Was meinen Sie: Ist eine Buch-Flatrate die Zukunft?

von Leander Wattig am 10. March 2010

In diesem Beitag aus dem Schweizer Fernsehen werden viele interessante Themen und Fragen angeschnitten. Wie ist Ihre Meinung dazu: Brauchen wir starke eine Kontrolle der digitalen Bücher und eine Durchsetzung von Kopierschutz? Oder wäre eine Art Flatrate besser? Oder eine andere Alternative?

Video (7 min.):

via: Gerd Leonhard

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Hugo E. Martin March 10, 2010 at 09:55

Ich wäre für die Einführung einer Digital Library Card (mit differenzierter Preisgestaltung für Schüler, Studenten, Arbeitlosen, etc.) und eine Preisgestaltung für den Fancy-Stuff, wie z.B. Florian Langenscheidt’s
- Preisstellung kulturelle Identitätsgebung
- Preisstellung für die sinnliche Schönheit und
- Preisstellung für die Attraktivität als Einrichtungsgegenstand mit Statussymbol

oder/und für konfigurierte, personalisierte, On-Demand gedruckte oder ‘gepresste/gebrannte’ Güter, für Multimedia-Packages, In-Person/Events-Packages, etc.

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Ralf March 10, 2010 at 11:16

Wir sollten vor allen Dingen nicht immer versuchen, alles zu reglementieren. Warum ist das E-Book in USA so viel weiter und erfolgreicher als in Europa (besonders Deutschland)? Weil wir z.B. Händlern die Handhabe nehmen, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dazu gehört z.B. eine Flatrate. Wir haben seit Jahren ein entsprechendes Modell in der Schublade, können es aber (aufgrund der – offensichtlich – geltenden Buchpreisbindung für E-Books) nicht umsetzen.

Ich persönlich bin z.B. Napster-Flatrate-Kunde. Für den Konsumenten ist das doch ideal: 15 Euro im Monat und ich kann mir alles anhören und herunterladen, was ich will. Ich habe dadurch schon so viel neue Musik und Bands kennen- und lieben gelernt. Auch und gerade von Labels, die im Radio und in den Shops keinen Raum haben und so niemals neue (mehr) Hörer und Käufer fänden.

Und das ist doch auch das, was die meisten unserer Buchverlage antreibt (wenn sie nicht gerade zu den wenigen großen gehören): Alternativen zu finden, an den Leser heranzukommen, die Titel bekannt zu machen. Das Internet und E-Books eignen sich hervorragend dafür. Und eine Flatrate würde das nochmal auf eine andere Ebene heben. Und vielleicht verdiene ich als Verlag an jedem einzelnen (elektronischen) Exemplar nicht so viel wie an einem gedruckten Buch. Aber das Ziel muss sein, dieses Delta durch ein entsprechend größeres Volumen im E-Book-Bereich mehr als auszugleichen, so dass es “unter’m Strich” passt.

Und zum Schluss vielleicht noch eine Bemerkung: Hörbücher sind nicht preisgebunden und wir sehen (z.B. bei Audible) sehr erfolgreiche Flatrate-Modelle (schaut Euch Audibles Abo- und Umsatzzahlen mal an …)

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Peter Hellinger March 10, 2010 at 19:05

Tja, meine Bibliothek hat sowas schon seit langem: Man zahlt einmal im Jahr 12 Euro und kann soviel Bücher leihen wie man will …

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Albert Warnecke March 11, 2010 at 10:53

Ich bin kein Buchmacher, deshalb die Frage an die Experten:
Stefan Fritsch sagt: Digital muß für den gleichen Preis wie Print verkauft werden.
Das bedeutet also, dass der Kostenblock Produktion und Versand nicht relvant ist.

