Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Natalja SchmidtWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Natalja Schmidt, und ich bin Mitinhaberin der Literaturagentur Schmidt & Abrahams. Uns gibt es seit fast zehn Jahren; mittlerweile haben wir seit vier Jahren unser Büro in Speyer.

Unsere Agentur bringt Schriftsteller und Verlage zusammen und begleitet Manuskripte auf dem Weg von der Idee bis hin zum Buchvertrag. Wir vertreten 90 deutschsprachige Autorinnen und Autoren und eine Handvoll ausländischer Lizenzen, wobei unser Schwerpunkt auf unterhaltender Belletristik liegt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Zuerst checke und beantworte ich meine Mails, dann telefoniere ich meist mit Autoren und Lektoren. Dabei kann es um ganz verschiedene Dinge gehen – schöne wie: ein Verlag hat ein erstes Angebot für ein neues Manuskript gemacht, es gibt ein Pre-empt, Lizenzen wurden verkauft, eine Auktion geht weiter, ich bin über ein neues Manuskript ganz aus dem Häuschen; oder auch um nicht so schöne: ein Titel wird verschoben, die Verkaufszahlen sind enttäuschend, ein Manuskript wird verspätet abgegeben, Cover und Titelfindung gestalten sich schwierig, Autor und Lektor haben sich gestritten, bei einer Abrechnung ist etwas schief gelaufen…

Mittags schaue ich meist in unsere Social-Media-Kanäle rein, und der Nachmittag gehört entweder Verträgen und Abrechnungen oder der Textarbeit. Einmal in der Woche setzen wir uns mit allen Mitarbeiterinnen (außer mir noch meine Kolleginnen Julia Abrahams und Kristina Koblischke, unsere Bürokraft Christina Weber und zumeist noch eine Aushilfe oder Praktikantin) gemeinsam an einen Tisch und sprechen über die eingegangenen Manuskriptangebote und mögliche neue Projekte, was immer ein sehr spannender Termin ist.

So sehen die meisten Arbeitswochen aus, wenn es nicht gerade auf eine Messe zugeht oder gerade eine vorüber ist.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als wir die Agentur gegründet haben, hatten wir einen kleinen Stamm unveröffentlichter Phantastik-Autoren, für die wir vordringlich einen Verlag gesucht haben. Die Vermittlung von Debuts gehört zwar natürlich auch heute noch dazu, aber mittlerweile hat die Betreuung von Autoren, die bereits erfolgreich veröffentlichen, einen mindestens ebenso großen Anteil an unserer Arbeit.

Inzwischen vertreten wir das gesamte Spektrum der Belletristik und der erzählenden Sachbücher und haben deshalb in den vergangenen Jahren eine große Menge an Kontakten geknüpft, die sich über die ganze Branche erstrecken. Die Agentur von einer kleinen Spezialagentur für Fantasy zum heutigen Stand zu führen, war wohl bisher die spannendste Aufgabe und auch die größte Herausforderung für uns.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mehr Zeit zum Lesen zu haben wäre wirklich toll – ich denke, das ist ein Wunsch, den ich mit vielen Kolleginnen und Kollegen teile.

Und auf dem sehr dynamischen Ebook-Markt würden wir uns gelegentlich mehr gute, einheitliche Lösungen bei den rechtlichen und finanziellen Aspekten wünschen – da sorgt das rasche Wachstum nicht selten für Verwirrung.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Autorinnen und Autoren, die gute Manuskripte und Ideen anbieten, sind uns natürlich immer willkommen. Insbesondere suchen wir gerade heitere Stoffe, sowohl in der Belletristik als auch im Sachbuch, und verstärkt auch wieder historische Romane.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Natalja Schmidt