Simone Dalbert kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.
Das erste, was Praktikanten im Kassenbereich dürfen, ist normalerweise Geschenke einpacken. Damit sind sie uns eine riesige Hilfe, meistens braucht es dazu auch keine größere Einweisung. Geschenkpapier hier, Geschenkband dort, Tesafilm direkt vor der Nase, auf geht’s.
In unserem hauptsächlich von Frauen ausgeübten Beruf, haben wir meistens auch weibliche Praktikantinnen. Dass Frauen besser Geschenke einpacken als Männer, ist eigentlich nur ein Gerücht, das einige meiner Kollegen täglich widerlegen. So ganz aus dem Nichts kommt es aber doch nicht, wie mir eines Tages ein männlicher Praktikant bewies.
Auf meine Bitte hin, doch schon mal das Buch als Geschenk einzupacken, wurde er leicht nervös. Also erlöste ich ihn, übernahm den Teil mit dem Papier selbst und meinte, er könnte ja schon mal das Geschenkband abschneiden und kringeln. Tapfer stellte er sich der Aufgabe, fand die Schere und schnitt ein Stück Band ab, das er dann scheinbar durch Telepathie zu einer Änderung seiner äußeren Form bewegen wollte. Er betrachtete es äußerst intensiv. Als ich ihn vorsichtig fragte, ob er denn noch nie ein Geschenkband gekringelt hätte, bekam ich tatsächlich ein „Nein, noch nie“ zur Antwort.
Also startete ich den Workshop „Geschenkband kringeln for beginners“. Es ist gar nicht so einfach, eine Tätigkeit zu beschreiben, die man schon automatisch ausführt. Schere in die eine Hand, offen. Band in die andere Hand, drüber legen, ziehen und sich dabei nicht in den Daumen schneiden. Auch ich lernte an dem Tag noch so einiges, nämlich auf wie viele verschiedene Arten man ein Geschenkband über die Schere ziehen kann, ohne dass es auch nur zu einem einzigen Kringel kommt.
Letztendlich besiegte er das Band aber doch und wurde im Laufe des Praktikums zu einem meisterlichen Geschenkband-Kringeler. Seine Mutter hat sich später dafür bedankt, dass ihr Sohn so praktische Sachen bei uns gelernt hat.
Die Buchbranchen-Jobbörse ist eine kostenlose Jobbörse von Leander Wattig für die gesamte Buchbranche. Auf dieser Seite können Unternehmen kostenlos und ohne Anmeldung oder Registrierung Job-Angebote eintragen. Bewerber können – so die jobsuchenden Unternehmen diese Möglichkeit eingeräumt haben – Ihre Bewerbung direkt über diese Plattform an die vom Unternehmen hinterlegte E-Mail-Adresse senden. Die Betreiber dieser Plattform kommen mit den persönlichen Daten der Bewerber nicht in Berührung. Der Datenaustausch erfolgt direkt zwischen den Unternehmen und den Bewerbern.
Nach dem Eintragen eines Jobs wird eine Bestätigung mit dem Inhalt des Job-Angebotes an die vom Unternehmen hinterlegte E-Mail-Adresse verschickt. In dieser E-Mail befindet sich auch ein Link, über den ein nachträgliches Bearbeiten des Eintrages möglich ist.
Die Job-Einträge können abonniert werden:per E-Mail und per RSS-Feed gesondert nach Kategorien sowie über Twitter, über Facebook und über Google+. Eine Recherche von Angeboten ist bspw. über das Suchfeld möglich. Zudem lassen sich Job-Angebote u.a. nach Städten und Unternehmen sortiert anzeigen.
Das Einstellen von Job-Angeboten wird auch langfristig kostenlos bleiben.
Claudia Martini präsentiert sich als Frau in Stöckeln auf dem großen Marktplatz der Bücherwelt. Nun gewährt sie uns regelmäßig Einblicke in ihre bizarre Welt des Selfpublishing, der Selbstvermarktung und ihre täglichen Herausforderungen als „Jungautorin“.