Nach meinem Verständnis haben wir die folgenden großen Kostenblöcke:
- Tantiemen für den Autor
- Redaktion und Lektorat => Aus dem Rohmanuskript wird etwas Druckbares
- Druckvorstufe => Das inhaltlich finale Manuskript im Word-Format wird in ein medienneutrales Dokument transformiert (XML, SMGMl, etc.). Dieses Dokument ist die Basis für die Druckmaschine, eines der ebook-Formate, Leseprobe im PDF-Format…

Jetzt trennen sich die Wege:
Für den Druck fallen Papierkosten, Druck- und Bindekosten sowie das Verladen auf LKW und der Versand an.
Für das ebook ist ein Knopfdruck fällig, dann ist das ebook auf der Festplatte. Die Distrubution ist das Hochladen auf die verschiedenen Plattformen.

Jetzt kommen die Wege wieder zusammen:
Marketing PR: Die Publikation muß bekannt gemacht werden. Die Publikation soll im Buchhandel gut präsentiert werden.
Overheadkosten: Umlagebetrag, den jedes Buch tragen muß. Hier stecken die ganzen Verwaltungskosten und natürlich auch die Kosten für die gefloppten Bücher drin.

So im Groben war´s das doch, oder?

Wenn Herr Fritsch jetzt sagt: Digital muß genauso viel kosten wie Print und er hat´s seriös durchkalkuliert, dann bedeutet das für mich: Die Verwandlung einer Papierbahn in ein gedrucktes Buch fällt kostenmäßig nicht wirklich ins Gewicht. Kann das sein? Hochmoderne Druckmaschinen in China? Wird das so gemacht?
Der Hauptkostenblock ist dann das Marketing nehme ich an.

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Sabine L. March 11, 2010 at 11:43

@ Albert Warnecke.
Fast. Was m.E. nach noch fehlt:
1. der unterschiedliche Mehrwertsteuersatz: 7 % bei Print, 19 % bei Digital. Fehlen also schon mal 12 % im Geldbeutel der Verlage, wenn das digitale Werk zum gleichen Preis abgegeben wird.
2. die Printauflagen gehen bei vermehrtem Digital-Aufkommen zurück, damit steigen die Druckkosten pro Buch. Der Gewinn des Verlages schmilzt bei Printauflagen.
3. um ein Werk für zwei so unterschiedliche Medien wie Print und Digital vorzuhalten und zu distributieren braucht man mehr Personal. Bitte unterschätze auch niemand, was es heißt z.B. Fachbücher mit aufwendigen Grafiken und Formeln medienneutral aufzubereiten.
4. Ich behaupte mal, obwohl ich es nicht beweisen kann: Digital wird schon jetzt mehr geklaut als Print kopiert. Auch die Verluste muss ein Verlag erst einmal verkraften.

Fazit: So richtig und wichtig die Digitalisierung unseres Wissens ist, Verlage und Autoren verdienen sich daran – zumindest derzeit – keine goldene Nase. Im Gegenteil, sie legen schwer drauf. Und ich fürchte um die Vielfalt unserer Kultur, wenn hier nicht bald ein Geschäftsmodell gefunden wird, das das Bedürfnis der Menschen nach Wissen mit dem berechtigten Auskommen-Bedürfnis von Verlagen und Autoren in Einklang bringt. Vielleicht ist eine Kulturflate tatsächlich die Lösung? Für mich zumindest mal ein überdenkenswertes Modell.

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Albert Warnecke March 11, 2010 at 12:43

@Sabine L.
Ok, die unterschiedlichen MwSt.-Sätze hatte ich nicht auf dem Radar, Ein Delta von 12% ist ein Posten in der Kalkulation.

