Carlo Murru: Ich bin freiberuflicher Kultur- und Nonprofit-Manager in Berlin

von Carlo Murru am 11. Mai 2011

Carlo Murru

Carlo Murru

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Als selbständiger Kultur- und Nonprofit-Manager bin ich im Raum Berlin tätig. Für den Bereich „Kultur“ und speziell in der Unterkategorie „Literatur“ betreute ich u.a. junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller als ihr Manager und persönlicher Ansprechpartner.

Bücher sind daher zunächst Teil meiner täglichen Arbeit und hier in erster Linie Produkte, die auf „Herz und Nieren“ geprüft werden müssen. Aus diesem betriebswirtschaftlichen Kontext heraus genommen sind sie aber von ihrer Natur her ein mächtiges und bereicherndes Medium, in unserer Welt und unseren Herzen etwas zu bewegen, zu verändern, zu verbessern. Daher ist es auch so unglaublich wichtig, dass die „richtigen“, also guten Bücher zur Veröffentlichung kommen und die Entscheider ihren Job verstehen und vom Grundsatz vernünftige und gute Menschen sind.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Als Manager oder Agent habe ich einen sehr lebendigen Job. Lebendig hat tatsächlich mit Leben, also mit Menschen zu tun. Das heißt im Einzelnen, dass ich mit ihnen immer in Verbindung stehe, ihre Bedürfnisse begreifen, Probleme verstehen und auch Gefühle auffangen muss, damit am Ende das real eintrifft, was anfangs nur als Idee existierte.

Emotionale Wechselbäder stehen somit bei allen Beteiligten auf der Tagesordnung. Für mich gilt dabei, sie eher von oben zu betrachten, möglichst zu steuern und in die richtige Richtung zu lenken. Grundsätzlich ist mein Tagesziel stets, immer für die Sache das möglichst Beste zu tun und dann gemeinsam entsprechende Maßnahmen zu ergreifen – und das auch dann, wenn es kracht. Es kommt einer gut funktionierenden Beziehung sehr nahe.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Nicht nur das Tempo hat sich geändert, sondern auch die Qualität. Beide Kräfte bedingen sich natürlich auch gegenseitig: Keine Zeit – schlechte Qualität. Schuld daran sind m. E. wirtschaftlicher Druck, die Erwartung schnellen Umsatzes und die Hoffnung auf zeitnahen Ruhm. Casting-Shows und andere Selbstinszenierungs-Angebote tun ihren Rest nicht nur beim Künstler, sondern auch beim Kunden. Auch dieser ist ebenfalls infolge des steigenden Produktangebots im Glauben, immer schneller verkonsumieren zu müssen und kann sich immer seltener auf Qualität oder Vergnügen beim Lesen einlassen. Fazit ist, dass selbst dieser eigene Ansprüche und Niveau runterschraubt.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Die heutzutage einfachen und fast kostenlosen Möglichkeiten des Internets und dessen Plattformen, sich in der Öffentlichkeit mit allen möglichen Kunstformen darzustellen, sind eine ganz wunderbare Sache. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch die, dass ich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehe. Es ist mir schier unmöglich geworden, die enorme Zahl an unbekannten Künstlern durchzusehen oder auch nur zu bewerten. – Und dies geht letztendlich auf Kosten der sich mit Sicherheit darunter befindenden sehr guten Schriftsteller, die ich übersehe, weil sie in der Masse untergehen. Lösung: Ich hätte gerne mehr Zeit für weniger Input. – Aber das geht heute nicht mehr.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.karlswort.de bzw. www.karlswelt.de und unter www.xing.com/profile/Carlo_Murru

Bildquelle: Carlo Murru
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Diese fünf Fragen werden regelmäßig von interessanten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

  • http://www.literarchie.net/ Gudrun

    Hallo Carlo, könntest du vielleicht etwas konkreter werden? Was genau machst du denn? Ich meine natürlich – wenn du nicht gerade damit beschäftigt bist, Interviewfragen für “Ich mach was mit Büchern” oder daraus resultierende freche Fragen von Stammlerinnen zu beantworten. :-)

  • Gudrun

    Ups, ich meinte eigentlich “Stammleserinnen”. Was für ein passender Verschreiber.

    • Carlo

      Hallo Gudrun & hallo Charlotte,

      bei meiner Tätigkeit geht es um klassische Agententätigkeiten für Schriftstellerinnen & Schriftsteller. Die Auswahl, mit wem ich arbeite, hängt zunächst davon ab, was sie zu bieten haben: Sind Geschichte / Thema interessant oder nicht. Wenn ja, ist zu klären, ob wir auf persl. Ebene auch gut zusammenfinden. Wenn beides stimmig ist, kann ich einen Künstler als Manager betreuen. Was das bedeutet, steht u.a. in meiner Leistungsbeschreibung auf meiner Homepage. Letztendlich ist das gemeinsame Ziel immer eine Publikation und die Inszenierung / Platzierung der Künstler im öffentlichen Raum – Methoden dafür gibt es zahlreiche. Ich habe da meine ganz eigenen. – Nur trage ich sie nicht in die Öffentlichkeit! ;-) Frage zurück an Euch: Was macht Ihr denn mit Büchern? Seid Ihr Produzenten, Wirtschaftler oder Konsumenten?

      Euch liebe Grüße
      Carlo

      • http://www.literarchie.net/ Gudrun

        Hallo Carlo, vielen Dank für deine aufschlussreiche Ergänzung. Hättest du doch gleich gesagt, dass du u.a. Literaturagent bist – dann hätte ich nicht nachfragen müssen, sondern mir selber gedacht, dass du wohl wie alle Literaturagenten das tun wirst, was Literaturagenten im Allgemeinen so zu tun pflegen.

        Was ich mit Büchern mache? Das Übliche. Was man halt so mit Büchern macht. ;-)

        LG Gudrun

  • http://www.spiegel-bilder.biz Angela Charlotte Reichel

    Guten Tag Carlo, ich schliesse mich meiner Vorschreiberin an- auch ich habe Interesse – zu erfahren – welches Unternehmensprofil Du als freiberuflicher Kultur- und Nonprofit-Manager hast.

    Danke im Voraus

    charlotte

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