Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Thomas HohenseeWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Thomas Hohensee. Seit 2002 habe ich 13 Bücher veröffentlicht. Meine Themen: Gelassenheit, Glück, Lebenskunst. Gesamtauflage: 250.000

Als Coach helfe ich anderen, erfolgreicher und glücklicher zu werden (was immer das für sie heißt) und Stress durch Gelassenheit zu ersetzen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Da ich einen Ruf zu verteidigen habe (siehe mein Buch „Lob der Faulheit“), darf ich auf keinen Fall vor 9.30 Uhr aufstehen. Danach ruhe ich mich erst einmal aus.

Weil meine Personal Trainerin ein spezielles Schriftsteller-Fitness-Programm für mich entwickelt hat, gehen wir anschließend einmal den Ku‘damm rauf und runter (7.123 Schritte). Danach wieder ausruhen.

15:00 Uhr: nerviger E-Mail-Wechsel mit dem Verlag (an dieser Stelle keine Einzelheiten)

16:24 Uhr: Ich tausche mit meinem Agenten den neuesten Klatsch aus der Buchbranche aus.

17:10 Uhr: Vor dem Abendessen schaffe ich es gerade noch, eine Seite für mein neues Buchprojekt zu füllen.

19:00 Uhr: Telefon-Coaching einer Schriftsteller-Kollegin mit Schreibblockade

20:05 Uhr: Meine Personal Trainerin schlägt eine zweite Fitness-Einheit vor. Ich rede mich mit einer Muskelzerrung heraus und beginne, die neueste Fußball-Zeitung zu lesen.

Anstrengender Tag heute!

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Am Anfang hatte ich einen Ganzseitenmonitor. Das war damals etwas Besonderes. Heute ist ein Monitor, der die ganze Textseite abbildet, Standard.

Das Internet ist informativer geworden. Dadurch sind Recherchen jetzt ein Kinderspiel.

Da ich viele Psychologie- und Coaching-Bücher auf Englisch lese, musste ich die vor zehn Jahren in einer Fremdsprachen-Buchhandlung bestellen. Das dauerte ewig und war sehr teuer. Heute bekomme ich die gewünschten Bücher entweder in einer Minute für wenig Geld als E-Book oder am nächsten Tag als Print in die Packstation geliefert.

Das Schreiben fällt mir immer leichter. Aber wen wundert das beim 15. Buch? (Im Herbst erscheinen zwei neue Bücher – insgesamt das 14. und 15. – von mir. Nach zwei Jahren ein echtes Comeback!)

Die Vorschüsse und die Verkäufe steigen. Ersteres ist das Verdienst meiner Literaturagentur. Zunächst habe ich die Verträge selbst verhandelt, aber da bin ich irgendwann an eine Grenze gestoßen. Was die Buchverkäufe angeht, habe ich darauf gesetzt, dass Qualität sich irgendwann durchsetzt. Die Rechnung scheint aufzugehen.

Ich lerne viele neue Leute kennen, weil die Personalfluktuation in den Verlagen an Fahrt aufnimmt. Manchmal ist es angenehm, wenn bestimmte Personen wegfluktuieren, in anderen Fällen ist es bedauerlich.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Falls der Schriftsteller in mir ein Problem entwickelt, findet der innere Coach umgehend eine Lösung. Ein Modell, das ich nur empfehlen kann!

Ein Problem kehrt allerdings immer wieder. Andere glauben, einem ständig dreinreden zu müssen, was die Inhalte, den Stil und die Länge der Texte angeht.

Inzwischen habe ich aber auch dafür eine Lösung gefunden. Ich sage ich einfach: „Nee, is‘ nich‘.“ Und wenn die anderen weiter nerven: „Is‘ auch ohne Diskussion.“

Es sei denn ich habe ausnahmsweise wirklich Lust, auf die Vorschläge einzugehen.

Dann gibt es noch ein Problem, das die Autoren und Autorinnen nur zusammen lösen können. Das ist ihre sozialpolitische Stellung.

Verleger, Drucker, Auslieferer, Buchhändler, Literaturagenten etc. kennen ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen ganz genau und verstehen diese wirksam zu vertreten und zu organisieren. Sogar der Staat kassiert mit seinen 7 % MWSt. mehr als jeder Taschenbuch-Autor.

Die Autoren aber – jedenfalls sehr, sehr viele von ihnen – freuen sich allein schon daran, dass sie überhaupt gedruckt werden, egal zu welchen Bedingungen. Diese Einstellung ruiniert die Preise und den Respekt, den andere ihnen entgegenbringen. Sie gelten dann nur noch als billige Contentlieferanten, die man bei der Diskussion um die Zukunft des Buchs und auch sonst nicht sonderlich ernst nehmen muss, aller gegenteiligen Lippenbekenntnisse zum Trotz.

Autoren sind bisher das schwächste Glied in der „Produktionskette“, obwohl die anderen ohne sie nichts als Papierhändler wären.

Das E-Book könnte diese Verhältnisse grundlegend verändern, aber nur dann, wenn die Autorinnen und Autoren ihren wahren Stellenwert endlich begreifen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Alle, die sich eine Zusammenarbeit mit mir im Bereich Publizieren oder Coaching vorstellen können

Wer an meinem Life Coaching oder Schreibcoaching interessiert ist

Die in Berlin wohnen und ebenso gerne wie ich über Bücher (Schreiben und Lesen) reden

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Thomas Hohensee