Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Michael PohlWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

In erster Linie lesen — aber auch selbst schreiben. Ich bin unter anderem Autor zahlreicher Reisereportagen und diverser Reisebücher wie dem „Fettnäpfchenführer Großbritannien“ (Conbook), England-Bänden von MarcoPolo oder den „Hotelgeschichte(n) weltweit“ (Conbook). Meist zieht es mich dafür auf die Britischen Inseln, aber immer wieder auch mal in andere schöne Gegenden dieser Welt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ganz unterschiedlich — meist mit einer Radfahrt in die Redaktion, denn dort verbringe ich immer noch den weitaus größten Teil meines Arbeitslebens mit ganz anderen Beschäftigungen als dem Reisen. Meine Bücher entstehen morgens, abends, nachts, an freien Tagen und Wochenenden oder auch bei längeren Auszeiten; meist am heimischen Schreibtisch oder am Laptop irgendwo jenseits des Ärmelkanals.

Für neue Themen bin ich außerdem oft in der Welt unterwegs — vom Wochenendtrip bis zur ausgedehnten Recherchereise. Dafür sucht man sich bereits zu Hause die entsprechenden Kontakte und möglichen Themen heraus, knüpft Kontakte zu Fremdenverkehrsämtern oder deren PR-Agenturen in Deutschland, und quält sie mit der Frage aller Fragen: Was gibt es am Zielort, worüber noch niemand geschrieben hat? Häufig kommt man so auf Reisen in Kontakt zu Menschen, die man sonst nie gefunden hätte. Manchmal dreht sich die vorab sorgsam vorbereitete Geschichte auf der Reise aber auch grundlegend – weil der erhoffte Höhepunkt langweilig ist, weil andere Interviewpartner viel Spannenderes zu erzählen haben oder weil die Reise schlichtweg einen ganz anderen Verlauf nimmt.

Kürzlich etwa strandete ich während einer Reise auf die Kanalinseln wegen Nebels zwei Tage in Southampton. Da stellt sich dann eine ganz andere Frage: Wie gehen Fluggesellschaften bei solch einem unfreiwilligen Aufenthalt mit den Passagieren um? In diesem Fall zeichnete sich die Airline vor allem durch Ignoranz aus – und schon war eine neue Geschichte geboren. Oder es entwickeln sich ganz andere Ideen: Mein Buch „Hotelgeschichte(n) weltweit“ etwa entstand durch den Aufenthalt in einer Reihe von Hotels, die auf eine besondere Historie oder eine wichtige Begebenheit zurückblicken können.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Das Internet, vor allem E-Mail, Twitter und Skype, haben vieles verändert – wie überall. Das alles spart extrem Zeit und Geld bei der Suche nach interessanten Themen oder beim Abgleich von Serviceinfos. Gleichzeitig hat es das Arbeitsleben grundlegend gewandelt. Es ist schlicht anspruchsvoller geworden, von der Arbeit auch wirklich dauerhaft leben zu können. Vor allem was die journalistische Schiene angeht: Synergien, Etatkürzungen, Personalabbau – das sind Vokabeln, die nun im Alltag fest verankert sind. Qualität rückt da bei manchen Branchenvertretern in den Hintergrund.

Auf dem Buchmarkt hingegen scheinen die Produkte unter dem Einfluss von Online deutlich kreativer geworden zu sein — immer öfter stecken hinter neuen Titeln grandiose Ideen, neue Buchreihen nutzen zusätzlich Internet und Smartphone für Zusatzangebote. Da hat sich eine Menge getan, und nicht unbedingt zum Schlechten. Wenngleich das Grundproblem bleibt: Die Zahl der Kunden sinkt. Deswegen kann man nur immer wieder appellieren: Lest mehr – und zahlt auch angemessen dafür!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Die Zukunft des (Reise-)Journalismus. Wenn sich die Spirale von Leserschwund, Kostendruck und Effizienz weiterhin nach unten dreht, können wir uns von den klassischen seriösen Medien früher oder später verabschieden.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Hotels mit Geschichte, Destinationen mit Besonderem, Airlines mit Pfiff – oder jene, die darüber lesen und veröffentlichen möchten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Michael Pohl