und habe Bilder, Fakten, Daten, ich brauche – eigentlich – nicht mal mehr an Orte fiktiven Geschehens zu reisen, denn dank Maps und Earth kann ich mir die ganze Welt ansehen. Recherche ist keine Kunst mehr. Das macht meine Arbeit leichter. Die unüberschaubare Fülle an Informationen macht sie aber auch unübersichtlicher und schwieriger. Einfacher hingegen sind die Präsentationsmöglichkeiten: Ein Video ist schnell gedreht und dient als Visitenkarte, eine CD ist schnell gebrannt, ein MP3 ruckzuck versendet. Skype, Facetime, Chat – das ist doch alles super und eröffnet eine Million Möglichkeiten.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Immer wieder bekomme ich Anfragen zu Lesungen. Und immer wieder sind Menschen erstaunt bis entrüstet, wenn sie verstehen, dass ich nicht kostenlos anreisen, übernachten und lesen kann. „Aber Sie werden doch berühmt!“ – das höre ich wörtlich immer wieder. Kann sein, dass ich berühmt werde, wenn ich umsonst arbeite, satt werde davon leider nicht. Wenn den Menschen da draußen klar wäre, dass „Bücher schreiben“ ein Beruf ist, von dem man, wenn man ihn gewählt hat, auch leben können will, wäre das ein Fortschritt. Und ich möchte nie wieder hören: „Ja, gut, das ist freie Marktwirtschaft, wenn deine Bücher nicht genug abwerfen, dann musst du eben was anderes arbeiten!“

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner meiner Homepage www.carla-berling.de, auf meiner Author-Central-Seite bei Amazon, bei facebook und bei Twitter und bei youtube mit einigen Videos.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Carla Berling

Andrea Offermann: Illustratoren arbeiten fast ausschließlich freiberuflich und sind daher Einzelkämpfer

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Meine Name ist Andrea Offermann und ich mache Bücher. Genau genommen mache ich Bilder für Bücher. Ich bin freiberufliche Illustratorin und illustriere alles von Weinlabeln über Comics bis hin zu Magazinen, aber hauptsächlich und am liebsten Bücher.

Studiert habe ich am Art Center College of Design in den USA, und vielleicht auch durch diese Verbindung arbeite ich nach wie vor sehr viel für amerikanische Verlage. Zurzeit illustriere ich hauptsächlich Jugendbücher. Aber auch Erwachsenenromane, Kinder- und Vorlesebücher sind dabei.

Zusätzlich bin ich seit 2 Jahren Vorstandsmitglied der Illustratoren Organisation e.V., dem Berufsverband der Illustratoren, der sich für die fachliche und rechtliche Unterstützung und den Austausch unter den Kollegen einsetzt. Der Ausbau solcher Strukturen ist besonders für Selbstständige sehr wichtig, und ich bin dankbar für den regen Kontakt mit Kollegen, die ebenso buchverrückt sind wie ich.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Da ich freiberuflich arbeite, muß ich meine Arbeitstage selbst einteilen, das hat anfangs viel Disziplin erfordert. Ich beginne zu “normalen” Arbeitszeiten zu arbeiten, da ich dann auch am besten mit Auftraggebern kommunizieren kann. Der Morgen ist meist für die unternehmerische Seite meines Berufs, Emails, Telefonate und allgemeine Büroarbeiten reserviert. Nachmittags und oft auch bis in den Abend hinein, wenn es ruhiger ist, zeichne und male ich. Wenn ich an einem großen Projekt arbeite, kann es auch mal sein, dass ich nachts arbeite, um ungestört zu sein. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Auftraggebern in anderen Zeitzonen, die es manchmal erforderlich macht, routinemäßig abends und nachts zu arbeiten.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Ich arbeite vermehrt digital und kommuniziere meist per Email. Auch Bilder sende ich hauptsächlich digital. Gerade die Kommunikation mit internationalen Auftraggebern funktioniert dadurch viel einfacher, es ist längst nicht mehr wichtig, wo der Illustrator tatsächlich wohnt. Aber ich lege nach wie vor viel Wert darauf, die Lektoren, mit denen ich arbeite, persönlich zu kennen.

