Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Stefan BerndtWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Stefan Berndt, mit meinem Unternehmen „fototypo“ bin ich seit 2007 freiberuflich als Buchgestalter und -hersteller tätig, nachdem ich eine Ausbildung zum staatlich geprüften Grafik-Designer absolviert habe. Zuvor war ich fast 10 Jahre im Buchhandel tätig, als gelernter Buchhändler in diversen Buchhandlungen.

Mein Angebot umfasst alle gestalterischen und technischen Arbeiten die bei Büchern anfallen. Also das, was gewöhnlich als „Herstellung“ im Verlag bezeichnet wird. Die beiden Bereiche „kreativer Entwurf“ und „handwerkliche Umsetzung“ sind dabei gleichwertig und werden beide von mir abgedeckt. Am liebsten zusammen, ich denke es ist wichtig, Buchprojekte umfassend zu begleiten, von der „großen Idee im Design“ bis zum „letzten Detail in der Produktion“. Ganzheitlich, wenn man es modisch ausdrücken will. Das geht immer nur zusammen mit allen Beteiligten: Verlegern, Autoren, Lektoren, Illustratoren, Fotografen und so weiter.

Meine Kundschaft besteht meist aus kleineren Verlagen, die selbst keine Herstellungsabteilung besitzen und diese Arbeiten gerne weiter geben und zuverlässig abgewickelt sehen möchten. Sie schätzen den persönlichen Kontakt mit einem festen Ansprechpartner. Meine Erfahrung in der Branche ermöglicht es, dass ich im gestalterischen Rahmen beratend tätig sein kann.

Das bedeutet, dass ich neben den Büchern an sich, fast alles, bis hin zu ganzen Verlagsauftritten und -designs erarbeite. Dinge wie Logoentwicklung, Anzeigengestaltung, Vorschauen und ähnliches mehr sind also auch Teil meiner Arbeit mit Büchern.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Typisch ist vor allem, dass es eigentlich keine normalen Tage gibt. Das ist ja das schöne am kreativen Beruf. Die Bandbreite die es abzudecken gilt ist enorm und das ist manchmal schon eine Herausforderung. An einem Tag hochdiszipliniertes und -konzentriertes Einarbeiten von Korrekturen aus dem Lektorat, am nächsten dann der Wunsch nach „frischen Ideen“ im Cover-Entwurf, am übernächsten Beschäftigung mit technischen Fragen der Druckproduktion, am Tag darauf Bildbearbeitungen, -retuschen oder ähnliches. Man kann also nicht behaupten, das Routine entsteht. Es geht eher darum ständig schnell umzuschalten zu können, das ist wohl das typische.

Die Arbeit findet in aller Regel an meinem eigenen Arbeitsplatz statt, das ist nicht nur ein Laptop, sondern eine Arbeitsumgebung. Die Kommunikation läuft üblicherweise per eMail und Telefon ab – meine Kunden und Kontakte sind im gesamten Bundesgebiet verteilt. Trotzdem ist es immer toll, wenn man sich gerade am Anfang einer Zusammenarbeit einmal persönlich kennen lernen kann, was ich versuche, wann immer es möglich ist.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Die „Umsetzungen“ von Entwürfen, die ich vor vielen Jahren gemacht habe, nehmen glücklicherweise zu. Das heißt, ich mache mehr Titel und dafür weniger ganz grundlegende, neue Entwurfsarbeit für neue Reihen oder Verlagsauftritte. Das ist schön, denn es kommen irgendwann echte Bücher aus der Druckerei. Trotzdem wünsche ich manchmal, öfters wieder mit dem berühmten weißen Blatt Papier anfangen zu können, da das natürlich das Herzblut eines jeden Designers darstellt.

Die Buch-Branche ist im Umbruch … ich höre das seit 20 Jahren und wahrscheinlich ist sie das schon seit Gutenberg, 1450. Sicherlich ist daran etwas Wahres. Die Zeit des Buches als „Massenmedium“ geht vielleicht langsam zu Ende. Allerdings muss das nichts negatives bedeuten: Ich habe immer noch die Hoffnung, das dadurch mittelfristig das gedruckte Buch wieder als etwas Geschätztes, Wertvolles, Besonderes zu Ehren kommt. Ich glaube absolut an die Zukunft des Buchs!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das Problem ist, dass junge Verlage – die es so selten nicht gibt! –, in der Regel erst dann wahrnehmbar werden, wenn Sie schon ihr erstes Programm veröffentlichen. Für mich ist es schwierig die Zielgruppe vorher zu fassen, was eigentlich notwendig ist: Den zukünftigen Verleger oder die zukünftige Verlegerin zu treffen und im Vorfeld, bzw. von Beginn an, beratend zur Seite zu stehen, halte ich für immens wichtig, damit Fragen des Auftritts und der Erscheinung möglichst früh berücksichtigt werden können. Die Form ist nicht unwichtiger als der Inhalt.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Natürlich alle, die gerne etwas publizieren wollen, ganz gleich was. Ich habe inzwischen weit über 100 Titel aus den verschiedensten Bereichen und Genres betreut, ich bin sicher, dass ich in fast allen Fällen etwas anbieten kann, und auch im Rahmen eines vorgegebenen Budgets. Egal, ob das Verlage sind oder andere Menschen, Unternehmen oder Institutionen, die etwas veröffentlichen wollen.

Auch ambitionierten Schreibern, die ihr Buch selbst veröffentlichen möchten, biete ich meine Dienste an, damit ein professionelles Erscheinungsbild sicher gestellt ist. In Zeiten des Digitaldrucks ist es möglich, auch kleine Auflagen „schön“ zu gestalten, es gab noch nie mehr Möglichkeiten, als jetzt!

Wo finden wir Sie im Internet?

Meine Internetpräsenz finden Sie unter: www.fototypo.de

Dort finden Sie auch ein Portfolio und eine Menge Informationen zu meiner Arbeit und zu mir. Für konkrete Fragen bin ich unter Stefan.Berndt@fototypo.de gerne erreichbar.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Stefan Berndt