Was Menschen mit Büchern machen. Was Bücher mit Menschen machen.
Seit 2009. Von Leander Wattig.


Beiträge aus der “Interview-Reihe: Köpfe der Buchbranche” Kategorie

Textwache: Wir sind ein Zusammenschluss von 9 freiberuflich arbeitenden Lektoren aus Leipzig

16. Januar 2017

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

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Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Die Textwache ist ein Zusammenschluss von 9 freiberuflich arbeitenden Lektoren aus der Buchstadt Leipzig. Wir sind alle emsig an Texten Arbeitende, die aus ganz verschiedenen Bereichen kommen: aus der Medizin, der Germanistik, dem Umweltschutz, der Kunst, aus der Buchherstellung oder aus der Werbung. Dabei sind wir alle keine Anfänger mehr, sondern bereits seit vielen Jahren mit Büchern und deren Erstellung beschäftigt.

Wir lektorieren, korrigieren, konzipieren, schreiben eigene Texte und Gutachten, betreuen Autoren, übersetzen, formatieren … und geben unsere Erfahrungen im Rahmen von Workshops an Autoren weiter. Entsprechend unserer spezifischen Einzelprofile reicht unser Spektrum dabei von klassischer Belletristik über Kinder- und Jugendbücher, Lyrik, Biografien, Lexika, Fachbücher bis hin zu Kalendern und Kundenzeitschriften.

Im Unterschied zu reinen Einzelkämpfern sind wir als Textwache in der Lage, für anspruchsvolle, komplexe Projekte auch als Team zu agieren und mehrere Lektoren mit unterschiedlichen Fachkompetenzen zur Verfügung zu stellen. Wenn Fragen auftauchen, tauschen wir uns untereinander aus, und wenn Projekte wachsen, können wir schnell kompetente Hilfe vorschlagen. Wie heißt es so schön: Gemeinsam sind wir stärker. Und das kommt auch unseren Kunden und ihren Texten zugute.

So haben wir bereits Projekte zusammen bearbeitet, um Deadlines gerungen, mit unseren Autoren gelacht und geweint und sind gemeinsam für Bücher in die Schlacht gezogen. Das verbindet.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Da wir uns kein gemeinsames Büro teilen, sieht der typische Arbeitsalltag bei jedem von uns sicherlich etwas anders aus. Frühaufsteher, Nachtarbeiter … – alle sind vertreten. Jeder von uns arbeitet an seinen eigenen Projekten, hat seine eigenen Auftraggeber und Kunden. Für bestimmte Projekte jedoch schließen wir uns zu zweit oder zu dritt zusammen: Dann übernimmt beispielsweise einer das Lektorat, einer die Schlusskorrektur und ein weiterer ggf. die Projektabwicklung oder auch das Layout.

Wir treffen uns als Textwache regelmäßig, um anstehende Projekte dieser Art zu besprechen und zu planen. Darüber hinaus nutzen wir diese Treffen, um zum Beispiel unseren eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse zu organisieren, um Seminare und Workshops zu planen oder um Webseite, Social Media und Werbematerialien auf den aktuellen Stand zu bringen. Manchmal aber geht es auch einfach nur um den kollegialen Austausch: Schließlich tauchen immer wieder Fragen bezüglich des freischaffenden Arbeitens oder auch Fachfragen zu ganz konkreten Textproblemen auf.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Unsere grundsätzliche Arbeit am Text – das Lektorieren, das Korrekturlesen, das Übersetzen – hat sich in den letzten 10 Jahren weit weniger gewandelt als der Buchmarkt. Wir haben es mit einer stetig wachsenden Anzahl von Menschen zu tun, die ein Buch schreiben und veröffentlichen möchten; gleichzeitig sind die Möglichkeiten, dies zu tun, heute weitaus vielfältiger als noch vor 10 Jahren. Diese Entwicklung hat natürlich auch Auswirkungen auf unsere tägliche Arbeit. So müssen wir als Lektoren über strukturelle und technische Veränderungen informiert sein und darauf eingehen können; Weiterbildung steht also auch bei uns auf dem Programm. Auf der persönlichen Ebene ändert sich das Arbeiten dahingehend, dass natürlich mit größerer Erfahrung auch eine größere Ruhe und mehr Sicherheit im Umgang mit Autoren, Kunden und Text einhergehen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Neben manchmal sehr engen Deadlines, die es einzuhalten gilt, ist eines der größten Probleme sicher die falsche Vorstellung darüber, was Lektorat, Korrektorat oder Redaktion leisten können und/oder müssen. Wir versuchen, im Vorfeld eines Auftrages so gut wie möglich zu erklären, wie unsere Leistungen aussehen, trotzdem stellt sich manchmal ein Autor etwas anderes darunter vor. Darüber haben wir schon oft diskutiert, auch öffentlich in unserer Gesprächsreihe „Die Textwache diskutiert …“.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Kontaktieren können uns: Autoren jeglicher Genres und die, die es werden wollen; Selfpublisher, aber auch Verlage; Macher von Zeitschriften und/oder Werbematerialien; Fachbuchautoren aus dem Umweltbereich, die einen Verlag suchen; Studenten und Wissenschaftler mit dem Wunsch nach einer sprachlich einwandfreien Abschlussarbeit; Privatpersonen mit Texten jeder Art.

Schön ist es dabei grundsätzlich, wenn wir mit Menschen zusammenarbeiten können, die mit Leidenschaft bei der Sache sind, dennoch offen für Kritik sind und in Diskussionen sachlich bleiben können.

