Was Menschen mit Büchern machen. Seit 2009. Von Leander Wattig.

Beiträge aus der “Buchhandels-Anekdoten” Kategorie

Simone Dalbert: Wie aus Spaß ein Buch entstand („Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin“)

3. Mai 2013

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Viele Leser hier auf „Ich mach was mit Büchern“ werden meine kleinen Geschichten aus der Buchhandlung kennen. Schon vor einer ganzen Weile sprach mich Leander Wattig an, ob ich nicht Lust hätte, eine Reihe mit Anekdoten aus dem Leben einer Buchhändlerin auf seiner Seite zu veröffentlichen. Nach den ersten Kurzgeschichten war klar, mir machte es richtig Spaß, meine Erlebnis aus dem Berufsalltag einer Buchhändlerin in Worte zu fassen, und den Lesern machte es Spaß, mal hinter den Tresen zu schauen.

Viele kannten ähnliche Szenen aus ihren eigenen Erfahrungen, andere gehen jetzt anders in Buchhandlungen und bestellen nie wieder ein Schulbuch, ohne die ISBN parat zu haben. Oder nennen uns freiwillig ihren Namen, wenn sie ein Buch abholen möchten. Manche Geschichten erzählen auch einfach nur über den Spaß, den wir auch im Buchhandel öfter mal haben.

Mit der Zeit sammelten sich einige Geschichten an, die man hier auf „Ich mach was mit Büchern“ noch immer finden kann. Im Internet bleibt zwar alles erhalten, wird aber meist nur kurze Zeit wahrgenommen. So kam ich auf die Idee, dass die Geschichten eigentlich gesammelt werden müssten, zum Beispiel in Form eines E-Books. Dieser Gedanke reifte eine ganze Weile, da ich mit anderen Projekten ausgelastet war. Und dann schlug das Schicksal zu.

Normalerweise fragen Autoren oft bei etlichen Verlagen an, bis ihr Werk veröffentlicht wird. Bei mir war sehr viel Glück und auch Zufall im Spiel. Schon im Frühjahr hatte ich Peter Schmid-Meil auf dem BuchCamp kennen gelernt, mehr zufällig auf der Frankfurter Buchmesse wieder getroffen. Danke an Silke Hartmann, der ich das zufällige zweite Treffen verdanke, ohne das es das Buch „Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin“ wohl nie gegeben hätte. Peter suchte nämlich gerade nach Inhalten, die man als E-Book im neuen Verlag TUBUK.digital veröffentlichen könnte. Wir tauschten die Kontaktdaten aus, er schaute sich meine Buchgeschichten an und jetzt war der Zug nicht mehr zu stoppen, der mich ehrlich gesagt ein wenig überrollte. Denn noch kurz zuvor hätte ich nicht wirklich geglaubt, dass aus dieser Idee Realität werden könnte.

Er war begeistert von den Szenen eines Buchhändlerlebens, aber es waren noch zu wenige, selbst für ein kleines E-Book. Also saß ich wieder am Schreibtisch und schrieb, Ideen waren noch genügend vorhanden. Susanne Schmitz von TUBUK.digital lektorierte die Geschichten, zusammen suchten wir passende Tweets von @buchgeschichten, die wir einstreuen konnten. „Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin“ entstand.

Im Januar war es dann schon so weit, das E-Book von „Papiergeflüster“ war geboren. Ein unglaubliches Gefühl, das eigene Geschriebene so zu sehen, wunderbar! Aber das Wunder war noch nicht zu Ende. Wenig später bekam ich die Nachricht, dass „Papiergeflüster“ sogar gedruckt erscheinen würde, im Acabus Verlag. Davon hätte ich nicht zu träumen gewagt, ein Buch auf Papier, mit mir als Autor. Ganz ehrlich, es ist ein seltsames Gefühl, seinen eigenen Namen im Bibliographie-Programm zu lesen, aber kein schlechtes.

Da ich es selbst kaum glauben konnte, hatte ich erst einmal nur sehr wenigen Leuten davon erzählt. Bis es dann offiziell auf der Verlagshomepage stand, jetzt war es wirklich wahr. Mein kleines Wunder, über das ich noch immer nur staunen kann.

