Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Ella Carina Werner und Nadine Wedel
Ella Carina Werner und Nadine Wedel

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Nadine Wedel, und ich habe zusammen mit der Autorin Ella Carina Werner die erste deutsche Tagebuchlesebühne, den „Diary Slam“, ins Leben gerufen.

Im Jahr 2011 dachten wir uns: Das Tagebuch muss raus aus der Schublade, rein ins Rampenlicht! Weil es alles hat, was ein guter Text braucht: Helden und Antihelden, wüste Plots und steile Pointen, Bösewichte und Sündenböcke und jede Menge Identifikationspotential.

Jeden letzten Donnerstag im Monat kommen über hunderte Menschen in die Hamburger Kneipe Aalhaus und lassen sich von Seelenpein, Hochgefühlen, Liebesschwüren und Selbstmordgedanken verzaubern. Sie werden an die Nostalgie der eigenen Jugend erinnert und können sich mit den Texten auf der Bühne identifizieren, weil jede/r in der Pubertät doch irgendwie die gleichen Gedanken und Gefühle hatte.

Beide haben wir beruflich auch mit Büchern zu tun: ich als Projektmanagerin beim Murmann Verlag und Ella Carina Werner als freie Autorin. Der „Diary Slam“ ist nebenbei entstanden, und mittlerweile gibt es nach unserem Vorbild auch in vielen weiteren Städten „Diary Slams.“ In München, Köln, Berlin und Frankfurt wird regelmäßig aus Tagebüchern vorgelesen. Einmalige Veranstaltungen gab es bisher in Stuttgart, Freiburg und Donaueschingen, im September erstmals in Karlsruhe.

Aus den besten Tagebucheinträgen von VorleserInnen und anderen ist im März 2013 dann der Tagebuchsammelband „Ich glaube, ich bin jetzt mit Nils zusammen entstanden“ (S. Fischer/Scherz Verlag), der die schönsten, lustigsten, bewegendsten Einträge enthält und mit zahlreichen Originalscans geschmückt sind.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

In unserer Freizeit dreht sich vieles um das Tagebuch. Wir versuchen LeserInnen zu finden, die auf unserer Tagebuchbühne in Hamburg auftreten. Auf unsere Webseite erhalten wir Anfragen, die wir bearbeiten und wir pflegen unsere Facebook-Seite mit Fans aus ganz Deutschland.

Jede Woche wählen wir zudem einen Tagebucheintrag aus, der auf unsere Facebook- und unsere Webeseite als „Eintrag der Woche“ gestellt wird.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Die Aufmerksamkeit der Medien war schon von Anfang an da. Gleich beim zweiten Slam hat die WELT über uns berichtet, ZDF, 3sat-Kulturjournal, NDR und weitere folgten. Das Aalhaus ist jedes Mal bis zum letzten Stehplatz voll, aber unsere Arbeit ist die gleiche geblieben: LeserInnen zu finden, die bei uns auftreten.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wir suchen immer nach neuen TagebuchleserInnen, die sich auf die Bühne trauen. Das ist nicht so einfach, denn es muss Vertrauen aufgebaut werden, so dass die LeserInnen sich auf der Bühne wohlfühlen. Wir raten auch immer nur Texte vorzulesen, die mit einer zeitlichen Distanz einhergehen. D.h. die Leser müssen mit dem Lebensabschnitt abgeschlossen haben. Im Grunde kann aber jeder das vorlesen, was er möchte – von Geschichten rund um den ersten Kuss oder Alltagsbanalitäten.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Uns können gerne Leute kontaktieren, die Lust haben sich mit ihrem Tagebuch auf die Bühne zu stellen.

Wer nicht ganz so mutig ist, kann uns auch gerne auf unserer Webseite einen „Eintrag der Woche“ zu senden.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf unsere Webseite www.diaryslam.de oder auf Facebook www.facebook.de/diaryslam

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Vera Tammen