Wo finden wir Sie im Internet?

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Alexander Lehnert: Ich veranstalte die anonyme Lesebühne „Konzept*Feuerpudel“

29. September 2016

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Alexander LehnertWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Alexander Lehnert und veranstalte die anonyme Lesebühne „Konzept*Feuerpudel“. Dort können Autor*innen ihre Texte einem Publikum zugänglich machen, ohne, dass sie selbst performen, ich lese die Arbeiten stellvertretend vor. Damit wollen wir unbekannten und bekannten Schreibenden auch eine Rückmeldung zu ihrer Arbeit ermöglichen, die nichts mit ihrem Äußeren zu tun hat. Wir geben Anfänger*innen und Profis die Möglichkeit, sich in einem fairen Wettbewerb zu messen, ihre Texte neu kennen zu lernen und an ihrer „Schreibe“ zu feilen – jede*r kann sich am Abend heimlich durch das Publikum fragen, das am Ende auch die Preisträger*innen bestimmt. Seit 2016 nehmen auch Illustrator*innen an der Lesung Teil, die die Texte zeichnerisch kommentieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Einen typischen Arbeitstag gibt es für mich nicht, besonders momentan: ich gründe ein Produktionsbüro für Kulturprojekte- und Vermittlung und jeder Tag sieht anders aus. Ich stehe gegen 7 Uhr auf, beantworte Emails und versorge die sozialen Netzwerke. Da ich mein Brot halbtags als Sprecher auf einem Berliner Ausflugsdampfer verdiene, sitze ich erst wieder am Nachmittag am Schreibtisch, meist bis in die Nacht. Die überwiegende Zeit verbringe ich mit Excel – Tabellen, Fachbüchern und Formularen, in der guten Hoffnung, dass sich das bald etwas legen wird. Für die Lesebühne erarbeite ich mir die Texte, halte Rücksprache mit den Autor*innen, und organisiere Preise, Spielstätten, Wundertüten, die Planung des Abends und die Koordination mit unseren Partner*innen. Unterstützung habe ich durch eine Mitarbeiterin und ein verständnisvolles, bisweilen auch leicht ob meiner Augenringe besorgtes Umfeld.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als wir 2010 als „Projekt unter Freunden“ gestartet sind, habe ich noch Kulturwissenschaften studiert. Mittlerweile müssen/dürfen wir uns im Berufsleben zurechtfinden und versuchen, alles unter einen Hut zu bringen: Ideen entwickeln, Erfahrungen sammeln, Geld verdienen und sich dabei nicht untreu werden zu müssen. Unser Team hat sich stetig gewandelt und unsere Arbeitsabläufe haben sich immer weiter professionellen Strukturen angenähert. Über die Lesung hinaus haben sich Zusammenarbeiten mit anderen Veranstalter*innen entwickelt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurden nötig, neue Ideen umgesetzt, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Illustrator*innen.

Heute werden wir häufig von unseren Teilnehmer*innen um Rat gefragt, wie es weitergeht: Welche Wettbewerbe gibt es? Agentur, Verlag, Self-Publishing? Was kann ich besser machen? Über die Jahre ist so ein kleines Netzwerk an Schreibenden entstanden, die an unterschiedlichsten Stellen in ihrem Leben das Texte machen untergebracht haben. Einige haben wir sogar schon in Verlagsprogrammen entdeckt, sie schreiben journalistisch oder betreiben Literaturblogs. Dass wir unseren Autor*innen den Rücken stärken konnten, macht zufrieden.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein ehemals als Hobby gepflegtes Projekt zu professionalisieren ist genauso erfüllend wie fordernd. Die Beschäftigung mit Businessplänen, Förderinstrumenten, gerechter Bezahlung aller Beteiligten und dutzender weiterer Fragen nimmt sehr viel Raum ein, das „einfach mal machen“ wird oft von der Frage überschattet, unter welchen wirtschaftlichen, rechtlichen und organisatorischen Bedingungen man überhaupt so weitermachen kann wie bisher oder ob man kreative Entscheidungen abräumen muss, weil kein Geld da ist. Gerade wenn man sich da erst mal reinfuchsen muss, wirkt die wachsende Anzahl an Aufgaben schwer zu überblicken. Besonders die Frage nach einer gerechten Entlohnung der Autor*innen, Illustrator*innen und anderen Beteiligten ist schwierig zu lösen: Eine Idee wie das „Konzept*Feuerpudel“ ist durch bloße Spenden nicht zu finanzieren. Fördergeld bekommen wir (noch) nicht. Dafür braucht es eine auch für Kleinstprojekte zugänglichere Förderstruktur, mehr Know-How und eine transparentere Kultur der Rückmeldung bei Förderungsentscheidungen, damit man lernt, wie’s besser funktioniert.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir freuen uns immer über Autor*innen, die ihre Texte bei uns vorstellen wollen. Wir halten auch ständig Ausschau nach Illustrator*innen, die Lust haben, bei einem Abend mitzwirken. Wir würden unser Format auch gern über die Grenzen Berlins hinaustragen und sind immer auf der Suche nach interessierten Spielstätten, die sich eine Zusammenarbeit vorstellen können.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Aline Reinsbach