>die Printauflagen gehen bei vermehrtem Digital-Aufkommen zurück
Dann muß man sich da etwas überlegen. Vielleicht so, wie es Nine Inch Nails in der Musik machen. Frei kopierbares ebook mit Werbung (Z.B. Intellitxt von Vibrant Media). Außerdem mit dabei das Verlagsverzeichnis + Leseproben anderer Werke)
Für die Fans gibt´s Bücher, vom Autor handsigniert. Die ganzen Fotobuchhersteller machen es ja bereits vor, Auflage 1 ist machbar.
Wer mehr will kann ein edel aufgemachtes Buch bekommen. Kostet dann 150 €, wird auf sehr gutem Papier gedruckt, dann zum Buchbinder Wanninger gebracht und dann vom Autor mit Widmung + Unterschrift finalisiert. Außerdem: Limitierte Auflage! 1000 Stück und gut ist. Lieferung von aus auch gerne im Ebenholzkästchen.
Das ist für die absoluten Hardcore-Fans. Die fallen aber nicht vom Himmel. Die zieht man sich heran über die ebooks und die “normalen Bücher”. So steigt man dann lansam auch in den Fan-Olymp. Es werden nicht viele sein, aber das werden treue Leser sein.
Und noch etwas: Man kann das Buch auch in verschiedenen Ausgaben anbieten: Z.B. im Sommer eine Strandausgabe, billiges Papier, mies gedruckt, billiges Cover, aber hey, kostet nur 5€ und wenn da mal Sonnenmilch oder Eis drüber kleckert, was soll´s, das Ding landet dann eh im Müll.
Für den Fan die beschriebene Edelausgabe, im Winter eine nach Zimt riechende Ausgabe oder vielleicht die gleiche Ausgabe mit 4 verschiedenen Covern. So in Richtung Überraschungsei-Sammeln. Eben keine monolithische 100.000 Stück-Auflage rausballern, sondern
- 10 Auflagen mit 10 verschiedenen Covern anbieten, oder mit oder ohne Bilder.
Sub-Auflagen eben.
- an könnte auch personalisierte Cover anbieten. Jeder Kunde kann sein eigenes Cover. Das Ganze als Geschenk verpackt und – “dann im Buch + Service-Gedanken ” gleich an den Beschenkten verschickt. So schenke ich personalisierte Kultur und kann das Ganze ohne viel Aufwand am PC abfackeln.

Vielleicht kommt es ja irgendwann einmal dazu, daß Bücher nicht mehr gelesen, sondern gesammelt werden: “Also ich habe jetzt den Walser komplett! Das Kirsch-Cover, das Erdbeer-Cover und das Aprikosen-Cover”.
Aber was soll´s, Hauptsache gekauft ;-) Wer unbedingt lesen will, soll sich das kostenlose ebook holen.

Punkt 3 verstehe ich nicht. Wieso braucht man mehr Personal?
Man braucht vielleicht Personal mti anderen Fähigkeiten, aber das kann man den Leuten ja beibringen.
Wird denn heute nicht so produziert, wie ich es oben beschrieben habe? Mein Schritt 3 (medienneutrales Repository).
Ein Roman, das ist doch nur Text. Hauptproblem dürfte doch da die Auswahl der richtigen Zeichensatztabelle sein (Unicode vs. ISO 8859-1). Da sind doch sonst nicht viele SGML.-Entitäten festzulegen.
Und was das Thema Hardcore-Fachbücher angeht, also die mit den aufwändigen Grafiken und Formeln. Das ist doch kein Massenmarkt. C.H. Wiley und Konsorten produzieren doch – wenn es auch ein elend langer und schwieriger Weg war – so, daß man die Inhalte per Web, Silberscheibe oder gedruckt bekommen kann. Diese Verlage sind doch auf dem besten Weg keine Bücher mehr zu produzieren, sondern Informationen aufzubereiten und dann per Abo zu verkaufen.

So, mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr ein.

