Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Dr. Carmen BauerWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Dr. Carmen Bauer, ich lebe seit etlichen Jahren in Nordirland, wo es mich einst der Liebe wegen hingezogen hatte. Als ich noch vollzeitlich berufstätig war, hatte ich diverse wissenschaftliche Texte (hauptsächlich in Broschüren und in Zeitungsartikeln) im Zusammenhang mit der EU veröffentlicht. Später dann war ich als persönliche Referentin damit betraut, Reden und andere Texte zu schreiben.

Hier in Nordirland bin ich als freie Autorin tätig. Zunächst hatte ich Auftragsarbeiten angenommen, wie etwa das Schreiben von Referaten zu unterschiedlichen Themen, danach dann habe ich meine eigenen Bücher geschrieben. Alle meine Bücher (es sind bislang fünf Stück) habe ich bei Books on Demand veröffentlicht. Das bedeutet, dass ich mich von A bis Z um alles selbst kümmern muss. Also neben dem Schreiben an sich, auch um die Titelfindung, die Gestaltung des Covers, die Abrechnung (Buchhaltung), alle technischen Details (von Bildbearbeitung bis PDF, aber auch Rechtschreibung) und natürlich auch um die Vermarktung, d.h. Werbung. Wie sehr Titelfindung und Inhalt eines Buches zusammenhängen, sehe ich daran, dass ich ein Buch über Nordirland bislang noch nicht fertigstellen konnte, weil mir kein Titel dazu einfällt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich muss zugeben, dass es manchmal gar nicht so leicht ist, immer eine Regelmäßigkeit in den Tagesablauf zu bringen, wenn man nicht mehr „fremd-bestimmt“ arbeitet. Meine drei Crumbells (Yorkshire Terrier, über die ich inzwischen schon 2 Bücher geschrieben habe) helfen mir zumindest dabei, dass ich morgens zwischen sieben und acht Uhr aufstehe. Es dauert ca. eine halbe Stunde bis ich sie versorgt habe und mich an meinen Schreibtisch setze.

Je nachdem, was anliegt, schreibe ich an meinen Texten, bastele an Werbung für meine Bücher oder lese was es Neues in der Welt der sozialen Plattformen (Facebook, Witter, Google+) gibt.

Ich habe das große Glück, dass ich morgens relativ ungestört schreiben kann. Beim Schreiben ist es so, dass der Anfang wichtig ist. Steht der Anfang, dann folgt meistens das Anschließende ziemlich leicht. Genauso verhält es sich mit dem Buchtitel. Steht dieser erst einmal, dann fällt es mir relativ leicht, auch das Buch selbst zu schreiben.

Als promovierte Politologin bin ich eigentlich auf „Kopfarbeit“ getrimmt. Inzwischen gehe ich jedoch nach meinem Gefühl – wenn mir eine Textpassage nicht gefällt, dann ist sie auch nicht gut. Ich lasse den Text dann erst einmal liegen, lese mir das Ganze später durch und korrigiere es.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Meine beiden ersten Bücher (Jokes and more from Ireland und Yorkshire Terrier – Zwerge mit Löwenherz) waren ziemlich schnell fertiggestellt und veröffentlicht. Im Unterschied dazu, tue ich mich inzwischen mit dem Veröffentlichen etwas schwerer. Ich lege wesentlich mehr Wert auf Rechtschreibung, wobei ich leider sagen muss, dass ich dabei schon an die falschen Leute geraten bin – es wurden mehr Fehler in mein Manuskript hinein “korrigiert“ als tatsächlich verbessert wurden. Und auch die Gestaltung der Buchcover mache ich inzwischen selbst. Ich bastele daran so lange herum bis mir ein Cover richtig gefällt.

Außerdem habe ich festgestellt, dass ich ungleich mehr Werbung für meine Bücher in Deutschland betreiben muss, da ich ja im Ausland lebe. Da ich niemanden kenne, der diesen Part für mich übernimmt, musste ich auch erst einmal lernen, „Klinken zu putzen“. Es ist meiner Meinung nach wichtig, das richtige Maß zwischen „Werbemaßnahmen“ und „Freunde nicht zu vergraulen“ zu finden. Deshalb überlege ich mir immer wieder etwas Neues, wie ich z.B. meine Freunde auf Facebook auf mich bzw. meine Bücher aufmerksam machen kann.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das Bekanntwerden / die Bewerbung meiner Bücher. Ich erhalte zwar immer das Feedback, dass man meine Bücher sehr mag, aber der Kreis meiner Leserschaft ist leider begrenzt. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn mir sind in der Tat staatliche Grenzen gesetzt. Ich lebe in Nordirland, ein wunderbares Fleckchen dieser Erde, aber ich schreibe meine Bücher in Deutsch für deutsche Leserinnen und Leser. Mit einer Ausnahme, das sind meine Witzebücher „Jokes and more from Ireland“. Ich kann somit keine persönliche Werbung vor Ort für meine Bücher machen und bin völlig auf Mund-zu-Mund Propaganda angewiesen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Zunächst einmal alle meine Leser und Leserinnen. Manchmal komme ich mir vor wie in einem dunklen Raum, wo ich den Lichtschalter suche. Man weiß ja nie, ob das, was man gerade veröffentlicht hat, auch wirklich gefällt. Ich freue mich natürlich über jede Rückmeldung, die mich beim Schreiben weiterbringt, und vor allem: die mir Mut macht, weiterzuschreiben. Oft habe ich das Gefühl, dass meine Leser /-innen sich nicht getrauen, mich auf meine Bücher „anzusprechen“ und auch, dass sie lieber anonym mit ihrem Lob bleiben wollen.

Unabhängig davon wäre es freilich auch ganz wunderbar, wenn jemand aus den öffentlichen Medien (Presse, Fernsehen, Radio) sowie auch aus dem Verlagswesen auf mich bzw. meine Bücher aufmerksam werden würde.

Wo finden wir Sie im Internet?

Meine Homepage: www.drcarmenbauer.com

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Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Dr. Carmen Bauer