Durch Entwicklungen wie E-Book und digitale Plattformen für Bücher und Comics stellt sich auch vermehrt die Frage, wie Illustrationen für diese neuen Medien optimal weiterentwickelt werden können. Es gibt ja inzwischen ein breites Spektrum, angefangen bei Bilderbüchern, die unverändert zum gedruckten Buch digital angeboten werden, bis hin zu komplett durchanimierten Bilderbüchern mit Spielen und Lernapplikationen. Ich finde diese Entwicklung sehr spannend und sehe hier für Illustration eine große Chance, sich weiterzuentwickeln und ein wichtiger Bestandteil dieser neuen Medien zu werden. Andererseite herrscht aber auch viel Verunsicherung darüber, wie erfolgreich diese neuen Medien sein werden, und wie sich der Illustrator rechtlich und finanziell in dieser neuen Welt zurechtfinden soll und kann.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Allgemein sehe ich folgendes typisches Problem: Illustratoren arbeiten fast ausschließlich freiberuflich und sind daher Einzelkämpfer. Dieser Umstand macht Akquise, Verhandlungen, Verhalten bei rechtlichen Fragen und den Austausch unter Kollegen oft schwierig. Die IO hat mir hier besonders am Anfang sehr geholfen und ich habe jetzt sehr großes Interesse daran, die Unterstützung für meine Kollegen auszubauen. In den letzten Jahren sind eine Rechtsschutzversicherung, Rechts- und Vertragsberatung für die Mitglieder dazugekommen, und in diesem Jahr feiert der Verband sein 10-jähriges Jubiläum mit Ausstellungen, Workshops und natürlich einer großen Party im Herbst zur Buchmesse. Es ist viel passiert, aber hier stehen wir noch am Anfang und viele Probleme, wie der Ansatz einer Verhandlung mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels für einen Standardvertrag zwischen Verlagen und Illustratoren, sind noch ungelöst.

Speziell bei der Illustration von Büchern fällt mir immer wieder folgendes Problem auf: Bei (Kinder-)Buchprojekten gelten oft marktübliche Vorschusshonorare plus prozentuale Beteiligung am Verkauf. Der Vorschuss ist oft sehr niedrig und deckt im besten Fall ein Drittel bis die Hälfte des Arbeitsaufwandes ab. Ein Buch zu illustrieren lohnt sich also meist nur, wenn das Buch sich gut verkauft und immer wieder neu aufgelegt wird. Da besonders Kinderbücher aber immer kürzere “Lebenszeiten” haben, oft nach spätestens 3-5 Jahren vom Markt genommen werden, hat das Buch oft keine Chance, zu einem Longseller zu werden. Viele meiner Kollegen, die wie ich leidenschaftlich gerne Bücher illustrieren, arbeiten daher noch in anderen Bereichen der Illustration, als Dozenten oder sogar in völlig anderen Berufen, um sich die Buchillustration “leisten zu können”. Ein Zustand, von dem ich mir wünschen würde, dass er sich ändert.

In diesem und anderen Zusammenhängen beobachten wir Illustratoren auch aufmerksam die Debatte um Änderungen im Urheberrecht. In meinem Beruf verdiene ich mein Geld zu einem sehr großen Teil über die Einräumung von Nutzungsrechten an meinen Werken, die rechtliche Grundlage hierzu ist im Urheberrecht verankert. Zum Beispiel habe ich ein Jugendbuch für einen amerikanischen Verlag illustriert. Das Honorar deckte nur etwa die Hälfte des Arbeitsaufwandes ab. Ich habe deshalb mit dem Verlag die Beschränkung der Nutzungsrechte auf die USA und Kanada vereinbart, und mir damit ermöglicht, durch den Verkauf der Nutzungsrechte für andere Länder wenigstens einen Teil des Fehlbetrags dazuzuverdienen. Wäre ich nicht in der Lage, dieses und ähnliche Zusatzhonorare zu verhandeln, könnte ich im Beruf Illustrator nicht überleben.

Und dies ist nur die kommerzielle Seite des Urheberrechts. Hinzu kommt die “Entmündigung”. Das Urheberrecht schützt uns Illustratoren – und natürlich alle anderen Kreativen – davor, dass unsere Arbeit in Zusammenhängen auftaucht, die wir nicht wünschen (das beliebte Beispiel der eigenen Illustration genutzt für Nazi-Propaganda). Viele Kollegen sind besorgt, dass sie durch radikale Änderungen im Urheberrecht, wie sie von einigen Parteien vorgeschlagen werden, das Recht verlieren, sich dagegen wehren zu können, wenn ihre Arbeiten in Kontexten genutzt werden, die sie nicht vertreten. Unabhängig davon kann die Verbindung mit einem solchen Kontext im schlimmsten Fall sogar beruflich schaden und dafür sorgen, dass Aufträge ausbleiben.