Ich komme gerade von der StARTconference in Duisburg. Für die, die sie nicht kennen: es geht darum, neue Medien für Kunst und Kultur nutzbar zu machen; das Thema in diesem Jahr war Transmedia Storytelling. Dabei ist Transmedia Storytelling das Erzählen einer Geschichte über verschiedene Kanäle hinweg. Diese Kanäle können Soziale Medien wie Twitter und Facebook sein, Blogs, Videos und Bilder auf Youtube oder Flickr, Poster und Bücher (Print), TV, Radio, Spiele usw.
Ich als selbstpublizierende Autorin finde das transmediale Geschichtenerzählen super spannend. Ich mache mir schon lange Gedanken, wie ich die Geschichte zur Geschichte erzählen kann, denn nur wer etwas erzählt, wird auch gehört. Ich bin auf Facebook und auf Twitter unterwegs und spreche aus meinem Leben als Autorin. Ab und zu wechsle ich hier meine Position und schreibe aus Sicht meiner Romanfiguren, aber das Hin und Her verklärt schnell den Blick auf die Geschichte. Und meine Geschichte sind die Figuren meiner Bücher, vorher, in der Mitte und nachher.
Warum nutze ich nicht die Medien, um ganz in die Sichtweise meiner Hauptfiguren einzutauchen? Warum gebe ich nicht dem Leser die Möglichkeit, sich mit den Protagonisten zu identifizieren, sie mitzuerleben, ihre Geschichte vor der Buchgeschichte zu entdecken und vielleicht diese sogar mitzugestalten? Wollen die Leser nicht die ganze Story kaufen? Ich will nicht nur Bücher veröffentlichen, sondern auch das “Leben” dazu.
Die Geschichte zur Geschichte virtuell entstehen zu lassen und einen Übergang in das Buch zu schaffen, war schon länger meine Ansinnen. Es fehlte mir nur immer die Initialzündung. Das ist so wie Stöckel kaufen: man streicht ständig um einen Italienschen Schuhladen herum, bis man endlich reingeht und sich die neuen Paar Schuhe kauft … und die passende Handtasche dazu.
Und weil nun die Zeit reif ist, gibt es ab jetzt meine Frau in Stöckeln zum Anpacken. Auf Facebook und auf Twitter lässt sie sich über die anstehenden Reisen in den Jahren 2004 bis 2007 mit dem Globetrotter Tom aus, schimpft über Urlaubsbekanntschaften und träumt von Martini in Stöckelschuhen. Zwischendurch kämpft sie mit Toms Socken und seinen Flipflops und wartet darauf, sich mit euch auszutauschen. Immer in der Hoffnung, dass kein kompromittierendes Video von ihr auftaucht und dass ihr Globetrotter am Ende nicht im Krankenhaus landet. Aber ihr Moto ist halt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
Stefan Krücken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (Fb). In seiner Kolumne “Unser kleiner Verlag” gibt er uns hier nun jeden zweiten Donnerstag Einblicke hinter die Verlagskulissen.
Am Jahresausklang, wenn der Nebel über den platten niedersächsischen Pferdewiesen neben unserem kleinen Verlag wabert, wenn die Telefone nicht mehr klingeln und die letzten Pakete zur Post geschleppt sind, bleibt manchmal Zeit für Besinnliches. Heute rief die lit.cologne an, das Literaturfestival in Köln, an dem wir bald wieder mit einer großen Lesung auf dem Rhein teilnehmen dürfen (womit, verraten wir später), und das bot Gelegenheit, an unsere erste Lesung zurückzudenken. Mit einem Schmunzeln, denn retrospektiv kann man über vieles Schmunzeln. Unter uns hieß die Lesung: das Fiasko von Flensburg.
