Britta Friedrich: Ich bin bei der Frankfurter Buchmesse für das neue Projekt StoryDrive verantwortlich

von Britta Friedrich am 19. September 2010

Britta Friedrich

Britta Friedrich

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Britta Friedrich, arbeite für die Frankfurter Buchmesse und bin dort für das neue Projekt StoryDrive verantwortlich. StoryDrive ist der neue Treffpunkt und Handelsplatz der Medien- und Entertainmentwelt auf der Buchmesse.

Bücher? Ich bin leidenschaftlicher Leser von den ganz dicken Schinken: Tolstoi, Dostojewski oder Franzen. Mein beruflicher Einstieg in die Buchbranche war eher indirekt: Vor der Frankfurter Buchmesse war ich Consultant bei Molthan van Loon, einer Hamburger Strategie- und Kommunikationsagentur.

Die Entwicklung neuer Projekte, strategische Konzeptarbeit, aber auch PR und die Markteinführung innovativer Produkte – das ist meine “Berufung”. Für die Buchmesse arbeite ich seit 2008. In der Abteilung Creative Industries pushen wir branchenübergreifende, crossmediale Ausstellerplattformen und Konferenzen. Wir bringen die Buchbranche mit Unternehmen aus den Bereichen Games, Technologie, Film, Musik und Social Media zusammen. “Ich mach was mit Büchern” – ja, sicher. Aber eben so, wie man es 2010 macht. ;O)

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Die Frankfurter Buchmesse ist die Plattform der Buch- und Medienbranche. Kaum eine Branche ist derartig von der Digitalisierung betroffen. Nicht nur Vertriebswege und Vermarktung haben sich verändert, auch das Geschichtenerzählen selbst; Plötzlich gibt es interaktive Games mit komplexen Stories, Blogs, in denen Geschichten wie zum Beispiel „Matrix“ von Fans weitergesponnen werden, Mobile Publishing auf Smartphones, transmediales Geschichtenerzählen auf dem iPad u.v.m.

Diese Entwicklungen verändern die Arbeit von Verlagen und Autoren radikal – und damit auch meine. Denn als Leitmesse müssen wir diese Trends und Entwicklungen natürlich aufgreifen. Neue crossmediale Geschäftsmodelle, branchenübergreifende Kooperationen – das sind Themen, mit denen ich mich täglich beschäftige.

Mit der StoryDrive-Konferenz im Film & Media Forum behandeln wir die Veränderungen der Medienwelt und zeigen Schnittstellen zwischen den Branchen auf. Wenn sich dort Vertreter von Walt Disney und Nintendo mit Verlegern und Autoren austauschen … das ist für mich ein Ausdruck der neuen Medienwelt. Persönlich nutze ich natürlich Social Media wie Twitter und Facebook, bastele Microsites mit WordPress …

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Trotz der vielbeschworenen Medienkonvergenz, also der Annäherung der Medien: Die Branchen “fremdeln” manchmal noch untereinander. Der Telekommunikations-Manager denkt bei “Buchmesse” nicht sofort an neue Geschäftspartner. Und mancher Büchermensch guckt noch skeptisch auf den digital vernetzten Blogger. Aber dafür sind wir ja schließlich die Brückenbauer ;O) Mein eigentliches Problem ist und bleibt die Zeit: die Themen, mit denen ich mich beschäftige, sind so vielschichtig, dass man leider nicht alles behandeln kann … und die Messe kommt jedes Jahr schneller.

Wo finden wir Sie im Internet?

https://www.xing.com/profile/Britta_Friedrich3
http://storydrivefrankfurt.com/

Bildquelle: Britta Friedrich
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

  • http://community.daswortreich.de Andreas Schneider

    Interessantes Interview. Ob die Zukunft tatsächlich die Arbeit von Verlagen und Autoren “radikal” verändert, möchte ich bezweifeln. Auch ein Telekommunikations-Manager wird schnell einsehen müssen, dass er keine Ahnung vom Verlagswesen hat.. Und so weiter. Ein Verleger käme vermutlich auch nicht auf die Idee, Handys entwickeln, produzieren und verkaufen zu wollen. Und wenn, dann nennt sich die Firma “Apfel” und ist überhaupt nicht medienkonvergent sondern äusserst eigensüchtig.

    Ich kann mir die Kritik daher nicht verkneifen: StoryDrive = MoneyDrive

    Schön wäre, der Medienkonvergenz entschieden ein “Nein” zu verpassen, anstatt sie zu fördern. Autoren sind Autoren, Maler bleiben Maler, Fotografen Fotografen, Musiker Musiker. Ohne gäbe es keine Diskussion über Konvergenzen, über Geschäftsmodelle und so weiter.