Nina Arrowsmith: Ich bin Inhaberin der Konzept- und Literaturagentur Arrowsmith

23. September 2016

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

imgpsh_fullsizeWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Nina Arrowsmith, bin Inhaberin der Konzept- und Literaturagentur Arrowsmith und als Schriftstellertochter zweisprachig in Wien aufgewachsen. Nach ersten Stationen in der Werbebranche arbeite ich glücklicherweise seit 2001 in der Buch- und Medienwelt; anfangs in einer renommierten Münchener Presse- und Literaturagentur, seit meinem Umzug 2005 nach Hamburg selbst und ständig. Seither ist Arrowsmith stetig gewachsen und vertritt erfolgreich internationale Autoren, Verlage und Literaturagenturen. Wir entwickeln zudem PR- und Marketingkampagnen im Bereich Buch und Kultur. Diese beiden Säulen stützen sich gegenseitig. So ist es uns möglich, einen Autor erfolgreich in den Medien zu platzieren und seinen Verlag bei der Pressearbeit zu unterstützen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich stehe um 07:00 auf und beantworte erste Emails. Spätestens um 10:00 bin ich in der Agentur. Dann telefoniere ich meist, stimme mich mit meinen Kollegen für den Tag ab und nehme Termine wahr. Meine Arbeitswoche ist sehr durchstrukturiert, es gibt wiederkehrende Termine für Telefonkonferenzen und Teambesprechungen. Ich nehme mir jeden Morgen drei wichtige Dinge vor, die ich im Laufe des Tages erreichen möchte. Abends, wenn Ruhe einkehrt, arbeite ich an Konzepten, Manuskripten und den Katalogen, in denen wir unsere Buchprojekte vorstellen. Ich bin viel auf Reisen und besuche für meine Arbeit wichtige Messen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Es geht immer mehr darum, effektive Strukturen und Abläufe zu schaffen und zu pflegen. Ich konzentriere mich heute mehr auf Zielerreichung. Meine Arbeit ist dadurch effizienter als früher. Die Erfolge sind größer, die Verantwortung auch. Ich beschäftige mittlerweile sieben Agenturkollegen und mir ist es sehr wichtig, dass unsere Kunden sich bei uns wohlfühlen und von allen im Team die Unterstützung erfahren, die Ihnen zum Erfolg verhilft.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Durch den Konzentrationsprozess im Buchhandel gelingt es heute leider seltener Buchprojekte zu vermitteln, die außer der Reihe tanzen. Ich ermuntere Autoren am Anfang Ihrer Karriere dazu, diese Gegebenheiten zu akzeptieren, ohne sich dafür zu verbiegen und erarbeite mit Ihnen die Schnittmenge zwischen Angebot und Nachfrage. Ich freue mich deswegen, wenn ein Autor sich als Profi-Schreiber versteht, wie es in der angloamerikanischen Erzähltradition üblich ist. Innerhalb der erfolgsversprechenden Bahnen gibt es sehr viele Möglichkeiten, seiner einzigartigen Stimme als Schriftsteller Ausdruck zu verleihen. Und wenn man sich als Autor einen Namen damit gemacht hat, hat man automatisch mehr Freiheiten. Natürlich gibt es auch Fälle, die jenseits der Marktgesetze Erfolg haben – vielleicht gerade deswegen -,und regelrechte Trendsetter werden, Verlagsimprints und sogar eigene Verlage begründen. Auch gibt es außergewöhnliche Talente, die mit ihrer ureigenen Erzählweise bestechen. Nach diesen Projekten halten wir selbstverständlich immer Ausschau.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir  sind verantwortlich für die deutschsprachige Pressearbeit für Guinness World Records London. Das ist eine Tätigkeit, die sehr viel Freude und gute Ergebnisse bringt. Menschen, die originelle, umsichtige und zielgerichtete PR bzw. Markenkommunikation suchen, klopfen bei uns an die richtige Tür – da Bücher unsere Leidenschaft und unser Fachgebiet sind, gilt das insbesondere auch für Verlage und andere Buchbranchenteilnehmer!

Natürlich sind wir immer auf der Suche nach talentierten Autoren,  die gute Buchideen haben. Insbesondere suchen wir derzeit nach großen literarischen wie auch Genre-Romanen. Wir platzieren auch erfolgreich biografische und humorvolle Sachbücher und solche mit starken Thesen in der Verlagslandschaft und freuen uns über solche Projekte.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Nina Arrowsmith

Gudrun Ingratubun: Ich rege Kinder und Jugendliche dazu an, selbst Bücher zu machen

3. April 2016

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Gudrun IngratubunWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Gudrun Ingratubun und ich habe Book your Story! in Berlin ins Leben gerufen. Ich rege Kinder und Jugendliche dazu an, selbst Bücher zu machen: ihre eigenen Geschichten zu ersinnen, zu erzählen, diese aufzuschreiben und mit Linoldruck zu illustrieren. Durch einen selbst gestalteten Buchdeckel, schönes Papier und die japanische Blockbindung entstehen Buchunikate. So schaffen die Kinder komplexe Kunstwerke und bringen ihre Gedanken und Gefühle in eher privaten, sehr persönlichen doch sehr ästhetischen Büchern zum Ausdruck. Auf der Leipziger Buchmesse wird eine Auswahl dieser Bücher am Stand der Leipziger Buchkinder ausgestellt und im Forum jüngster Autoren vorgelesen.