Vielen Dank an alle, die geholfen haben, „Papiergeflüster“ entstehen zu lassen!

Simone Dalbert: Wir können auch Amazonisch

17. Dezember 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Normalerweise sind unsere Kundengespräche etwas ausführlicher. Manchmal ergibt es sich aber auch, mit wenigen Worten ein Buch an den Mann oder die Frau zu bringen.

Eine Kundin rief an und wünschte “Die Bienenkönigin”. Nach Kontrolle des übereinstimmenden Autorennamens durfte ich ihr dann “Die Bienenhüterin” zurücklegen. Eine Stunde später kam sie vorbei, um ihr Buch abzuholen und sie erzählte mir, dass sie allen möglichen Leuten “Die Bienenkönigin” empfohlen hätte, dabei würde es ja gar nicht so heißen. Sie fand das Buch so großartig, was ich dann auch gleich bestätigen konnte, ich mochte es auch sehr gerne. Wir tauschten uns so begeistert über das Buch aus, dass eine andere Kundin neugierig wurde. “Über welches Buch sprechen sie gerade?”

Während nun die erste Kundin der zweiten “Die Bienenhüterin” empfahl, ging ich zum Regal und nahm “Gute Geister” von Kathryn Stockett heraus. Es folgte mein wohl kürzestes Beratungsgespräch. Ich reichte es Kundin Nummer Eins mit den Worten: “Wenn Ihnen das gefiel, wird Ihnen dieses hier auch gefallen.”

Mehr musste ich gar nicht sagen, sie antwortet nur “Ist gekauft.” So ähnlich läuft das wohl bei Amazon. Aber ohne den Spaß des persönlichen Austauschs über ein gelesenes Buch, begleitet von guter Laune und einem Lächeln.

Simone Dalbert: Sex sells – aber nur heimlich

14. August 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

In den letzten Wochen war mit „Shades of Grey“ ein Roman auf der Bestseller-Liste gelandet, den man als „Pornographische Literatur“ einordnen kann. Auch wenn ich ihn ehrlich gesagt nicht schlimmer fand als so manch anderen Nackenbeißer. Was auch immer man von diesem Roman halten mag, er verkaufte sich prächtig. Aber nicht in unserer kleinen Vorortbuchhandlung. Ein Gespräch mit der Bibliothekarin vor Ort ergab, dass auch bei ihr noch niemand nach diesem Roman gefragt hatte. Warum wohl? Solche Bücher wollen die Leute anonym kaufen. Im Internet, oder einem Buchkaufhaus, aber nicht im Laden um die Ecke, wo sie mit „Grüß Gott Frau XY“ begrüßt werden und beim nächsten Besuch Gefahr laufen, gefragt zu werden, wie ihnen denn die letzte Bucherwerbung gefiel.

Eine Kundin fragte mich aber doch, nach einem schnellen Blick, ob auch ja niemand zuhört, ob ich es gelesen hätte. Als ich meinte „Ja, zum Teil“ schaute sie mich erst erstaunt an und fragte dann voller Neugier „Und? Wie war es?“ Als gerade sonst niemand da war, hat sie es dann auch gekauft, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich werde ihr aber den peinlichen Moment ersparen und sie beim nächsten Besuch nicht fragen, wie es ihr denn gefiel.

Bei einem anderen Kunden hatte ich mehr Mühe, mich zusammen zu reißen. Er kam an den Kassentresen und fragte nach einem Zettel. Notierte etwas darauf und schob in mir rüber. Wieder dieser Blicke nach rechts, nach links, jemand in Hörweite? In verschwörerischem Ton teilte er mir mit: „Zu diesem Thema suche ich etwas“. Ich gestehe, ich war jetzt wirklich gespannt, was er da wohl notiert hatte. Es war dann aber doch halb so tragisch, „Bad Fucking“ hatte mich damals mehr verwirrt. „Pornographie im Internet“ war das verheimlichte Interessengebiet. Wahrlich nichts Schlimmes, solche Themen wischen mir nicht das freundliche Lächeln aus dem Gesicht. Auch wenn es mich ein wenig gereizt hat, die bekannte Werbung für Verhüterli zu imitieren. „Tina, haben wir was über Pornographie im Internet da?“

Simone Dalbert: Als Buchhändler auf dem BuchCamp

10. Mai 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Am ersten Wochenende im Mai war es wieder so weit, der Börsenverein des deutschen Buchhandels organisierte das inzwischen dritte BuchCamp auf dem Mediacampus in Seckbach.

