Ina Fuchshuber: Plagiate und Creative Commons – Risiken und Chancen

von Ina Fuchshuber am 3. März 2011

in Dies und das

Ina Fuchshuber

Ina Fuchshuber

Ina Fuchshuber ist Projektleiterin von neobooks – einer Internetplattform für Autoren, auf der die Leser bestimmen sollen, wer veröffentlicht wird. Sie sagt: “Das ‘verbrannte Manuskript’ ist nur ein Mythos.” Warum sie das so sieht, warum man auch vor Ideenklau keine Angst haben soll und wie gelungene Beispiele für ein Eigenmarketing aussehen können, beschreibt sie in einer 3-teiligen Artikelserie, die heute mit Teil 2 weitergeht. Bereits erschienen ist Teil 1 (“10 Gründe, warum eine Online-Veröffentlichung nicht schadet“) und es folgt noch Teil 3 (“Selbstmarketing online: Gelungene Beispiele von Nachwuchs- und Bestsellerautoren.”).

Viele Autoren stehen einer (Vor-)Veröffentlichung ihres Textes im Netz kritisch gegenüber – die Gründe sind vielfältig. Andere wiederum, wie Bestsellerautor Paulo Coelho, nutzen das Internet extrem progressiv für sich. Sein Wahlspruch ist „Nutzt das Netz als Werbung“: Er selbst bietet seine Werke kostenlos als eBooks im Netz an und stellte fest, dass sich seine Bücher dadurch sogar noch besser verkaufen. Neben den steigenden Verkäufen der Printbücher ist außerdem denkbar – quasi im Freemium-Modell – dass er so auch die Verkäufe seiner E-Books steigern kann, weil eben nicht alle Werke des Autors kostenlos verfügbar sind, die kostenlosen aber Werbung für den Autor und alle seine Bücher machen.

Weitere Möglichkeiten, seine Werke ohne Selbstaufgabe digital zu verbreiten, bieten die CC-Lizenzen.

Was sind CC-Lizenzen und was hat der Autor davon?

Die Creative-Commons-Lizenzen werden als vorgefertigte Lizenzverträge von der CC-Non-Proft-Organisation bereitgestellt. Sie sollen als Hilfestellung für die Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Inhalte dienen.

Hatten Urheber bisher die Möglichkeit, ihre Werke unter dem Schutz des gesetzlichen Urheberrechts zu veröffentlichen oder gar nicht, so wurde mit den CC-Lizenzen als „Jedermannlizenzen“ eine neue Möglichkeit geschaffen, Lizenzgeber und -nehmern mehr Freiheiten zu bieten als das aktuelle Urheberrecht. Wichtig dabei ist: NUR der Urheber entscheidet, unter welcher Lizenz er seine Inhalte vergibt. Dabei kann er zwischen sechs CC-Lizenzen unterscheiden – allen gemein ist die Pflicht der Nennung des Urhebers.

Warum CC? – Dahinter stehen kann z.B. das besondere Interesse an Bearbeitung des eigenen Textes. So ließ Bestsellerautor Cory Doctorow sein Buch „Little Brother“, unter CC-Lizenz verbreiten und machte so die Übersetzung in andere Sprachen einfacher. – Der Autor hatte also ein Interesse daran, dass seine Werke bearbeitet werden können.

Auch die Verbreitung eines Werkes – wie auch im Fall Coelho – kann der Anlass sein. Gerade unbekannte Künstler benötigen Aufmerksamkeit. Werden ihre Werke bearbeitet, in anderen Werken genutzt und verbreitet, so steigt die Wahrscheinlichkeit ihrer Entdeckung.

Im Gegensatz zu Musikern, die Mitglied der GEMA sind, ist die Verwendung einiger CC-Lizenzen außerdem mit der Mitgliedschaft bei der VG Wort vereinbar.

Ideenklau: Transparenz fressen Risiko

Viele Autoren meiden auch aus Angst vor Ideenklau die Verbreitung Ihres Werkes im Netz. Ja, das Internet und die weltweite Zugänglichkeit eines Textes erhöhen das Risiko, an einen Literaten mit Schreibblockade zu gelangen, der den eigenen Text als den Seinen ausgibt.

Doch: So wie das Netz diese Gefahr mit letztlich jedem Klick erhöht, so minimiert es auch gleichzeitig die Chancen für den Plagiator, damit unentdeckt durchzukommen. Schon mit einer einfach Texteingabe bei Google lässt sich in Sekundenschnelle herausfinden, ob der Text so bereits irgendwo anders steht.

Transparenz und Kollaboration im Netz egalisieren das Risiko

Nie war die Suche nach Plagiaten einfacher und nie waren auch die Methoden der Zusammenarbeit bei der Auffindung von Plagiaten schneller und besser. Wie sonst hätten z.B. die hunderten Seiten Doktorarbeit unseres Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg so schnell auf plagiierte Stellen durchforstet werden können, wenn nicht über Suchmaschinen und mithilfe eines Wikis.

Der Aufmerksamkeit der vielen Prosumenten im Netz entgeht wenig. Zudem kann eine Veröffentlichung im Netz im Ernstfall sogar ein Indiz für die Urheberschaft sein: So kann genau nachvollzogen werden, wer und wann einen Text erstmals veröffentlicht hat.

Für den, dem das alles nicht reicht, gibt es dann noch Dienste, die für einen geringen Geldbetrag das Werk notariell hinterlegen.

Eine Idee ist noch kein Buch

Im Verlagswesen gibt es ein Bonmot, das besagt, dass man alle Bücher der Welt auf 21 Plots reduzieren könne – nicht ist so wahr und nichts ist so falsch. Wichtig ist: Eine Idee ist noch kein Bestseller und ein Manuskript noch kein Buch. Kein Buch wird so abgedruckt, wie es eingereicht wurde – oft entsteht erst in intensiver Zusammenarbeit zwischen Autor und Lektor das letztendliche Werk.

Bildquelle: Ina Fuchshuber

  • Marek Gebhardt

    Ich denke, den deutschen Autoren fehlt hier noch eine ganze Kultur. Creative Commons sind eine Chance, nicht nur bekannt zu werden, sondern auch konkret-praktisch für eine anderes Literaturverständnis zu werben. Eines, das offene Texte propagiert, Remixe, Veränderungen von “Fertig”geschriebem, ein Literarurverständnis, das sich handelnd gegen die Macht der Konzerne stellt – eines, dass für eine wirklich freie Kultur eintritt. Leute wie Doctorow haben es vorgemacht. Im deutschsprachigem Raum fällt mir Arthur Missa mit seinem Prosaband “Formenverfuger” ein, der eben nicht nur gedruckt vorliegt, sondern auch digital kostenlos gelesen und heruntergeladen werden kann – und dabei gewiss nicht billig hergestellt, sondern aufwendig typografiert worden ist.
    http://www.archive.org/details/FormenverfugerFormenverfger.StckeAusProsa
    In diesem Sinne – es gibt noch einiges zu tun!

Voriger Beitrag:

Nächster Beitrag:

blogoscoop