Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Kim Nina OckerWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Kim Nina Ocker und ich bin seit Oktober diesen Jahres Autorin bei dem Forever by Ullstein Verlag. Es handelt sich dabei um einen Imprint Verlag, was bedeutet, dass ich seit kurzer Zeit im Haifischbecken der E-Book Branche schwimme. Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt und Mutter einer kleinen Tochter. Nach dem Abschluss meines Fachabiturs im Bereich Wirtschaft, verabschiedete ich mich von den Zahlen und wandte mich den Buchstaben zu. Da ich meinen Erstlingsroman bereits (kinderlos) vor vier Jahren geschrieben habe, stellt mich mein neuer Alltag vor unerwartete Herausforderungen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Als Vollzeitmama habe ich wohl keinen typischen Arbeitstag, denn im Moment bestimmt meine eineinhalb jährige Tochter meinen Tagesablauf. Wenn ich Glück habe, bleibt mir tagsüber eine halbe Stunde zum Schreiben, bis ich dann abends wieder an den Laptop komme. Es ist für mich eine enorme Umstellung, nicht mehr schreiben zu können, wann immer ich möchte. Ich versuche mich abends zum Schreiben zu zwingen, habe aber festgestellt, dass man es den Texten danach anmerkt. Sobald die Tür zum Kinderzimmer geschlossen ist, bleiben mir ein paar Stunden, bis mein Mann nach Hause kommt und der Frieden wieder ein Ende hat. Daher versuche ich in dieser Zeit so viele E-Mails, Anfragen und Anrufe zu beantworten wie ich kann und danach noch ein wenig Begeisterung für die eigentliche Schreibarbeit aufzubringen. Im Moment arbeite ich vor allem daran, mich neu einzupendeln und meine Arbeit mit meiner kleinen Mitbewohnerin zu kombinieren.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Maßgeblich. Als ich mit dem Schreiben anfing, ich war siebzehn Jahre alt, habe ich mich an den Laptop gesetzt und geschrieben, was mir gerade in den Sinn kam. Völlig unwichtig, ob diese Gedanken für eine Geschichte taugten oder auch nur annähernd eine Zielgruppe bedienten. Ich hatte weder einen Plan, noch eine Ahnung, wie professionelle Autorenarbeit funktionierte. Wenn ich einmal zwei Wochen nicht schrieb, machte ich mir natürlich keine Gedanken darüber, denn es war ein Hobby und somit nichts anderes als Spaß.

Heute, mit einem Verlag im Rücken und dem ein oder anderen Leser, der vielleicht auf mehr wartet, hat sich meine Arbeit insofern verändert, dass es Arbeit ist. Punkt. Es fängt bei einem Tagespensum an Zeichen an und hört auf mit der Öffentlichkeitsarbeit, die mehr Zeit in Anspruch nimmt, als ich mir jemals hatte vorstellen können. Natürlich genieße ich es, ernst genommen zu werden und um Menschen zu wissen, die tatsächlich interessiert, was ich schreibe. Dennoch vermisse ich hin und wieder die Leichtigkeit der Anfangszeit, in der ich mir keine Gedanken über Zielgruppen, Facebooklikes und Verkaufsränge machen musste.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Neben dem Zeitmanagement beschäftige ich mich momentan vor allem mit den Vorurteilen, die dem Begriff E-Book leider immer noch entgegenschlagen. Als Autorin eines Imprint Verlages steht man tatsächlich vor mehr Hürden, als ich es am Anfang für möglich gehalten hätte. Ich werde regelmäßig mit den Vorteilen »richtiger« Bücher konfrontiert und bin gezwungen mich zu rechtfertigen, warum mein Roman es denn nicht in den Druck geschafft habe. Das Digitalpublishing tritt offensichtlich als Qualitätsmerkmal vor die breite Masse, was sehr schade ist. Vor allem in den letzten Wochen hatte ich die Chance, mich mit Kollegen und anderen Autoren der E-Book-Branche zu unterhalten und ich möchte behaupten, dass wir uns in keiner Weise hinter den »richtigen« Buchautoren verstecken müssen.

Allein bei Forever sind meine Kolleginnen und ich inzwischen zu einer Art kleinen Gemeinschaft zusammengewachsen, denn Fakt ist, dass man heutzutage Verbündete
braucht, wenn man sich auf dem Markt durchschlagen möchte. Denn nach Veröffentlichung des Buches fängt die Arbeit erst richtig an. Schreiben ist schon lange keine einsame Arbeit mehr. Anfangs war ich haltlos überfordert mit Facebook, LovelyBooks, Twitter und Co. Man steht plötzlich in der Öffentlichkeit und vermarktet nicht nur seine Werke, sondern auch seine Person. Der persönliche und direkte Kontakt gewinnt durch etliche Soziale Netzwerke und Plattformen immer mehr an Bedeutung für den Leser. Allein ein Name auf dem Cover reicht längst nicht mehr aus, die Menschen interessieren sich für die Person dahinter. Es macht mir Spaß, direkt mit den Lesern in Kontakt zu treten, dennoch habe ich immer noch regelmäßig das Gefühl, im Sumpf des Buchmarktes unterzugehen. Dank meiner lieben Kolleginnen und einem sehr geduldigen Verlagsteam, paddel ich aber immer noch tapfer an der Oberfläche.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Zur Zeit versuche ich vor allem, Marketing, das Schreibhandwerk und die Leser unter einen Hut zu bringen. Ich bin noch nicht lange dabei, aber wild entschlossen, es richtig zu machen. Hauptsächlich wild entschlossen, dabei zu bleiben und nicht nach einem Buch in der Versenkung zu verschwinden. Meine literarische Zukunft braucht ein Fundament, an dem ich zur Zeit arbeite und bei dessen Aufbau ich über jede Unterstützung dankbar bin.

Daher ist mir der Erfahrungsaustausch mit Internen und das Feedback der Leser momentan besonders wichtig.

Wo finden wir Sie im Internet?

Bisher habe ich mich bei Facebook und LovelyBooks eingerichtet und fühle mich recht wohl. Natürlich findet man mich auch über die Seite des Forever Verlages.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Kim Nina Ocker