  • http://www.twitter.com/frank_krings Frank Krings

    @Andreas Schneider Aber es ist doch nun mal eine Tatsache, dass eine Geschichte heute nicht mehr zwangsläufig zwischen 2 Buchdeckeln erzählt werden muss. Wenn Geschichten auf den Displays von Smart Phones, Ebook-Readern, iPads etc. erzählt werden – dann müssen Verlage und die Anbieter dieser Endgeräte zuvor ins Geschäft kommen. Wenn ein Roman verfilmt wird, stört dich die Annäherung dieser 2 verschiedenen Medien und das Ziel des Profits wahrscheinlich auch nicht. Und auf der Buchmesse findet nun einmal Rechtehandel statt: zwischen Verlagen, zwischen Verlagen und der Filmbranche…und mit StoryDrive jetzt eben auch zwischen Verlagen und u.a. der Games-Branche. Ich verstehe nicht so ganz, warum letzteres deiner Meinung nach ein “Nein” verdient. Wir erleben momentan eine Revolution in den Medien und das bringt zwangsläufig auch neue Geschäftsmodelle mit sich…

  • http://community.daswortreich.de Andreas Schneider

    Lieber Frank Krings, vielleicht habe ich mich ein wenig falsch ausgedrückt, zweiter Versuch :) Ich sage nicht nein zur Medienkonvergenz (die gibt es nicht erst seit gestern: Bücher werden schon längst verfilmt, Games basieren auf Filmstoffen usw.,), es ist die Art der Diskussion, die geführt wird.

    Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem nicht jeder Hype uneingeschränkt Begeisterung hervor ruft (dass überlasse ich gerne jungen Menschen wie eben Britta Friedrich, die das sicher sehr gut macht). Was bei der sogenannten Medienrevolution oft zu kurz kommt, ist der Grundstoff: Eben die Story.

    Ich hoffe und glaube auch, dass sich Autor/Innen gegenüber diesem Hype emanzipieren und sich auf ihre Story konzentrieren sollten, eigentlich müssen. Verlagen selbst kommt dabei eine undankbare Rolle zu. Und manche dieser Verlage sehen dabei gar nicht gut aus, weil sie sich zu sehr mit Konvergenzen beschäftigen und zu wenig mit der Grundsubstanz. Das erinnert mich dann an eine Gemüsebrühe ohne Gemüse. Dabei kommt dann eben raus: StoryDrive = MoneyDrive.

    Stimmt also die Grundsubstanz, dann kann mich ein Buch auch als E-Book begeistern, als Film, Comic oder Game. Zwischen zwei Buchdeckeln sowieso.

  • http://blog.donci.de doncish

    Die entscheidende Frage scheint mir nicht, ob wir Medienkonvergenz – und die daraus entstehenden Folgekonvergenzen, wie z.B. fachübergreifende Kooperation/Kollaboration und neue Geschäftsmodelle – wollen, sondern wie wir damit umgehen. Sie existiert ja schon und sooooo neu ist das alles auch wieder nicht. Wie @Frank Krings schon sagte: Romane werden schon lange verfilmt, Print-Zeitungen drucken Bildmaterial – und nun gibt es halt auch eBooks und Social Media. Eine Medienrevolution? Vielleicht, aber nicht die erste und vermutlich auch nicht die letzte. Man kann die neuen Technologien und Tools nutzen, muss es aber nicht.

    Und da kommt ins Spiel, was @Andreas Schneider sagte, denn das ist ein wichtiger Punkt. So aufregend und inspirierend all die neu entstehenden Berufsbilder, Kooperationsformen und Arbeitsweisen auch sein mögen, so sehr sie auch Brückenbauern, Grenzgängern, Visionären und Generalisten neue branchen- und fachübergreifende Möglichkeiten bieten (ich tummele mich dort selbst) – es darf kein Konvergenzzwang daraus entstehen. Nicht jeder Verlagsmitarbeiter ist webaffin und geeignet, den Twitteraccount des Verlages zu betreuen. Nicht jeder Autor wird sich über Nacht in einen kompetenten Social Media Manager verwandeln. Und nicht jeder ITler bringt die Geduld für Gespräche mit fachfremden Analogdenkern auf.

    Will sagen: Wir werden auch in Zukunft Fachleute und Experten brauchen. Wir sollten sie nicht in virtuelle Projektteams und kollaborative Arbeitsstrukturen zwingen, wenn sie eine andere Arbeitsweise bevorzugen. Genauso wenig, wie sich jeder Stoff in jedem Medium gleich gut erzählen lässt, gedeiht nicht jede(r) Mensch in jeder Arbeitsumgebung gleich gut. Und unsere fachlich-eingeschränkten Brillen haben wir wohl alle gelegentlich auf der Nase…

  • http://blog.donci.de doncish

    Ähem, ich meinte natürlich:

    “Genauso wenig, wie sich NICHT jeder Stoff in jedem Medium gleich gut erzählen lässt, gedeiht jede(r) Mensch in jeder Arbeitsumgebung gleich gut.”

