Claudia Martini: Mein erstes Buch half mir, die Langeweile am Krankenbett im Oman zu besiegen

von Claudia Martini am 11. Mai 2011

Claudia Martini

Claudia Martini

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Claudia Martini, ich bin 1973 in Dortmund geboren und lebe seit einem Jahrzehnt in Köln. Ich bin der klassische Mehrfachquereinsteiger: erst habe ich Hotelfachfrau gelernt und im Ausland gearbeitet, dann habe ich BWL studiert und arbeite jetzt in der IT als Projektleiterin.

Seit 4 Jahren schreibe ich Bücher. Erst durch einen Krankenhausaufenthalt meines Freundes im Oman bin ich zum Autor geworden. Mein erstes Buch half mir, die Langeweile am Krankenbett zu besiegen und auch die neuen Eindrücke und Ängste zu verarbeiten. Mittlerweile schreibe ich aus Leidenschaft, arbeite zurzeit an meinem dritten Buch und hoffe jeden Tag, dass die rettende Nachricht von meiner Agentin kommt: „Claudia, wir sind im Geschäft!“

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich heize mit meinem Miniauto über die Autobahn zu meiner Arbeitsstätte, trinke zwei Latte Macchiatto und lasse mich dann vom Alltag für meine Bücher inspirieren. Ich schreibe immer überall, wo ich nur kann, denn meine spontanen Eingebungen waren bis jetzt immer die Besten und das Leben (privat wie beruflich) ist der beste Geschichtenerzähler. Oft sitze ich noch abends im Büro, wenn die anderen gegangen sind, und schreibe. Wenn mich eine Blockade erfasst, dann gehe ich Joggen. Beim Laufen ist mein neuster Roman entstanden und so entwickle ich den Plot, die Kapitelübersichten und die Charaktere, alles am laufenden Band sozusagen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Es gab für mich zwei große Veränderungen. Zum einen ist das Schreiben für mich in den letzten 2 Jahren so wichtig geworden, dass ich mir Gedanken machen muss, wie meine berufliche Ausrichtung in Zukunft aussehen soll. Ich stelle mir die Frage, ob ich mich zu 100% auf das Schreiben konzentrieren soll, dann muss ich aber davon auch leben können, organisiere ich mir eine andere Nebentätigkeit, die mir das täglich Brot verschafft und schreibe nebenbei oder belasse ich es beim Hobbyschriftstellerdasein?

Die zweite große Veränderung kam Ende letzten Jahres. Seit Oktober 2010 arbeite ich mit einer Literaturagentin zusammen, die ich über das soziale Netzwerk im Internet kennen gelernt habe. Für mich ist das ein Beweis, dass uns das Internet neue Möglichkeiten gibt, als Autor gesehen und gelesen zu werden. Ohne meine Aktivitäten auf facebook und twitter hätte ich den Kontakt nie knüpfen können. In Zusammenarbeit mit der Agentur ist ein neues Buch entstanden, das von einer Klofrau handelt. Alleine wäre ich nicht auf die Idee gekommen und hätte Schwierigkeiten, es bei Verlagen zu platzieren. Es ist schön, jemanden an seiner Seite zu haben, der professionell mit Verlagen umgeht und mich als Autor unterstützt und inspiriert.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das klassische Problem eines „Jungautoren“ ist natürlich, seine Werke an den Verlag zu bekommen. Dabei ist der erste Vertrag der schwierigste, sobald man einmal etwas veröffentlicht hat, geht es leichter, der Fuß ist dann sozusagen schon in der Tür. Als Alleinkämpfer versucht man, über soziale Netzwerke an Büchermacher heranzukommen, zu verstehen, was an Stoff gesucht wird, sich selber im Netz zu präsentieren und Manuskripte bei Verlagen direkt zu platzieren. Alles was man braucht ist die Aufmerksamkeit, dass ein Lektor sich wenigstens das Expose anschaut. Das ist schwierig heutzutage.

Die Plattformen Neobooks oder triboox geben einem zwar die Möglichkeit, etwas ins Netz zu stellen, was die Öffentlichkeit lesen kann, aber erstens ist nicht garantiert, dass je ein Verlagslektor meine Zeilen liest und zweitens liegt mein Geschriebenes völlig ungeschützt gegen Kopierer auf der Datenautobahn. Das finde ich wiederum zu heikel. Als nächsten Schritt muss man sch überlegen, ob man alles selbst in die Hand nimmt und selber publiziert, so wie es z.B. Amazon anbietet. Dieser „neue“ Weg ist aber auch schwierig, weil man als Schreiberling plötzlich mit Rechtsfragen, Steuern, Marketing etc. konfrontiert wird.

Ja, für dieses Problem suche ich schon länger eine Lösung, auch wenn bei mir ein erster kleiner Schritt mit der Agentur schon getan ist.

Wo finden wir Sie im Internet?

Ich bin viel auf Facebook unterwegs als Frau in Stoeckeln, ich twittere auch als frauinstoeckeln und meine Homepage lautet: www.frauinstoeckeln.eu, Bilder zu meinem Büchern und Kommentare gibt es unter www.travelnerd.eu

Bildquelle: Claudia Martini
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Diese fünf Fragen werden regelmäßig von interessanten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

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