Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Gina Schad

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Gina Schad, ich bin 29 Jahre alt und lebe in Berlin. Während meines Studiums Medienwissenschaft an der Humboldt Universität habe ich die www.medienfische.de erfunden, die u.a. nach den Risiken und Schätzen der Digitalisierung im Netz tauchen. Dazu habe ich 20 Köpfe aus der deutschen Medienlandschaft befragt. Seit ein paar Wochen habe ich den Blog wiederbelebt und stelle jede Woche einen neuen Kopf bei den medienfischen vor. Privat schreibe ich auch. Während ich über Menschen und ihre Geschichten schreibe, geht es bei meiner Initiative „medienfische“ über Vernetzung und Ideen, bei meiner Masterarbeit über Digitalisierung. Wenn ich mein Leben jetzt betrachte, merke ich, dass irgendwie alles miteinander zusammenhängt, wie in einem bunten Fischernetz.

Gina SchadWie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Da ich abends lange am Schreibtisch sitze und mir den Rücken kaputtmache, checke ich morgens erstmals meine Mails auf dem Handy im Bett, schaue kurz bei Nachrichtenportalen und Twitter vorbei. Ein Brötchen, Tee, Espresso sind für mich Voraussetzung für einen erfolgreichen Tag. Nach dem Frühstück setze ich mich – vom Espresso hellwach getunt – an meinen Schreibtisch. Dort mache ich mir jeden Tag eine Prioritäten-Liste. Vormittags beantworte ich als erstes meine Mails, danach logge ich mich bei Twitter ein und lese erstmal eine Stunde. Bis zum Mittagessen ist meistens noch nicht so viel passiert. Falls ich einen Artikel interessant finde, wird er getwittert oder ich notiere mir Menschen und Projekte, die ich gerne „einfangen“ möchte. Nachmittags, wenn die erste Informationswelle vorbei ist, kann ich mich entspannt an meine Masterarbeit setzen. Zwischendurch spreche ich an manchen Tagen noch mit Interviewpartnern, persönlich oder am Telefon, ansonsten recherchiere ich weiter. In einem Café kann ich irgendwie nicht arbeiten, das lenkt mich zu sehr ab. Das liegt auch daran, dass ich viel telefoniere und dafür nicht jedes Mal meine Sachen zusammenpacken und das Café verlassen möchte. Wenn ich mich immer nur an meinen Schreibtisch setzen würde, wenn ich Lust dazu habe oder in der richtigen Stimmung bin, würde in meinem Leben gar nichts passieren. Grundsätzlich gilt aber: Jeder arbeitet anders. Und es ist ja das Ergebnis, das am Ende zählt.

Abends schreibe ich meistens privat. An meinem Roman, Kurzgeschichten und ähnliches… Das Schreiben geht mir von der Hand, daher sehe ich es zum Glück nicht als Arbeit an, vielmehr als Entspannung und Kopf-leer-kriegen. Ich weiß, dass man mit dem Schreiben nicht reich wird und immer noch ein zweites Standbein haben muss. Aber ich schreibe, weil ich schreiben muss. Weil ich sonst nicht wüsste, wo ich meine Energie hinstecken sollte und womöglich anfangen würde, meinen Mitmenschen auf den Geist zu gehen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Jetzt, nachdem ich schon ein bisschen dabei bin und sehe, wie andere Blogger arbeiten und was diese auf die Beine stellen, weiß ich, dass es viel mit Fleiß zu tun hat. Wenn man eine gute Idee hat und brennt, kann man fast alles erreichen, was man sich vornimmt. Sollte mir aber mit 50 einfallen, dass ich einen Dokumentarfilm in der Uckermark drehen möchte, dann mache ich das. Das Leben ist letztendlich ja nur ein Gericht, dessen Zutaten man persönlich irgendwo eingesammelt hat. Natürlich kann man auch mal eine faule Birne erwischen, man sieht ja nicht immer hinter die Fassade. Wenn man aber mit ein bisschen Disziplin an die Sache rangeht, kann nicht mehr ganz so viel schief gehen. Man ist dem Glück quasi ganz nah auf den Fersen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Persönlich frage ich mich immer, wozu es diese ganzen Agenturen gibt, die die Künstler vertreten – seien es Theater- oder Literaturagenturen. Nach welchen Kriterien wählen sie aus? Geht es nur mit Agentur, wer liest mein Skript? Wo finde ich jemanden, der mich ganz als Künstler vertritt und mich versteht? In diesem Bereich findet meiner Meinung nach zu wenig Aufklärung statt. Die Frage, die mich durch die Digitalisierung brennend interessiert: Wie können Künstler im Netz zu Unternehmern werden? Passt Kunst und Kommerz überhaupt zusammen? Welche Chancen bietet das Netz der Kunst und Kultur. Das würde ich gerne noch genauer erforschen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

1.) Grundsätzlich bin ich auf der Suche nach Menschen, die genau wie ich die digitale Kulturbranche stärker miteinander verknüpfen möchten. Ich fühle mich wohl in der Umgebung von Menschen, die sich für neue Ideen begeistern können und Lust haben, innovative Projekte auf die Beine zu stellen.

2.) Kontaktieren können mich auch alle Buchliebhaber, die sich gerne von mir zu den Chancen (gerade was den Buchmarkt angeht) interviewen lassen möchten. Generell bin ich offen: Ich suche einfach Menschen, die sich positiv mit dem Netz auseinandersetzen möchten, die in erster Linie die Chancen sehen und darüber hinaus Lust haben, über ihre aktuellen Projekte zu berichten: Sei es Crowdfunding, Selfpublishing usw.

3.) Auch nach der Masterarbeit würde ich gerne weiterhin von Luft und Liebe alleine leben. Sollte sich mir allerdings nebenbei etwas Handfestes wie z.B. Organisieren, Recherchieren und Schreiben, sei es fürs Fernsehen, sei es für die Zeitung oder den Buchmarkt aufdrängen, wäre ich auch nicht abgeneigt, meine heimischen Gewässer ein wenig zu verlassen. Ja, ich kann nicht ausschließen, dass irgendwann der Raubfisch in mir erwacht und einfach zuschnappt.

Wo finden wir Sie im Internet?

medienfische:
www.medienfische.de
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Gina:
www.twitter.com/achwieschade

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Gina Schad