Zudem übersetze ich Romane, Kurzgeschichten und Kinderbücher aus dem Indonesischen ins Deutsche.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Der kann sehr unterschiedlich sein. Meist beginnt mein Tag mit Mails lesen und einem Schlender durch die sozialen Netzwerke. Weiter geht es dann mit persönlichen Begegnungen bei einem Buchprojekt in Kita oder Schule, sich in die Geschichten der Kinder hineinzudenken, Tipps beim Illustrieren zu geben. Bei den Kitaprojekten arbeite ich mit einer Schauspielerin oder Dramaturgin zusammen, die mit den Kindern die Geschichten entwickelt. Danach folgen Tätigkeiten wie an Layouts zu arbeiten, Konzepte zu schreiben, Anträge und Abrechnungen auszufüllen, im Büro des theater und buchkollektivs in der Weiberwirtschaft in Mitte. Je nach Auftragslage verbringe ich den restlichen Tag mit Übersetzen. Schließlich besuche ich abends manchmal noch eine Veranstaltung zum Netzwerken oder nehme an einer Lesung teil.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Nachdem ich vor 10 Jahren an einer Fortbildung der Leipziger Buchkinder teilgenommen hatte, begann ich gemeinsam mit einer Freundin und einer Buchbinderin mit Kindern in Tiergarten-Süd Buchprojekte zu machen. Als ich dann für vier Jahre nach Jakarta, nach Indonesien, zog, habe ich dort neben meiner Arbeit am Goethe-Institut selbständig mal ein Buchprojekt an einer Schule und auch mal eines am Goethe-Institut selbst gemacht. Es war spannend die dortigen Materialien auszuprobieren: anderes Papier, Schuhsohlengummi als Druckstöcke.

Vor mittlerweile fast sechs Jahren bin ich nach Berlin zurückgekehrt und es zeichnete sich immer mehr ab, dass die Buchprojekte mit Kindern das sind, was ich wirklich machen will und was ich ausbauen wollte, auch um davon leben zu können. Der Name „Book your Story!“ ist meiner ältesten Tochter eingefallen. Seitdem kooperiere ich mit unterschiedlichen Partnern, zum Beispiel mit dem Weinmeisterhaus in Mitte als Veranstaltungsort.

Anfang 2014 habe ich mit zwei Kolleginnen das theater und buchkollektiv Gumbke und Gauke gegründet. Gemeinsam führen wir Projekte im Zusammenspiel von Theater und Buchproduktion durch, zur Zeit vor allem im Vorschulbereich als kreative Sprachförderung. Dazu planen wir in Zukunft auch Fortbildungen anzubieten. Um Sprachförderung geht es auch bei meiner Zusammenarbeit mit Yaylas Wiese: nämlich um die lebendige Vermittlung von Bildungssprache durch Gemeinschaftliches Aktivlernen. Kombiniert mit Bewegung werden auch komplexe, grammatische Strukturen sowohl Kindern aus Familien mit wenig Bildungserfahrung als auch Kindern mit Fluchterfahrung schrittweise bewusster. Das ermöglicht den Kindern sprachlich noch ausgefeiltere Bücher zu schreiben.

Durch Indonesiens Ehrengastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse 2015 gab es einen sprunghaft angestiegenen Bedarf nach Übersetzungen aus dem Indonesischen, sowohl was literarische Texte an betraf als auch bei Veranstaltungen. Da war der Zeitdruck ungeheuer groß, doch war es sehr anregend und hat viel Spaß gemacht. Jetzt besteht die Herausforderung darin, dieses gewachsene Interesse an indonesischer Literatur nicht wieder in Vergessenheit geraten zu lassen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Bei den Buchprojekten mit Kindern ist die Finanzierung recht mühsam, da die Entstehung eines Buches immer einige Zeit in Anspruch nimmt und dadurch relativ hohe Honorarkosten anfallen. Da  würde ich gern abseits von Anträgen alternative Finanzierungsquellen erschließen. Außerdem wünschte ich mir, ein Atelier zeitweise nutzen zu können, um dort selbst Drucke anzufertigen.

Was die Übersetzungen aus dem Indonesischen anbelangt, ist es eine große Schwierigkeit, deutschsprachige Verlage zu finden, die bereit sind spannende, indonesische Autoren, die hierzulande noch weitgehend unbekannt sind, zu verlegen. Sonst könnte Selfpublishing vielleicht auch ein Weg sein. Das habe ich bisher noch wenig erkundet.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Einerseits dürfen mich Kinder und Jugendliche, beziehungsweise deren Schulen oder Kitas, die an Buchprojekten interessiert sind, gern kontaktieren. Gemeinsam suchen wir dann Finanzierungsmöglichkeiten.

Andererseits ist mir sehr an Verlagen gelegen, sowohl im Bereich Belletristik – im Spannungsfeld von Sozialkritik und magischem Realismus – als auch dem künstlerischen Kinderbuch, die sich für die Veröffentlichung von indonesischen Büchern für den deutschsprachigen Raum interessieren.

Wo finden wir Sie im Internet?

