Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Gabriele BorgmannWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich spiele gerne mit der Frage nach dem, was ich mache: Ich schreibe Bücher, und zwar Sachbücher und Unternehmensbücher. Dazu tauche ich tief hinein in die Themen des Autors und finde Worte zu seinen Thesen. Ich entwerfe und formuliere, fühle mich wohl über 200 Seiten – und dann verschwinde ich wieder, ohne weitere Spuren zu hinterlassen. Mein Name ist Gabriele Borgmann. Ich bin Ghostwriterin. Und Textberaterin für Autoren und Unternehmen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Es gibt keinen typischen Arbeitstag, weil ein Buchprozess aus einzelnen Phasen besteht. Erst in der Gesamtheit wächst das Werk.

Zunächst geht es um die Idee. Das ist die Kreativphase, in der Gedanken aufflackern, fließen und sich fügen – im besten Falle zu einer These. Die bietet die Grundlage für das Exposé und das Probekapitel. Mit diesen Blättern in der Hand geht es auf Verlagssuche. Das Warten auf den Vertrag beginnt. Nach Abschluss entscheidet sich der Autor vielleicht für den nächsten gemeinsamen Schritt: fürs Ghostwriting. Dann beginnt die Skriptphase. Sie ist geprägt von Gesprächen und vom Schreiben in Stille, sie mag die arbeitsintensivste sein. Während dieser Zeit recherchiere, lese und texte ich sehr konzentriert, acht Stunden und mehr am Tag.

Für mich ist das Schreiben eines Buches eine Herausforderung, die am Ende immer eine persönliche Entwicklung bedeutet. Würden Sie mich nach den Merkmalen eines Ghostwriters fragen, so würde ich antworten: Disziplin, um Zeitfressern keine Chance zu geben, Empathie, um eine authentische Autorenstimme zu entwerfen, Leidenschaft, um von der ersten bis zur letzten Seite sich für ein Thema zu begeistern. Vielleicht schwingt sogar ein wenig Demut mit, um Eitelkeiten vorzubeugen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Mit meinem eigenen Buch „Business-Texte“ ermuntere ich Unternehmen, bunter, kreativer, eigenwilliger zu schreiben, ihr Profil mit Texten zu schärfen. Nichts ist langweiliger als Bausteine in der Unternehmenskommunikation. Heute zählt Storytelling mehr als ein flotter Werbespruch. So begleite ich Unternehmen, eine glaubwürdige Schreibstimme zu finden und Freude beim Texten zu erleben. Zum Ghostwriting biete ich heute eine Schreibberatung oder den Business-Workshop „Farbe aufs Blatt“ an.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Vielleicht dies: Zum Schluss eines Buchprojektes setze ich irgendwann den letzten Punkt. Bis dahin sind drei, vier Monate vergangen, die mich gedanklich und emotional dem Inhalt sehr nahe gebracht haben. Mit diesem Schlusspunkt verbinde ich alle guten Wünsche zum Bucherfolg. Aber er symbolisiert doch immer einen kleinen Abschied …

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Autoren, die eine Ghostwriterin für Sachbücher und Unternehmensbücher schätzen, Unternehmen, die mit gelungenen Businesstexten von der E-Mail bis zum Geschäftsbericht ihr Image stärken wollen, Autoren und Unternehmen, die sich eine PR-Strategie rund ums Buch wünschen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Gabriele Borgmann