Was Menschen mit Büchern machen. Seit 2009. Von Leander Wattig.

Beiträge aus der “Autoren-Tools” Kategorie

Cahal Armstrong über Einsteiger-Tools für Self-Publisher

25. Oktober 2012

Cahal Armstrong ist Indie-Autor (www.cahal.de) und berichtet uns hier über Werkzeuge und Instrumente, die das Autoren-Leben erleichtern können.

Wenn man gerne schreibt, vorzugsweise Erzählungen, die einige hundert Seiten einnehmen, landet man früher oder später bei der Idee, damit an die Öffentlichkeit zu treten. Sicher kann man auch warten, bis ein Erbe oder Nachlassverwalter auf einen Haufen Manuskripte stößt und damit hoffentlich nicht gleich zum Kamin geht, doch die wenigsten Menschen dürften sich mit dieser Vorgehensweise zufriedengeben. Viele, die diese Zeilen lesen, sind wahrscheinlich schon so weit, dass sie sich mehr von ihrer Schreibtätigkeit erhoffen als nur ein paar Leser in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis. Vielleicht hegt der eine oder andere sogar den geheimen Wunsch, ein Schriftsteller zu werden oder strebt ganz offen nach diesem Ziel oder hat schon erste Erfahrungen mit Verlagen gesammelt.

Die einfachste Möglichkeit mit den größten Chancen für den Selfpublisher scheint mir persönlich der Weg über Kindle Direct Publishing zu sein. Sollte man bereits ein Konto bei Amazon besitzen, meldet man sich dort einfach mit diesem an und nach kurzer Einarbeitungszeit in das Thema eBooks kann es bereits losgehen. Eine gute Vorbereitung und ordentliche Planung ist jedoch nicht verkehrt. Auch eBooks müssen über ein vernünftiges Layout verfügen, ein Cover sollte professionell gestaltet werden und über den Wert einer eigenen Webseite habe ich bereits einiges geschrieben.

Manuskripte sollten natürlich in digitaler Form vorliegen, wer ambitioniert ist, nimmt Papyrus Autor als Textverarbeitung, über das ich berichtet habe. Damit gelingt nicht nur das Schreiben gerade auch von Romanen besser, man kann auch mit einem Mausklick ein eBook im ePub-Format erzeugen, welches dazu geeignet ist, bei KDP hochgeladen zu werden. Dort wird es dann in das Kindle-Format gewandelt, so dass die unzähligen Kindle-Eigentümer es kaufen und lesen können.

Ein Werkzeug ist auf dem Weg jedoch ratsam, nämlich das kostenlos erhältliche Programm Calibre, mit dem man eine ePub-Datei verbessern kann. Diese Software ist eigentlich zum Organisieren der eigenen eBook-Sammlung gedacht, eignet sich jedoch auch hervorragend zum Konvertieren von Dateien. Auf diese Weise können Cover direkt integriert und das Layout verbessert werden. Eine kleine Einarbeitung ist notwendig, Ein- und Ausgabeprofile für verschiedene Geräte, auch das Kindle, sind jedoch inbegriffen und erleichtern die Arbeit. Wer dann noch den typischen Anfängerfehler von Leerzeilen zwischen Absätzen vermeidet, indem er Calibre anweist, die »Abstände zwischen Paragrafen« zu entfernen, ist auf dem besten Weg zum eBook-Profi.

Das Cover muss natürlich neben seiner ästhetischen Gestaltung und dem Werbeeffekt auch über gewisse technische Voraussetzungen verfügen. Den aktuellsten Stand dazu erfährt man in den sehr ausführlichen Hilfeseiten, die man lesen kann, sobald man sich bei Kindle Direct Publishing angemeldet hat. Dort gibt es auch ein Forum, über welches sich Nutzer austauschen können.

Wer seine Bücher zudem gerne als Taschenbuch in der Hand halten will, sollte CreateSpace erwägen, eine Amazon-Tochter, die seit einiger Zeit in den USA tätig ist und ihren Service endlich auch in Europa anbietet. Das Schlagwort ist Print-On-Demand. Der Vorteil gegenüber vielen ähnlichen Konzepten ist, dass CreateSpace keine Kosten im Vorlauf verursacht. Jedes Buch wird einzeln hergestellt, einzeln bezahlt und vergütet, so ähnlich, wie es auch bei KDP läuft. Zudem sind alle CreateSpace-Veröffentlichungen über Amazon erhältlich, der Kunde merkt nicht einmal, dass er ein Print-On-Demand kauft.