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Holger Volland March 11, 2010 at 12:56

Flatrate als Allheilmittel? Ach, es wirkt so einfach: Aus Downloadern werden normale Kunden und endlich werden die Urherber wieder angemessen an den Erlösen beteiligt. Eine generelle Kulturflatrate, die es übrigens aus gutem Grund nirgendwo gibt, birgt vor allem viele Gefahren für die Vielfalt des Kulturmarktes. Um bei den hinkenden Vergleichen des Beitrages zu bleiben: nicht umsonst wird bei Flatrate-Parties vor allem billiger Alkohol in wenigen Sorten ausgeschenkt und bei TV Flatrates vor allem die günstige, veraltete Massenware zur Verfügung gestellt, Spezialprogramme, neue Filme und hochwertige Dokumentationen werden extra in teuren Zusatzpaketen angeboten. Außerdem gibt es natürlich die berechtigte Frage, was alles mit einer Kulturflartrate bezahlt werden soll. Porno? Games? Software? Mein erster Romanversuch, für den ich keinen Verlag gefunden habe? Wer entscheidet, was “Kultur” ist, die etwas wert ist und was nicht?

Außerdem nimmt die KF dem Urheber das Recht am eigenen Werk weg und macht es zum Allgemeingut.

Eine pauschale Gebühr für die Nutzung aller kreativen Inhalte führt dazu, dass Werke nicht mehr entsprechend der erbrachten geistigen Leistung vergütet werden.
Aktuelles medizinisches Fachbuch und ein schneller Mitschnitt von der Hobby-bandprobe sind dann plötzlich gleich viel wert?

Wenn es eine KF gibt, hat kein Urheber mehr Interesse daran, hochwertige inhaltliche Angebote zu entwickeln, da es für die Inhalte sowieso keinen Markt mehr geben wird. > Kulturelle Vielfalt, auf Wiedersehen!

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Hugo E. Martin March 11, 2010 at 14:12

Ich denke, es ist eine attraktive Aufgabe von Verlagen und Verlagsdienstleistern, basierende auf der Beziehung von Autoren und Lesern lohnende Geschäftsmodelle zu entwickeln. Und, ich sehe da auch viel Bedarf und Potenzial!

Die Autoren und / oder die Käufer und Nutzer aber zu verpflichten ihre Beziehung via und zu den Bedingungen des Verlagsdienstleister zu orchestrieren, ist Dank Digitalisierung und Internet ist ein Relikt aus der Vergangenheit.
Dienstleister mit einem professionellem Leistungsangebot und Vorleger mit Herz und Verstand (und Geld) sind gefragt … damit Literatur, Sachbuch und Kultur und Wissen allen Leuten offen steht.

eBooks die Ihren Namen verdienen dürfen für Mehrleistung und Mehrwert gerne auch teurer sein als gedruckte pBücher zwischen Buchdeckeln. Für eKopien, welche sich die Bezeichnung eBook anmaßen, dürfen die Preise dagegen gerne gegen oder auf Null gehen.

Von einer Flatrate für das gesamte Verlagsgeschäft (nach fast 40 Jahren im Business) halte ich natürlich nichts, aber die in diesem Geschäftsbereich tätigen sollte auch ihre gesellschaftlich, kulturelle und wissenschaftliche Verpflichtung nicht auf die leichte Schulter nehmen oder anderen antragen!

P.S.
Ich sehe es auch nicht als Aufgabe und Verpflichtung des Nutzers / Käufers dem Unternehmer Verleger seinen Aufwand zu ersetzen, sondern als Aufgabe des Unternehmens zu dem zu erzielenden Preis zu produzieren, zu vertreiben und Gewinn zu erzielen.

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Albert Warnecke March 11, 2010 at 15:26

>Aktuelles medizinisches Fachbuch und ein schneller Mitschnitt von der Hobby-bandprobe sind dann plötzlich gleich viel wert?

Wenn es sich bei der Proberaumaufnahme um ein bisher unveröffentlichtes Frühwerk aus dem Keller des Tokio Hotels handelt, könnte man selbige womöglich teurer verkaufen, als das medizinische Fachbuch ;-)

Wem was wann wie viel wert ist… eine ganz heikle und sehr subjektive Frage. Ich seh´s an mir selbst. Ich habe gerade 2 Abos abbestellt, weil sie es mir nicht mehr wert sind. Meine Interessenlage hat sich geändert, die Publikationen sind heute genauso ihr Geld wert, wie damals. Nur ich hab´ keine Lust mehr.

