Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Astrid SchwanerWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Astrid Schwaner und ich absolviere neben dem Komparatistik-Studium ein einjähriges Volontariat für Literaturmanagement am Literarischen Zentrum Göttingen. Dort veranstalten wir in einem Team von zwei Festangestellten und vier Volontärinnen Lesungen und Diskussionen rund um Literatur. Jede Volontärin macht ein bisschen von allem, was bei der Vorbereitung und der Durchführung der Veranstaltungen anfällt: Von der Idee zu einer Veranstaltung über das Schreiben der Programmtexte und Newsletter, den Auf- und Abbau der Bühne und Bestuhlung, die Anmoderation, Ton- und Lichttechnik, bis zur Betreuung der AutorInnen und ModeratorInnen. Außerdem haben wir jeder einen eigenen Aufgabenbereich, der halbjährlich wechselt: Ich habe mich zuerst um das Medienarchiv gekümmert und nach sechs Monaten die Buchhaltung übernommen.

Für die Arbeit im Literarischen Zentrum lese ich natürlich die Bücher, zu denen wir Veranstaltungen anbieten, und versuche mit Programmtexten, Newslettern und monatlichen Radiointerviews möglichst viele potentielle Besucher für unsere Lesungen zu begeistern. Besonders intensiv habe ich mit den Büchern gearbeitet, deren Lesungen ich anmoderieren durfte. Einmal habe ich sogar eine Veranstaltung moderiert. Davon abgesehen bringt mein Literaturstudium eine Menge Lesezeit mit sich: Ich beginne gerade meine Masterarbeit über Raumsemantik in der Gegenwartsliteratur und sichte dazu deutsche und französische Romane der letzten fünf Jahre. Auch für meine freie Mitarbeit beim studentischen Online-Feuilleton LitLog lese ich Romane und analysiere Theaterinszenierungen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Da ich meine Bürozeiten im Literarischen Zentrum flexibel legen kann, gleichzeitig meine Masterarbeit schreibe und als studentische Hilfskraft arbeite, sieht bei mir jeder Tag anders aus. Ein bisschen Regelmäßigkeit gibt es aber doch: Einmal in der Woche haben wir um 9.00 Uhr Teamsitzung und besprechen, welche Aufgaben im Laufe der Woche erledigt werden müssen. Danach bleibe ich meistens im Büro und sortiere Kontoauszüge und Belege oder verfasse einen Newsletter für die nächste Veranstaltung. Wenn ich nicht im Literarischen Zentrum bin, fahre ich entweder zu unserem Steuerbüro, verteile Lesungsplakate oder sitze in der Bibliothek an meiner Masterarbeit oder an einer Rezension für LitLog. Zwei bis drei Veranstaltungen haben wir pro Woche in unserem Haus oder in externen Räumlichkeiten. Dann treffen wir Volontärinnen uns anderthalb Stunden vorher, um den Veranstaltungsraum vorzubereiten, kümmern uns während der Lesung um Kasse/Licht/Ton/Videoaufnahmen und natürlich um die Gäste, vom berühmten Wasserglas bis zum abschließenden Abendessen. Solche Lesungstage sind die schönsten und die faszinierenden Gespräche mit Kulturschaffenden ziehen sich oft bis nach Mitternacht.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Ich habe immer mehr Routine im Literarischen Zentrum erlangt und bin dort so heimisch geworden, dass das Volontariat im Moment die meiste wöchentliche Arbeitszeit einnimmt. Leider ist mein Jahr im Literaturmanagement bald vorbei, sodass ich mich ganz meiner Masterarbeit widmen, wieder mehr für LitLog schreiben und spannende Pläne für die Zukunft schmieden kann.

Die Arbeit der Volontäre am Literarischen Zentrum ist über die Jahre immer mehr geworden, da sich die Zahl der Veranstaltungen seit der Gründung verdoppelt hat. Allerdings zeichnet sich ab, dass die dichte Arbeitsbelastung vieler BA/MA-Studiengänge innerhalb der Regelstudienzeit kaum Platz für ein ganzjähriges Volontariat bietet. Wer sich für das Volontariat entscheidet, muss daher bereit sein, einen Großteil seiner Arbeitszeit im Literarischen Zentrum zu verbringen und gegebenenfalls ein Semester länger zu studieren – was sich für die Praxiserfahrungen und das Vergnügen im Literaturbetrieb auf jeden Fall lohnt!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Da die Aufgaben der Volontäre vielseitig und wir nicht jeden Tag im Literarischen Zentrum sind, führe ich manche Tätigkeiten nur einmal in drei Wochen aus. Das verlängert die Eingewöhnung und kostet Arbeitszeit, die bei schneller erlangter Routine für andere Aufgaben frei würde. Andererseits habe ich mich so im ganzen Jahr nie gelangweilt und einen breiten Einblick in die Arbeit im Literaturhaus erlangt, der bei größerer Spezialisierung nicht möglich gewesen wäre.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Gerne können sich Studierende melden, die sich für ein Volontariat am Literarischen Zentrum Göttingen interessieren (Achtung: Während des Volontariates muss man in einem philologischen Fach an der Uni Göttingen immatrikuliert sein). Natürlich beantworte ich gerne auch andere Fragen rund um unser Literaturhaus. Besonders willkommen ist mir der Austausch mit Literaturveranstaltern über Arbeitsstrukturen und Ausbildungswege im Literaturmanagement. Einige Literaturhäuser haben das Göttinger Volontariatssystem schon „kopiert“ oder zumindest ins Auge gefasst – ich gebe gerne Tipps. Zu guter Letzt freue ich mich auch über Anregungen, was nach Volontariat und Studium folgen kann – ich habe mich bisher noch nicht auf einen Berufsweg festgelegt.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Astrid Schwaner