  • http://blog.donci.de doncish

    Kommentare unter Zeitdruck posten hat so seine Tücken. ;-)
    Ich hoffe, es ist irgendwie klar geworden, was ich wirklich sagen wollte, bevor ich den Satz komplett vermurkst habe. Entschuldigense, aber ich brauche wohl eine Pause….

    • http://www.twitter.com/frank_krings Frank Krings

      @doncish: Ja, deine Argumente sind absolut nachvollziehbar. Und gottseidank gibt es ja die Arbeitsteilung und wir müssen nicht alle Experten für alles sein. ;O)
      Genau deswegen soll ja eine branchenübergreifende Plattform helfen, dass die Experten aus der jeweiligen Branche miteinander ins Gespräch kommen.
      Was “webaffin” und “Social Media” betrifft: Um ein Buch bekannt zu machen kommt man meiner Meinung nach nicht mehr um Social Media herum. Deswegen nimmt die Anzahl der Roman-Trailer auf YouTube, gefilmte Autoreninterviews und von den Autoren selbst betreute Twitter/Facebook-Accounts rasant zu. Siehe Ken Follet oder das auch viral weiterverbreitete “Game” zu Bret Easton Ellis neuem Roman. Aber jetzt komme ich vom Thema ab. Meine halt nur: Künftig wird man bei einer Story vielleicht noch nicht in der Entstehungspahase aber spätestens bei der Vermarktung die verschiedenen Medien mitdenken müssen. Und das kann ja auch Spaß machen….

      • http://www.twitter.com/doncish doncish

        @Frank Frings:
        Oh ja, der Aussage “Künftig wird man bei einer Story vielleicht noch nicht in der Entstehungsphase aber spätestens bei der Vermarktung die verschiedenen Medien mitdenken müssen.” stimme ich zu. Besonders auch dem Punkt, dass diese Arbeit Spaß machen kann (und soll). Ich konkretisiere also meine Sichtweise wie folgt:

        “Nicht jeder muss mit allen Projekten/Stoffen/Genres alle Medien und Technologien bedienen – schon gar nicht nach dem Gießkannenprinzip. Es kommt nach wie vor darauf an, wen (und wieviele) man zu welchem Zweck und womit erreichen möchte – und wo diese Zielgruppen sich tummeln.”

        Ich denke, das wird sich auch sobald nicht ändern. Trotzdem wird es immer wieder mal Agenturen geben, die das anders sehen und einem völlig uneigennützig erklären, dass man heute überall dabei sein muss. ;-) Aber mal ketzerisch gefragt: Profitiert der neue Gennadi Gor von einer Facebook-Gruppe ebenso, wie ein Follet, Gaiman oder Schätzing?

  • http://www.twitter.com/frank_krings Frank Krings

    “Nicht jeder muss mit allen Projekten/Stoffen/Genres alle Medien und Technologien bedienen – schon gar nicht nach dem Gießkannenprinzip.”
    Nein, müssen muss man gar nicht. :) Aber wenn ich selbst einen Stoff vermarkten möchte, möchte ich ja möglichst viele Käufer gewinnen. Und viele Bücher-Muffel würden den “Stoff” vielleicht doch kaufen, wenn ich diesen in ihrem Lieblingsmedium gekonnt präsentiere. Da ist viel Kreativität gefragt.

    Zur ketzerischen Frage. Ich sehe gerade in Social Media das Longtail-Prinzip verwirklicht. Denn bei Facebook und Twitter haben die obskursten Underground-Musiker, längst vergessene Künstler, Nebenfiguren aus Star Wars usw. ihre Fans und Follower. Vielleicht weniger als die Mainstream-Promis. Aber dem Netzwerken und Fantum rund um den Autor/Künstler sind in Social Media ja wirklich keine Grenzen gesetzt. Man muss diese Social-Media-Präsenzen natürlich auch unterhaltsam bespielen können… sonst sind die Fans & Follower schnell wieder weg. (Ich glaube Peter Kruse nennt das “lose Netzwerke” oder so ähnlich.) Hier kann man auf jeden Fall auch ohne teure Werbekampagnen u.ä. Aufmerksamkeit schaffen. Das ist auch für Gennadi Gor von Vorteil. ;O)

  • Nadine Bongers

    Hallo Britta Friedrich,
    ich mache tatsächlich auch etwas mit Büchern : ) (… vielleicht habt Ihr ja ab September 2011 zufällig einen Job für mich…?!). Kann es sein, dass Du Dein Portmonee (mit Deinem Ausweis, den Du wahrscheinlich längst hast erneuern lassen…?!) irgendwann verloren hast…?
    Es liegt jedenfalls hier bei mir – also wollte ich Dich nur wissen lassen, dass Du Dir keine Gedanken über eventuellen Unfug oder dergleichen machen musst…!

    Liebe Grüße & vielleich treffen wir uns ja ‘mal irgendwann (auf der Buchmesse oder so…?),

    Nadine Bongers
    45966 Gladbeck

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