Vor einem Jahr war ich mir noch nicht so sicher, ob ich als angestellte Buchhändlerin dort überhaupt hingehöre. Aber im Anschluss an das letzte BuchCamp waren die Rufe nach den fehlenden Buchhändlern so laut, dass ich mir ein Herz nahm und mich anmeldete. Zum Glück war ich damit schnell genug, es dauerte keine 12 Stunden, schon waren alle Plätze vergeben.

Immerhin waren dieses Jahr 11 der 140 Teilnehmer Buchhändler, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Bei den 24 Sessions gab es auch etliche Themen, die für uns Sortimenter interessant waren. Nicht nur die des Eutiner Buchhändlers Jan Hoffmann, mit den Themen „Was verkaufen wir in Zukunft? Kein Bock auf Seife, Schokolade und Yogamatten“ und „Ideen gesucht: wie platzieren wir uns in den digitalen Welten unserer Kunden“. Auch in der „Selbsthilfegruppe für Facebook-Seitenadmins“ trafen sich etliche Buchhändler, ebenso bei „Lesen ist sexy – Eine Kampagne für bekennende Lesesüchtige“.

Eine Gruppe von Buchhändlern, einer Spezies, der es beruflich momentan nicht unbedingt blendend geht. Da könnte man meinen, das große Jammern hätte geherrscht. Aber weit gefehlt. Ja, die Entwicklungen wurden beim Namen genannt und es gibt rosigere Zeiten. Statt zu lamentieren, wurden aber Ideen ausgetauscht, es wurde diskutiert, mehr oder weniger erfolgreiche Beispiele genannt, ein Weg in die Zukunft gesucht. Voller Elan und Motivation. Buchhändler lernen ihren Beruf meist aus Leidenschaft. Diese Leidenschaft für ihren Beruf haben sie an diesem Wochenende deutlich bewiesen.

Nicht nur während der Sessions wurde rege diskutiert, auch in den zur Genüge vorhandenen Pausen fanden sich immer wieder wechselnde Gesprächspartner. Am Ende des Wochenendes hatte man sich mit Vertretern der verschiedensten Teile der Buchbranche ausgetauscht. Ein Austausch, der neben mehr Verständnis für andere Seiten des Geschäfts auch ganz neue Möglichkeiten der Vernetzung aufzeigte. Und Vernetzung ist es, was wir für die Zukunft brauchen.

Nach diesem Wochenende kehrte ich mit vielen im Kopf herum schwirrenden Ideen wieder in die Buchhandlung zurück. Buchmenschen, die ich bisher nur aus dem Internet kannte, haben nun ein Gesicht und eine Stimme erhalten, Kontakte wurden vertieft und neue geknüpft.

Jetzt weiß ich sicher, das BuchCamp ist auch für Buchhändler einen Besuch wert. Wo sonst trifft man so viele engagierte Buchmenschen auf einem Haufen, in familiärer Umgebung, mit der Möglichkeit sich zu unterhalten und auszutauschen? Deshalb hoffe ich sehr, dass es auch nächstes Jahr wieder ein BuchCamp geben wird, und dass ich wieder ein Teil davon sein darf.

Vielen Dank an alle Teilnehmer und die Organisatoren, die dieses Wochenende möglich gemacht hatten!

Simone Dalbert: Rätselraten zum Welttag des Buches

23. April 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Heute, am 23. April, ist es mal wieder so weit, es ist Welttag des Buches. Wie jedes Jahr haben wir uns an der Buchgutschein-Aktion beteiligt, bei der Schüler mit einem Gutschein das Büchlein „Ich schenk Dir eine Geschichte“ von uns geschenkt bekommen. Damit das alles etwas interessanter wird, gibt es dazu eine kleine Aktion in der Buchhandlung, wenn die Klassen vorbei kommen.