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Sabine L March 11, 2010 at 22:01

@ Albert Warnecke
coole Ideen und sicher bald umsetzbar für die Belletristik-Leser. Ich lese z.B. in der Sauna. Die Strandvariante wäre meine, gerne auch mit Orange-Birke-Duft ;-).
Fürs Fachbuch (und aus der Branche komme ich) wird das leider nix. Da kaufen die Leute nicht aus Spaß, vor allem nicht die Studies. Die wollen – ihr gutes Recht – nur durch die Prüfung kommen und oft reichen da schon die allüberall kursierenden Skripten oder die eBook-Pakete in der Bibliothek. Dann reichts auch noch fürs Feierabend-Bier (apropos Feierabend-Bier, das wärs jetzt eigentlich…, einen Moment bitte…). Was die Studies anmachen könnte, wäre das costumized book, gerade wenns um die Semesterarbeiten geht. Früher haben wir im zugigen Flur vor den Kopierern gestanden und einzelne Buchkapitel kopiert. Die Zettelflut ist dann nach Abschluss der Arbeiten in den Mülleimer gewandert. Wenn ich heute Student wäre, dann würde ich mir die brauchbaren Artikel im Netz zu Hause mit den Füßen auf dem Schreibtisch zusammenstellen wollen und als eBook oder PoD zuschicken lassen. Dafür müssen die Verlage mit Mitbewerbern zusammenarbeiten, gemeinsame Plattformen schaffen, sämtlichen Content sauber strukturieren, mit kurzen Abstracts versehen, damit der Besucher dieser Plattform den Nutzwert beurteilen kann, die Zitierbarkeit gewährleisten, ein Seitenpricing schaffen und auch eine saubere Abrechnung mit den Mitbewerbern hinkriegen. Ich bleib dabei: Ohne zusätzliches Personal ist das nicht zu stemmen, auch wenn man alle Verlagsmitarbeiter auf digital native umschult.
Und ja: 12 % mehr Steuern tun Verlagen sehr weh. Vor allem, wenn als Dank für die digitale Bereitstellung auch noch ratzfatz die Raubkopie kostenfrei im Netz steht. Für mich ist das Diebstahl an geistigem Eigentum. Ich bin gegen hartes DRM, weil es den ehrlichen Käufer in der Nutzung behindert. Aber schließe ich nicht auch meine Wohnungstür ab, damit ich nicht bestohlen werde?
Viele Autoren werden sich das mit dem Bücherschreiben in Zukunft überlegen. Die wenigsten werden damit reich. Gerade Fach- und Lehrbuchautoren machen das ganz oft, weil sie gute Didaktiker sind und die Lehre bereichern wollen. Die Honorare sind – vor allem wegen der meist kleinen Auflagen – oft nur eine Aufwandsentschädigung. Wenn überhaupt. Um also auch in Zukunft Bücher machen zu können, die nicht nur den Massenmarkt bedienen, könnte eine Kulturflatrate eine Lösung sein. Könnte. Oder die Netz-Gesellschaft ist irgendwann der vielen unnützen kostenlosen Infos überdrüssig und bereit, für hochwertige Informationen auch gutes Geld zu bezahlen. Ich suche noch nach der genialen Idee, die meine Kunden glücklich macht und meinen Arbeitsplatz auf Dauer erhält. Für jeden Tipp bin ich dankbar.
Sabine
PS: Ich bin nicht frustriert, falls das so rüberkommen sollte. Im Gegenteil: Dieser Wandel ist extrem spannend, aber eben auch ein bisschen zum Fürchten. Werden wir in Summe gewinnen oder verlieren?