Der NDR hatte damals eingeladen, mit seiner Reihe „Der Norden liest“, Schifffahrtsmuseum an der Hafenkante, ein bekannter Moderator, Fernsehen vor Ort, Radio vor Ort, große Sache. Unser Buch „Orkanfahrt“, in dem fünfundzwanzig alte Kapitäne ihre besten Geschichten erzählen, war ein riesiger Erfolg und sogar vom „Spiegel“ gelobt worden. Wir freuten uns, waren aufgeregt und hockten unter einem alten Segelschiff im übervollen Saal.
Die Autoren von “Orkanfahrt”: Fotograf Achim Multhaupt (rechts) und Stefan Krücken:
Ankerherz-Ausflug zur ersten Lesung nach Flensburg: Kai Jerzö (Art Direction, Zürich), Julia Krücken, Achim Multhaupt, Stefan Krücken (von rechts):
Nun muss man wissen, dass alte Seeleute im Allgemeinen und alte Kapitäne im Speziellen besondere Männer sind. Sie reden ungern, sie reden wenig, sie sind bisweilen, sagen wir: etwas eigen. Nachdem ich ihnen die Geschichten fürs Buch entlockt hatte, war ich auch für ein Verhörtraining bei der CIA geeignet. Alle Texte waren von ihnen autorisiert worden, Wort für Wort. Drei sollten an diesem Abend ihre beste Geschichte vorlesen. Als erstes kam also Kapitän A auf die Bühne. Beifall, lobende Worte des Moderators, das Mikro wurde zurecht gerückt. Herzklopfen, es ging los.
„Ich möchte mal vorwegschicken, dass das gar nicht meine beste Geschichte ist. Ich lese nur unter Protest“, brummte der Seemann. „Ich hatte eine Sturmgeschichte, aber die wollte der Herr Krücken ja nicht hören.“
Raunen im Saal. Herzaussetzer. Hatte der das wirklich gesagt? Der Moderator machte eine launige Bemerkung über Sturmgeschichten, die ja jeder kann, das Publikum lachte, der Kapitän las, soweit alles gut, Applaus, Seemann B schritt auf die Bühne. In seiner Story geht es um einen jungen Matrosen, der wegen einer Frau von Bord abhaut. Sichere Sache, nichts konnte schiefgehen. Kapitän B aber maulte:
„Moin. Also, ich hab ja selber auch was geschrieben.“ Mit diesen Worten kramte er in einer Aktentasche und legte einige Bücher auf den Tisch. Eines hielt er hoch. „Unbedingt zu empfehlen. Orkanfahrt, naja.“ Wieder Raunen im Saal. Es gibt Momente, da fühlt man erst nichts und dann einen Reflex. Wo war eigentlich der Notausgang? Als Kapitän C auf der Bühne erschien (wie ich durch die Hände vor meinem Gesicht schemenhaft erkannte), konnte es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen. Doch es kam schlimmer.
Jeder kennt diesen Kapitän unter dem Spitznamen „Kuddel“, wirklich jeder, seine Freunde, die anderen Seeleute, sogar seine eigene Frau ruft ihn „Kuddel.“ Also fragte der Moderator: „Lustiger Kosename. Wieso heißen Sie eigentlich Kuddel?“ Der Kapitän schob die Brauen zusammen, er sah streng aus: „Weiß ich auch nicht. Das ist wohl die künstlerische Freiheit von Herrn Krücken! Mich nennt niemand so.“
Das Raunen im Saal schwoll nun zu etwas an, das sich wie eine Brandung anhörte, gemischt mit plätscherndem Gelächter. So ähnlich muss sich jemand vorkommen, der bei Jauch fulminant an der 50-Euro-Frage scheitert, der beim Elfmeter im Pokalfinale über den Ball stolpert oder auf dem Weg zum Altar in einen Haufen tritt. Interessantes Gefühl. Konnte mir bitte das Schiffsmodell auf den Kopf fallen? Was ging hier vor? Der Moderator – er sei für seine Loyalität gepriesen – merkte an, dass auch er den Namen Kuddel bei einer Begrüßung gehört hatte, was der Kapitän mit einem unwilligen Grunzer quittierte und zu lesen begann. Beifall, Interviews, Signierstunde, die Leute vom NDR waren zufrieden und überhaupt schienen alle ihren Spaß zu haben. Nach dem dritten Bier fand auch ich den Abend lustig, und komisch sowieso.