Es ist durchaus richtig, eine Diskussion über die Anpassung des Urheberrechts an neue Anforderungen zu führen, mir scheint jedoch manchmal, dass die Debatte von einigen genutzt wird, um völlig andere Interessen, wie freie Nutzung von kreativen Werken, durchzusetzen. Das würde vielen Kreativen die Lebensgrundlage entziehen. Ein Ansatz zur Lösung dieses Problems könnte sein, in der Debatte darauf zu achten, dass nicht nur die lautesten Stimmen gehört werden. Dazu gehört aber auch, dass die Kreativen sich Gehör verschaffen, wie sie es ja inzwischen z.B. durch die Initiative Urheberrecht (IU) tun.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner Webseite www.andreaoffermann.com, meinem Blog und über die Seite der Illustratoren Organisation e.V..

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Georg Stelzner

Dirk von Gehlen: Ich bin Journalist bei der Süddeutschen Zeitung und mein nächstes Buch ist ein Experiment

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Dirk von Gehlen, ich bin Journalist bei der Süddeutschen Zeitung (leite die Abteilung Social Media/jetzt.de) und was ich als nächstes mit Büchern machen will, ist ein Experiment. Im vergangenen Jahr habe ich das Buch „Mashup – Lob der Kopie“ (lobderkopie.de) bei Suhrkamp veröffentlicht. Darin beleuchte ich die historische Ungeheuerlichkeit der digitalen Kopie. Im nächsten Schritt will ich in einem Buch-Experiment die Chancen fürs Kulturschaffen ausloten, die in der Kopie liegen: Dafür will ich im Herbst das Buchprojekt „Eine neue Version ist verfügbar“ starten. Kernthese des Buchs ist: Durch die Digitalisierung wird Kultur zu Software, Versionen werden mindestens so wichtig wie abgeschlossene Werke. Deshalb soll das Buch selber als Prozess angelegt sein. Ich möchte die Leser einbeziehen, den Entstehungsprozess dokumentieren und diskutieren. Derzeit muss ich dafür einige organisatorische Vorarbeiten treffen, weil das Buch ohne klassischen Verlag erscheinen wird. Wenn das abgeschlossen ist, geht es los. Wer Interesse hat, an einem solchen Experiment teilzunehmen, kann sich hier dafür eintragen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ein typischer Arbeitstag fühlt sich so an: Während ist Mails checke, Tweets lese und poste und längere Texte schreibe, gehe ich in Konferenzen, spreche mit Kollegen und Lesern und lese sehr viel. Der prozentuale Anteil ist von Tag zu Tag unterschiedlich – das Netz als permanenter Bezugsraum ist aber stets dabei. Und das Besondere: Es macht genau so sehr viel Spaß.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Ich arbeite seit mehreren Jahren im und mit dem Internet und trotzdem lautet die Antwort: Die Arbeit wird ständig digitaler – und ich finde das gut. Am Anfang war das Netz höchstens Begleitmedium. Das hat sich geändert. (Digitale) Relevanz entsteht dort, wo die Menschen sich aufhalten: also im Internet. Medien müssen hier vertreten und ansprechbar sein, um auch in Zukunft als glaubwürdige Informationsquelle dienen zu können. Denn das ist für mich die entscheidende kulturelle Veränderung, die durch das Internet entstanden ist: Publikationsmittel sind demokratisiert. Jeder kann veröffentlichen. In diesem Umfeld müssen Menschen, die das professionell tun, ihre Autorität anders herleiten und begründen. Allein die Tatsache, dass sie veröffentlichen reicht nicht mehr.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Die zentrale Frage für alle Storyteller – wie der NYT-Journalist Nick Bilton Menschen nennt, die in den Medien arbeiten (bzw. was mit Büchern machen) – lautet: Wie kann man den richtigen und wichtigen Werten in einem neuen Umfeld zu Geltung verhelfen? Wie sehen Geschäftsmodelle aus, die unsere Vorstellung von Qualität ermöglichen? Das ist kein typisches Problem, sondern die grundlegende Herausforderung der Digitalisierung. Leider wird diese bisher häufig recht defensiv gedacht. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, etwas zu verteidigen, sondern vielmehr darum, Neues auszuprobieren – auch auf die Gefahr hin zu scheitern.

