Manuel Deinert: Die Pforten der Büchergruft sind geöffnet

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Manuel DeinertWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin der klassische Bibliophile, der an keinem Buchladen und an keiner Trödelkiste vorbeigehen kann, ohne darin zu stöbern. Ich sammele historische Bücher mit dem Inhaltsschwerpunkt deutsche Geschichte, Sagen, Mythologie, Lyrik, von den Anfängen der germanischen Kultur, über den Einzug des Christentums bis zum Anfang der Weltkriege. Vom klassischen Roman bis hin zur Butzenscheibenlyrik verschlinge ich alles, was mir dazu in die Finger kommt. Mittlerweile habe ich eine umfangreiche Sammlung, die ich nun auf facebook präsentiere. Die Idee dazu kam mir, da Freunde und Arbeitskollegen immer wieder staunen, wie viele alte Schinken in meinen Bücherregalen stehen, bzw. wie viele Büchersendungen ich im Monat per Post erhalte. Fast andächtig blättern sie in den Büchern herum und sind begeistert, solche Werke „mal in echt“ zu sehen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich gehe einem geregelten, normalen Broterwerb nach. Mein Hin- und Rückweg zur Arbeit erlaubt es mir aber, viel zu lesen. Somit kommen einige Bücher im Monat zusammen, zu denen ich mir Notizen zu interessanten Stellen, Worten, Ereignissen, Orten, … mache. Diese Notizen werden dann daheim aufgearbeitet. Ich schlage alte Worte nach, suche im Internet nach jenen sagenumwobenen Orten oder historischen Personen, die im Buch erwähnt werden. Anschließend schreibe ich eine kurze Zusammenfassung der Geschichte, scanne wichtige Seiten ein und speichere sie auf dem PC. Nach und nach lade ich sie dann bei facebook hoch.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Da es noch ein recht frisches Projekt ist, kann ich von Veränderung nicht sprechen. Es wird aber wahrscheinlich immer die Zeit sein, die mich vor Probleme stellen wird. Es ist immerhin recht aufwendig, was ich da mache. Zum anderen wird es spannend sein, inwieweit ich immer weitere alte Bücher zu den Themen finden werde. Es gibt sicherlich genügend, ich muss sie nur finden.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wie schon angesprochen, ist das Hauptproblem, neue Bücher zu entdecken. Zum Glück haben damals schon viele Verlage die letzten Buchseiten dazu genutzt, auf weitere Titel des Hauses hinzuweisen. Ansonsten finde ich Bücher beim Stöbern in Bestandslisten von Online-Antiquariaten oder Buchkisten auf Büchermärkten.

Das Hauptanliegen meiner facebook-Seite ist allerdings, anderen Menschen diese alten Bücher zugänglich und schmackhaft zu machen und die Bücher und Autoren so vor dem Vergessenwerden zu bewahren. Es ist immer wieder ergreifend, ein Buch in die Hand zu nehmen, das über hundert Jahre alt ist und von Dingen erzählt, die wir heute nicht mehr kennen – in einer Sprache, die gleichsam fremd wie märchenhaft vertraut klingt. Ich möchte den heutigen Leseratten die Möglichkeit geben, in diesen vergessenen Werken zu blättern und den Staub der Zeit selbst fortzublasen – in der Hoffnung, dass sie genauso ergriffen und begeistert sein werden wie ich.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Da ich wahrscheinlich mein Lebtag nicht annähernd alle Bücher zu meinem bevorzugten Themengebiet entdecken werde, bin ich über jeden Hinweis dankbar. Wer Autoren kennt, die über geschichtliche, sagenhafte Themen lyrisch oder romanhaft geschrieben haben, darf mich gerne anschreiben. Aber auch ein Austausch zu den einzelnen Büchern oder zum Thema an sich wäre spannend. Mit Gleichgesinnten über Leidenschaften zu sprechen, ist immer motivierend. Ich freue mich aber auch über jeden „stillen“ Besuch meiner Seite oder einen Kommentar, dass die Seite zu gefallen weiß. Somit wüsste ich, dass es nicht umsonst ist, was ich da tue.

Wo finden wir Sie im Internet?

Der Büchernarr, Geschichtsfreund oder einfach Neugierige findet meine Büchergruft auf facebook.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Manuel Deinert

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