Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Christine KabusWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Autorin und Dramaturgin.

Seit ich denken kann, bin ich von Büchern umgeben. Mein Großvater war ein leidenschaftlicher Liebhaber und Sammler alter Bücher, sein Haus war gefüllt mit uralten Handschriften, Inkunabeln, Erstausgaben und anderen antiquarischen Schätzen. Auch bei meinen Eltern waren Bücher ein prägendes Element der Einrichtung. Ein Zimmer ohne Bücher konnte ich mir als Kind nicht vorstellen, ein Leben ohne Lesen bald erst recht nicht mehr. Momentan komme ich allerdings wenig dazu – nicht nur aus Zeitmangel, sondern weil ich mich kaum auf andere Geschichten einlassen kann, wenn ich selber schreibe. Eine Erfahrung, die ich erst einmal verdauen musste, denn ich habe früher in jeder freien Minute ein Buch zur Hand genommen …

Eine besondere Freude ist es mir, als ehrenamtliches Mitglied von lesefuechse.org einmal die Woche in einer Münchner Grundschule Kindern aus sogenannten bildungsfernen Familien oder mit Migrationshintergrund vorzulesen und die Liebe zu Büchern weiterzugeben.

Dass ich selber mal Romane schreiben würde, hätte ich nie zu träumen gewagt – da bedurfte es des liebevollen Tritts von Zoë Beck. Sie hat mich nicht nur zu diesem Schritt ermutigt, sondern mir vor allem den Kontakt zu ihrer damaligen Lektorin beim Bastei Lübbe Verlag vermittelt, die mir eine Chance mit meinem Debut Im Land der weiten Fjorde gab. Dabei entdeckte ich Norwegen als spannende und inspirierende Kulisse, vor der auch die Handlung meines im Februar 2014 erscheinenden zweiten Buches Töchter des Nordlichts und die Geschichte, an der ich aktuell schreibe, spielen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich sitze meist gegen halb acht am Schreibtisch. Zuerst checke ich Emails und sehe auf Facebook und anderen Netzwerken nach, ob es interessante Neuigkeiten gibt. Je nach Stand des aktuellen Projekts lese und überarbeite ich das Geschriebene vom Vortag und schreibe weiter, falls nicht gerade Recherchearbeit ansteht. Zwischendurch mache ich immer wieder kleine Pausen, gehe um den Block, räume auf, wurstele im Haushalt herum – denn viele Ideen und Lösungen kommen mir, wenn ich Abstand vom Monitor habe. Darum kann ich auch nicht genau sagen, wieviele Stunden ich täglich an einem Roman arbeite. Im Grunde ist es ein permanenter Prozess.

An manchen Tagen wechsle ich die Seiten und kümmere mich als Dramaturgin um die Geschichten und Filmprojekte anderer Autoren oder bin als Dozentin bei der Drehbuchwerkstatt TopTalente tätig.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als ich am ersten Roman arbeitete, ahnte ich (zum Glück!) nicht, was neben dem Schreiben auf mich zukommen würde, nämlich die Vermarktung meiner Bücher, um es mal mit einem Schlagwort zusammenzufassen. Eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit, die ich vollkommen unterschätzt hatte, die aber sehr reizvolle neue Erfahrungen mit sich bringt. Zum Beispiel das Begleiten von Leserunden auf Foren wie lovelybooks oder leserunden.de, weil ich da direkt mit meinen Lesern kommunizieren und ihre Meinung erfahren kann.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Der zunehmende Zeitdruck und ab und an das mulmige Gefühl, keinem Bereich ausreichend gerecht zu werden.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich über Feedback von meinen Lesern und bin sehr dankbar, wenn Blogger Beiträge zu meinen Büchern schreiben. So bekomme ich die einmalige Chance, direkt zu erfahren, was sie kritisch sehen und sich anders wünschen, aber eben auch, was sie als gelungen empfinden. Bislang ist mein Netzwerk als Autorin allerdings ziemlich überschaubar – da ist noch viel Platz für neue Kontakte ;-)

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Christine Kabus