Wer also noch überlegt und zögert, sollte sich einen Ruck geben. Es lohnt sich für jeden Schriftsteller, den Verkauf der Bücher in die eigene Hand zu nehmen.

Cahal Armstrong über die Gestaltung von Webseiten und WordPress

18. September 2012

Cahal Armstrong ist Indie-Autor (www.cahal.de) und berichtet uns hier über Werkzeuge und Instrumente, die das Autoren-Leben erleichtern können.

Wer als Schriftsteller Hut und Stock ergreift und in die weite Welt hinein geht, ist vor allem erstmal ziemlich einsam.

Abhilfe schafft in unserer Zeit der globalen Vernetzung eine Webseite. Viele schwören ausschließlich auf Facebook, Twitter und andere Möglichkeiten des Social-Network-Wunders, aber ich möchte frischen Autoren, die noch keine Leserschaft haben, eher zur vorrangigen Konzentration auf eine Webseite raten, die sich dann mit den Möglichkeiten der sozialen Netzwerke verknüpfen lässt.

Warum also unbedingt eine Webseite?

Als Autor braucht man vor allem Leser. Und Leser wollen lesen – verständlich, ist es doch eines der schönsten Hobbys. Oder ist es eher ein Lifestyle? Wer liest, liest jedenfalls verdammt gern. Das bringt eine Reihe von Rand-Bedürfnissen mit sich, die man heutzutage beinahe kostenlos über das Internet stillen kann. Wenn man sich für ein Werk begeistert, will man natürlich mehr darüber wissen und insbesondere Science-Fiction und Fantasy Leser suchen dann nach allem, was man darüber in die Finger bekommen kann, werden manchmal sogar zu regelrechten Fans.

Ich habe daher von Anfang an die Gelegenheit genutzt, Landkarten von Kabal, Kurzgeschichten, Wissenswertes aus den Welten, Beschreibungen und Bilder meiner Charaktere und etliche Inhalte mehr zu bieten. Das macht nicht nur mir Spaß, sondern auch meinen Lesern, wie ich anhand der Download-Zähler für die kostenlosen Zusatzinhalte erkennen kann. Meine Leser genießen also meine Erzählungen als Teil ihrer eigenen Welt und ich bin bemüht, dieses Erlebnis so unterhaltsam wie möglich zu machen.

Wer mit seinen Geschichten endlich an die Öffentlichkeit tritt, wird damit zum Erzähler. Erzähler, auch wenn sie das geschriebene Wort nutzen, wollen ihr Publikum unterhalten. Das Publikum aber hört nur zu, solange der Erzähler seine Stimme erhebt. Schweigt er, wendet es sich anderen Erzählern zu. Doch kann ein Schriftsteller alle vier Wochen einen 300 bis 600 Seiten langen Roman produzieren?

Eher nicht, aber eine Kurzgeschichte, einen Beitrag für das eigene Wiki, oder eine interessante Hintergrundinformation aus den eigenen Welten – das geht eigentlich immer.

Soziale Netzwerke allein können diese konzentrierte Art der Mitteilung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Die Stimme des Erzählers geht dort zu schnell im Gewirr der Schreihälse unter, die zwar viel reden, aber nichts zu sagen haben. Sich allein auf diese Möglichkeit der Mitteilung zu verlassen, halte ich für kritisch, da eine Webseite, die mit wohlüberlegten Inhalten gefüllt wird, eine andere Qualität haben kann.

Wie macht man so eine Webseite?

Am besten, man legt sich einen leeren, bezahlten Webspace zu, um ablenkende Werbeeinblendungen zu vermeiden (das sieht dilettantenhaft aus), und wählt eine griffige Domain, damit die Adresse im Browser so kurz wie möglich bleibt und auch mal leicht weitergegeben werden kann.