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Wenke Richter March 12, 2010 at 12:15

@Albert Warnecke Es fehlt noch ein Posten bei Ihrer Auflistung: es ist nicht einfach damit getan, daß das E-Book “so da” ist. Die “Produktionskosten” sind anders gelagert. Zwar entfällt der Druck auf Papier, aber der Serverplatz, der Support fürs technische System, die Bereitstellung und die Anpassung an verschiedene Endgeräte bzw. der Wandel in den Dateiformaten (plakativ gesagt) muß der Verlag in die Kalkulation miteinrechnen. Also nur Druckkosten weglassen, funktioniert leider nicht.

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Brett March 14, 2010 at 11:20

Ich weiß nicht ob “die” Flatrate kommt, aber dass verschiedene Flatrat-Angebote früher oder später in den Markt gebracht werden, scheint mir logisch zu sein. Eine Flatrate ist ja nichts anderes als ein Abo, das in der Nutzung offen ist. Sie reduziert die Preissensitivität. Der KOnsument will ja nur irgendwie seine Kosten im Griff haben. Das geht über billige Einzelpreise oder über automatische Kostengrenzen. Solche Flatrates sind denkbar für Segmente, für einzelne Verlage, für Mengen etc. Also sind z.B. Abos für Rowohl, Fischer, Suhrkamp oder Diogenes denkbar. Es sind verlagsübergreifende Allianzen denkbar (z.B. die Flatrate für kleine Literaturverlage). Es ist denkbar, dass jemand nur Krimis abonniert oder nur juristische Fachbücher. Der Einzelverkauf ist daneben natürlich auch möglich, genauso wie jemand sich das Buch weiterhin gedruckt kaufen kann bzw. on demand drucken und binden lässt. Natürlich sind im Digital-Bereich auch Versionalisierungen möglich, so dass man ein Buch “maßgeschneidert” erwerben kann oder mit “Bonus-Material” etc. Es kann ein Strauß an hybriden Buchformen entstehen, z.B. mit Ausfüllfunktionen (Selbsttests) und Bewegtbildintegration, was bei Büchern für Schule und Studium natürlich ungeheuer faszinierend wäre. Mit dem IPad kommt da jetzt das erste Produkt auf den Markt, mit dem solche Hybrid-Bücher mobil zu nutzen wären, aber generell geht das ja auch auf jedem Laptop. Das alles führt zu einer Flexibilisierung des Geschäftsmodells “Buchverlag”. Allerdings auch zu neuer Konkurrenz, denn mancher internetaffine und marketingbegabte Autor wird möglicherweise eine Art Selbstverlag aufziehen (Download plus BOD). Das wird wohl ein Nebenbereich bleiben, denn die meisten Autoren sind dazu nicht in der Lage oder wollen sich nicht mit der Verlagsarbeit beschäftigen. “Content is king” hieß mal ein Internet-Schlachtruf vor 5 oder 10 Jahren. Deshalb können Bücher ein besseres Schicksal haben als Zeitungen/Zeitschriften, weil der Inhalt von Büchern immer unique ist. Wie auch immer, konservativ kann man in so revolutionären Zeit kaum überleben. Einer der ältesten Verlage hat es doch gerade vorgemacht: Er bietet jetzt sämtlich Bücher seit Verlagsgründung 1769 wieder als erhältlich an.

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Albert Warnecke March 15, 2010 at 12:35

@ Sabine L
>Ich bin nicht frustriert, falls das so rüberkommen sollte.
Nicht im Geringsten. Kritisches Abklopfen der neuen Dinge ist wichtig, keiner weiß genau wo es hingeht. Man kann nur die Augen du Ohren offen halten und experimentieren.