In der verrauchten Kneipe, in der wir später zusammenstanden, musste ich mit Kapitän A einen Friedensschnaps trinken, mir von Kapitän B diverse Verbesserungsvorschläge anhören und fragte Kapitän Kuddel, was der Quatsch sollte. Er grinste milde. „Junge, weißte was: Das muss das Boot abkönnen.“ Damit schlug er mir auf die Schulter.
Ein Gutes hat die Geschichte: Als wir den Namen für unsere neue Comicfigur suchten, fiel mir der Name sofort ein. Raten Sie mal.
Eine Geschichte aus “Orkanfahrt” von Kapitän Jürgen Schwandt:
Simone Dalbert kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.
Bücher werden ja immer wieder gerne verschenkt, zum Glück. Nicht nur, weil wir sie dann verkaufen dürfen, Bücher sind auch ein tolles Geschenk. Man verschenkt ja nicht nur ein bisschen Papier mit Druckerschwärze drauf, sondern ein Stückchen einer anderen Welt.
Leichter fällt das natürlich, wenn man weiß, welche Welt dem oder der Beschenkten gefallen könnte. Weiß man sich selbst keinen Rat, fragt man die nette Buchhändlerin von nebenan, die sich gerne mit auf die Suche nach dem perfekten Geschenk begibt. In der Vorweihnachtszeit von Tag zu Tag öfter.
Die erste Frage ist dabei immer dieselbe: „Für wen soll das Geschenk denn sein?“ Im Idealfall erfährt man aus der Antwort das Geschlecht des Opfers und eine ungefähre Altersangabe. Wobei Jahrzehntangaben durchaus hilfreich sind. Wenn mir eine ältere Dame gegenüber steht und meint „Für eine jüngere Dame“, kann das alles zwischen Zwanzig und Siebzig sein.
Ausgerüstet mit dem ersten groben Raster Geschlecht und Alter, kann es weiter gehen auf der Suche nach dem perfekten Buch. „Was liest er oder sie denn gerne? Soll es eher ein Krimi sein, oder vielleicht etwas historisches?“ Oft ist der Lesegeschmack leider nicht bekannt. Was grundsätzlich ja Platz für viele Empfehlungen bieten würde. Aber meistens stellt sich heraus, dass jedes vorgeschlagene Buch aus irgendwelchen Gründen nicht passt, weil … Und plötzlich kennt man den Buchgeschmack doch ganz gut.
Wenn der Geschmack der oder des Beschenkten zu genau bekannt ist, erleichtert das die Suche aber keineswegs. Man soll nicht glauben, was ein Buch alles sein soll und doch wieder nicht. Bitte anspruchsvoll, aber leicht zu lesen, ernsthaft aber nicht zu traurig und am besten noch lustig dazu, auf keinen Fall eine Liebesgeschichte oder etwas aus dem Mittelalter. Jedes vorgeschlagene Buch wird eines der Kriterien nicht erfüllen, unermüdlich gräbt die Buchhändlerin weiter, empfiehlt einmal quer durch die Buchhandlung. Um zu guter letzt zu hören: „Ich glaube, ich nehme dann doch den neuen Roman von Nora Roberts“. Soll ich ihr sagen, dass er im Mittelalter spielt?
Die kürzeste Beratung meines bisherigen Buchhändlerlebens endete schon nach der Frage „Für wen soll das Buch denn sein?“. Die wurde dermaßen schneidend mit „Für meine Schwiegermutter!“ beantwortet, dass mich gar nicht mehr traute, weitere Fragen zu stellen. Ich hoffe, die Schwiegermutter hatte Spaß mit dem neuesten Roman von Nora Roberts.
Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)
Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?