Sie finden mich unter

Persönlich bin ich auch auf Xing und LinkedIn zu finden und natürlich per Mail erreichbar: g.ingratubun@book-your-story.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Foto: (c) Andreas Umpfenbach

Christa Pellicciotta: Wir führen seit 2008 die Buchhandlung Wortreich in Glarus

27. Februar 2016

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Christa PellicciottaWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Christa Pellicciotta und wohne im Bergkanton Glarus in der Schweiz. Wir führen seit 2008 die Buchhandlung Wortreich mit Neusortiment und Buchantiquariat in Glarus und führen sehr viele kulturelle Events bei uns durch. Angefangen hat das Ganze mit einer Idee sozusagen familienintern und meine Tochter Janis, die ausgebildete Buchhändlerin ist, war das wichtige dritte Bein im Bunde. So bin ich quer eingestiegen in den Buchhandel und habe mich voll ins kalte Wasser gestürzt! Als Schwimmring war und ist uns Gabriele, unser Ehemann und Vater, das zweite Bein im Bunde. Ich mache mit Büchern das, was alle Buchhandlungen so machen: Ich verkaufe sie und freue mich, wenn das richtige Buch zum passenden Leser findet – und dabei unterstütze ich den Kunden mit Leidenschaft. Für unsere Veranstaltungen bilden die Büchergestelle dann einen optischen Rahmen, der recht apart ist und akustisch gut wirkt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Einen typischen Tag gibt’s nicht immer, aber vielleicht könnte man sagen, dass ich meistens um 8 Uhr im Laden ankomme und anfange, zu arbeiten. Alle Geräte aufschalten, Bürokram, Mails ordnen, Facebook checken und dann die Agenda studieren bzw. Prioritäten setzen. Da ich eine Teilzeitmitarbeiterin und eine Lehrtochter (Auszubildende Buchhandel) beschäftige, überlege ich mir, wie und wer was machen könnte, sollte usw. Um 9 Uhr geht der Laden auf und am schönsten ist es, wenn dann sofort Kunden reinkommen, überall noch Kisten rumstehen und ein bisschen Chaos herrscht. Das gibt mir ein gutes Gefühl von viel Arbeit, die ich ja bis am Abend abarbeiten kann, also kein Stress machen! Diese weise Aussage hätte ich natürlich vor ein paar Jahren nie machen können, da war ich ständig auf Nadeln. Bis am Mittag ist man meist beschäftigt mit Bestellungen ausführen, Mails beantworten, Wareneingang verarbeiten, Kunden benachrichtigen. Nachmittags kommen natürlich Kunden und schriftliche Bestellungen rein, aber man hat Zeit für Hintergrundarbeiten und ich vor allem für die Organisation von Veranstaltungen. Abends um 18:30 schließen wir den Laden, außer ein Kunde braucht noch etwas länger, dann spielt’s auch keine Rolle. Ich und Gabriele bleiben oftmals noch länger hier, um etwas zu besprechen, Werbung zu organisieren, oder Technisches zu optimieren. Natürlich sind wir abends auch oft hier, weil Veranstaltungen sind, also verlängert sich dann der Tag bis spätabends. Aber mittlerweile nehme ich mir die Freiheit, dass ich dann dafür mal unter der Woche ein paar Stunden freinehme, um Sport zu treiben oder im Garten zu lesen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Wie schon erwähnt, hat sich alles eingependelt und wir haben Routine bekommen, das spart Zeit und Energie bei allem. Vom Geschäft her ist die Lage ein bisschen schwieriger zu beurteilen, der Buchmarkt in der Schweiz ist gar nicht rosig und man weiß ja nicht, wie er sich noch entwickelt. Wir persönlich haben natürlich einen Aufstieg erlebt, da wir erst 2008 angefangen haben. Mittlerweile hat sich unser Geschäft auch etabliert, wir sind angesichts der Lage im Buchhandel und speziell auch in unserem Bergkanton recht zufrieden. Die Buchpreisbindung war schon gefallen, als wir 2008 angefangen hatten, da kann ich also keine Vergleiche ziehen, aber 2015 war bei etwa gleich gutem Buchverkauf der Umsatz gesunken, da die Buchpreise stark gesenkt wurden in der Schweiz.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wir haben verschiedene Probleme, banale wie das alte Gebäude mit einer komplizierten alten Heizung, schwachem Stromnetz, fehlender Isolierung – aber wir fühlen uns sehr wohl hier drin, es ist einer der charmantesten Räume in Glarus mit großen Fenstern und großzügigem Raumkonzept, da ehemaliges Industriegebäude. Ein konkretes Geschäftsproblem ist aber sicher, dass wir abgelegen sind vom Zentrum unserer Kleinstadt. Also sehr wenig Laufkundschaft. Da suchen wir ständig Lösungen und sind sehr aktiv im Dagegenhalten. Wir versuchen auch, unser großes modernes Buchantiquariat außerhalb unseres Kantons bekannt zu machen – und schalten auch mal Leinwand-Werbung in einem Zürcher Kino.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Oh, jeder Kunde ist uns willkommen! Auch Buchliebhaber, die nach stundenlangem Stöbern im Antiquariat nur einen Kaffee an unserer Bar trinken, sind eine Bereicherung. Wir werden ständig kontaktiert von Künstlern, die auftreten möchten hier oder Autoren, die ihr Buch vorstellen möchten, und anderen Veranstaltern oder Kunden, die einfach neugierig sind, was wir alles so machen. Für uns sind alle Kontakte hilfreich, die uns irgendwie weiterbringen, unserer Buchhandlung einen guten Ruf einbringen und neue Kunden bringen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Christa Pellicciotta