>Werden wir in Summe gewinnen oder verlieren?
Weder noch. Ich glaube es wird nicht besser oder schlechter, sondern anders. Und die Erfahrung hat gezeigt: Die neue Konkurrenz kommt aus einer Ecke, die niemand vermutet. Jeder Verlag schaut, was der andere macht. D.h. da sind neue Entwicklungen unter genauer Beobachtung. Ich traue es keinem Verlag zu, sich hier einen echten Permanentvorsprung herauszuarbeiten. Auch wenn ich nicht weiß, woher die nächste große Konkurrenz kommt. Vielleicht sind es die Discounter? Ich geh zum Penny und da steht eine große Kiste (so wie die Flaschenrückgabeautomaten). Die Kiste hat einen Touchscreen und ich kann mir aussuchen, welche aktuellen Bücher ich zum Discountpreis gedruckt haben will. Dann bekomme ich einen Bon, den bezahle ich an der Kasse mit, bekomme dafür einen Code, den tippe ich an der Maschine ein und schwupps fallen mir die während meines Einkaufs frisch gedruckten Paperbacks entgegen.
Klingt irrsinnig, ja, aber ich habe vor 10 Jahren mal auf der ITB in Berlin eine Keynote gehalten. Thema war locationbased Services. Touristen würden in der Zukunft mit so kleinen Kästchen durch die Städte gehen und zu den Sehenswürdigkeiten Infos bekommen. Außerdem würden sie- hö, hö, wie bescheuert ist denn das – über das Mobiltelefonnetz aktuelle Infos bekommen, wo es was leckeres zu essen gibt (so mit Bewertungen anderer Nutzer).
Fanden die Tourismus-Leute damals vollkommen schwachsinnig. Wider so ein Internet-Freak, der keine Ahnung von unserem Business hat. Dabei habe ich nur dem Handy einen etwas größeren Bildschirm verpasst und statt WAP einfach „normales“ IP-basiertes Internet aufs Handy gebracht.
Was jetzt nicht heißen soll, das ich Harald der Töpfer bin und genau weiß, was kommt. Die Masse meiner Vorhersagen treten so nie ein.
Was ich nur andeuten will: Die meisten erfolgreichen Entwicklungen sind keine kompletten Neuentwicklungen sondern oft eine Rekombination bestehender Dinge, die aber noch niemand gerade SO zusammengebracht hat.

> Fürs Fachbuch (und aus der Branche komme ich) wird das leider nix. Da kaufen die Leute nicht aus Spaß

Das ist doch schon mal ein sehr guter Ausgangspunkt. Die Leute haben ein konkretes Problem und wollen eine Lösung.

>vor allem nicht die Studies. Die wollen – ihr gutes Recht – nur durch die Prüfung kommen und oft reichen da schon die allüberall kursierenden Skripten oder die eBook-Pakete in der Bibliothek.
Wenn dem so ist, wird man wohl wenig machen können. Aber man könnte die jungen Leute ja mal fragen, wofür sie Geld ausgeben würden. Ich bin mir sicher, da würden sich etliche erhellende Aussagen finden.
Ließe sich ja technisch auch leicht machen.
- Zum einen kann man eine Web-Analyse der eigenen Site machen und die Uni-Besucher segmentieren und dann schauen was die so tun.
- Zum anderen kann man einfach eine Umfrage integrieren. Als kleines Incentive, gibt´s 10 x 15 € ipod-Gutscheine oder so was.
So kann man klein anfangen, erste Erfahrungen sammeln und sich dann vortasten.

> Dafür müssen die Verlage mit Mitbewerbern zusammenarbeiten, gemeinsame Plattformen schaffen, sämtlichen Content sauber strukturieren…

Klingt sehr deutsch. Muß das wirklich sein? Geht nicht auch eine Ami-Lösung? Man tackert was zusammen, schaut wie´s ankommt und macht dann da weiter, wo es erfolgversprechend aussieht? Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber meine 13 Jahre bei US-Firmen haben mir die Vorteile dieser Vorgehensweise gezeigt. Schnell auf den Markt und dann im Live-Betrieb verbessern.

> Viele Autoren werden sich das mit dem Bücherschreiben in Zukunft überlegen. Die wenigsten werden damit reich.