Wo finden wir Sie im Internet?

Am liebsten da, wo es spannend ist. Ich glaube, dass wir das Netz weniger als Kanal sondern vielmehr als Ökosystem denken sollten, das temporär Räume schafft. In diesem sozialen Echtzeit-Feld liegen noch viele ungenutzte Chancen für alle Storyteller. Derzeit entstehen diese Räume für mich regelmäßig auf Twitter (@dvg) – aber auch im Hause der Süddeutschen Zeitung gibt es unter sz.de und jetzt.de sehr spannende Ansätze. Darüber hinaus findet man mich in meinem privaten Blog digitale-notizen.de.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Daniel Hofer/SZ

Thomas „Chapeau“ Endl: Ich will ändern, dass Bücher meist schnell wieder vom Markt verschwinden

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Als Thomas Endl schreibe ich schon lange vor allem Kinderbücher, als Chapeau zaubere ich mit der „edition tingeltangel“ E-Books aus dem Hut – jetzt ganz frisch das allererste: „Wenn die Trubeljule kommt – Sieben phantastische Gute-Nacht-Geschichten“, die zu Goldmachern, Geistern und anderen Gestalten führen.

Aber was machen die Bücher mit mir? Eindeutig: Sie lassen mich nicht los! Nach einer Lesekindkarriere, die zu hohen Dioptrinwerten bei der Brille geführt hat, blieb mir fast nichts anderes übrig, als Germanistik mit Schwerpunkt Literaturvermittlung in Bamberg zu studieren. Lektor wollte ich werden, Fernsehregisseur bin ich allerdings geworden. Aber Gabi Strobel, die Lektorin der „Wilden Fußballkerle“, hat dann den Autor in mir entdeckt. Nach vielen Büchern in wunderbaren Verlagen hat mich eines traurig gemacht: dass gedruckte Bücher meist schnell wieder vom Markt verschwinden. Und das will ich ändern, nicht nur bei meinen eigenen Büchern. Gut, dass es den editionseigenen Zauberzylinder gibt. Er verwandelt tingeltangelfähige (also unterhaltsame) Manuskripte in E-Books – inklusive altmodischen Elementen wie Vor- und Nachsatzseiten. Denn die „edition tingeltangel“ ist ja e-bibliophil!

Los geht es also mit Geschichten, die es bereits in gedruckter Form (oder als Radiotexte) gab. Aber gut möglich, dass die „edition tingeltangel“ über kurz oder lang auch bislang unveröffentlichte Werke auf die E-Book-Bühne bringt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt es nicht, da mein Leben zwischen zu vielen Polen pendelt. Aber wünschenswert wäre: Nach einem späten Frühstück in aller Ruhe am aktuellen Manuskript schreiben oder das neueste E-Book in Form bringen. Gleichzeitig liebe KollegInnen für E-Book-Ausgaben ihrer Bücher begeistern und dazwischen via Blog, Twitter, Facebook und Pinterest die Welt umarmen. Und abends dann Interviewfragen beantworten. ;-)

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Die Erkenntnis, dass es dank Kindle und Co. ohne großes Risiko möglich ist, selbst Bücher zu verlegen, hat mich geradezu elektrisiert. Gleichzeitig habe ich durch das stARTcamp in München Anfang April und die MAI-Tagung in Leipzig den Anstoß bekommen, mich in die Social Media zu wagen. Inzwischen denke ich: Diese Entwicklungen werden – zumindest für unser Metier – ähnlich umwälzend sein wie die Einführung des Computers. Auch damals gab es Leute, die meinten, das Arbeiten mit dem Computer müssten sie nicht mehr lernen …

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein neues Buch – und wieder kein Bestseller! Wer dazu eine Lösung gefunden hat, möge sich umgehend melden.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.edition-tingeltangel.de
editiontingeltangel.wordpress.com
Twitter (@e_tingeltangel)
Facebook (Edition Tingeltangel)
Pinterest (Chapeau)
www.endlwelt.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Thomas „Chapeau“ Endl