Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Anna Karina BirkenstockWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Anna Karina Birkenstock, Kinderbuchautorin und Illustratorin sowie Verlegerin beim Tilda Marleen Verlag für digitale Kinderbücher.

Nach dem Abitur habe ich erst eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Bild und Ton gemacht im Bereich TV Design. Danach habe ich Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe studiert. Seit 2003 bin ich als freie Kinderbuchautorin und –illustratorin für mehrere deutsche Verlage tätig und habe bisher über 60 Bücher illustriert.

2011 habe ich mit meinem Mann Caspar Armster den Tilda Marleen Verlag gegründet. Als ich anfing, mich mit dem E-Book zu beschäftigen, machte mein ganzer Werdegang, der mir vorher wie eine Reihe von Umwegen vorkam, plötzlich Sinn. Da das E-Book eben mehr ist als ein Buch auf einem Tablet. Hier kann nun meine Erfahrung aus meinen drei Arbeitsbereichen – Screen-Design, Medienkunst und Illustration – endlich zusammenfließen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wenn ich an eigenen Projekten arbeite, bringt mich so schnell nichts von der Staffelei weg. Ich liebe es, noch ganz traditionell in Acryl zu arbeiten.

Für mich als berufstätige Mutter besteht der Tag oft aus Überraschungen und Unterbrechungen.

Ich versuche mir die Zeit zwischen eigenen Projekten, dem Verlag und der Familie gut einzuteilen. Meine Kinder sollen nachmittags nicht zu kurz kommen. Oft verlagert sich daher der restliche Arbeitstag bis tief in die Nacht.

Gerade für unseren Verlag ist es auch wichtig unterwegs zu sein, Netzwerken auf Messen, bei Fachveranstaltungen, bei Illustratoren- und Autorentreffen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als Illustratorin und Autorin war ich bisher nur „Lieferant“ und auf meine eigene Arbeit und meine Arbeitgeber reduziert. Als Verlegerin sehe ich nun überall neue Ideen und kann daran mitwirken, die Vielfalt deutscher Illustrationskunst in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir sehen uns nicht als traditionelle Verleger, sondern als Teil eines kreativen Netzwerkes. Aus dem, was jeder Kreative einbringt, kann etwas Größeres und Schöneres als die Summe aller Teile entstehen.

Netzwerke bieten guten Nährboden für unabhängige und außergewöhnliche Ideen. Die digitale Technik macht dabei vieles möglich, so kann ich einem Sprecher in Berlin via Skype Regieranweisungen geben und mit einer Autorin in LA gemeinsam ein Buch realisieren. Mir gefällt am Netzwerk, dass gleichwertige Partner als Team agieren.

Als Autorin habe ich in den letzten Jahren auch angefangen, mehr Lesungen und Workshops zu halten. Die Arbeit mit Kindern ist eine große Inspirationsquelle für mich. Es ist mir wichtig, die jungen Leser als Autorin, Illustratorin und auch als Verlegerin im Blick zu haben, sie ernst zu nehmen und auf Augenhöhe zu begegnen. Die Workshops zeigen mir, was diese Kinder bewegt, wie sie Geschichten selber erzählen.

Ich möchte Kinder dazu ermutigen, selber kreativ zu werden, etwas Eigenes zu schaffen und eigene Geschichten zu erzählen, statt nur zu konsumieren.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Die Vorbehalte gegenüber E-Books für Kinder seitens einiger Eltern und Pädagogen sind noch immer groß. Ein Großteil unserer Arbeit besteht aus Lobbyarbeit für das illustrierte E-Book an sich. Da gibt es viele Vorbehalte und Ängste, die oft ganz einfach aus der Unwissenheit über das Medium E-Book resultieren. Die meisten der bewertenden Instanzen – Presse, Stiftungen oder Institutionen, die Auszeichnungen vergeben – nehmen zwar oft schon Apps wahr, nicht aber das enhanced E-Book.

Ein weiteres Problem: Die großen Verkaufsplattformen funktionieren nach dem Bestseller-Prinzip. Wir wünschen uns digitale Kinderläden mit Anspruch und Auswahl.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir freuen uns immer über neue Kontakte für unser kreatives Netzwerk: Autoren, Illustratoren, andere Kreative. Besonders hilfreich wären für uns sicher derzeit Multiplikatoren wie Pressemenschen und Blogger.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Anna Karina Birkenstock