Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Steffi Bieber-GeskeWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Steffi Bieber-Geske, Inhaberin des Kinderbuchverlags Biber & Butzemann. Bücher habe ich schon als kleines Mädchen geliebt. Erich Kästner war der Held meiner Kindheit. Als Teenager fing ich dann an, als freie Journalistin zu arbeiten – mit Erfolg. Nach dem Germanistik- und Publizistik-Studium habe ich zunächst einige Jahre als freie Journalistin im Bereich Unternehmenskommunikation gearbeitet. Das Lesen blieb mein liebstes Hobby. Schon in unserer Studentenbude hatten mein Mann und ich eine eigene Bibliothek. An das Schreiben oder Verlegen von Kinderbüchern dachte ich damals nicht im Traum.

Erst als ich 2010 vergeblich auf der Suche nach einem schönen Kinderbuch über die Insel Rügen für meinen Sohn war, schrieb ich kurzerhand selbst eins – und war überrascht, wie leicht mir das fiel und wie viel Spaß es mir machte. Weitere Bücher folgten. Während der Elternzeit mit meinem zweiten Sohn habe ich dann den Grundstein für einen eigenen Verlag gelegt – schließlich hatte ich mich im Germanistik-Studium auf das Verlagswesen und Kinderbücher spezialisiert.

Mein Verlag konzentriert sich auf regionale Feriengeschichten für Kinder im Grund- und Vorschulalter. Inzwischen werde ich von zahlreichen Autoren unterstützt. In unseren Büchern begleiten die kleinen Leser die Geschwister Lilly und Nikolas an die schönsten Ferienziele für Familien – von der Nord- und Ostsee bis nach Bayern, von Kärnten bis ans Mittelmeer. Anhand einer spannenden Geschichte lernen Kinder und Eltern spielerisch die Region und ihre Besonderheiten kennen und bekommen nebenbei Tipps, welche Ausflugsziele sich für Familien wirklich lohnen.

Außerdem bin ich Vorsitzende des Vereins Bücherzauber e.V. Wir engagieren uns für die Leseförderung. Dazu gehört es auch, die Leser mit Verlagen und Autoren zusammenzubringen. Damit auch die kleineren Verlage mal im Mittelpunkt stehen, organisieren wir am 15. und 16. November die 1. Buch Berlin, die erste größere Buchmesse in Berlin seit vielen Jahren.

Rund 60 Verlage aus ganz Deutschland werden in der Vorweihnachtszeit ihre Bücher den Berliner Lesern vorstellen. 45 Verlage haben sich bereits angemeldet. Leseratten können im eleganten Audimax der Hochschule für Technik- und Wirtschaft besondere Bücher entdecken, die es nicht in jeder Buchhandlung gibt. Das Angebot reicht von Romanen für jeden Geschmack über Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher, Kunst und Lyrik bis zu Gay Romance.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wenn ich die Jungs in die Schule und die Kita gebracht habe lese ich zunächst bei einer Tasse ostfriesischen Tees, den ich kürzlich bei einer Recherchereise lieben gelernt habe, meine Mails. Davon abgesehen gibt es den typischen Arbeitstag nicht, was zu tun ist, hängt immer vom Stand der Produktion ab.

Ich überwache den gesamten Produktionsprozess unserer Bücher, koordiniere Autoren, Illustratoren, Layouter, Webdesigner, Vertreter, Auslieferung und vieles mehr. Ich lektoriere, verfasse Pressemitteilungen, versende Rezensionsexemplare und verhandle mit potenziellen Interessenten für unsere Bücher.

Am Nachmittag mache ich spätestens um 16 Uhr Feierabend, um Zeit für meine Kinder zu haben. Sind die Jungs im Bett, arbeite ich oft noch ein, zwei Stunden weiter. Wenn ich am Wochenende einen Tag frei habe, weil mein Mann oder meine Mutti sich um die Kinder kümmern, schreibe ich an eigenen neuen Büchern.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Während die Arbeit im Verlag bei der Gründung 2010 nur einige Stunden pro Woche in Anspruch genommen hat, ist daraus längst ein Vollzeitjob geworden. Einige Dinge, die ich früher selbst erledigt habe, vor allem im Bereich Vertrieb, konnte ich inzwischen an professionelle Kollegen abgeben.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Obwohl unsere Bücher erfolgreich sind und bei den Familien sehr gut ankommen, verkaufen wir in Anbetracht der Hunderttausenden Familien, die jedes Jahr in Deutschland Urlaub machen, noch viel zu wenig. Ich wünsche mir, dass irgendwann jede Familie mit Kindern zwischen 4 und 10 Jahren unsere „Lilly und Nikolas“-Reihe kennt. Die Eltern deutschlandweit auf unsere Bücher aufmerksam zu machen, würde jedoch ein Werbebudget erfordern, von dem wir nur träumen können. Zudem ist unsere Erfahrung, dass Marketing und Pressearbeit oft mehr kosten als sie am Ende bringen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Jeder, der unsere Bücher verkaufen möchte oder der uns helfen will, unsere Bücher bekannter zu machen – wir freuen uns über jede Unterstützung.

Und natürlich Verlage, die noch an der 1. Buch Berlin teilnehmen möchten, sowie Sponsoren, die diese kleine, feine Messe unterstützen möchten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Den Verlag Biber & Butzemann unter www.biber-butzemann.de oder auf , die Buchmesse unter www.buchmesse-berlin.com.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Steffi Bieber-Geske