Mein Name ist Linda Entz, ich bin 35 Jahre alt und selbstständige Fliesenlegermeisterin. Nach dem Abitur habe ich 10 Jahre auf dem Bau gearbeitet und im Jahr 2007 die Firma meines Vaters übernommen. Mit Büchern bin ich aufgewachsen und könnte mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen; allerdings lese ich nicht nur, sondern schreibe auch leidenschaftlich gerne. Nach diversen Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien sowie Preisen (u.a. Uslarer Literaturpreis 2008; “Utopia”- Preis der Aktion Mensch und des Börsenvereins des dt. Buchhandels 2007) kam im Jahr 2010 mein erstes eigenständiges Buch heraus: VERWANDLUNGEN, 17 Kurzgeschichten, auch von mir illustriert; fhl-Verlag Leipzig.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
“Den” typischen Schriftsteller-Arbeitstag gibt es bei mir nicht, da durch meine Selbstständigkeit mein Tagesablauf sehr unterschiedlich ausfallen kann. Manchmal komme ich wochenlang nicht zum “richtigen” Schreiben längerer Texte; allerdings habe ich immer ein Notizbuch bei mir, das oft zwischendurch Dialoge oder auch ein Gedicht aufnimmt. Wenn ich zum Schreiben längerer Passagen komme, geschieht dies meist am späten Abend, manchmal bis in die Nacht hinein.
Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?
Sie hat sich allenfalls durch die Veröffentlichung meines Buches verändert; um es bekannt zu machen, veranstalte ich mehr Lesungen als zuvor. Außerdem hat man nun nach Jahren, in denen man nicht wirklich wusste, wohin einen das Schreiben führt, das Gefühl, für einen Augenblick angekommen zu sein. Tatsache ist natürlich auch, dass Leser jetzt vielleicht gewisse Erwartungen hegen, von denen man nicht weiß, ob man sie erfüllen wird. Dennoch empfinde ich nicht den Stress des “Zweiten Buches”, da ich einiges Material in der berühmt-berüchtigten Schublade liegen habe (Gedichte, ein Kinderbuch). Also kann ich mich -noch- relativ entspannt meinem aktuellen Projekt widmen, einem Roman.
Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?
Es gibt Autoren, die die Meinung vertreten, man solle nur über das schreiben, was man kennt. Das widerstrebt mir zutiefst. Dem steht wahrscheinlich schon meine Neugier auf die Welt in all ihren Facetten im Wege. Kurz gesagt: Öfter als es mir lieb ist, stolpere ich über ein Thema, eine Information, ein Stück der Welt, das mir bis dato verborgen geblieben war – und bin fasziniert. Längst nicht immer im positiven Sinne, das können auch Dinge sein, die mich abstoßen oder irritieren. Doch sie eröffnen mir neue Aspekte über das Leben, meine Mitmenschen, ihre Verhaltensweisen und Neigungen. Manches davon lohnt, in einer Geschichte verwendet zu werden, und bedarf deshalb eingehender Recherche. Und hier beginnt mein Problem: Wie eingehend muss Recherche sein, wo hört sie auf? Ich neige hier zu einer Detailverliebtheit, mit der ich mir oft selbst im Wege stehe und viel Zeit raube. (Muss man z.B. John Maynard Keynes’ “Vom Gelde” lesen, nur um in einer Wirtschaftssatire ein paar pfiffige Zitate einwerfen zu können? Nach einem Drittel des Buches habe ich zum Glück eingesehen, dass das vielleicht nicht unbedingt nötig ist…) – Ich lese und schlage also viel nach; verfolge Unterhaltungen über verschiedenste Themen auf den unterschiedlichsten Plattformen im Netz; zwar lerne ich so nebenbei einiges, aber es hindert mich an dem, was ich ja eigentlich tun will: Schreiben! Die nötige Balance finden zwischen wirklich notwendiger Recherche und ausreichender Schreibzeit – ich habe dafür noch kein Patentrezept, aber ich habe mein Problem zumindest erkannt und versuche mich zu bremsen…
Claudia Martini präsentiert sich als Frau in Stöckeln auf dem großen Marktplatz der Bücherwelt. Nun gewährt sie uns regelmäßig Einblicke in ihre bizarre Welt des Selfpublishing, der Selbstvermarktung und ihre täglichen Herausforderungen als „Jungautorin“.