Natürlich hat man da schon etwas in der Schublade, von den Jahren zuvor oder auch den Lesekoffer-Aktionen. Dieses Jahr haben wir aber ein Problem mit den Rätseln aus dem Vorrat, drei der Besucherklassen waren auch schon wegen der Lesekoffer bei uns zu Besuch und kennen die Scherzfragen, den Mini-Krimi zum Miträtseln und die Bücherfragen also längst. Es musste spontan etwas Neues her, natürlich fiel uns das erst relativ spät auf. Weil wir momentan mit Renovierungsplanung auch ganz gut beschäftigt sind, der Wasserschaden hinterließ bleibende Spuren.

Guter Rat ist teuer, Rätsel entwerfen nicht. Buchstabensalat, Schätzfragen und Buchfigurenraten lassen sich recht schnell zusammen basteln. Beim Buchstabensalat müssen sie die durcheinander gewürfelten Buchstaben von bekannten Buchfiguren erraten. So weit so gut, es war aber doch gar nicht so einfach, Figuren ohne Doppelnamen zu finden, die auch noch möglichst bekannt sind. Das Sams war uns dann doch zu einfach. Beim Proberätseln war die Kollegin fast enttäuscht, dass ich ihren Asterix schneller erraten hatte, als sie die Stoppuhr auch nur starten konnte. Das X war einfach zu verräterisch.

Dann entwarfen wir Schätzfragen zu Büchern. Google war mal wieder unser bester Freund. Über so manche Antwort waren wir selbst erstaunt. Das größte Buch der Welt passt kaum an die Wand im Laden, wo die Kollegin seine Größe mit Klebeband markieren wollte, um den Kindern eine Vorstellung von der Größe zu geben. Das kleinste Buch der Welt hat dagegen locker auf meinem kleinen Finger Platz, auch gerne noch zwei nebeneinander. Und nein, ich habe keine Wurstfinger.

Zum Glück waren wir zu dritt. Wann immer wir zwei Rätsel-Entwerferinnen uns nicht einige über die Formulierung eines Satzes wurden, durfte die Auszubildende die entscheidende Stimme in die Waagschale werfen. Über meinen Vorschlag als falsche Antwortalternative zum meistgestohlenen Buch waren allerdings beide erst einmal gleichermaßen entsetzt. Am Ende fiel ihnen aber doch nichts Besseres ein. Mal sehen, wie viele Kinder „Die Bibel“ als das am häufigsten entwendete Buch ankreuzen.

Simone Dalbert: Wenn es in der Buchhandlung tropft und stinkt …

21. März 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Wenn die Kunden gleich nach dem Eintreten stehen bleiben, erstaunt die Folien über den Regalen, die Löcher in der Decke und die Eimer überall sehen, fragen sie alle das gleiche: „Sie renovieren?“

Natürlich kämen wir auf die Idee, im laufenden Betrieb mal eben zwei riesige Löcher in die Decke zu sägen und alle Regale rundherum abzudecken. Da sieht man ja auch die Bücher noch so gut. Nein, wir renovieren nicht. Noch nicht. Und nicht freiwillig. Ein defektes Abwasserrohr sorgte für die spontane und unkonventionelle Ladenumgestaltung.

Den schlimmsten Teil musste ich zum Glück nicht live erleben, ich hatte an dem Tag Bürodienst. Als die Kollegin anrief und mir riet, mich am nächsten Tag etwas wärmer anzuziehen. Man müsse den ganzen Tag die Tür geöffnet lassen, es tropft von der Decke und stinkt. Kurz darauf rief sie vom Handy aus an, dass sie nun auch keinen Strom und kein Telefon mehr hätten. Schließen? Nein, warum denn? Es sei zwar dunkel und stinkt, aber sie hätten gut zu tun. Na dann.

