Alexander Lehnert: Ich veranstalte die anonyme Lesebühne „Konzept*Feuerpudel“

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Alexander LehnertWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Alexander Lehnert und veranstalte die anonyme Lesebühne „Konzept*Feuerpudel“. Dort können Autor*innen ihre Texte einem Publikum zugänglich machen, ohne, dass sie selbst performen, ich lese die Arbeiten stellvertretend vor. Damit wollen wir unbekannten und bekannten Schreibenden auch eine Rückmeldung zu ihrer Arbeit ermöglichen, die nichts mit ihrem Äußeren zu tun hat. Wir geben Anfänger*innen und Profis die Möglichkeit, sich in einem fairen Wettbewerb zu messen, ihre Texte neu kennen zu lernen und an ihrer „Schreibe“ zu feilen – jede*r kann sich am Abend heimlich durch das Publikum fragen, das am Ende auch die Preisträger*innen bestimmt. Seit 2016 nehmen auch Illustrator*innen an der Lesung Teil, die die Texte zeichnerisch kommentieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Einen typischen Arbeitstag gibt es für mich nicht, besonders momentan: ich gründe ein Produktionsbüro für Kulturprojekte- und Vermittlung und jeder Tag sieht anders aus. Ich stehe gegen 7 Uhr auf, beantworte Emails und versorge die sozialen Netzwerke. Da ich mein Brot halbtags als Sprecher auf einem Berliner Ausflugsdampfer verdiene, sitze ich erst wieder am Nachmittag am Schreibtisch, meist bis in die Nacht. Die überwiegende Zeit verbringe ich mit Excel – Tabellen, Fachbüchern und Formularen, in der guten Hoffnung, dass sich das bald etwas legen wird. Für die Lesebühne erarbeite ich mir die Texte, halte Rücksprache mit den Autor*innen, und organisiere Preise, Spielstätten, Wundertüten, die Planung des Abends und die Koordination mit unseren Partner*innen. Unterstützung habe ich durch eine Mitarbeiterin und ein verständnisvolles, bisweilen auch leicht ob meiner Augenringe besorgtes Umfeld.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als wir 2010 als „Projekt unter Freunden“ gestartet sind, habe ich noch Kulturwissenschaften studiert. Mittlerweile müssen/dürfen wir uns im Berufsleben zurechtfinden und versuchen, alles unter einen Hut zu bringen: Ideen entwickeln, Erfahrungen sammeln, Geld verdienen und sich dabei nicht untreu werden zu müssen. Unser Team hat sich stetig gewandelt und unsere Arbeitsabläufe haben sich immer weiter professionellen Strukturen angenähert. Über die Lesung hinaus haben sich Zusammenarbeiten mit anderen Veranstalter*innen entwickelt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wurden nötig, neue Ideen umgesetzt, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Illustrator*innen.

Heute werden wir häufig von unseren Teilnehmer*innen um Rat gefragt, wie es weitergeht: Welche Wettbewerbe gibt es? Agentur, Verlag, Self-Publishing? Was kann ich besser machen? Über die Jahre ist so ein kleines Netzwerk an Schreibenden entstanden, die an unterschiedlichsten Stellen in ihrem Leben das Texte machen untergebracht haben. Einige haben wir sogar schon in Verlagsprogrammen entdeckt, sie schreiben journalistisch oder betreiben Literaturblogs. Dass wir unseren Autor*innen den Rücken stärken konnten, macht zufrieden.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein ehemals als Hobby gepflegtes Projekt zu professionalisieren ist genauso erfüllend wie fordernd. Die Beschäftigung mit Businessplänen, Förderinstrumenten, gerechter Bezahlung aller Beteiligten und dutzender weiterer Fragen nimmt sehr viel Raum ein, das „einfach mal machen“ wird oft von der Frage überschattet, unter welchen wirtschaftlichen, rechtlichen und organisatorischen Bedingungen man überhaupt so weitermachen kann wie bisher oder ob man kreative Entscheidungen abräumen muss, weil kein Geld da ist. Gerade wenn man sich da erst mal reinfuchsen muss, wirkt die wachsende Anzahl an Aufgaben schwer zu überblicken. Besonders die Frage nach einer gerechten Entlohnung der Autor*innen, Illustrator*innen und anderen Beteiligten ist schwierig zu lösen: Eine Idee wie das „Konzept*Feuerpudel“ ist durch bloße Spenden nicht zu finanzieren. Fördergeld bekommen wir (noch) nicht. Dafür braucht es eine auch für Kleinstprojekte zugänglichere Förderstruktur, mehr Know-How und eine transparentere Kultur der Rückmeldung bei Förderungsentscheidungen, damit man lernt, wie’s besser funktioniert.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir freuen uns immer über Autor*innen, die ihre Texte bei uns vorstellen wollen. Wir halten auch ständig Ausschau nach Illustrator*innen, die Lust haben, bei einem Abend mitzwirken. Wir würden unser Format auch gern über die Grenzen Berlins hinaustragen und sind immer auf der Suche nach interessierten Spielstätten, die sich eine Zusammenarbeit vorstellen können.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Aline Reinsbach

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