Antonia Stolz und Ioan Brumer: Wir verlegen ausschließlich Bücher auf Rolle

18. Februar 2016

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Antonia Stolz

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Wir sind Antonia Stolz und Ioan Brumer und zusammen haben wir im April 2015 Round not Square gegründet. Das ist ein unabhängiger Verlag der Einzigartiges macht: wir verlegen ausschließlich Bücher auf Rolle. Damit schaffen wir ein Format, dass in die Länge unbegrenzte Möglichkeiten bietet. Unsere Rollen sind irgendwo zwischen Buch und Kunst und sind von uns entwickelt, produziert und verlegt. Man liest sie von links nach rechts und kann als Betrachter immer den Ausschnitt selbst wählen, den man sehen möchte. Im Moment haben wir schon fünf wunderbare Bücher im Programm, von Wilma und Wolf, einem bezaubernden Kinderbuch mit einer 11m langen durchgehenden Illustration bis hin zu einem Kunstband mit Werken des amerikanischen Fotografen Larry Yust.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Für uns gibt es gerade noch keinen typischen Tag, meistens ist von allem was dabei. Manchmal machen wir vor allem Kunsthandwerk (wir drucken und binden alle unsere Bücher selbst), dann sind wir ein Berliner Start-Up mit all den Herausforderungen, meistens sind wir Verleger. Das ist ziemlich viel und ziemlich vielfältig und wir schätzen uns glücklich, denn wir haben jeden Tag mit schönen Büchern zu tun.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Am Anfang ging es um Grundsätzliches, wie die Gründung unseres Unternehmens, Proof of Concept, unsere (zum Glück erfolgreiche) Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter. Wir haben unsere ersten Publikationen auf den Weg gebracht und monatelang damit zugebracht, sicherzustellen, dass unsere Rollen nicht nur dieses ganz besondere Format bieten, sondern auch im Handling und Design höchsten Ansprüchen genügen. Weil niemand macht, was wir machen, stehen wir oft vor ganz unvorhergesehenen Herausforderungen. Wir haben zum Beispiel viel Zeit damit verbracht das richtige Papier auszuwählen. Das war schwierig, denn wir mussten direkt bei der Papierfabrik bestellen und sind nun stolze Besitzer von zwei Tonnen Papier in riesigen Rollen… sowie eines Werkstattkrans. Jetzt sind wir gerade in unser Ladenstudio gezogen, versuchen die Menschen wissen zu lassen, dass es Round not Square gibt und freuen uns über das wachsende Interesse. Und natürlich arbeiten wir auch an unserem Programm für dieses Jahr.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Zwischen Kunst- und Buchmarkt wollen wir uns eine Nische schaffen, die zulässt, dass wir beides sind, ohne uns in Schubladen stecken zu lassen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir suchen freie Buchbinder, die ihr Handwerk verstehen und schätzen. Außerdem freuen wir uns über Interesse von kunstorientierten Buchhandlungen sowie Galerien für den Aufbau unseres Netzwerks.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unsere Homepage heißt round-not-square.com und unser Shop ist hier zu finden round-not-square.com/shop.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Foto: (c) @roundnotsquare

Gabriele Radecke: Ich habe die Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen gegründet

6. Januar 2016

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Gabriele RadeckeWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Gabriele Radecke; ich bin Literatur- und Editionswissenschaftlerin an der Universität Göttingen. 2010 habe ich dort die Theodor Fontane-Arbeitsstelle gegründet, um Fontanes Werk in Buch- und digitalen Editionen für das 21. Jahrhundert neu zu veröffentlichen. Inzwischen sind wir ein gut aufgestelltes Team, das an der Herausgabe und Kommentierung von Fontanes autobiographischen, reiseliterarischen und kritischen Texten arbeitet; die Bände erscheinen im Rahmen der Großen Brandenburger Ausgabe im Berliner Aufbau Verlag und wenden sich an Fachwissenschaftler und an ein allgemeines Lesepublikum. An der Fontane-Arbeitsstelle entsteht außerdem in enger Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen die digitale erste Gesamtausgabe von Theodor Fontanes Notizbüchern; diese Edition wird auch als Buch im Walter de Gruyter-Verlag erscheinen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, weil sich die Arbeit nicht immer in regelmäßige Abläufe einteilen lässt. Deshalb fasse ich lieber die Schwerpunkte zusammen, zu denen neben dem Lesen und Schreiben insbesondere die folgenden Tätigkeiten gehören: die Betreuung der Mitarbeiter an der Fontane-Arbeitsstelle – die Leitung von Teamsitzungen – die wissenschaftliche Beratung bei der Herstellung von Buch- und digitalen Ausgaben – das Entziffern der komplizierten Handschrift Fontanes, die Kommentierung erläuterungsbedürftiger Textstellen, das Erstellen von Registern und die Textredaktion – Vorträge und Seminare und schließlich neue Fontane-Projekte entwickeln und Förderanträge schreiben.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Der digitale Medienwandel hat auch die editorischen Methoden und Arbeitsweisen sowie die Publikationsformen von Werkausgaben erweitert. So ersetzen digitale Werkzeuge und virtuelle Forschungsplattformen zunehmend die bisherige Arbeit mit konventionellen Computerprogrammen. Diese grundlegende Veränderung setzt voraus, dass man sich mit der neuen Technik vertraut macht. Hinzu kommt, dass die Editionen nunmehr als gedruckte Bücher, als E-Books und als digitale Ausgaben in interdisziplinären Teams erarbeitet und publiziert werden. Dafür ist eine große Kommunikationsfähigkeit sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, insbesondere mit IT-Experten, erforderlich. Schließlich hat sich die Art der Recherche für die Texterläuterungen verändert. Arbeitete man früher fast ausschließlich in Bibliotheken mittels Kataloge und gedruckter Bücher, so wird die editorische Arbeit nunmehr durch das Internet und das Lesen am ortsunabhängigen Bildschirm nicht nur maßgeblich unterstützt, sondern auch erheblich erleichtert.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das größte Problem ist die Finanzierung. Da unsere Stellen durch Drittmittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Fritz Thyssen Stiftung gefördert werden, muss ich mich ständig um weitere Projekte und deren Finanzierung kümmern, was mich oftmals von der inhaltlichen Projektarbeit abhält.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich immer über das Gespräch mit Fontane-Leserinnen und Lesern; außerdem würde ich mich gerne noch mehr mit Kollegen vernetzen, die sich ebenfalls dafür engagieren, Autoren und ihre Texte auch einem jüngeren Publikum durch analoge und digitale Werkausgaben näherzubringen. Schließlich bin ich an einem Austausch über Erfahrungen von erfolgreicher Drittmitteleinwerbung und Sponsoring interessiert.

