Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Liv HambrettWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Liv, eine australische Autorin und Bloggerin, und lebe seit 2010 in Deutschland. Auf meinem Blog und in meinen Texten berichte ich viel über meine Migrationserfahrung und schreibe über kulturelle Unterschiede. Doch ich schreibe nicht nur, ich unterrichte auch. Ich mag diese Mischung aus Schreiben und Unterrichten, es sind zwei unterschiedliche Weisen mit Sprache umzugehen, die sich für mich sehr schön ergänzen und ein Ganzes bilden.

Wenn ich schreibe, dann bin ich in unterschiedlichen Rollen aktiv: Ich lektoriere, redigiere oder texte für große Verlage in Australien, England, Deutschland und den USA. Darüber hinaus betreue ich Publikationsprojekte, die ich selbst herausgebe oder arbeite an meinen eigenen Prosatexten. Zuletzt etwa sind von mir zwei Kurzgeschichten in der Modern Woman’s Anthology erschienen und ich habe das eBook Sincere Forms of Flattery mitherausgegeben. In diesem Buch habe ich gemeinsam mit Sandi Sieger junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller gebeten, eine Geschichte im Stil ihrer Lieblingsautoren zu schreiben. Jede Geschichte wird von einem Essay begleitet, in dem dargestellt wird, weshalb ein ganz bestimmter Autor oder Autorin eine so große Rolle für das eigene Schaffen gespielt hat.

Meine jüngste Veröffentlichung ist What I know About Germans – ein illustriertes Buch, das ich gemeinsam mit den britischen Bloggern von überlin publiziert habe. Das Unglaubliche an dem Buch ist, dass es aus einem Blogpost entstanden ist. Ich hatte vor einigen Jahren damit angefangen, alle meine Beobachtungen über Deutschland und die Deutschen als Liste auf meinem Blog anzulegen. Zoe Noble und James Glazebrook von üBerlin sind dann auf diese Liste gestoßen und haben mich gefragt, ob ich die Betrachtungen auch auf ihrem Blog veröffentlichen möchte – das war 2012. Dieser Blogpost auf überlin löste regelrecht eine Lawine aus: Bis heute etwa wurde der Artikel über 130.000  Mal gelikt und geteilt. Weshalb auch immer, aber es scheint zu interessieren, was wir Neu-Zugezogenen von Deutschland und den Deutschen halten. Und nach dem Riesenerfolg des Blogartikels haben wir uns gedacht, dass wir etwas anderes damit machen müssen. So sind wir überhaupt erst auf die Idee gekommen das Buch What I know about Germans – 101 Observations zu publizieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Wie der Tag verläuft, hängt maßgeblich davon ab, ob ich unterrichte oder ob ich auf eine Deadline hin arbeite. Allerdings halte ich mir immer Zeit frei um zu bloggen – in der Regel schreibe ich zwei bis drei Artikel wöchentlich. Allerdings pflege ich einige Rituale: So beginne ich meinen Tag immer mit einer Tasse Tee und stelle als erstes eine To-Do-Liste zusammen. Meist endet mein Tag mit Unterrichtsstunden. Zwischendurch passiert alles Mögliche, je nachdem, was gerade Priorität hat.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Obwohl ich mich selbst zu der Generation zähle, die mit dem Internet groß geworden ist, bin ich doch immer wieder erstaunt über die Möglichkeiten der Digitalisierung. Zu Beginn meiner Karriere hatte ich ein eigenes Online-Magazin, dann habe ich angefangen zu bloggen, jetzt habe ich das Self-Publishing für mich entdeckt. Wer hätte gedacht, dass eine australische Bloggerin und zwei Briten, die sich vorher noch nie gesehen haben, gemeinsam über eine Berliner Plattform – im konkreten Fall epubli – ein Buch publizieren können, das überall auf der Welt erhältlich ist. Das Buch gibt es als eBook und als Print-on-Demand-Titel. Als Autor ist man quasi heutzutage dem Buchhandel und den Verlegern immer einen Schritt voraus. Aber ich muss gestehen, dass es auch mir nicht immer leicht fällt mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Ich merke immer wieder, wie auch ich noch sehr stark geprägt bin vom Bild der großen, traditionellen Verlagshäuser, die alleinig darüber bestimmen, wer ein Autor sein kann und wer nicht.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein größtes Problem ist es, alle meine Aktivitäten unter einen Hut zu bringen und dennoch genügend Zeit und Energie zu finden, um an meinen eigenen Geschichten zu arbeiten. Früher habe ich sehr viel abends geschrieben, aber das klappt nicht mehr so gut. Also muss ich auf den Morgen ausweichen, wenn mein Energiepegel am höchsten ist. An Tagen, an denen ich morgens nicht unterrichte, versuche ich jede Stunde für das Schreiben freizuhalten. Ist meine Woche mit anderen Aufgaben gefüllt und komme ich nicht zum Schreiben, dann muss das Wochenende dafür herhalten, komme was wolle. Mit einer Kanne Tee setze ich mich dann an den Computer und sortiere Wörter, die ich entweder im Kopf oder in Notizblöcken angesammelt habe.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Das Wichtigste für mich sind meine Leser. Sie sind eine Art Kompass und ich liebe es, mich mit ihnen auszutauschen. Deshalb versuche ich auch immer alle Emails zu beantworten, auf Kommentare einzugehen oder über Facebook und Twitter mit ihnen in Kontakt zu treten. Am einfachsten und schnellsten erreicht man mich über meine Email-Adresse: livhambrett@gmail.com oder über Facebook und Twitter.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Liv Hambrett