Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Ivar Leon MengerWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Ivar Leon Menger und seit September 2009 Verleger und Geschäftsführer der Psychothriller GmbH. Unser eBook-Verlag konzentriert sich ausschließlich auf die Veröffentlichung von Spannungsliteratur – von Thriller bis Horror – also alles, was Gänsehaut erzeugt. Unser Fokus liegt dabei auf der Entdeckung und Bekanntmachung neuer Autorentalente wie z.B. Anette Strohmeyer, Raimon Weber oder Andreas Krusch. Darüber hinaus veröffentlichen wir beliebte Thriller-Klassiker zum allerersten Mal als eBook, die als physisches Buch leider schon vergriffen sind, wie zum Beispiel „Rosemarys Baby“ von Ira Levin oder Shirley Jacksons „Spuk in Hill House“.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Mein Verlagstag beginnt morgens um 8 Uhr – mit Cappuccino und iPad. Dann wird erst einmal ganz entspannt in den Tag gesurft: Facebook, Handelsblatt, t3n Magazin, deutsche-startups. Wenn ich dann so langsam wach geworden bin, werden die E-Mails gecheckt und sortiert. Einfache Anfragen beantworte ich dabei sofort, komplexere Dinge verschiebe ich in den „To do“-Ordner. Dann ab 10 Uhr kommt meine Lieblingszeit: die Telefonzeit, das liebe ich! Dann telefoniere ich mit meinen Autoren, wir sprechen dabei über aktuelle Manuskripte oder über neue Ideen und Serienkonzepte. Oder Privates. Dabei vergisst man leicht die Zeit und es schon Mittag. Und da gehe ich mit meinem Hund in den Wald. Ab 14 Uhr arbeite ich meistens gestalterisch an neuen Covern, FB-Ads, Anzeigen und Werbekonzepten, plane Kooperationsgeschäfte, prüfe neu eingereichte Manuskripte oder sitze an technischen Neuentwicklungen. Wie zum Beispiel aktuell an unserer neuen eBook-Leseplattform – dem Psychothriller.Club, bei dem man keinen eReader mehr braucht, nichts downloaden und keine App installieren muss, sondern direkt im Browser des Smartphones oder Tablets lesen kann. Bezahlt wird dabei kapitelweise mit Laterpay. Auf diesem Gebiet experimentieren wir gerade sehr viel, um uns von den großen Playern wie Amazon, iTunes, etc. in Zukunft etwas unabhängiger zu machen. Mal schauen, wie das Projekt von unseren LeserInnen angenommen wird. Geplant ist, dass wir in wenigen Wochen zu unserem 5-jährigen Verlagsjubiläum mit der Beta-Version im Netz starten. Ja, und dann ist es meistens schon 18 Uhr, wieder Zeit mit meinen Hund in den Wald zu gehen. Bis ca. 21 Uhr surfe ich dann noch privat mit dem iPad, beantworte dabei die letzten Anfragen und Kommentare, die über unsere FB-Verlagsseite gestellt werden. Und danach lege ich mich ins Bett, lese in Ruhe die neuesten Manuskripte – bis ich gegen 1 Uhr mit dem eReader in der Hand einschlafe …

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Über die Zeit hat sich nicht nur meine Arbeit, sondern sogar mein Beruf mehrmals verändert. Angefangen bei meinem Diplom. Nachdem ich in Hildesheim Grafik-Design studiert hatte, habe ich in einer Frankfurter Werbeagentur als Texter gearbeitet. Nach fünf Jahren habe ich dann gekündigt und als Regisseur gearbeitet. Habe in einer Darmstädter Videothek gejobbt, zwei Kurzfilme mit Florian Lukas, Fabian Busch und Justus von Dohnányi gedreht, die ersten Langfilm-Drehbücher geschrieben und zusätzliches Geld als Werbefilm-Regisseur verdient, u.a. für Kellogg’s, Ariel und Audi. Da jedoch keine Produktionsfirma meinen ersten Langfilm produzieren wollte, habe ich damals zusammen mit einem Freund, dem Sprecher Jan-David Rönfeldt, ein Hörspiel aus meinem Thriller-Drehbuch „Der Prinzessin“ gemacht und es in Hamburg aufgenommen. Über diese Tonaufnahme habe ich den wunderbaren Jens Wawrczeck kennengelernt, den Sprecher von Peter Shaw (Die drei ???), der mich als Autor bei Sony Music vorgeschlagen hat. So wurde ich ungeplant Hörspiel-Autor. Während dieser Arbeit wurde mir auch Oliver Rohrbeck (Justus Jonas) vorgestellt, der gerade sein Label „Lauscherlounge“ in Kreuzberg gegründet hatte. Wir haben uns gleich sehr gut verstanden und so habe ich auch Hörspiele und Serien für sein Label geschrieben. Wie z.B. die Mystery-Serie „Darkside Park“, die damals leider nur 300 CDs verkauft hatte. Deshalb wollte Oliver die Serie wieder einstellen. Ich spürte aber, dass es viel mehr Menschen gefallen würde, wenn sie überhaupt von dieser neuen Serie wüssten. Ich habe dann aus dem Bauch heraus das gesamte Erbe meiner Großeltern investiert, einen Verlag gegründet, die Rechte zurück gekauft, 18 Folgen von „Darkside Park“ auf einen Schlag produziert und mit meinem Background als Werber die Hörbuch-Serie bekannt gemacht. Das Ergebnis: 5 Wochen Platz 1 in den iTunes-Charts und mehr als 50.000 Downloads. Da wusste ich, ich bin auf dem richtigen Weg. Ich war angekommen, ohne das Ziel vorher zu kennen. Plötzlich war ich Verleger. Und ich liebe es!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Tatsächlich fehlt mir Zeit. Mein Tag könnte ruhig 20 Stunden mehr haben. Das betrifft besonders das Prüfen der eingereichten Manuskripte. Da ich jedes Manuskript selbst lese, braucht das leider seine Zeit. Ich merke jedoch schon relativ schnell – nach ca. 5 Seiten, ob mir das Buch gefällt und zu unserem Verlag passt oder nicht. Und hier suche ich tatsächlich noch freie Lektoren, die Thriller und Crime lieben, und für uns diejenigen Manuskripte weiter prüfen, die bei mir die erste Hürde geschafft haben.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir verstehen uns als klassischen Autorenverlag, der neue Talente nicht nur entdeckt, sondern auch wirklich aufbaut. Deshalb freuen wir uns natürlich immer über spannende Manuskripte von talentierten Autorinnen und Autoren. Wir sind bei der Auswahl der Stoffe zwar sehr streng und veröffentlichen zwar nur ca. 3% der eingereichten Manuskripte, aber dafür ist das Verhältnis zwischen den Autoren und uns sehr familiär und auf eine lange, gemeinsame Zukunft angelegt.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unseren Verlag Psychothriller GmbH findet man unter www.psychothriller.de, den mobilen Psychothriller.Club unter www.psychothriller.club und natürlich auch bei Facebook: www.facebook.com/psychothrillergmbh

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Ivar Leon Menger