Wo finden wir Sie im Internet?

Man findet mich im Internet auf der Website der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Göttingen. Neuigkeiten gebe ich über twitter und facebook bekannt. Ausführliche Projektinformationen gibt es auf der Website der Theodor Fontane-Arbeitsstelle. Die digitale Edition von Theodor Fontanes Notizbüchern wird im Fontane-Notizbuch-Portal publiziert.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Gabriele Radecke

Julia Christ: Ich bin Projektleiterin der 1. Internationalen Autorenmesse

20. November 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Julia ChristWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Julia Christ und ich bin Projektleiterin der 1. Internationalen Autorenmesse.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich komme morgens um 8:00 Uhr ins Büro, checke meine Mails und danach auf sozialen Netzwerken alle Seiten, die ich betreue. Anschließend wende ich mich ganz meinem Projekt, der 1. Internationalen Autorenmesse, zu. Da ich das Event von A-Z organisiere, gibt es immer was zu tun: Die richtige Location finden, die passenden Referenten buchen, Vermarktungsstrategien entwickeln, Einladungen erstellen und verschicken und vieles mehr.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Wir haben festgestellt, dass immer mehr Menschen Bücher schreiben möchten und dass der Bedarf daran gewachsen ist. Aber nicht nur der Bedarf ist gewachsen, sondern auch die Möglichkeiten, ein Buch zu schreiben. In vielen Hinsichten ist es einfacher geworden und wir möchten unsere Besucher über die vielfältigen Chancen informieren.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Vor einem Jahr sagte ein Verleger auf der Frankfurter Buchmesse, der Autor sei dort nicht erwünscht, denn es gehe auf der Messe darum, Bücher zu verkaufen. Wo aber findet der Autor oder der potenzielle Autor Gehör und eine Lobby? Wo findet er Menschen, die ihm seine Fragen fachkundig beantworten, ihm bei der Entwicklung von Strategien helfen? Jedes Buch beginnt mit einer Idee, die es zu prüfen gilt. Hat sie genügend Substanz, um daraus etwas zu machen, das auch abgedruckt wird? Wen soll ich ansprechen, um eben das herauszufinden? In welchem Stil soll ich schreiben? Brauche ich eine Schreibschule? Wie illustriere ich mein Werk? Welche Dienstleister helfen mir bei der professionellen Umsetzung meines Projekts? Ist traditionelle Papierform besser oder setze ich lieber aufs eBook? Oder wäre auch ein Hörbuch eine Alternative?

Auf der nächsten Stufe kommen Zusatzfragen auf. Brauche ich einen Rechtsanwalt? Wie steht es um den Urheberschutz? Und wenn das Buch gedruckt ist, geht die Arbeit auf einer anderen Ebene weiter. Wie vermarkte ich es so geschickt, dass sich mein Einsatz zum einen für mich selbst finanziell lohnt und zum anderen so viele Menschen wie möglich an meinen Gedanken und meinem Wissen teilhaben können?

Die Autorenmesse dient dazu, alle diese Fragen zu beantworten. Zudem finden noch verschiedene Workshops und Lesungen statt.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Autoren und die, die es werden wollen, aber auch Verlage, Ghostwriter, Lektoren, Illustratoren, Medienanwälte, Verlagsagenten, Buchvermarkter und Mitglieder von Plattformen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Homepage: www.autorenmesse.com

Facebook: 1. Internationale Autorenmesse

Twitter: @Autorenmesse

E-Mail: projekt@hermannscherer.com

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Julia Christ

Claus Overbeck: Ich habe die Online-Vorlese-Plattform LivingKidsBooks.com gegründet