Dann sollte man seine Inhalte einfach selbst verändern können. Dazu kann ein CMS (Content Management System) dienen. Ich selbst benutze mit großer Freude das kostenlose WordPress, von dem inzwischen sicher fast jeder schon einmal gehört hat.

Während viele dabei sogleich an Blogs denken, sollte die Vielseitigkeit von WordPress nicht unterschätzt werden, die sich durch den Einsatz von Plug-ins ergibt, Zusatzmodule, die es meist kostenlos gibt und die den Funktionsumfang erheblich erweitern. Will ich etwas an meiner Seite ändern oder habe eine diesbezügliche Idee, schaue ich sofort über die integrierte Suchmaschine nach, ob nicht jemand ein entsprechendes Plug-in programmiert hat.

Ich werde fast immer fündig.

Auf diese Weise habe ich eine Suchmaschinenoptimierung, einen Spamfilter, einen Wartungsbildschirm für Änderungen, Newsletter, Social-Networking-Anbindungen und vieles mehr mit ein paar Klicks in meine Webseite eingebaut. Wer sich einmal an HTML versucht hat, versteht, warum das so wunderschön ist.

Natürlich kann die Einarbeitung in WordPress als Unerfahrener etwas zäher sein, doch wer sich da einmal durchgearbeitet hat (man kann auch Hilfe in Anspruch nehmen), wird seinen Fleiß zu schätzen wissen und bald wächst und gedeiht die eigene Bühne im Internet.

Das Schreiben von Artikeln bietet einem dann die Möglichkeit, neueste Nachrichten, Infos, Neuveröffentlichungen und andere Dinge einem interessierten Publikum anzubieten, das diese Inhalte auch lesen will.

Eine E-Mail-Adresse auf dem eigenen Webspace, ein Newsletter, auch Umfragen (Plug-in!) oder Kommentare bieten die Möglichkeit, den Lesern nahe zu sein und begeisterte E-Mails von Fans erfreuen jeden Schriftsteller.

Gerade am Anfang gibt es da aber auch Stolperfallen – und ich meine nicht nur technische. Schreiben und Veröffentlichen ist ein knirschendes Gewerk. Es gibt viele Rückschläge, Probleme, Kämpfe, die man austragen muss.

All das gehört nicht auf die Webseite!

Wer ständig einen negativen Ton anschlägt, pausenlos über die leidigen Probleme des Autorendaseins jammert, muss sich nicht wundern, wenn die Webseite kaum Besucher hat. Wenn man schreibt, macht man das aus Freude daran. Diese Freude ist es, an die man sich erinnern sollte, bevor man einen Artikel für die eigene Webseite verfasst, dann gelingt das Schreiben eines Artikels im richtigen Tonfall spielerisch.

Eine Webseite, auch wenn sie kein Blog im eigentlichen Sinne ist, verlangt ständig nach Aufmerksamkeit, wie ein schreiendes Baby. Darauf muss man gefasst sein. Sich also vorzunehmen, einmal in der Woche, oder auch nur zweimal im Monat Beiträge zu schreiben, verlangt nach Disziplin. Nicht immer küsst einen die Muse, wenn der Termin näher rückt, und manchmal muss man sich überwinden. Doch wenn man das macht, zeigt sie sich von ihrer barmherzigen Seite und küsst einen mit der ganzen Wärme ihres Herzens und plötzlich merkt man, dass man doch etwas zu sagen hatte. Solche Übungen tun gut und halten die kreativen Muskeln fit.

Autoren, die vielleicht Angst davor haben, ihre Werke in die Öffentlichkeit zu stellen, können sich so auch allmählich darauf vorbereiten, wie das Veröffentlichen funktioniert, wie man sich dabei fühlt. Mit jedem Artikel wächst die Zuversicht und das Schreiben von Artikeln für Webseiten stellt eine eigene Gattung mit ihren speziellen Herausforderungen dar. Man lernt also auch dazu.

Eine Webseite lohnt auf jeden Fall und wer seine Energie in eine gute Webpräsenz investiert, setzt zumindest einen soliden Grundpfeiler für die Basis seiner Arbeit als Schriftsteller.

Cahal Armstrong über „Papyrus Autor“ als hilfreiches Textverarbeitungs-Programm für Schriftsteller

30. Juli 2012

Cahal Armstrong ist Indie-Autor (www.cahal.de) und berichtet uns hier über Werkzeuge und Instrumente, die das Autoren-Leben erleichtern können.

