Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Nico Rose

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Nico Rose und ich arbeite im Stab des Personalvorstands von Bertelsmann – unser Unternehmen hält unter anderem die Mehrheit an Penguin Random House, der weltgrößten Publikumsverlagsgruppe. Meine Verantwortung umfasst die Themen Employer Branding, University Relations – und zunehmend auch unsere zentralen Recruiting-Initiativen. In kurz: ich kümmere mich darum, dass Bertelsmann national und international als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird – und in der Folge tolle Menschen zu uns finden. In meiner Rolle suche ich vor allem nach Kollegen für Management-Funktionen. Bertelsmann ist sehr dezentral aufgestellt, das gilt auch für die Personalarbeit. Die Rekrutierung der „Buchmenschen“ (Lektoren etc.) obliegt weitgehend meinen Kollegen bei Penguin Random House. Wir kommen ins Spiel, wenn es z.B. um Finanz-Funktionen oder Unternehmensentwickler geht. Im Grunde suche ich also nach kreativen Managern, die Freude daran haben, kreativen Buchmenschen den Rücken freizuhalten und dafür zu sorgen, dass wir heute und in Zukunft weltweit und profitabel viele großartige Bücher veröffentlichen können.

Außerdem habe ich persönlich – abseits der Doktorarbeit – selbst bereits ein Buch geschrieben. Es heißt Lizenz zur Zufriedenheit und ist eine Art Ratgeber zur Persönlichkeitsentwicklung, allerdings auf wissenschaftlicher Basis. Ich bin recht sicher, dass es nicht das einzige Buch aus meiner Feder bleiben wird. Ferner blogge ich regelmäßig, entweder auf meinem eigenen Blog www.mappalicious.com, oder auch als Gastblogger, z.B. für LEAD digital.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt es nicht. Das Spektrum meiner Arbeit umfasst von Marketing-Themen über PR-Arbeit bis hin zu eher klassischen HR-Aufgaben sehr viele Dinge. Ich kümmere mich zusammen mit einem kleinen Team um unsere Employer Branding-bezogenen Websites und Social-Media-Kanäle, richte Events aus (all das in Zusammenarbeit mit internen und externen Agenturen), spreche mit der Presse, besuche häufig Universitäten und rekrutiere Menschen – und begleite diese schließlich auf ihren ersten Jahren im Unternehmen. All das kann national und international stattfinden. Eine der wenigen Konstanten ist, dass ich viel Zeit in Zügen und Flugzeugen verbringe.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Ich mache das jetzt – mit unterschiedlichen Schwerpunkten – seit ungefähr vier Jahren, insgesamt hat sich da nicht so viel verändert. Einiges tut sich natürlich in Details, z.B. bei den Social-Media-Kanälen und noch mehr im Bereich der Employer Branding- und Recruiting-Dienstleister. Jede Woche schießen neue Startups aus dem Boden, die großen Unternehmen helfen wollen, besser/schneller/schöner an geeignete Kandidaten zu kommen. Ich versuche, hier einen Überblick zu behalten und sinnvolle Kooperation zu starten. Zuletzt haben wir z.B. mit der vielfach ausgezeichneten Plattform Whatchado zusammengearbeitet.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Bertelsmann ist sehr groß (über 110.000 Menschen weltweit) und außerdem ungeheuer vielfältig. Wir machen ja neben Büchern noch viele andere Dinge im Mediensektor: lineares und nicht-lineares Fernsehen, Zeitschriften und Online-Angebote, Musik, Bildung. Und dann gibt es mit Arvato noch einen facettenreichen Dienstleister, der in den Bereichen Marketing, IT und Logistik unterwegs ist, um nur einige Aspekte zu nennen. Wir sind also nicht ganz so schnell zu begreifen, wie andere Unternehmen ähnlicher Größe, die sich auf wenige Produkte oder Dienstleistungen konzentrieren. Ich sage gerne, dass Bertelsmann ein „erklärungsbedürftiges Produkt“ am Arbeitgebermarkt ist. Das ist die große Herausforderung in meinem Job – zumal wir keine Konsumentenmarke sind. Wir erreichen mit unseren Produkten und Dienstleistungen jeden Tag etwa 500 Millionen Menschen weltweit, jeder kennt unsere Fernsehsender, Zeitschriftentitel – oder eben auch Verlage. Ich weiß aber aus vielen persönlichen Gesprächen, dass den Menschen des Öfteren nicht bewusst ist, dass all diese Dinge tatsächlich zu uns gehören.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Siehe die vorige Frage: Jeder, der mir Wege aufzeigen kann, dieser Komplexität Herr zu werden und das facettenreiche Angebot von Bertelsmann als Arbeitgeber innovativ in klare und einfache Kommunikation umzusetzen, um die besten Medienschaffenden an Bord zu holen, der kriegt von mir zwei sehr offene Ohren und auf Wunsch hektoliterweise Cappuccino.

Wo finden wir Sie im Internet?

Die Frage ist eher: Wo nicht? Ich bin da ein bisschen verrückt, muss immer alles ausprobieren. Ein guter Startpunkt ist sicherlich meine Präsenz auf About.me. Dort sind dann fast alle weiteren Kanäle, auch meine eher privaten Seiten und Blogs, verlinkt.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Nico Rose