Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Isabel BogdanWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Isabel Bogdan, und ich übersetze Bücher aus dem Englischen ins Deutsche.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Das kommt sehr darauf an, wie nah der Abgabetermin ist. Je näher er rückt, desto länger wird mein Arbeitstag. Wenn er weit weg ist, lungere ich zu viel im Internet herum. Ein typischer Tag fängt auf jeden Fall damit an, dass ich ausschlafe. Ich weiß schon kaum noch, wie Wecker klingen; einer der Vorteile des Zuhausearbeitens. Wenn ich wach bin, setze ich mich mit dem ersten Kaffee an den Schreibtisch und lese erstmal Mails und Blogs und Facebook und Twitter und trödle herum. Je nachdem, wie nah der Abgabetermin ist, fange ich dann auch an zu arbeiten.

Manchmal verfluche ich es, dass der Arbeitstag nicht von außen strukturiert ist. Es liegt alles in meiner Hand, alles hängt von meiner Selbstdisziplin ab, und das fällt mir nicht immer leicht. Ausführlicheres zum Freiberuflerleben habe ich hier geschrieben.

Wenn ich ein Buch übersetze, fange ich damit an, dass ich es erstmal lese. Ich glaube, man muss als Übersetzer wissen, worauf es hinausläuft, und vor allem muss man sich eingrooven, ein Gespür für Tempo, Ton und Rhythmus des Autors finden, damit man es im Deutschen angemessen hinbekommt. Man muss die Figuren richtig kennen, damit die wörtliche Rede von Anfang an stimmig klingt. Und dann übersetze ich es von vorne nach hinten durch, und zwar lieber möglichst schnell und dafür mit mehreren Durchgängen. Wenn ich irgendwo nicht weiterkomme, weil ich etwas nicht so schnell recherchiert kriege, oder wenn ich mit einer Formulierung noch nicht gleich glücklich bin, dann frickle ich daran nicht lange herum, sondern mache erstmal weiter. Das hat drei Gründe: Erstens habe ich, wenn ich schneller vorankomme, ein besseres Gefühl für den Gesamttext, für den Textfluss. Wenn ich mich mit jedem Satz so lange beschäftige, bis er perfekt ist, habe ich am Ende schlimmstenfalls lauter tolle Sätze, aber keinen Text. Rhythmus und so etwas bekommt man nur mit, wenn man mitschwimmt, aber nicht, wenn man zu lange bei den Details verweilt. Zweitens klärt sich manches im Laufe der weiteren Übersetzung von ganz allein. Und drittens ist es besser für meine Psychohygiene, wenn ich das Gefühl habe, ein gutes Stück vorangekommen zu sein – auch wenn das Stück dann noch längst nicht fertig ist, sondern noch zwei- oder dreimal überarbeitet wird. Oft stellt sich dann heraus, dass eine Formulierung, mit der ich anfangs nicht so glücklich war, oder unsicher, doch die einzig wahre ist. Oder ich weiß beim nächsten Lesen plötzlich sofort, wie es heißen muss und frage mich, wieso ich da nicht gleich drauf gekommen bin.

Die fertige Übersetzung schicke ich dann an die zuständige Lektorin, die es korrigiert – normalerweise mit der Korrekturfunktion in Word, sodass ich ihre Änderungsvorschläge annehmen oder ablehnen kann. Über die Punkte, an denen wir uns nicht gleich schriftlich einig werden, telefonieren wir dann meist noch mal. Und ein paar Wochen später kommt die Fahne, in der immer noch ein paar Kleinigkeiten zu finden sind.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Mein erstes Buch habe ich über Silvester 2000 übersetzt. Da war das Internet noch lange nicht das, was es jetzt ist. Wie Leute in Vor-Internet-Zeiten übersetzt haben, mag ich mir schon gar nicht mehr vorstellen – selbst mit vielen Stunden in großen Bibliotheken hatte man sicher nicht die Informationsfülle zur Verfügung, die wir heute auf einen Mausklick haben. Gerade bei aktuellen Themen, etwa bei Anspielungen auf Fernsehserien, Jugendsprache und so weiter, ist das Internet ein Segen. Anfangs habe ich noch dauernd Fachwörterbücher gekauft, wenn es sie gerade günstig irgendwo gab. Da gucke ich schon seit Jahren nicht mehr rein, weil ich eigentlich alles im Internet schneller finde. Wer allerdings Klassiker neu übersetzt, wird vielleicht doch eher eine Bibliothek zu schätzen wissen.

Für mich ganz persönlich hat sich in den letzten Jahren ein bisschen zu wenig verändert, ich habe jetzt Lust auf etwas Neues. Nicht radikal, ich übersetze immer noch sehr gerne, und das möchte ich auch weiterhin tun, aber es kommen neue Tätigkeiten hinzu. Ich fange an, selbst zu schreiben, mein erstes eigenes Buch („Sachen machen“) ist vor anderthalb Jahren bei Rowohlt erschienen, und im Moment arbeite ich an einem eigenen Roman; der Vorsatz für 2014 ist, mehr für Geld zu schreiben, vielleicht für eine Zeitschrift, eine Kolumne oder etwas in der Art; manchmal gebe ich Seminare für Übersetzer; ich würde gern öfter Literaturveranstaltungen moderieren und selbst mehr Lesungen machen; und ich denke immer mal wieder darüber nach, in eine Bürogemeinschaft zu gehen. Denn eigentlich bin ich zu kommunikativ für eine so einsame Tätigkeit.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Abgesehen von den bereits beschriebenen „Problemen“ Selbstdisziplin und Einsamkeit sind die eigentlichen Übersetzungs„probleme“ das, was mir an der Arbeit am meisten Spaß macht. Wenn einem dann doch eine Knaller-Lösung für ein vermeintlich unübersetzbares Wortspiel einfällt, wenn die wörtliche Rede schön plausibel klingt, wenn man einfach mal etwas wagt, weil man meint, dass es dem Text guttut, das sind die Momente, in denen es am meisten Spaß macht.

Ein echtes Problem ist nach wie vor die Bezahlung der Übersetzer. Ein ewiger Kampf. Gegen Windmühlen, scheint’s.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Verlagslektoren immer gerne! Für Übersetzungen sowieso, gern gehobene Unterhaltungsliteratur. Aber auch für eigene Buchprojekte. Mein Roman wird von einer Agentin vertreten und ist demnächst so weit, dass ich etwas vorzeigen kann. Ich habe aber auch schon ein paar neue Ideen und bin für Vorschläge offen. Desweiteren würde ich mich über Kontakt zu Zeitschriften und Zeitungen freuen, für die ich am liebsten im Stile von Sachen machen alles mögliche ausprobieren würde. Ideen gibt es genug.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf isabelbogdan.de, auf Twitter, und auf Facebook und Xing.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Klaus Friese