Mit Feder und Tinte … schreiben wir schon lange nicht mehr. Wer viel schreibt, womöglich seine erste Veröffentlichung plant oder bereits umgesetzt hat, wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein Textverarbeitungsprogramm nutzen, das er bereits kennt. Word oder Open Office sind die wohl meistgenutzten Programme dieser Art und bieten eine Vielzahl von Funktionen, die dem Büroanwender sehr nützlich sind.

Der kreative Schreiberling sehnt sich aber tief in seinem Herzen nach ein wenig mehr.

So ging es auch mir und nach langer Suche bin ich bei Papyrus Autor gelandet. Warum ich diese Textverarbeitung so gut finde, möchte ich anderen Vielschreibern gerne näherbringen.

Das Schreiben langer Texte, also solcher Texte, die sich über mehrere hundert Seiten erstrecken, bleibt immer eine Herausforderung. Romane zu schreiben ohnehin. Und man muss sich nicht schämen, wenn man klar sagt, dass man dabei die Unterstützung einer guten Textverarbeitung sucht. Schriftsteller sind schließlich keine Wunderkinder, auch wenn diese Meinung in deutschen Köpfen einzementiert scheint, sondern normale Menschen, die einem Beruf nachgehen und dabei gewisse Ansprüche an ihr Arbeitsgerät haben (dürfen). Niemand setzt sich hin und kritzelt einen Bestseller auf einen Schreibblock, genüsslich an einer Tasse Cappuccino nuckelnd, während die Passanten auf den sommerlich erwärmten Kopfsteinpflastern (wahlweise in Rom oder Paris) vorüberziehen, um dann – 23 Monate später – in der Einsamkeit seiner skandinavischen Winterresidenz dem Jahrhundertwerk den letzten Schliff zu geben.

Schreiben ist harte Arbeit, Bildschirm, Tastatur und ständige Vernetzung sind die Realität.

Die Auswahl deutschsprachiger Software speziell für Autoren ist naturgemäß sehr dünn. Im Grunde stolpert man sofort über Papyrus Autor. Es gibt eine Reihe von weiteren Textverarbeitungsprogrammen aus dem englischsprachigen Raum, doch wie sinnvoll das Schreiben deutscher Texte mit solchen Programmen ist, möchte ich hier nicht diskutieren, vielmehr möchte ich gleich einen Blick auf Papyrus Autor (PA) werfen.

Warum überhaupt von der gewohnten Software wechseln?

Die wichtigsten Argumente aus meiner Sicht in Kurzform:

  • einzigartige Integration vom neuesten Duden Korrektor mit zahlreichen Optionen (nicht vergleichbar mit den Plug-ins – viel besser!)
  • Stilanalyse (Wortwiederholungen, lange Sätze)
  • Lesbarkeits-Einschätzung
  • Abgabetermin-Anzeige mit Fortschrittsbalken (Deadline)
  • vernünftiges Scrollen über viele Seiten
  • Klemmbrett-Funktion für virtuelle Notizzettel auf dem Bildschirm
  • Charakter-Datenbank für die Beschreibung der Personen
  • freie Datenbank für weitere Infos
  • Normseiten (korrekt!) auf Knopfdruck
  • ePubs auf Knopfdruck (danach ist es ein kurzer Weg bis zum Kindle-eBook)
  • Navigator mit Übersicht der Kapitel und weiterer Informationen
  • Schlüsselszenen und Kommentare im Text anlegen
  • Textteile mumifizieren
  • hohe Geschwindigkeit

Die Liste ist aus meiner Sicht geschrieben, wer sucht, findet sicher noch weitere Vorteile. Übrigens steht PA ansonsten den anderen Programmen in nichts nach – es kann einfach mehr, insbesondere für Vielschreiber.

Wie gut die Software ist, kann man mit der kostenlosen Demo-Version kaum erfahren, aber man erhält wenigstens einen ersten Eindruck. Ich arbeite jetzt seit Version 4 und bin mit der aktuellen Version 5 sehr zufrieden, sind hier doch noch einige Funktionen und Aufwertungen hinzugekommen, die das Arbeiten noch einfacher machen.

