Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Janice JakaitWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Janice Jakait, Reisende, Abenteurerin, Autorin. Nach der Überquerung des Atlantischen Ozeans in einem Ruderboot veröffentlichte ich mein erstes Buch „Tosende Stille“, das die Geschichte eines 90 Tage währenden Kampfes mit den Elementen und den eigenen Ansprüchen beschreibt. Getrieben von dem Wunsch „anzukommen“ – wieder an Land und endlich einmal in mir selbst. Das Schreiben war ein ganz eigenes Abenteuer, das Resultat und vor allem das Feedback machen mir nun so viel Freude, dass ich bereits an einem zweiten Buch arbeite. Und darüber hinaus plane ich bereits das nächste Abenteuer auf dem Meer. Einen inspirierenderen Ort zum Schreiben vermag ich mir einfach nicht vorzustellen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Ich stehe auf, wenn ich wach bin – schreibe, wenn ich etwas zu schreiben habe und mich kreativ fühle. Im Zwang, kreativ sein zu müssen, möchte ich nicht arbeiten. Kreativität entsteht nicht im Müssen oder Wollen, sondern im Dürfen und Sein. Wenn ich Schreibblockaden habe, dann weiß ich, dass das, was ich meine schreiben zu müssen, nicht das ist, was ich wirklich schreiben will. Dann lasse ich es los, gehe wandern, meditieren, ins Café und BIN – ohne etwas anderes sein zu wollen. Dann schaue ich, was noch bei mir im Moment geblieben, was wirklich von Bedeutung ist und wirklich aufs Papier will. Dann lasse ich es fließen … aber kann man das dann „Arbeit“ nennen?

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Vor meiner Reise über den Ozean war ich ein Kontrollfreak – daran scheiterte jedes Buch, das ich schreiben wollte. Ich verlor mich so darin, jedes Detail des Inhaltes zu planen und zurechtzufeilen, dass im engen Rahmen dieses starren Korsetts kein Platz mehr blieb, um den Geist von Lust und Hingabe – von kreative Freiheit! – atmen zu können. Dem hohen Anspruch, perfekt sein zu müssen, wurde ich letztlich doch nie gerecht, da der Anspruch im Schreiben selbst durch die wachsenden Erfahrung nur immer größer wurde. Am Ende scheiterte ich immer – musste scheitern. Heute schreibe ich Bücher nicht mehr für mich, sondern für die Leser. Es sind ihre Ansprüche, die ich gern erfüllen möchte: gut unterhalten und inspiriert zu sein. Das hört sich profund an, aber die Dankbarkeit, im Schreiben anderen Menschen etwas geben zu dürfen, befreit vom unersättlichen Drang, soviel wie möglich für sich selbst aus einem verfassten Text ziehen zu müssen: Erfolg, Stolz, Anerkennung, Lobpreisung und „Gewinn“. Ich würde sagen, ich drehe mich nicht mehr nur noch um mich selbst, sondern versuche meine Leser mit Fantasie und Hingabe einzuspinnen, das hat sich verändert.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Hier muss ich passen. Ich habe keine Probleme mehr bei meiner Arbeit. Probleme sind nichts als Herausforderungen, die der eigene Kopf so umdeutet, dass er sich in ihnen möglichst lange aufreiben und intensiv austoben kann. Der Kopf will Kopf sein, nichts anderes – auch wenn er Glück und Zufriedenheit in Aussicht stellt, wo seine selbst erschaffenen Probleme nur gelöst würden. Der Kopf will Kopf sein, und ist es am meisten, wenn wir leiden. Ich will nicht mehr leiden. Nach 36 Jahren habe ich begriffen, dass sich am Ende eines Problems ganz sicher nur ein neues finden wird. Auswege aus einem Problem sind nur Umwege in andere Probleme. Glück und Zufriedenheit empfinde ich heute als etwas anderes, nämlich als Befreiung aus diesem Kreislauf, der nie aus dem Kopf heraus in die Freiheit und Leidenschaft führt. Also, Herausforderungen: ja! Je größer sie sind, umso mehr darf ich daran wachsen. Probleme: Nein! Unter ihrer Last wächst man nicht, sondern bricht nur zusammen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich im Moment sehr über die wunderbaren Rückmeldungen meiner Leser. Das ist so intensiv und inspirierend! Der Austausch allein ist Ansporn genug weiter zu schreiben. In diesem Sinne: Ich freue mich über jeden Kontakt, der beflügelt. Menschen, die ihr Herz öffnen, ehrlich und authentisch sind, „helfen“ mir dabei, in ihrem Spiegelbild genauso offen und authentisch sein zu dürfen. Für mich ist das eine doch recht neue Erfahrung … und ich möchte sie gern intensivieren. :-)

Wo finden wir Sie im Internet?

www.rowforsilence.com

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Janice Jakait