Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Miriam CoviWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Miriam Covi, ich wurde 1979 in Gütersloh geboren. Meinen ersten Roman habe ich im Alter von fünf Jahren geschrieben, er hieß „Ein Heuschen am Schtrant“ und wurde nie veröffentlicht. Zahlreiche unveröffentlichte Werke später wurde ich hauptberuflich Fremdsprachenassistentin und zog nach New York City, wo ich meine Erlebnisse im Weblog »Mitten in Manhattan« auf der Internetseite der Zeitschrift »Brigitte« festhielt. Gemeinsam mit meinem Mann lebe ich, nach ein paar Jahren in Berlin, nun seit fast vier Jahren in Rom, inzwischen mit zwei kleinen Töchtern – und vermutlich steht bald der nächste Umzug in ein weiteres Land ins Haus. Trotz meines oft chaotischen Lebens mit Kleinkindern im Ausland schreibe ich immer noch sehr gern – und inzwischen zum Glück nicht mehr nur für die Schreibtischschublade: Im August 2013 wurde „Eine Lüge, die Liebe, meine Familie und ich“ bei Knaur als E-Book veröffentlicht; im Februar dieses Jahres folgt mein zweiter Roman „Storchenhelfer“ ebenfalls zunächst als E-Book, im Mai dann als Knaur-Taschenbuch.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt es nicht. Meine zwei kleinen Töchter (1 Jahr und 2 Jahre alt) verhindern jegliche Regelmäßigkeit beim Schreiben. An „guten Tagen“ geht meine Ältere morgens in den Kindergarten und meine Jüngere macht ein Vormittagsschläfchen, das ca. eine Stunde dauert. Diese eine Stunde ist MEINE Stunde, um in die Tastatur zu hauen. Ich muss mich allerdings zwingen, weder noch schnell die Wäsche aufzuhängen, noch E-Mails zu checken oder zu schauen, was es bei Facebook Neues gibt. Manchmal funktioniert das wunderbar, weil man in einer intensiv genutzten Stunde oft mehr schafft als an einem ganzen Tag, an dem man nicht richtig in die Puschen kommt. Manchmal funktioniert es aber auch gar nicht, weil das Telefon klingelt oder Baby nur zehn Minuten schläft. Dann wird das Schreiben auf den nächsten Tag verlegt, in der Hoffnung, dass die guten Ideen bis dahin nicht futsch sind. Ich nehme mir auch immer wieder vor, abends weiterzumachen, wenn die Kinder im Bett liegen. Aber dann liege auch ich – vorm Fernseher. Völlig k.o. und unfähig, noch einen klaren Satz zu formulieren. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich überhaupt zwei Romane fertig bekommen habe…

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Früher, vor meiner ersten Veröffentlichung, habe ich immer wieder voll Feuereifer Romanprojekte begonnen, die meisten aber nicht zu Ende gebracht. Der Grund war, dass ich einfach drauflosgeschrieben habe und dann auf Seite 156 nicht mehr weiter wusste, weil ich mich im Plot verzettelt hatte oder mir einfach die Luft ausgegangen war. 2008 kam mein Mann – damals noch mein Freund – ins Krankenhaus. Ich verbrachte viele Wochen in seinem Krankenzimmer und hatte reichlich Zeit zum Lesen und Nachdenken. Mir fiel der Schreibratgeber „Wort für Wort“ von Elizabeth George in die Hände, worin sie ihre Art, einen Roman zu planen, erläutert. Ich war beeindruckt von der detaillierten Vorarbeit, die Mrs. George leistet, bevor sie mit dem kreativen Schreibprozess beginnt und beschloss, das auch zu versuchen. Fortan saß ich im Krankenzimmer meines Mannes und plante einen neuen Roman, begann dann, ihn zu schreiben – und hielt bis zum Ende durch. Veröffentlicht wurde er leider nicht – aber immerhin kam ich über dieses Projekt in Kontakt mit meiner Lektorin Eliane Wurzer bei „neobooks“, der Online-Plattform des Verlags Droemer Knaur. Bei meinem nächsten fertig geschriebenen Roman („Eine Lüge, die Liebe, meine Familie und ich“) gab sie grünes Licht für eine Veröffentlichung. Die detaillierte Planung der Romane habe ich bis heute beibehalten. Ich mache mir eine tabellarische Übersicht aller Szenen und weiß somit immer, was als nächstes kommt und wohin die ganze Reise führt. Das hilft ungemein gegen lästige Schreibblockaden und gegen das böse Erwachen in einer Plot-Sackgasse, aus der es keinen Ausweg gibt.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich kann meine kleinen Töchter nicht einfach abstellen, wenn ich die besten Ideen habe und in die Tastatur hauen möchte – aber dafür gibt es wohl keine wirkliche Lösung… Ich versuche immer mal wieder, mit Notizheftchen zu arbeiten, in denen ich kreative Geistesblitze für später festhalte. Leider vergesse ich regelmäßig, dass ich so ein Heftchen begonnen habe. Daher finde ich hin und wieder in einer lange nicht benutzten Handtasche oder in einer Schreibtischschublade im Stich gelassene Notizbüchlein – und bin oft positiv überrascht von den Ideen für Romane, Dialoge, Personen etc., die ich irgendwann mal aufgeschrieben habe.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Leserinnen und Leser meines neuen Romans „Storchenhelfer“, der am 4.2.2015 als E-Book und am 4.5.2015 als Taschenbuch bei Knaur erscheint. Ich würde mich wirklich über Feedback zum Buch freuen – sowohl über Lob, als auch über Kritik, denn die ist ja oft hilfreich. Falls außerdem ein Literaturagent Interesse an einer Zusammenarbeit hat, darf er mich auch sehr gern kontaktieren…

Wo finden wir Sie im Internet?

Bei Facebook (www.facebook.com/miriamcoviautorin) und auf meiner Homepage (www.miriamcovi.de), wo ich unter anderem über mein Leben als schreibende Mutter im Ausland blogge – wenn meine Töchter mich lassen!

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Miriam Covi