Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Karla Paul

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Karla Paul und ich liebe, lebe und atme Bücher. Seit ich denken kann, habe ich auf irgendeine Art und Weise mit Büchern zu tun – erst mit der privaten Leseleidenschaft, wobei ich schon damals einen Lesewettbewerb gewonnen habe, dann Rezensionen für die Regionalzeitung als Teenager, Interviews mit Autoren und dann schon professioneller im und nach dem Studium. Seit 2009 arbeite ich hauptberuflich als Redaktionsleiterin und Social-Media-Managerin für die Literaturwebsite LovelyBooks.de (Holtzbrinck) und halte für Autoren und Verlage Seminare, Vorträge und Workshops zu den Themen Social Reading, Social Media und Online Marketing im Literaturbereich. Im nächsten Jahr wird „Das Alphabet der Bücher“ im Heyne Verlag erscheinen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Normalerweise stehe ich um 6 Uhr auf und krieche mit Mühe und Not zur Kaffeemaschine. Im Kopf habe ich immer die energiegeladene Variante, die aus dem Bett und erst einmal in die Laufklamotten und zur Isar springt, das gelingt mir aber leider eher selten. Wenn ich Zeit habe, dann lese ich beim ersten Kaffee noch ein paar Seiten, checke die wichtigsten Email- und Social Media Accounts und überfliege die Schlagzeilen der Branchenwebsites. So kann ich in Ruhe in den Tag starten und mit meinem Lebensinhalt beginnen – der Literatur. Zwischen 7 und 8 Uhr verlasse ich dann mit meinem Hund das Haus und drehe noch eine kleine Runde mit ihm im Park – meistens mit einem Hörbuch auf den Ohren.

Im Büro angekommen erstelle ich eine Aufgabenliste für den Tag und wir haben um 10 Uhr erst einmal ein großes Teammeeting. Dort werden alle Arbeitsbereiche besprochen, neue Ideen, wichtige Termine und natürlich auch aktuelle Probleme, Fragen und Veränderungen innerhalb der Community. Wir sind sehr offen, unsere Arbeitsbereiche fließend und kaum ein Tag gleicht dem anderen – deswegen ist ein stetiges Reporting der aktuellen Tätigkeiten sehr wichtig.

Manchmal habe ich dann externe Termine mit Verlagen oder aber Vorträge und Workshops, meistens arbeite ich aber bis circa 18-20 Uhr im Büro samt den Kollegen vor mich hin – erstelle Marketingaktionen, entwerfe Konzepte, kümmere mich um die Social Media Kanäle und beantworte Fragen von Autoren und Lesern. Danach gehe ich entweder zu Lesungen, Netzwerktreffen, zum Pilates oder tatsächlich am allerliebsten wieder mit meinem Hund an den Fluß. Mein Hauptberuf besteht aus Kommunikation und im Privatleben bin ich dann meist leer geredet.

Nach einem kurzen Check bei Twitter, Facebook und den Emails geht es dann mit einem Buch wieder zurück ins Bett.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Am Anfang waren wir noch ein sehr kleines Team und ich war hauptsächlich für die Betreuung der Community zuständig. Inzwischen sind wir mit den Ideen, Nutzern und Anforderungen gewachsen und ähnlich einer Familie mit vielen Auszweigungen (gut, mit über 450.000 monatlichen Besuchern ist LovelyBooks eine recht große Familie – aber wir identifizieren uns sehr stark und deswegen ist das für mich der naheliegendste Vergleich) sind auch wir mit der Zeit im Team in verschiedene Richtungen gegangen.

Ich bin sehr begeistert von Literatur und kann unsere Ideen und Möglichkeiten gut vermitteln, deswegen sind immer mehr Firmen und Verlage mit dem Wunsch nach Workshops auf uns zugekommen. Inzwischen halte ich im Durchschnitt 2-3mal im Monat Vorträge oder bin auf Konferenzen und Messen unterwegs. Auch die Kommunikation auf den sozialen Kanälen entspricht meinem Gefühl der Informationsverteilung und deswegen entwickle ich seit einiger Zeit die Marketingkonzepte für LovelyBooks und die angeschlossenen Netzwerke. Mit dem Projekttool Basecamp versuchen wir unsere Entwicklungen festzuhalten und diese möglichst zentral zu verwalten.

Im Vergleich zu meiner Arbeit kurz nach dem Studium habe ich inzwischen kaum noch Zeit für die Bücher an sich und bin mehr mit Onlinemarketing, SEO und der Informationsbeschaffung und -teilung beschäftigt, d.h. manchmal lese ich fast nur noch Fachliteratur und kaum mehr Belletristik – beides für mich sehr spannende Bereiche!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Es gibt natürlich mehrere Bereiche, für die LovelyBooks eine Lösung bieten möchte. Wir wollen Lesern ein Zuhause bieten, für Autoren und Verlage die Möglichkeit sein mit den Lesern d.h. dem Endkunden in Kontakt zu treten, Bücher sichtbar machen und die Inhalte möglichst einfach und zielgruppengerecht vermitteln. Im Endeffekt bedeutet das: ich möchte, dass jeder Leser exakt das Buch findet, das er sucht. Dies kann via persönlicher Empfehlung von Freunden geschehen, mit einer Marketingaktion oder aber auch durch einen Algorithmus – die Wege und Möglichkeiten sind hier unterschiedlich und personalisiert.

Was mir vor allen Dingen persönlich sehr am Herzen liegt: Lesen ist sexy und Bücher ein Medium, das nicht zu schlagen ist. Kein anderes Produkt kann für so wenig Geld so leicht und vielfältig Welten entstehen lassen und Menschen verzaubern. Niemals wird ein Buch zweimal gleich gelesen, jeder Leser entdeckt ein Buch neu und die Sprache zwischen Leser und Autor ist immer einzigartig. Diesen Zauber möchte ich an alle Menschen vermitteln und nutze dafür die modernen Mittel. Wenn man es so nennen will, dann betreibe ich mit meinen Kollegen Buchlobbyismus. Mein Problem ist und bleibt also: es werden zu wenige Bücher gelesen und das muss auf der Stelle geändert werden!

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wer ebenfalls Interesse an Büchern hat. Ich liebe interessante Ideen und Projekte, Menschen mit Leidenschaft für die Literatur und Kampfgeist. Das ist gar nicht festgelegt auf Leser, Autoren, Buchhändler oder Verlagsmitarbeiter. Wer liest, der liebt und ist in meinem Netzwerk herzlich willkommen. Aber auch branchenfremde Ideenträger sind sehr wichtig, weil gerade der eher etwas trägeren Buchbranche der Blick über den Tellerrand oft gut tut und man sonst manchmal die Buchstaben vor lauter Seiten nicht sieht.

Wo finden wir Sie im Internet?

http://www.lovelybooks.de/mitglied/DieBuchkolumnistin/
https://www.facebook.com/karla.paul.buchkolumne (Leider ist meine Freundesgrenze hier bereits erreicht – aber man kann mich gerne abonnieren)
https://twitter.com/Buchkolumne
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Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Karla Paul