Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Christa PellicciottaWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Christa Pellicciotta und wohne im Bergkanton Glarus in der Schweiz. Wir führen seit 2008 die Buchhandlung Wortreich mit Neusortiment und Buchantiquariat in Glarus und führen sehr viele kulturelle Events bei uns durch. Angefangen hat das Ganze mit einer Idee sozusagen familienintern und meine Tochter Janis, die ausgebildete Buchhändlerin ist, war das wichtige dritte Bein im Bunde. So bin ich quer eingestiegen in den Buchhandel und habe mich voll ins kalte Wasser gestürzt! Als Schwimmring war und ist uns Gabriele, unser Ehemann und Vater, das zweite Bein im Bunde. Ich mache mit Büchern das, was alle Buchhandlungen so machen: Ich verkaufe sie und freue mich, wenn das richtige Buch zum passenden Leser findet – und dabei unterstütze ich den Kunden mit Leidenschaft. Für unsere Veranstaltungen bilden die Büchergestelle dann einen optischen Rahmen, der recht apart ist und akustisch gut wirkt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Einen typischen Tag gibt’s nicht immer, aber vielleicht könnte man sagen, dass ich meistens um 8 Uhr im Laden ankomme und anfange, zu arbeiten. Alle Geräte aufschalten, Bürokram, Mails ordnen, Facebook checken und dann die Agenda studieren bzw. Prioritäten setzen. Da ich eine Teilzeitmitarbeiterin und eine Lehrtochter (Auszubildende Buchhandel) beschäftige, überlege ich mir, wie und wer was machen könnte, sollte usw. Um 9 Uhr geht der Laden auf und am schönsten ist es, wenn dann sofort Kunden reinkommen, überall noch Kisten rumstehen und ein bisschen Chaos herrscht. Das gibt mir ein gutes Gefühl von viel Arbeit, die ich ja bis am Abend abarbeiten kann, also kein Stress machen! Diese weise Aussage hätte ich natürlich vor ein paar Jahren nie machen können, da war ich ständig auf Nadeln. Bis am Mittag ist man meist beschäftigt mit Bestellungen ausführen, Mails beantworten, Wareneingang verarbeiten, Kunden benachrichtigen. Nachmittags kommen natürlich Kunden und schriftliche Bestellungen rein, aber man hat Zeit für Hintergrundarbeiten und ich vor allem für die Organisation von Veranstaltungen. Abends um 18:30 schließen wir den Laden, außer ein Kunde braucht noch etwas länger, dann spielt’s auch keine Rolle. Ich und Gabriele bleiben oftmals noch länger hier, um etwas zu besprechen, Werbung zu organisieren, oder Technisches zu optimieren. Natürlich sind wir abends auch oft hier, weil Veranstaltungen sind, also verlängert sich dann der Tag bis spätabends. Aber mittlerweile nehme ich mir die Freiheit, dass ich dann dafür mal unter der Woche ein paar Stunden freinehme, um Sport zu treiben oder im Garten zu lesen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Wie schon erwähnt, hat sich alles eingependelt und wir haben Routine bekommen, das spart Zeit und Energie bei allem. Vom Geschäft her ist die Lage ein bisschen schwieriger zu beurteilen, der Buchmarkt in der Schweiz ist gar nicht rosig und man weiß ja nicht, wie er sich noch entwickelt. Wir persönlich haben natürlich einen Aufstieg erlebt, da wir erst 2008 angefangen haben. Mittlerweile hat sich unser Geschäft auch etabliert, wir sind angesichts der Lage im Buchhandel und speziell auch in unserem Bergkanton recht zufrieden. Die Buchpreisbindung war schon gefallen, als wir 2008 angefangen hatten, da kann ich also keine Vergleiche ziehen, aber 2015 war bei etwa gleich gutem Buchverkauf der Umsatz gesunken, da die Buchpreise stark gesenkt wurden in der Schweiz.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wir haben verschiedene Probleme, banale wie das alte Gebäude mit einer komplizierten alten Heizung, schwachem Stromnetz, fehlender Isolierung – aber wir fühlen uns sehr wohl hier drin, es ist einer der charmantesten Räume in Glarus mit großen Fenstern und großzügigem Raumkonzept, da ehemaliges Industriegebäude. Ein konkretes Geschäftsproblem ist aber sicher, dass wir abgelegen sind vom Zentrum unserer Kleinstadt. Also sehr wenig Laufkundschaft. Da suchen wir ständig Lösungen und sind sehr aktiv im Dagegenhalten. Wir versuchen auch, unser großes modernes Buchantiquariat außerhalb unseres Kantons bekannt zu machen – und schalten auch mal Leinwand-Werbung in einem Zürcher Kino.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Oh, jeder Kunde ist uns willkommen! Auch Buchliebhaber, die nach stundenlangem Stöbern im Antiquariat nur einen Kaffee an unserer Bar trinken, sind eine Bereicherung. Wir werden ständig kontaktiert von Künstlern, die auftreten möchten hier oder Autoren, die ihr Buch vorstellen möchten, und anderen Veranstaltern oder Kunden, die einfach neugierig sind, was wir alles so machen. Für uns sind alle Kontakte hilfreich, die uns irgendwie weiterbringen, unserer Buchhandlung einen guten Ruf einbringen und neue Kunden bringen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Christa Pellicciotta