Weiß ich als Ex-Autor selbst ;-) Aber als Kunde muß ich sagen: Stört mich das wirklich? Wir leben in einem Käufermarkt und wenn ich damals meine Wprdperfect-Bücher nicht geschrieben hätte, was wäre passiert? Nichts, die Kunden hätten nach wie vor die Auswahl unter 6-7 Büchern zum Thema gehabt.

>Gerade Fach- und Lehrbuchautoren machen das ganz oft, weil sie gute Didaktiker sind und die Lehre bereichern wollen.

Und weil es einfach ungemein schmückt, eine Publikation verfasst zu haben. Es erhöht den Marktwert bei der nächsten Bleibeverhandlung ;-) Meine Nichte war mit ihren Freundinnen beim letzten Girlsday in der Mathe-Fakultät, der Dekan hat sie empfangen. Und was hat er gemacht: Auf sein Bücherregal verwiesen: „Hab´ ich alles selbst geschrieben“. Die Kommentare der Mädels beim Abholen sind nicht druckfähig :-)

>Um also auch in Zukunft Bücher machen zu können, die nicht nur den Massenmarkt bedienen, könnte eine Kulturflatrate eine Lösung sein.
Kleines Gedankenexperiment: Was passiert, wenn es keine Refinanzierung für diese Art von Büchern mehr gibt. Dann werden sie nicht mehr erscheinen. Ausgestorben also.
Was passiert dann. Entweder vermisst jemand dieses Angebot oder nicht. Wenn niemand dieses Angebot vermisst, nun, dann gibt es auch keinen Grund diese Bücher weiter anzubieten.
Wenn doch jemand diese Bücher vermisst, dann werde es nicht viele sein. Vielleicht 2 in Hamburg, einer in Berlin, 2 in Köln… In Summe vielleicht 200 Menschen. Die möchten dieses Buch haben. Hier kann das Internet helfen. Wenn es Plattform gibt, auf der diese Menschen sich sammeln können und einen Auftrag ausschreiben können. Jeder gibt 100 €
Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, was man dafür bekommt: Ein Buch von einem Fachmann/frau auf dem Gebiet. Dazu lektoriert und dann in einer personalisierten E-Version und Printversion. Beide haben natürlich hinten drin ein Sponsorenverzeichnis.
Dazu Für 20.000 € muß doch schon was gehen, oder?
Was dabei auf der Strecke bleibt ist der klassische Verlag. Mein Modell sorgt dafür, dass die Leute ihr Fachbuch bekommen, das ein Lektor bezahlt wird und die Herstellung. Alle mit Homeoffice, alles was einen Verlag sonst noch so ausmacht ist da nicht drin. Das ist nicht schön und ich wünsche niemandem aus der Buchbranche etwas Schlechtes, aber ich befürchte einfach, dass es so kommen wird, wie Herr Malik im Buchreport sagt: Doppelt so gut funktionieren – mit der Hälfte des Geldes.
http://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum////-7731e3a94a.htm?no_cache=1&cHash=171f699790

>Oder die Netz-Gesellschaft ist irgendwann der vielen unnützen kostenlosen Infos überdrüssig und bereit, für hochwertige Informationen auch gutes Geld zu bezahlen.

Wenn diese Infos „ausreichen“, sind sie nicht unnütz, auch wenn Sie als Verlagsprofi sagen: Da geht doch mehr, das lässt sich doch besser umsetzen, bzw. präsentieren.
Wenn die Studis – wie oben gesagt – mit dem frei erhältlichen Material durch die Prüfung kommen, dann werden sie nichts kaufen. Da stellt sich dann die Frage: Will ich diese Zielgruppe überhaupt bedienen? Warum soll ich als Verlag dahin gehen, wo ich nichts verdiene? Ein Verlag ist eine Veranstaltung zum Geldverdienen und keine caritative Einrichtung.

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