Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Alexander Graeff Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Alexander Graeff, ich bin Schriftsteller, Philosoph und Initiator der seit Januar 2013 existierenden Lesereihe »Literatur in Weißensee«. In diesem Rahmen veranstalte ich an jedem 3. Sonntag im Monat eine Lesung, zu der ich mir einen literarischen Gast einlade und wir dann den Abend dialogisch mit Prosa und Lyrik gestalten. Tagtäglich, bei allem, was ich tue, bin ich von Büchern umgeben. Ich schreibe sie, ich lese sie, ich lese aus ihnen vor, ich bewerbe sie, ich verkaufe sie und ab und an – sehr selten – verlege ich sie.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Es gibt keinen typischen Arbeitstag, weil ich total unterschiedliche Tätigkeiten ausübe. Ich schreibe belletristische, wissenschaftliche und essayistische Texte, unterrichte an Hochschulen Ästhetik und Pädagogik und bilde Seminarleiter für Kreatives Schreiben aus, ich bereite Vorträge und Lesungen vor, organisiere aber auch die Lesungen im Rahmen von »Literatur ind Weißensee«, d. h. hier leiste ich auch Pressearbeit, mache Werbung und koordiniere die beiteiligten Personen. Meine Arbeit ist also sehr vielfältig.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Zu Beginn meiner Tätigkeit als freier Schrifsteller kostete die Bewerbung, der Verkauf und Vertrieb der Texte im Verhältnis viel mehr Zeit als heute. Auch Lesungen zu veranstalten war mit mehr Aufwand verbunden. Heute kann ich viel Zeit sparen durch Möglichkeiten und Fähigkeiten, die mir früher nicht gegeben waren. Und das hat im Wesentlichen auch mit den Kontakten, assoziierten Personen, Förderern und einer gewissen sozialen Geschicklichkeit zu tun. Es braucht gut 10 Jahre bis man ein soziales Netzwerk aufgebaut hat, das es einem erleichtert und man zum Kern der Arbeit zurückfinden kann, dem Schreiben und Lesen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich sehe kein Problem an meiner Arbeit. Problematisch ist eher das Eingebundensein meiner Arbeit, meiner Person und meiner Leistung in ein (Geld-)System, welches kulturelle und soziale Arbeit nicht adäquat bewertet, auch im Verhältnis zur Arbeit aus anderen gesellschaftlichen Bereichen. Es ist also ein Systemproblem, welches darin besteht, dass etwa die Arbeit rund ums Buch nicht vor dem Hintergrund zukünftiger und verwantwortungsvoller Produktion und Reproduktion von menschlicher Vielfalt betrachtet wird. An so etwas haben diverse Systemträger scheinbar nicht wirklich Interesse, es geht ihnen nicht um kulturelle Vielfalt und Bildungsmöglichkeiten. Sie wollen eine überschau- und instrumentalisierbare Monokultur, die sich an subsystemfremden Werten messen lassen soll. Ja, es ist ein Systemproblem.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir brauchen für »Literatur in Weißensee« unbedingt Förderer! Am besten aus dem öffentlichen Sektor, wodurch die Reihe mehr an den Bezirk angebunden werden könnte. Schließlich liefert »Literatur in Weißensee« in erster (aber nicht alleiniger) Linie Lyrik und Prosa für die Menschen, die im Bezirk leben. Ansonsten sehe ich der Weiterführung der Reihe in 2014, was die finanzielle Seite anbelangt, eher mit Sorge entgegen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf www.alexander-graeff.de sowie auf www.literatur-in-weissensee.de.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Alexander Graeff