Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Sabine Rennefanz Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Leserin, Autorin und Redakteurin der Berliner Zeitung. Früher habe ich auch Autoren porträtiert und Bücher besprochen. Im vergangenen März erschien mein Debüt „Eisenkinder“ im Luchterhand Literaturverlag. Darin erzähle ich, wie es war, in der Nachwendezeit jung zu sein – und auf welche falschen Idole man in Krisenzeiten hereinfallen kann.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Es klingt viel glamouröser, wenn man so Hemingway-mäßig sagen kann, ja, ich schreibe immer nachts, bei einem Glas schottischem Whiskey. Aber ich bin ein Morgenmensch, morgens kommen mir die besten Ideen. Als ich „Eisenkinder“ geschrieben habe, saß ich morgens zwischen 6 und 7 mit Kamillentee am Schreibtisch und habe bis 12 geschrieben, am Nachmittag habe ich redigiert, gelesen, Anrufe erledigt. Auch wenn ich lange Texte für die Berliner Zeitung schreibe, stehe ich lieber morgens sehr früh auf, um sie am Nachmittag abzuliefern. Ich schreibe am Mac. Aber ich redigiere auf gedrucktem Papier. Man sieht einfach mehr. Leider stapelt sich deshalb auch das Altpapier.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Das Internet hat den Alltag in den Tageszeitungen sehr gewandelt. Einerseits ist es einfacher, an Informationen heranzukommen, mit Interviewpartnern in direkten Kontakt zu treten, andererseits hat die Nachricht an sich völlig an Wert verloren. Nachrichten findet man überall, auf Google, auf Yahoo. Das macht die Arbeit des Journalisten anspruchsvoller, man muss mehr einordnen, analysieren, Geschichten erzählen. Gleichzeitig soll Recherche wenig kosten und schnell gehen. Seitdem die Anzeigenerlöse wegbrechen, ist der Druck auf die Redaktionen enorm. Gleichzeitig hat sich das Verhältnis zum Leser geändert, die Menschen haben mehr Auswahl, sie sind wählerischer geworden, es gibt nicht mehr die Familie, die ein Zeitungs-Abo wie ein Erbstück von Generation zu Generation weiterreicht.

Als Redakteurin sieht mein Alltag oft so aus, dass ich morgens zu einem Termin geschickt werde oder einem Pressegespräch und dann meist sofort drüber schreibe, erst für Online, dann für die gedruckte Zeitung. Manchmal twittere ich nebenher. Für Reportagen bleibt selten mehr als drei Tage Zeit.

Als ich mein Buch geschrieben habe, genoss ich es, nicht so getrieben zu werden, länger nachdenken zu können, Stoffe tiefer zu entwickeln, mehr mit Sprache zu arbeiten. Ich habe auch mehr gelitten als bei meinen Zeitungstexten, es ist schwieriger, eine schlüssige Struktur und einen guten Erzählfluss hinzubekommen. Die Sätze, die ich formulieren wollte, klangen im Kopf immer besser als hingeschrieben. Im Prinzip gilt: jeder Text, der vor mir liegt, ist der Schwerste.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich suche als Autorin nach guten Erzählstoffen und beim Schreiben nach der richtigen Erzählweise, einer überzeugenden Dramaturgie, einem passenden Ton.

Mich besorgt, dass es in Deutschland anders als in den USA (z.B. New York Times Magazine, New Yorker) immer weniger Platz für ausführlichen erzählenden Journalismus gibt.

Praktisch habe ich immer noch kein Aufnahmegerät gefunden, das wirklich 100-prozentig zuverlässig ist.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Blogger, Kritiker, Autoren von Literaturseiten, die mein Buch „Eisenkinder“ besprechen wollen. Veranstalter, die mich zu Lesungen einladen wollen.

Wo finden wir Sie im Internet?

twitter.com/SabineRennefanz

facebook.com/Eisenkind00

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Sabine Rennefanz