Der bekannte Schriftsteller Andreas Eschbach arbeitet ebenfalls mit Papyrus Autor und gibt auf seiner Webseite Tipps dazu. Es besteht wohl auch ein guter Draht zwischen Eschbach und R.O.M, was aufgrund der reichhaltigen Erfahrung des erfolgreichen Schriftstellers zu vielen Verbesserungen des Programms geführt hat.

Wer es mit dem kreativen Schreiben ernst meint, sollte sich diese Software einmal anschauen, es lohnt sich auf jeden Fall. Ich möchte jedenfalls kein anderes Schreibwerkzeug mehr für meine tägliche Arbeit nutzen.

Cahal Armstrong über Whiteboards als nützliche „Hexenkessel“ für Autoren

3. Juli 2012

Cahal Armstrong ist Indie-Autor (www.cahal.de) und berichtet uns hier über Werkzeuge und Instrumente, die das Autoren-Leben erleichtern können.

»Ideen zu haben ist himmlisch, sie auszuarbeiten die Hölle.«

Der belgische Schriftsteller Maurice Maeterlinck hat diese wohlbekannten Worte gesprochen, und damit sozusagen den Nagel einer jeden kreativen Arbeit auf den Kopf getroffen.

Alles beginnt mit einer Idee, die manchmal laut und mächtig daherkommt und später ganz leise und beschämt von dannen zieht, wenn man sie genauer in Augenschein nimmt. Oder sie schleicht sich leise in den Schatten des Bewusstseins an, wenn man mit den Gedanken abschweift und gar nicht so richtig »bei der Sache« ist.

In beiden Fällen muss man die Idee packen und begutachten, ihren Wert, ihre Gestalt erkennen und versuchen, sie vollständig zu erfassen. Scheint sie brauchbar und substantiell, ist sie dennoch kaum mehr als eine Möglichkeit, ein Initialfunke, der wirkungslos verpufft oder, bei richtiger Vorbereitung, ein infernalisches Feuer weiterer Einfälle entfachen kann.

Klingt alles sehr pyromanisch, aber hier sind vielleicht die Gemeinsamkeiten von Besessenen und Schriftstellern zu finden: Von der Idee bis zur Umsetzung ist es ein weiter Weg, der nur mit einer Form von leidenschaftlichem Trieb zurückgelegt werden kann. Wer nicht die Kraft aufbringen kann oder will, seine Idee mit Erfolg umzusetzen, wird unweigerlich scheitern.

Eine beliebte Frage an Schriftsteller ist daher, woher die Ideen für die Erzählungen kommen. Das lässt sich nur schwer beantworten, finde ich. Fakt ist jedoch, dass sie da sind. Also wohin damit, bevor sie zu einer fertigen Erzählung werden können?

Gerade als Indie-Autor, also als jemand, der sowohl Schriftsteller als auch Verleger ist, hat man eine wahre Flut von Ideen, die jeden Tag bewältigt werden wollen. Sei es die Idee zu einer neuen Geschichte, der Titel für ein neues Buch, Einfälle zum nächsten Cover, eine Marketing-Idee und vieles mehr.

Als jemand, der jahrelang in der Kreativbranche tätig war, habe ich einen guten Einblick in die Umsetzung und Ausarbeitung von Ideen. Die Hilfsmittel sind zahlreich: Scribbles, Mind-Maps, Storyboards, Skizzen, Notizbücher, Diktiergeräte. Als ich meinen ersten Kurzfilm gedreht habe, bedeckte sogar einmal ein Storyboard eine komplette Wand meines Arbeitszimmers, jede Skizze war dabei auf einen DIN-A4-Zettel gedruckt, der mit Notizen beschmiert oder sogar durchgestrichen oder gänzlich ausgetauscht werden konnte. Auf diese Weise entstand der Film Stück für Stück vor meinem inneren Auge. Als es dann zum Dreh kam, hatte ich die Ideen zu jeder Einstellung, jeder Szene im Kopf. Ich war gut vorbereitet und beendete den Dreh erfolgreich.

