Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Gudrun IngratubunWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Gudrun Ingratubun und ich habe Book your Story! in Berlin ins Leben gerufen. Ich rege Kinder und Jugendliche dazu an, selbst Bücher zu machen: ihre eigenen Geschichten zu ersinnen, zu erzählen, diese aufzuschreiben und mit Linoldruck zu illustrieren. Durch einen selbst gestalteten Buchdeckel, schönes Papier und die japanische Blockbindung entstehen Buchunikate. So schaffen die Kinder komplexe Kunstwerke und bringen ihre Gedanken und Gefühle in eher privaten, sehr persönlichen doch sehr ästhetischen Büchern zum Ausdruck. Auf der Leipziger Buchmesse wird eine Auswahl dieser Bücher am Stand der Leipziger Buchkinder ausgestellt und im Forum jüngster Autoren vorgelesen.

Zudem übersetze ich Romane, Kurzgeschichten und Kinderbücher aus dem Indonesischen ins Deutsche.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Der kann sehr unterschiedlich sein. Meist beginnt mein Tag mit Mails lesen und einem Schlender durch die sozialen Netzwerke. Weiter geht es dann mit persönlichen Begegnungen bei einem Buchprojekt in Kita oder Schule, sich in die Geschichten der Kinder hineinzudenken, Tipps beim Illustrieren zu geben. Bei den Kitaprojekten arbeite ich mit einer Schauspielerin oder Dramaturgin zusammen, die mit den Kindern die Geschichten entwickelt. Danach folgen Tätigkeiten wie an Layouts zu arbeiten, Konzepte zu schreiben, Anträge und Abrechnungen auszufüllen, im Büro des theater und buchkollektivs in der Weiberwirtschaft in Mitte. Je nach Auftragslage verbringe ich den restlichen Tag mit Übersetzen. Schließlich besuche ich abends manchmal noch eine Veranstaltung zum Netzwerken oder nehme an einer Lesung teil.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Nachdem ich vor 10 Jahren an einer Fortbildung der Leipziger Buchkinder teilgenommen hatte, begann ich gemeinsam mit einer Freundin und einer Buchbinderin mit Kindern in Tiergarten-Süd Buchprojekte zu machen. Als ich dann für vier Jahre nach Jakarta, nach Indonesien, zog, habe ich dort neben meiner Arbeit am Goethe-Institut selbständig mal ein Buchprojekt an einer Schule und auch mal eines am Goethe-Institut selbst gemacht. Es war spannend die dortigen Materialien auszuprobieren: anderes Papier, Schuhsohlengummi als Druckstöcke.

Vor mittlerweile fast sechs Jahren bin ich nach Berlin zurückgekehrt und es zeichnete sich immer mehr ab, dass die Buchprojekte mit Kindern das sind, was ich wirklich machen will und was ich ausbauen wollte, auch um davon leben zu können. Der Name „Book your Story!“ ist meiner ältesten Tochter eingefallen. Seitdem kooperiere ich mit unterschiedlichen Partnern, zum Beispiel mit dem Weinmeisterhaus in Mitte als Veranstaltungsort.

Anfang 2014 habe ich mit zwei Kolleginnen das theater und buchkollektiv Gumbke und Gauke gegründet. Gemeinsam führen wir Projekte im Zusammenspiel von Theater und Buchproduktion durch, zur Zeit vor allem im Vorschulbereich als kreative Sprachförderung. Dazu planen wir in Zukunft auch Fortbildungen anzubieten. Um Sprachförderung geht es auch bei meiner Zusammenarbeit mit Yaylas Wiese: nämlich um die lebendige Vermittlung von Bildungssprache durch Gemeinschaftliches Aktivlernen. Kombiniert mit Bewegung werden auch komplexe, grammatische Strukturen sowohl Kindern aus Familien mit wenig Bildungserfahrung als auch Kindern mit Fluchterfahrung schrittweise bewusster. Das ermöglicht den Kindern sprachlich noch ausgefeiltere Bücher zu schreiben.

Durch Indonesiens Ehrengastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse 2015 gab es einen sprunghaft angestiegenen Bedarf nach Übersetzungen aus dem Indonesischen, sowohl was literarische Texte an betraf als auch bei Veranstaltungen. Da war der Zeitdruck ungeheuer groß, doch war es sehr anregend und hat viel Spaß gemacht. Jetzt besteht die Herausforderung darin, dieses gewachsene Interesse an indonesischer Literatur nicht wieder in Vergessenheit geraten zu lassen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Bei den Buchprojekten mit Kindern ist die Finanzierung recht mühsam, da die Entstehung eines Buches immer einige Zeit in Anspruch nimmt und dadurch relativ hohe Honorarkosten anfallen. Da  würde ich gern abseits von Anträgen alternative Finanzierungsquellen erschließen. Außerdem wünschte ich mir, ein Atelier zeitweise nutzen zu können, um dort selbst Drucke anzufertigen.

Was die Übersetzungen aus dem Indonesischen anbelangt, ist es eine große Schwierigkeit, deutschsprachige Verlage zu finden, die bereit sind spannende, indonesische Autoren, die hierzulande noch weitgehend unbekannt sind, zu verlegen. Sonst könnte Selfpublishing vielleicht auch ein Weg sein. Das habe ich bisher noch wenig erkundet.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Einerseits dürfen mich Kinder und Jugendliche, beziehungsweise deren Schulen oder Kitas, die an Buchprojekten interessiert sind, gern kontaktieren. Gemeinsam suchen wir dann Finanzierungsmöglichkeiten.

Andererseits ist mir sehr an Verlagen gelegen, sowohl im Bereich Belletristik – im Spannungsfeld von Sozialkritik und magischem Realismus – als auch dem künstlerischen Kinderbuch, die sich für die Veröffentlichung von indonesischen Büchern für den deutschsprachigen Raum interessieren.

Wo finden wir Sie im Internet?

Sie finden mich unter

Persönlich bin ich auch auf Xing und LinkedIn zu finden und natürlich per Mail erreichbar: g.ingratubun@book-your-story.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Foto: (c) Andreas Umpfenbach