Jetzt beschäftige ich mich schon einige Wochen, sogar Monate, intensiv mit der Veröffentlichung meines ebooks. Folgende Sachen habe ich für mich geklärt oder bearbeite ich zurzeit:
Das Buch wird als ebook bei Amazon Kindle veröffentlicht und im iBookstore verfügbar gemacht.
Das Coming Out soll Mitte Februar 2012 stattfinden.
Das Buch soll lektoriert werden und ein professionelles Cover erhalten (Aufträge sind vergeben).
Der Verkaufspreis wird zwischen 2,99 und 3,49 Euro liegen.
Zu 90% wird im Buch der Blickwinkel der Frau in Stöckeln gezeigt und nur zu 10% des Travelnerd (was reichen muss), insgesamt macht das rund 290 Seiten Lesevergnügen.
Der Titel steht; oder besser gesagt, stand bis vor Kurzem, jetzt fange ich aber wieder an, hin und her zu schwanken.
Meine offizielle Autorenhomepage ist in Bearbeitung, das heißt, dass ich ein Konzept habe, das aber noch nicht umgesetzt ist (Go-Live spätestens Mitte Februar 2012).
Ich lese viel über und kommuniziere mit anderen Autoren im Self-Publishing-Bereich, um aus begangenen Fehlern und gemachten Erfahrungen zu lernen.
Ich blogge auf ichmachwasmitbuechern, nutze facebook und twitter, um andere an meinem Vorhaben teilhaben zu lassen, Meinungen auszutauschen und Feedback zu erhalten …
Und da geht’s dann auch schon wieder los. Es reicht nicht, ein wenig zu twittern und zu facebooken, ich benötige eine Strategie. Ich will auf eigene Faust ein ebook veröffentlichen und kann nicht davon ausgehen, dass die Menschheit nur auf mein Buch gewartet hat. (Eigentlich schon, aber sie weiß es halt nur nicht!) Folglich, muss ich der Menschheit verklickern, dass genau das der Fall ist … ich bin die Frau in Stöckeln, kauft mein Buch!!
Ich bin zwar kein Kulturunternehmen, aber Kult auf Stöckeln, daher kann ich wenigstens Ziele mit Marketinginstrumenten und Kommunikationspolitik anvisieren und nicht nur auf den Zufall hoffen. Und hier beweist es sich wieder, dass es gut ist, in Facebook-Gruppen zu sein und (echte) Menschen zu finden, die auch aus der Buchbranche kommen. Erstens kann man mit ihnen wunderbar zusammensitzen, essen, schwätzen und trinken, zweitens geht das sogar umgebungsoptimiert bei Bastei Lübbe auf der fantastischen Dachterrasse und drittens bekommt man Einblicke in die Buchbranche, die man von seinem beschränkten Blickwinkel aus nie alleine bekommen hätte. Und so komme ich auf das StARTcamp Köln und die StARTconference in Duisburg. Für mich eine Bereicherung! Ich bin neugierig zu erfahren, was Transmedia Storytelling ist, wie ich sinnvoll soziale Medien nutze und auch meinem Gegenüber einen Nutzen verschaffe. Ich werde sicherlich nicht zu einem großen Strategen, aber ich lerne etwas dazu und lerne Menschen kennen, die sich gleichermaßen einer Sache hingeben wie ich: Büchern!
Und im Endeffekt ist es so: Es reicht nicht mehr, nur ein Buch verkaufen zu wollen, man muss es auch tun! Wie wir Kölner zu sagen pflegen: eine Dachterrasse ist ja schön, eine Dachterrasse mit Domblick ist genial!