Am nächsten Morgen hatte ich das Vergnügen, mir die Misere näher anzuschauen. Eimer überall, eine Leiter mitten im Laden, unter einem großen Loch in der Decke, abgedeckte Regale. Aber es tropfte nicht mehr, der Strom war auch wieder da. Dafür kam im Laufe des Tages noch ein zweites großes Loch in der Decke dazu und die schlechte Nachricht, dass in dem Rohr ein 40 cm langer Riss sei.

Der Riss ist erst einmal abgedichtet, alle Bücher wurden gerettet, es hätte schlimmer ausgehen können. Trotzdem war das eindeutig einer der Tage, auf die man gerne verzichten kann.

—————————————-
Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Über IMWMB

Simone Dalbert: Kalt da draußen?

15. Februar 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Unsere Kunden kennen gerade nur noch ein Thema, neben Büchern. Die Kälte. Wir sind immer bestens über die Außentemperaturen unterrichtet, mindestens jeder Zweite teilt uns gleich beim Hereinkommen mit: „Kalt da draußen!“. Ach nein, immer noch? Deshalb liegt auch das weiße Zeug da draußen?

Inzwischen fühlt es sich ja wirklich schon warm an, im Vergleich zu den letzten Wochen, in denen wir sogar im Laden gefroren haben. Die Buchhandlung wurde heiztechnisch nämlich leider eher ungünstig geplant. Die Heizkörper sitzen direkt unter dem Schaufenster. Da geht dann auch alle Wärme gleich hin, einmal durchs Schaufenster und ohne große Umwege raus.

Die Schaufenster dekorieren wir zu solchen Zeiten besonders gerne, immerhin sind die der einzige wirklich warme Ort im Laden. Aber irgendwann sind alle perfekt dekoriert, das letzte Buch ist gerade gerückt und wir müssen uns wieder der kalten Realität stellen. Wobei wir gar nicht klagen wollen, die Kollegen in der Schiller Buchhhandlung in Stuttgart hatten an den kältesten Tagen des Jahres auch noch einen Heizungsausfall im Laden. Dagegen waren unsere 15°C sicher kuschelig warm.

Steht man bei solchen Temperaturen den ganzen Tag im Laden, wird einem ab und an schon kühl um die Nase. Also sucht man sich Arbeiten, die mit möglichst viel Bewegung zu tun haben. Unter dem Tresen versteckt wärmt man die Finger an der Teetasse und träumt vom Feierabend, wenn man es sich mit einer Wolldecke gemütlich machen und endlich wieder auftauen kann.

Die Kunden schauten manchmal etwas irritiert, wenn ich sie in eine warme Fleecejacke gepackt, mit einem warmen Schal nach oben hin isoliert, begrüßte. Kommt man aus -15°C rein, ist das auch kein Wunder. Ich habe es selbst getestet, wenn ich die Kartenständer und Büchertische nach draußen brachte oder am Abend wieder in den Laden holte. Plötzlich versteht man gar nicht mehr, warum einem kurz vorher noch so frisch zumute war.

Jetzt genießen wir den schneeweißen Anblick vor dem Laden und fragen die Kunden beim hereinkommen sicherheitshalber: „Kalt da draußen?“

—————————————-
Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Über IMWMB

Simone Dalbert: Das Amt, das Verrückte macht

1. Februar 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Als Buchhändler steht man nicht nur im Laden, es gibt auch allerhand an Bürokram zu erledigen. Zum Beispiel müssen größere Schulbuchbestellungen öffentlich ausgeschrieben werden, damit sich jede Buchhandlung darauf bewerben kann. Auch wir bewerben uns um solche Aufträge. Jeder hat oft genug mit Ämtern zu tun und weiß, dass deren Papierkram einen an den Rand des Wahnsinns treiben kann. Das ist bei den Ausschreibungen nicht besser. Ein ganz besonderes Exemplar hatte ich allerdings diese Woche in Arbeit.

Es fing schon damit an, dass sie für die Ausschreibungsunterlagen gerne Geld hätten. Soweit ist das noch üblich. Sie hätten es gerne überwiesen. Auch gerne. Aber sie verraten einem nicht, wohin man es überweisen soll. Na gut, dann nutze ich doch die angegebenen Kontaktdaten und frage nach.