Ich habe mir, basierend auf dieser Erfahrung, vor Beginn meiner ersten Veröffentlichung ein großes Whiteboard angeschafft. Es ist etwas über einen Quadratmeter groß und hängt in unmittelbarer Nähe meines Schreibtischs. Nicht zu nah, damit ich den Überblick behalten, aber nah genug, dass ich es stets gut lesen und schnell erreichen kann. Dieses weiße Stück Metall ist mein »Hexenkessel«. Hier werfe ich all jene alchemistischen Zutaten zusammen, die aus dem Blei meiner Ideen manchmal Gold werden lassen.

Zu Anfang, noch vor meiner ersten Veröffentlichung, fanden sich hier vor allem Hinweise zur Erstellung von eBooks, der Formatierung, Dingen, die dabei beachtet werden mussten. Aber auch Einfälle zum Marketing, zum Aufbau meiner Webseite, eben zu allem, was für den schnöden Mammon von Belang ist.

Nach dieser Phase traten Geschichten und Erzählungen aus der Order-of-Burning-Blood-Reihe in den Vordergrund und schnell war eine Timeline und die Struktur der Erzählung notiert. Mind-Maps, also Stichwörter mit Kreisen darum, die mittels Strichen verbunden werden, halfen mir, Verbindungen herzustellen und den Überblick zu behalten. Bei der Erschaffung einer fantastischen Welt mit all ihren Mischwesen, gottgleichen Geschöpfen, der detaillierten Geographie und extrem hoch entwickelten Technologie wie Kabal war das nicht nur hilfreich, sondern absolut notwendig.

Inzwischen dient die Tafel, die ich mit verschiedenfarbigen Board-Markern malträtiere, zur Notierung einer Mischung aus Einfällen, die alle Bereiche meiner Tätigkeit als Schriftsteller und Selfpublisher beinhalten. So gelingt es mir, auf schnelle und einfache Weise Ideen zu bannen. Manche dieser Einfälle brodeln in meinem »Hexenkessel« so lange vor sich hin, dass ich die Worte nur noch mit einem Reiniger entfernen kann, andere wische ich schon nach ein paar Minuten oder Stunden wieder fort. Dabei hilft es enorm, den Blick immer wieder auf die niedergeschriebene Idee zu richten, sie erneut ins Bewusstsein zu rufen und dadurch ihren Wert kennenzulernen.

Auch als großer Notizzettel ist diese metallene Tafel genial und macht mich unmissverständlich auf Dinge aufmerksam, die ich mir unbedingt merken oder dauerhaft einprägen muss.

Wer also aus seinen Ideen mehr als nur temporäre Hirngespinste erzeugen will, kann mit seinem Whiteboard-Hexenkessel den Versuch unternehmen, aus Blei Gold zu machen.

Bei mir hat es jedenfalls geklappt.

Cahal Armstrong: Ein Wiki muss her

1. Juni 2012

Cahal Armstrong ist Indie-Autor (www.cahal.de) und berichtet uns hier über Werkzeuge und Instrumente, die das Autoren-Leben erleichtern können.

Das Frühjahr.

Wer jetzt aus dem Fenster blickt und das sprießende Grün bewundert, oder – wie ich – an Unkrautvernichtungsmittel denkt, weil die Terrasse von streitsüchtigen Chlorophyll-Monstern erobert wird, erkennt, dass stetes Wachstum das Herz erfreut … oder einen verzweifelt die Haare raufen lässt.

Bei Erzählungen ist es ähnlich ambivalent. Wenn man nicht ein wenig Ordnung hineinbringt, läuft man Gefahr, irgendwann den Überblick zu verlieren, so schön es auch ist, dass alles wächst und gedeiht.

Vor kurzem hat mich ein Fan der Nefilim-KI-Reihe gefragt, ob ich mir ein Wiki zu der Buchreihe vorstellen kann. Für mich war das im ersten Moment wie der Blick auf ein Beet voller Unkraut. Am Besten, das macht jemand anders. Nur ich nicht.

Dann fing die Arbeit am 6. Teil zur Nefilim-KI-Reihe an und schnell war mein Bildschirm zugekleistert mit Dokumenten, die wertvolle Informationen und Referenzen des inzwischen stark gewachsenen NKI-Universums enthielten.

