Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Jochen MöllerWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich schreibe, wenn meine bürgerliche Existenz mir die Ruhe lässt. Zwei Romane habe ich so zustande gebracht – aber noch nicht veröffentlicht. Alle paar Jahre habe ich eine Kurzgeschichte in guten Zeitschriften oder Anthologien unterbringen können. Und 2004 veröffentlichte ich eine Lose-Blatt-Biografie im Karton: „27 Seiten von Josef Voss. Gefunden und – versuchweise – nummeriert von Jochen Möller“. Es hatte ewig gedauert, bis ich dafür einen engagierten Kleinverlag fand. Gemeinsam mit dem Verlag nahm ich mir jede Menge Zeit, um die geeignete Form zu suchen. Beim fact finding trafen wir etwa einen bibliophilen Experten, der meine Kreation auf ausgeblichene DDR-Papierbestände drucken wollte. Irgendwann wurde uns klar, wie teuer der Spaß geworden wäre.

Vor ein, zwei Jahren machte mir ein Freund aus der Medienbranche klar: Veröffentlichen ist nur noch ein Knopfdruck. Das hat mir zu denken gegeben und ich habe mein Schreiben zunehmend ins Netz verlegt. 2013 habe ich eine Twitternovelle verfasst. Seit kurzem bin ich auch self-publisher, brachte drei Kurzgeschichten als ebook unter dem Titel „Hausflüstern“ heraus. Ich will auch eine englische Fassung davon erstellen. Ein ebook mit einem halben Dutzend weiterer Kurzgeschichten – „Drecksarbeiten“ – ist in Planung.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

„Day job“ und Familie fordern mich. Reisen, Umzüge an neue Dienstorte und Mehrarbeit in Krisenzeiten kosten Kraft, bringen aber auch immer wieder Eindrücke, von denen mein Schreiben profitiert. Schreiben kann ich nur, wenn ich mir Zeit freischaufele, etwa im Urlaub oder während gut abgegrenzter Intensivphasen. Für meine Twitternovelle verschanzte ich mich an einem Sonntag buchstäblich im Keller. Die nur lose vorstrukturierte Geschichte entstand dann in Echtzeit im Netz. Mit meinem Roman „Watermelon Man“ kam ich vor allem frühmorgens weiter, sobald unser Nachwuchs nach seinem ersten Fläschchen wieder eingeschlafen war.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Mein Schreiben hat sich kaum verändert: Packt mich eine Idee und kommt eine passende Formvorstellung dazu, geht es los.

Am stärksten hat sich meine Einstellung zum Veröffentlichen verändert. Ich erledige das einfach selbst, wenn die althergebrachten Wege mir zu umständlich erscheinen. Hohe Auflagen werde ich so nicht erreichen, aber es wäre schön, gleichgesinnte Individualisten mit Stoff zu versorgen. Die Möglichkeiten des Web sind also genau mein Ding, Plattformen wie Twitter oder Wattpad zum Beispiel. Mit Twitter kann ich Wortspiele und Gedankenschnipsel in die Welt jagen, die sonst unter den Schreibtisch fallen. Über Wattpad stelle ich nach und nach einen 90er-Jahre-Roman aus der Perspektive junger Erwachsener ins Netz. Wattpad ist ein Erzählportal. Dort sind jüngere Leute aktiv, im Zweifel deutlich unter 20 Jahren. Sie entwickeln dort kapitelweise Geschichten ganz unterschiedlicher Ambition. Sie sammeln so Schreiberfahrung und bekommen schnell Rückmeldung in Form von Kommentaren, Lesestatistiken und Lobsternchen. Nebenher machen sie ihre eigenen Buchtrailer auf Youtube oder widmen einzelne Kapitel ihren Freundinnen. Wer sich über Wattpad schlaumachen möchte: User verfassen dort auch gleich ihre eigenen Wattpad-Schreibratgeber.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Meine wenige verfügbare Zeit möchte ich dem Schreiben widmen, nicht der Verlagssuche. Das hat mir immer wieder das Problem bereitet, Texte nicht aus in der Schublade in eine gedruckte Fassung zu bekommen. Besonders für meinen „Watermelon Man“ tut mir das leid. Ich glaube, Literaturverlage stehen ganz schön unter Druck. Nach meiner Erfahrung fühlen sie sich immer mehr genötigt, auf Nummer sicher zu gehen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich möchte einen literarischen Agenten oder eine Agentin finden. Darüber hinaus würde ich meine Leserinnen und Leser gern besser kennenlernen. Ich möchte sie direkt ansprechen und werde dafür eine Mailingliste aufstellen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Draufloslesen geht stets auf www.jochenm.de. Ich versuche, mich in vielen sozialen Medien zu tummeln, aber vor allem Twitter gehört meine Leidenschaft: www.twitter.com/jochenmoeller.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Jochen Möller