29. Oktober 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Claus_Overbeck

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Claus Overbeck. Ich bin Diplom-Informatiker und Vater einer fünf-jährigen Tochter und eines zwei-jährigen Sohnes. Beide sind große Bücherfreunde und bekommen sehr gerne von Mama oder Papa vorgelesen. Da dieses Glück in Deutschland nicht mehr alle Kinder haben, habe ich mich vor zwei Jahren entschieden, Arbeit und Vergnügen miteinander zu verbinden und die Online-Vorlese-Plattform LivingKidsBooks.com gegründet, auf der in ansprechenden Filmen Bücher gezeigt und vorgelesen werden.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Mein Arbeitsalltag beginnt um 8:30 Uhr, wenn ich meine Tochter im Kindergarten absetze und mich auf den Weg ins Büro mache. Dort habe ich es mir inzwischen so eingerichtet, dass ich bis zur Mittagszeit komplett in meinen „Code abtauche“, d.h. ich konzentriere mich voll auf das Programmieren von Features und Funktionen unserer Website und die Entwicklung der dazugehörigen App. Nachmittags erledige ich dann Dinge, die im Büro anfallen, und bin auch wieder für die Außenwelt zu sprechen, führe Telefonate oder bespreche neue Strategien mit meinem Team. Einmal pro Woche stehe ich außerdem selber vor der Kamera und drehe ein kurzes Video, in dem ich über unseren neusten Buchfilm erzähle, den wir wöchentlich veröffentlichen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als ich mit dem Projekt gestartet bin, war es zunächst ein Ein-Mann-Unternehmen. Ich habe die Website erstellt, die einzelnen Elemente zusammengesetzt und auch schon erste Verlage auf den Buchmessen angesprochen. Nach einem Jahr hatte ich eine Basis aufgebaut und konnte mir einen weiteren Programmierer und eine Assistentin mit ins Boot holen, die mich bei der Arbeit unterstützt haben. Heute sind wir ein fünf-köpfiges Team, das zusammen programmiert, Marketingkonzepte austüftelt und auf Buchmessen fährt.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

„Ich lese meinen Kindern doch selber vor. Warum soll ich das jetzt durch einen Computer ersetzen?“ – das ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird und dieses Missverständnis ist unser größtes Problem. Wir möchten auf gar keinen Fall das elterliche Vorlesen ersetzen! Wir möchten vielmehr dann eine Alternative bieten, wenn dieses nicht möglich ist und die Kinder stattdessen vor dem Fernseher „geparkt“ würden.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir freuen uns natürlich immer über Verlage, für die LivingKidsBooks interessant ist und die gerne mit ihren Titeln auf unserer Plattform vertreten sein möchten. Auch Journalisten und Redakteure von (Online-)Zeitschriften und Blogs dürfen uns gerne mit Ihren Fragen löchern. Wer sonst eine gute Idee für eine Kooperation hat, darf damit natürlich auch jederzeit bei uns anklopfen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Die Online-Plattform und das Blog findet man auf livingkidsbooks.com.
Persönlich erreicht man mich unter claus.overbeck@abovo-it.com oder 0241-957 88 747.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Claus Overbeck

Rémi Jaccard: Wir arbeiten an einem Ort für die Wirklichkeit der Literatur

17. September 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Rémi Jaccard

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Rémi Jaccard und seit einigen Monaten leite ich, gemeinsam mit Gesa Schneider, den Strauhof in Zürich. Der Strauhof, der ja bis letztes Jahr lange und erfolgreich Literaturausstellungen gezeigt hatte, wird nach einem kurzen Unterbruch am 25.9.2015 unter einer neuen Trägerschaft wieder eröffnet. Was ich also mit Büchern mache, ist, ihre Geschichten und Sprache, Hintergründe über die Personen, die sie schreiben, oder die Bedingungen, unter denen sie entstehen, in den Raum zu übertragen. Wir arbeiten an einem Ort für die Wirklichkeit der Literatur.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Seit Juli haben wir unser Büro im ehemaligen Café des Strauhofs mitten in der Zürcher Altstadt eingerichtet – ein grossartiger Arbeitsort. Typische Arbeitstage gibt im Moment nicht, da wir noch in der Aufbauphase sind. Im Moment wird gerade die erste Ausstellung «Mars – Literatur im All» installiert. Daneben planen wir die Eröffnung und arbeiten an unserer Kommunikation, ich kümmere mich aber auch um ein neues Kassensystem oder die Signaletik im Haus. Parallel entstehen Rahmenprogramm und Vermittlungsangebot, aber auch Konzepte und Budgets für die kommenden Ausstellungen. Und nicht zuletzt läuft bis zum 21. September noch unsere crowdfunding-Kampagne.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Die Intensität hat seit der Planungsphase im Frühjahr deutlich zugenommen. Unser Team ist gewachsen, während die Zeit für Gedankenspiele abgenommen hat. Im Moment fehlt mir etwas die Möglichkeit für die strategische und konzeptuelle Arbeit, da alles darauf ausgerichtet ist, dass der Strauhof zur Eröffnung funktioniert. Dafür ist es umso schöner zu sehen, wie sich Ideen und Vorstellungen konkretisieren und Wirklichkeit werden.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein angenehmes Problem bei meiner Arbeit ist, Literatur auszustellen, aber nicht nur Zitate und Buchcover zu präsentieren, sondern ihren Inhalt und ihre Atmosphäre einzufangen und sichtbar zu machen. Dabei suche ich keineswegs eine abschliessende Lösung, als vielmehr die Bereitschaft, mich immer wieder auf neue Ansätze einzulassen. Ein weniger angenehmes Problem ist das Beschaffen der Mittel, die für Betrieb, Programm und Kommunikation nötig sind.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Zurzeit brauchen wir vor allem Menschen, die Bücher wie wir als Portal zur Imagination verstehen und den Strauhof unterstützen, sei es als Gönnerinnen oder als Besucher, sei es als Blogger oder Journalistinnen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Sie finden uns primär unter www.strauhof.ch, aber auch auf Facebook, Instagram und Twitter. Und natürlich die bereits erwähnte crowdfunding-Kampagne, bei der Sie von Beginn dieses neue Kapitels in der Geschichte des Strauhofs mitschreiben können: https://wemakeit.com/projects/strauhof-ein-neues-kapitel

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Rémi Jaccard