Den ersten Versuch unternahm ich per E-Mail. Es kam auch prompt eine Antwort, allerdings mit der Nachricht „E-Mail nicht zustellbar“. Vielleicht hatte ich mich in der Adresse vertippt? Dreimal kontrolliert, dreimal das gleiche Ergebnis, die E-Mail Adresse entsprach der angegebenen. Also ein zweiter Versuch an diese Adresse zu schreiben, es kam die gleiche Antwort zurück. Vielleicht hatte das Amt sich verschrieben?

Für den zweiten Versuch wählte ich den persönlichen Kontakt, eine Telefonnummer war ebenfalls angegeben. Auch zweimal wählen brachte immer das gleiche Ergebnis. Eine höfliche Stimme teilte mir mit, dass dieser Anschluss nicht existiert. Zwei Fehler in den Kontaktdaten? Wie wahrscheinlich ist das denn?

Eine Homepage hatten sie auch noch in den Kontaktdaten stehen. Also wollte ich den dritten Versuch der Kontaktaufnahme über diese Seite unternehmen. Vielleicht findet sich dort ja eine andere Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Hätte sich vielleicht, wenn die Seite existieren würde.

Inzwischen zweifelte ich daran, ob dieses Amt die Ausschreibung wirklich öffentlich machen wollte. Ohne Kontaktdaten kann ich die Unterlagen nicht anfordern, die ich für die Bewerbung brauche. Aber so leicht wird man mich nicht los.

Google, mein Freund und Helfer, suchte mir eine Seite mit verschiedenen Telefonnummern des zuständigen Amtes heraus. Ich wählte auf gut Glück eine davon und brachte mein Anliegen vor. Endlich war die Kontaktaufnahme geglückt, die Unterlagen müssten inzwischen auf dem Weg zu uns sein.

Mein Verdacht ist, dass es sich hierbei um eine Art Vorauswahl handelt. Nur wer nicht gleich aufgibt und sich den Problemen stellt, bekommt eine Chance auf den Auftrag. Wer kennt „Asterix erobert Rom“ und das Haus, das Verrückte macht? Genau so fühle ich mich bei diesen Ausschreibungen nicht selten.

—————————————-
Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Über IMWMB

Simone Dalbert: Murphy und sein dämliches Gesetz

18. Januar 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Nach Murphys Gesetz geht etwas, wenn schon, dann so richtig schief. Das kennt wahrscheinlich jeder von uns nur zu gut. Auch die Buchhändler bleiben davon nicht verschont.

In 99 Prozent aller Fälle kommt das bestellte Buch wie gewünscht am nächsten Tag bei uns an. Ab und an kommt es vor, dass es kurzfristig nicht lieferbar ist oder sonst etwas bei der Auslieferung schief geht.

In 99 Prozent dieser Fälle kommt das Buch einen Tag später endlich bei uns an. Aber es gibt diesen winzigen Teil aller Bestellungen, bei denen man kaum glauben mag, dass all das mit nur einem Buch schief gehen kann.

Erster Versuch: Das Buch wird bestellt. Es ist kein besonderer Titel, der Großhändler führt ihn, alles sieht nach einer ganz normalen Bestellung aus. Das Buch trifft am nächsten Morgen in einer Bücher-Wanne zusammen mit anderen Büchern ein. Welches ist das einzige beschädigte Buch in der ganzen Wanne? Genau, dieses eine. Noch gar nicht tragisch, kann ja mal vorkommen.

Zweiter Versuch: Das Buch wird neu bestellt, die Kundin informiert, das Buch wird einen Tag später eintreffen. Am nächsten Morgen großes Staunen, das Buch sah gestern noch ganz anders aus! Der Aufkleber auf der Rückseite behauptet, es sei das gleiche Buch. Leider klebt er aber auf dem falschen Titel. Kann ja mal vorkommen, der Anruf bei der Kundin wird aber schon ein wenig peinlicher.