Wie habe ich diese Beleidigung der Partik formuliert? Was war nochmal die exakte Bezeichnung dieser speziellen Schiffsklasse? Waren die Orbitgräber im Futarogg-System über dem fünften oder dem sechsten Planeten?

Ich suche, ich wühle, ich verschwende Zeit.

Wie bei allem, was ich tue, überlege ich mir also, wie man der Situation etwas Positives abgewinnen kann.

Natürlich! Ein Wiki muss her!

Nun gibt es immer noch Informationen, welche die heiligen Hallen meiner Festplatte nie verlassen werden, aber sehr viele von den Hintergrundinfos helfen nicht nur mir selbst, sondern sind auch für die Fans und Leser sehr interessant. Gerade bei Science-Fiction oder Fantasy gibt es reichlich Informationen, die man in ein Glossar oder sogar größere Anhänge einbringen kann. Wer »Der Wüstenplanet« von Frank Herbert oder J.R.R Tolkiens »Herr der Ringe« gut kennt, weiß genau, was ich meine. Doch die Informationen zu den Hintergründen dieser Romane sind schwer zugänglich oder laden nicht unbedingt zum Lesen ein. Im Fall von »Der Wüstenplanet« muss man sich zudem sehr glücklich schätzen, wenn man »Die Dune-Enzyklopädie« besitzt, die seit langer Zeit vergriffen ist.

Glücklicherweise gibt es im Internet-Zeitalter eine einfache Lösung für das Problem, wie man Ordnung in seine Informationen bringt und gleichzeitig einen schnellen Zugriff darauf herstellt. Ich habe mir also verschiedene Möglichkeiten angesehen, wie man ein Wiki einrichten kann. Beispielsweise kann man sogar die Software kostenlos nutzen, die Wikipedia einsetzt. Klasse – aber viel zu aufwändig, denn wenn man als Schriftsteller eines nicht hat, dann ist es Zeit. Man muss sehr sorgsam damit umgehen.

Die beste Lösung war aber schnell gefunden, nämlich ein Provider speziell für Wikis. Ich habe mich für www.wikispaces.com entschieden und hatte mein Wiki innerhalb von einigen Stunden mit einigen Dutzend Artikeln zu Orten, Technologien, Tierarten, Spezies etc. versorgt.

Perfekt!

Wichtig war in diesem Zusammenhang für mich, dass ich bei Wikispaces problemlos die Grundeinstellung einer CC-Lizenz durch meine eigenen Urheberrechtshinweise ersetzen konnte. Ebenso ist es ganz einfach, dafür zu sorgen, dass niemand sonst an den Texten arbeitet, was bei den meisten Wikis nur mit erheblichem Aufwand erreicht werden kann. Außerdem gibt es dort eine integrierte Backup-Möglichkeit per Mausklick, damit man die mühsam erstellten Informationen und Texte nicht wieder verliert. Nur die Suche wollte nicht gleich funktionieren, was sich nach einer E-Mail an den Support klärte. Die Such-Funktion braucht mehrere Tage, bis sie »warmgelaufen« ist, dann läuft sie aber. Einziger Wermutstropfen an der Sache ist, dass der Support ausschließlich englischsprachig ist.

So kann ich meinen Lesern jetzt ein interaktives Glossar zu all meinen Romanen bieten, und habe darüber hinaus die Möglichkeit, sehr einfach in den Beschreibungen zu meinen Welten zu suchen, um beim Schreiben dringend benötigte Informationen zu finden. Außerdem macht es Spaß, das Wiki aufzubauen, was ich gar nicht unbedingt vermutet hätte.

Das gezielte Suchen nach Namen und Begriffen fällt leicht, doch auch das Verfolgen von Links und Verknüpfungen macht Spaß und trägt zur Tiefe der Welt und damit langfristig zur Unterhaltung meiner Fans und Leser bei, was mir ganz besonders wichtig ist. Der Aufbau ist natürlich noch nicht abgeschlossen, viele Artikel können noch besser vernetzt werden, wenn insgesamt mehr Begriffe enthalten sind. Doch so ein Wiki darf in Ruhe wachsen.

Anders als das Unkraut auf der Terrasse. Das muss jetzt endlich weg.