Annette Schwindt wollte wie so viele eigentlich einen Roman schreiben. Doch daraus wurde (noch?) nichts. Zuerst jobbte sie als Literaturkritikerin bei einer Tageszeitung, dann veröffentlichte sie Glossen und Kurzgeschichten, wurde in Buchprojekte von anderen involviert, begann zu bloggen. Inzwischen hat sie sich als Fachbuchautorin einen Namen gemacht und berät Verlage bei ihren Aktivitäten im Social Web. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen mit Büchern und deren Geschichte:
Bei der Recherche zu oben genanntem Roman lernte ich Ende der 90er Jahre den Fotografen Rasso Bruckert kennen. Wie es einem ergeht, wenn man ein Tabuthema vertritt, konnte ich in mit ihm in den folgenden Jahren erfahren:
Rasso war durch seine Ausstellung „Ganz unvollkommen“, Fotos von paralympischen Wettkämpfen und durch seine Dokumentationen und Kalender mit Medical Service kein Unbekannter – allerdings vorwiegend in Kreisen von Menschen mit Behinderung. Seine Ausstellungen wurden u.a. bei den Paralympics von Atlanta und Sydney gezeigt, die Akt-Ausstellung „Ganz unvollkommen“ wurde an verschiedenen Orten gezeigt und später brachte ich sie auch selbst an ein paar Veranstalter.
Versuche, aus seinen Projekten Bücher zu machen, liefen – wie er mir immer wieder erzählte – trotz gezielter Verlagsauswahl zunächst ins Leere. Und Selbstverlag oder eine hohe Eigenbeteiligung kam aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Ich bekam das damals nur so am Rande mit, wenn wir uns mal trafen oder telefonierten. Manche Verlage hielten nicht einmal eine Absage für nötig, erzählte er mir jetzt. „Einer schickte eine besonders merkwürdigen Brief“, erinnert sich der Fotograf, „und als ich zurück fragte, was das sollte, hieß es: Oje, da hat jemand die falsche Absagenvorlage ausgedruckt.“
Als sich doch noch ein Verlag für Rassos erstes Buch fand, war meine Freude groß: „Ganz unvollkommen“, das Buch zur 1995 gestarteten Ausstellung erschien auf Vermittlung eines Fans hin endlich 2003 im Ernst-Reinhardt-Verlag. Inzwischen hatten einige Fotografen die Idee von Aktfotos von Menschen mit Behinderung übernommen, aber das Buch verkaufte sich trotz Ausstellungserfolg und Bekanntheit des Autors mangels Marketingintiativen kaum …
Aber Rasso hatte bereits eine neue Idee: Er wollte in der Querschnittstation der Schlierbacher Klinik, in der er selbst Patient gewesen war, einen Frischverletzten während seines Aufenthalts und darüber hinaus dokumentarisch begleiten. Doch das war leichter gesagt als getan. Verständlicherweise war kein Patient auf der Intensivstation, dem man gerade die Diagnose Querschnittlähmung verkündet hatte, einverstanden, sich fotografieren zu lassen. Schließlich fand sich doch einer, aber es stellte sich heraus, dass ein Patient allein kein Buchkonzept füllen würde. Also wurde aus der Begleitung eines einzelnen Patienten eine packende Dokumentation des ganzen Lebens auf der ganzen Station.
Rasso hat mir damals die Erstauswahl der Fotos (das waren immer noch mehrere hundert) auf CD geschickt und mich und einige andere um unsere Meinung gebeten, welche wir für das Buch nehmen würden. Für mich eine spannende Sache, nicht zuletzt weil auch mein Mann in dieser Klinik gewesen war. Dass aus den Fotos ein Buch wurde, war dann der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e.V. (FGQ) zu verdanken. Viele der Bücher wurden an Kliniken etc. verschenkt – verkauft haben sich wieder nur wenige.