Dritter Versuch: Wieder wird bestellt. Am Tag darauf der große Schrecken, anscheinend hat sich das Buch über Nacht zum Bestseller entwickelt. Oder wir haben inzwischen das Lager des Großhändlers geleert. Auf jeden Fall ist das Buch kurzfristig nicht lieferbar. Die Kundin hat zum Glück Verständnis.

Vierter Versuch: Wir bestellen telefonisch bei einem anderen Großhändler. Damit ist sicher, dass es noch lieferbar ist. Leider ist aber Dezember, über Nacht schneite es, die Autobahnen sind dicht, der LKW, in dem unser Buch liegt, steckt fest.

Unglaublich? Aber wahr. Diese Geschichte hätte ich mir gar nicht ausdenken können, wir haben sie erlebt. Am Tag darauf konnte die Kundin das Buch endlich in Empfang nehmen. Murphy hatte es mal wieder bewiesen, wenn etwas schief geht, dann so richtig.

—————————————-
Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Über IMWMB

Simone Dalbert: Alle Jahre wieder – Inventur

4. Januar 2012

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Alle Jahre wieder folgt auf das wuselige Weihnachtsgeschäft die Inventur. Alles muss erfasst, jede Postkarte und jede Rolle Geschenkpapier gezählt werden. Die Bücher können wir zum Glück scannen, ich habe auch noch die alte Methode mit Rechenmaschine und Fotoapparat erlebt. Fragt nicht.

Schon Wochen vorher fange ich an, mir Listen zu schreiben. Mit all den Dingen, die nicht gescannt, sondern von Hand gezählt und erfasst werden müssen. Damit auch ja keines vergessen wird. Das fängt bei den Kleinigkeiten wie den Postkarten im Lager an. Zu Weihnachten kauft natürlich niemand Sommerkarten, die liegen wohl verwahrt im Schrank. Da liegen sie gut, und werden gerne mal ignoriert.

Und es endet meist mit den Dingen, die man das ganze Jahr vor Augen hat und deshalb gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. Wie zum Beispiel dem lebensgroßen Skelett, das der Jahreszeit entsprechend gekleidet herum steht und eher als Kollege, denn als Inventar, angesehen wird. Es heißt übrigens Ferdinand und trägt zur Inventurzeit meistens noch seine Nikolausmütze.

Ist dann alles gezählt, beginnt der große Scannerspaß. Ein Laptop wird mit einem Scanner und einem kilometerlangen Verlängerungskabel ausgestattet, über das jedes Jahr mindestens ein Kollege stolpert. Bisher zum Glück ohne größere Schäden an Personal oder technischer Ausstattung. Mit dem drehen wir dann die Runde im Laden. Dem Laptop, nicht dem Kollegen.

Das Inventurprogramm startet zuverlässig nicht so wie es soll. Kein Jahr, in dem ich nicht den „Es tut mir leid, aber klappt nicht!“ Anruf tätigen muss. Das Mistding denkt sich aber auch immer wieder etwas anderes aus, weshalb es nicht geht. Die Inventurverzögerung wird inzwischen schon eingeplant.

Läuft dann endlich alles, erarbeiten wir uns den Muskelkater des Jahres. Jedes Buch muss so weit aus dem Regal gezogen werden, dass der Barcode scannbar ist. Liebe Verlage, wenn ihr das hier lest, tut uns einen Gefallen und druckt den Code so nahe wie möglich am Buchrücken. Spätestens beim sechsten Regalbrett verflucht man jeden Verlag, der es genau anders herum handhabt. Ich nenne hier keine Namen.

Computer machen ja grundsätzlich nicht, was sie sollen. Mitten im Regalbrett hängen bleiben ist so eine Sache. Welches Buch hat er als letztes erfasst? Gute Frage. Manchmal ist es aber auch gar nicht seine Schuld. Vor zwei Jahren habe ich mir selbst den GAU beschert und beim Übertragen der Daten falsch geklickt. Sie waren weg. Alle.

Der Chef nahm es zum Glück mit Humor, ich habe mich selbst auch zur Genüge verflucht. Als ich die zweite Inventur in einem Jahr machen durfte.

—————————————-
Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Über IMWMB