Charlotte Stiefel: Ich habe den ersten nachhaltigen Kinderbuchverlag Deutschlands gegründet

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Charlotte Stiefel

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Charlotte Stiefel und habe den ersten nachhaltigen Kinderbuchverlag Deutschlands gegründet. Als ich feststellte, dass gerade die Bilderbuchproduktion viele negative Auswirkungen auf unsere Umwelt und ebenso auf die Gesundheit unserer Kinder hat, beschloss ich, einen eigenen Verlag mit dem frechen Namen neunmalklug zu gründen – einen, der anders handelt und arbeitet. Ich möchte, dass gerade Kleinkinder ihre Bücher ruhig auch mit dem Mund erkunden können, ohne Schadstoffe aufzunehmen.

neunmalklug produziert nach dem Cradle to Cradle-Verfahren: alle Bücher sind frei von Giftstoffen. Ganz ohne Bedenken können unsere Bücher angeknabbert oder in den Mund genommen werden. Kinder können so ihr Umfeld mit allen Sinnen erkunden und Mama und Papa können sich entspannt zurücklehnen.

Und der Umwelt tun sie auch nicht weh. Im Gegenteil: Dank der komplett schadstofffreien Herstellung könnten die Bücher sogar kompostiert werden.

Damit sind unsere Bücher nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft gut für unsere kleinen Leser.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich arbeite von verschiedenen Orten aus. Mal von meinem Coworking-Platz in Frankfurt, dann fange ich bereits um 7 Uhr an. Während ich gemütlich meinen Latte Macchiato schlürfe, werden die ersten E-Mails beantwortet und die Social Media-Kanäle nach interessanten Beiträgen durchforstet. Wenn ich von daheim aus arbeite, wird erst einmal mit meiner Familie ausgiebig gefrühstückt, bevor ich mich in mein Büro zurückziehe.

Für jeden Tag lege ich mir entweder morgens oder am Abend davor eine handgeschriebene To-Do-Liste an, die ich versuche erfolgreich abzuarbeiten. Aber meistens kommen so viele neue und überraschende Dinge auf mich zu, dass der Tag immer anders endet, als ich mir das vorgenommen hatte.

Da mein kleines Team verstreut in Deutschland sitzt, kommunizieren wir vorwiegend über verschiedene Online-Tools. Dadurch kann jeder ortsunabhängig die anfallenden Aufgaben dem eigenen Rhythmus entsprechend abarbeiten. Für ein paar Stunden am Tag sind wir jedoch auch gleichzeitig am Rechner und können uns über Arbeitsfortschritte oder Probleme austauschen. Allerdings bringt die Arbeit übers Internet – fernab eines Büros mit geregelten Arbeitszeiten – auch den Nachteil mit sich, dass ich rund um die Uhr auf mein Smartphone und eine funktionierende Internetverbidnung angewiesen bin.

Als Geschäftsführerin unseres noch sehr jungen Verlags arbeite ich in allen Bereichen: Marketing, PR, Vertrieb, Finanzwesen. Doch am liebsten beschäftige ich mich mit den herstellerischen Themen wie Satz, Layout und der Arbeit mit den Druckereien. Auch der enge Kontakt zu meinen Autoren und Illustratoren macht mir viel Freude. Ich frage dann nach ihren Wünschen und Ideen und gebe ihnen die Gelegenheit diese einzubringen.

Mein Tag endet zwar zu unterschiedlichen Zeiten, aber immer gleich: Nämlich damit, dass ich meinen Schreibtisch leer räume, sodass ich am nächsten Morgen mit einem freien Kopf starten kann. Dieser einfache Tipp eines Coaches war für mich Gold wert.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Am Anfang musste ich alle Entscheidungen selbst treffen und Unsicherheiten mit mir alleine klären. Das war frustrierend und ich stand oft an einem Punkt, an dem ich nicht weiterkam. Über verschiedene Wege sind dann Menschen auf mich zugekommen, die mich nun als kleines Team in allem unterstützen. Dadurch sind viele neue Ideen entstanden, auch der Verlagsname und das Logo sind durch zwei meiner lieben Kolleginnen geboren worden. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit der Wahl des richtigen Online-Kommunikationskanals sind wir jetzt aber auch hier gut für eine städteübergreifende Verlagsarbeit gerüstet. Seit Kurzem habe ich auch eine Praktikantin an meiner Seite, die mir wunderbar bei den textlichen Arbeiten und der Betreuung der Social Media-Kanäle unter die Arme greift.

Das Schönste ist, dass wir alle mit Herzblut hinter dem Verlag stehen und uns gegenseitig unterstützen und motivieren. Bisher verdient noch niemand von uns Geld mit dem Verlag, aber die Freude an der Arbeit ist da und jeden Tag lernen wir etwas Neues.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das typische Problem kleiner neuer Verlage: Wie werde ich bekannt und von den Buchhändlern ernst genommen? Dazu kommt in meinem speziellen Fall: Wie kläre ich Kunden und Händler über die negativen Seiten der Buchproduktion auf, bringe ihnen damit den Ursprung meines besonderen Verlagskonzeptes näher und verkaufe dabei gleich noch meine Bücher? … und das am besten ohne bösen Fingerzeig.

Zur Zeit versuchen wir verstärkt in Social Media-Kanälen unsere Kunden zu erreichen. Das klappt ganz gut, erfordert aber auch viel Zeit und Arbeit.

Schön wäre es, wenn das Thema Nachhaltigkeit eines Tages auch in der Buchbranche eine gewissen Präsenz erreicht hat, sodass die Kunden automatisch umweltfreundlich produzierte Bücher kaufen möchten und wir nicht mehr so viel Zeit in Aufklärungsarbeit investieren müssten. Aber genau deshalb habe ich ja auch den neunmalklug verlag gegründet, damit dieser Traum irgendwann Realität wird.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Menschen aus der Buchbranche, Händler, Förderer, die sich ebenfalls mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und wie wir über den Tellerrand schauen.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.neunmalklug-verlag.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Charlotte Stiefel

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