Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Adrian KasnitzWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Adrian Kasnitz. Ich lebe in Köln und bin Schriftsteller, Herausgeber und Literaturveranstalter. Als Schriftsteller schreibe ich Lyrik und Prosa. Zuletzt sind der Roman „Wodka und Oliven“ und die Gedichtbände „Sag Bonjour aus Prinzip“ und „Schrumpfende Städte“ erschienen. Als Herausgeber betreute ich die auf deutschsprachige und internationale Lyrik spezialisierte Edition parasitenpresse. Dort geben wir seit bald 15 Jahren u.a. eine Reihe mit jüngeren Lyriker/innen heraus. Als Gastgeber des Literaturklubs, einer monatlichen Lesereihe in Köln, lade ich Schriftsteller ein, ihre neuen Bücher oder Texte vorzustellen. Dabei gehe ich aber ganz nach eigenen Vorlieben vor.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Es gibt fleißige und unfleißige Tage. An einem fleißigen Tag stehe ich um 6.30 Uhr auf und beginne nach dem Frühstück. Der Vormittag ist eine gute Zeit zum Arbeiten. Allerdings muss ich mir die Zeit gut einteilen. Wann ich schreibe, wann ich die Verlagsarbeit mache und wann ich die organisatorischen Aufgaben erledige, muss ich auswürfeln. Da ist schon eine gewisse Konkurrenz zwischen meinen drei mit Büchern verbundenen Tätigkeiten. Aber bislang ging es weitestgehend gut. Wenn abends eine Lesung stattfindet, ein Gesprächstermin ansteht oder ich mich am Abend noch einmal an den Schreibtisch setze, kann so ein fleißiger Tag bis in die Nacht gehen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Ich versuche mir die Zeit besser einzuteilen als früher, bestimmte Zeitfenster für das Schreiben zu nutzen und andere für den Verlag. Die Anfangszeit der parasitenpresse war viel von Handarbeit geprägt, da wir ganz besondere Hefte herstellen wollten und es auch noch tun. Das ging solange gut, wie der Erfolg bescheiden und meine Zeit noch nicht so knapp war. Diese Handarbeit ist teilweise noch vorhanden, sie nimmt aber mittlerweile viel weniger Zeit in Anspruch.

Es wird aber immer wichtiger, der Erreichbarkeit Grenzen zu setzen. Neuigkeiten zu verpassen, offline zu sein, sind Strategien der Zeitgewinnung.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein Gleichgewicht zwischen dem literarischen Leben und dem Familienalltag hinzubekommen, ist nicht leicht. Aber dieses Problem ist weit verbreitet. Ein andres Problem ist, Leser davon zu überzeugen, dass gegenwärtige Lyrik die aktuell spannendste Textform ist.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Lesungsanfragen nehmen wir gerne entgegen. Auch Buchhändler, Blogger oder Rezensenten, die über die Bücher der parasitenpresse schreiben möchten, sind hilfreiche Kontakte. Sonst bin ich aber immer neugierig auf andere Künstler und ihre Arbeiten – das meine ich jetzt spartenübergreifend.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.adriankasnitz.de
www.parasitenpresse.de
literaturklubkoeln.wordpress.com

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Adrian Kasnitz