Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Fabian Thomas

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Fabian Thomas, ich arbeite als freier Redakteur in den Bereichen Kultur & Literatur in Berlin. Ich schreibe zum Beispiel für die Onlinepräsenz des Goethe-Instituts, auf goethe.de. Außerdem blogge ich für Veranstaltungen wie den Open Mike Literaturwettbewerb in Berlin oder die Buchhandlung ocelot, not just another bookstore und gebe unter dem zugegeben etwas sperrigen Titel The Daily Frown mein eigenes Magazin zu den Schwerpunkten Musik, Literatur und Alltag heraus. Vor Kurzem bin ich auch unter die Verleger gegangen und habe mit ein paar Kollegen den Digitalverlag shelff gegründet, der im Dezember seine ersten beiden E-Books veröffentlichte.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Morgens: Zeitungs- und Branchenblätter-Lektüre, Ideen sammeln, Bookmarks setzen, Notizen machen. Mittags: Bei schönem Wetter, wie jetzt gerade in Berlin, gern mal eine Stunde vor die Tür gehen. Nachmittags: Schreiben, Telefonieren, Pläne machen. Abends: Lesen oder Weiterschreiben, oder eine Lesung, seltener momentan ein Konzert, besuchen und nette Leute treffen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Dadurch, dass sich das Spektrum meiner Arbeit in den letzten zwei Jahren eher vergrößert hat, komme ich nicht umhin, mich besser zu strukturieren. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Überraschend eventuell, aber auch meine Nutzung der sozialen Netzwerke hat sich verändert, so beschäftige ich mich jetzt etwa viel stärker mit Twitter, als ich es noch vor zwei Jahren getan habe.

Als frischgebackener Verleger beschäftige ich mich aber auch gerade ungleich intensiver mit dem Thema E-Book und stelle fest, dass da in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch eine gewisse Reserviertheit besteht, sei es aus ästhetischen oder aus technischen Vorbehalten. Das würde ich gerne versuchen zu ändern. Eine Initiative, die ich zu diesem Zweck zusammen mit den Verlagen Frohmann, mikrotext und der Gestalterin Andrea Nienhaus gestartet habe, ist die Veranstaltung einer electric book fair, der ersten deutschen E-Book-Messe, die am 21. Juni in Berlin stattfinden wird.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ohne lamentieren zu wollen, aber das Verhältnis von Arbeit und deren Ertrag ist nicht immer das Günstigste. Den goldenen Mittelweg zwischen der totalen Selbstausbeutung und der finanziellen Sorglosigkeit zu finden, ist nicht unbedingt einfach.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich riesig über jede literarische Neuentdeckung, und mein Herz schlägt für die Independent-Verlage – da ist es immer schön, auf neue Projekte aufmerksam gemacht zu werden, ob analog oder digital. Andererseits wiederum habe ich ein großes Mitteilungsbedürfnis, wenn mir etwas ganz besonders gut gefällt – und freue mich in dieser Hinsicht auch auf Publikationsmöglichkeiten, die mir bislang entgangen sein könnten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Die Webseite meines Magazins lautet www.thedailyfrown.de, dort kann man sich über meine Arbeit informieren und mit mir Kontakt aufnehmen. Sonst natürlich auch bei Twitter und auf Facebook.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Fabian Thomas