Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Marion Lili Wagner

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Marion Lili Wagner und ich mache den Verlag für Kurzes, einen Verlag für kurze Texte: Kurzgeschichten, Erzählungen, Essays. Seit einigen Monaten auch Mikrogeschichten, das sind sehr kurze Geschichten, die aus nur wenigen Sätzen bestehen. Dieses literarische Genre gibt es bei uns noch nicht und ich will es gerne bekannt machen und etablieren. Dazu habe ich auch den Blog mikrogeschichten.de gestartet, in dem regelmäßig Mikrogeschichten verschiedenster Autoren veröffentlicht werden. Da kann jeder mitmachen, der Lust hat, Mikrogeschichten zu schreiben.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Mein kleiner persönlicher Wecker namens Marie (5) weckt mich meist ziemlich früh. Nachdem ich sie in den Kindergarten gebracht habe, überlege ich, wo ich arbeiten möchte: Zu Hause (selten), in der Bibliothek (gelegentlich) oder in einem WLAN-Cafe (meist).

Meine Arbeit puzzelt sich aus vielen unterschiedlichen Aktivitäten zusammen: Schreiben, Mails beantworten, Texte lektorieren, Cover besprechen, Rezensenten anschreiben, mit Autoren kommunizieren … Ich versuche immer, die Dinge, die die meiste Konzentration erfordern, als erstes zu machen.

Was auch ein kleiner, aber wichtiger Teil meiner Arbeit ist, ist die „Nachdenkzeit“. Ich versuche jede Woche mindestens einen Vormittag oder Nachmittag nichts Konkretes zu arbeiten, sondern einfach nur Spazierenzugehen oder mich in ein Cafe zu setzen und mir alles, was ich tue oder vorhabe, durch den Kopf gehen zu lassen. Dieser Abstand hilft mir sehr dabei, mich nicht zu verzetteln und oft fallen mir die Lösungen für irgendwelche Probleme oder Fragen gerade in diesen Momenten ein.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Sie ist vielfältiger geworden (und ich glücklicherweise strukturierter). Ich mache sehr gerne Projekte „außer der Reihe“. Beispielsweise habe ich gerade zusammen mit dem Literaturfestival lit:potsdam zusammen ein eBook mit Texten von Kindern und Jugendlichen aus Berlin und Brandenburg gemacht.

Und auf der Leipziger Buchmesse 2013 haben wir Besucher gebeten, ihre Biografie zu schreiben – auf einen Zettel. Diese fast 100 Zettelbiografien sind auf unserer Homepage und in einem kleinen Büchlein veröffentlicht.

Zum dritten Geburtstag des Verlages am 8. September möchten wir diese Aktion wiederholen, diesmal online. Jeder kann mitmachen. „Einfach“ sein Leben auf einem Zettel zusammenfassen und am 8.9. unter dem Hashtag #zettelbiografie posten und/oder twittern.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich frage mich, wie es gelingen kann, die Bücher und Mini-Bücher meines Verlages bundesweit in die Buchhandlungen zu bringen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich über die Kontaktaufnahme von Buchhändlern, die unser Programm in ihr Sortiment aufnehmen möchten und über Rezensenten, die Lust haben, eines oder mehrere der Bücher zu besprechen. Und ebenso über Autoren, die eine Mikrogeschichte auf unserem Blog veröffentlichen möchten. Generell bin ich aber offen für jede Art von Austausch mit Büchermenschen und Kreativen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter www.verlag-fuer-kurzes.de und www.facebook.com/verlagfuerkurzes.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Marion Lili Wagner