Ganz aufgegeben hat Rasso das Fotografieren gottseidank nicht, aber sein Studio in einem Bauernhof im Hinterland von Heidelberg gibt es leider nicht mehr. Seine Ausstellung „Ganz unvollkommen“ kann nach wie vor gebucht werden und vielleicht ergibt sich ja doch nochmal diesbezüglich eine Zusammenarbeit mit mir …? ;-)
Rebekka Kirsch hat sich in die Buchbranche verliebt. Auf dem Weg, ein Teil von ihr zu werden, stolpert sie als Studentin der Buchwissenschaft/Ökonomie über den ein oder anderen Stein, der dem Nachwuchs vor die Füße geworfen wird, – auch wenn sie versucht, ein paar Steine mit LooksIntoBooks aus dem Weg zu räumen. Sie erzählt uns hier nun regelmäßig Anekdoten aus dem Leben eines ambitionierten Nachwuchsmenschens.
Als Student ist man die Elite des Landes – Als Student der Geisteswissenschaften wird man schlussendlich Taxifahrer – Als Student stehen einem alle Türen und Tore offen – Als Student dreht man jeden Cent dreimal um. So viele verschiedene Ansichten gibt es und so unterschiedlich sind diese. Einerseits gibt es die Studenten „elitärer“ Studiengänge, die nur 3 Studenten aufnehmen und der Job am Anfang schon feststeht – quasi in Stein gemeißelt. Dann gibt es die, die studieren, weil sie es toll finden und gerne machen – von den lästigen Klausuren mal abgesehen – und erst noch einen Stein suchen müssen, in den sie irgendwas hinein meißeln könnten.
Nichtsdestotrotz ist man der Meinung, dass man als Student „es zu was gebracht hat“ – für den Anfang zumindest. Mit einem Universitätsabschluss, Bachelor, Master oder Diplom, hat man bessere Einstiegschancen, bessere Gehaltschance, bessere Jobchance und generell bessere Chancen auf alles. Man ist dann „Studierter“ und intellektuell bewandert, hat unglaubliche Magenresistenz in der Mensa und sein Wissen in realitätsnahen Klausurfragen bewiesen. Man kommt sich toll, toller, Student vor und ist sich sicher, wenn jemand mit Branchenköpfen sprechen kann, dann der verheißungsvolle Student.
Irgendwas davon dachte ich auch, zumindest dachte ich, dass ein normales Gespräch zwischen normalen Menschen mit unterschiedlichen Lebenslagen und Erfahrungswerten möglich ist. So kam es, dass ich auf der Frankfurter Buchmesse auf einer der unzähligen Partys, die dort stattfanden und vielleicht sogar noch immer stattfinden, mich mit vielen Menschen unterhalten habe. Zu den Fakten: Ich bin jung, sehe jung aus, laufe weder in Kostüm noch Blazer-Kombi herum und habe kein allwissendes Stirnrunzeln. Kurz und gut: Ich sehe aus wie ein Student.
Nun hatte ich ein anregendes Gespräch über die aktuelle Lage in der Verlagswelt, über das leidige Thema Ebooks & Co. und über die zukünftigen Entwicklungen – also ganz bodenständige Gespräche für Buchmenschen. Wir sprachen höflich, lächelnd, machten Witze, fragten nach… All das, was man im Miteinander eben so tut. Aber offenbar nicht für meinen Gesprächspartner: Als ich erwähnte, dass wir Thema XYZ in der Übung mehrmals besprochen hatten, gingen seine Augenbrauen in Überraschung hoch und er musterte mich seltsam: „Du bist Studentin?“
„Ja.“
„Ah, okay.“
Damit nahm er einen Schluck aus seinem Glas, drehte sich um und ging.
Weg war er.
Und ich stand ungläubig da, kurz davor hysterisch zu lachen.
Auch wenn ein Altersunterschied, ein Wissensunterschied, ein Erfahrungsunterschied oder ein Geschlechterunterschied besteht: Höflichkeit und Respekt sind immer angebracht. Ich weiß nicht, wer er dachte dass ich sei oder wieviel er von den Gläschen schon geleert hatte – auf jeden Fall hätte ich ihm gerne mein leeres Glas hinterher geworfen.