Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Carola Wolff

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Carola Wolff, ich bin Autorin und lebe in Berlin. Mein selbstverlegter Roman ‚Mein erster Selbstmord‘ hat gerade auf der Leipziger Buchmesse den zweiten Platz beim autoren@leipzig Award bekommen, und mir ist immer noch ein bisschen schwindlig vom Rumhüpfen und Freuen. Ich liebe (richtige) Bücher und bin (ich gestehe) eine seitenknickende, schokofleckenmachende Leserin. Als Buchhändlerin habe ich lange Jahre auch Bücher leidenschaftlich gerne an den Leser/die Leserin gebracht (meine Lieblingskundenfrage: „Können Sie mir ein Buch empfehlen für jemanden, der nicht liest?).

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ach ja, wenn es den gäbe … aber das ist ja das Schöne und das Schwierige zugleich, wenn man selbstständig ist. Seitdem ich als freie Autorin arbeite, unterliege ich weniger Zwängen (ich muss nicht pünktlich an meinem Arbeitsplatz sein) und habe mehr Freiheiten (ich kann auch mal ins Café gehen zum Schreiben). Tatsächlich jedoch sitzt auch mir mal eine Deadline im Nacken, und im Café ist es auch nicht so gemütlich, wenn der Geräuschpegel wächst.

Grundsätzlich versuche ich, tagsüber meine Mails zu bearbeiten, Lesungen zu arrangieren, mich auf Facebook und Twitter zu tummeln und Blogbeiträge zu schreiben. Richtig arbeiten, d.h. an meinen Romanen/Kurzgeschichten schreiben, kann ich am besten abends und nachts, wenn alles um mich herum ruhig wird.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Früher habe ich ‚aus dem Bauch‘ heraus geschrieben. Dann entdeckte ich Creative Writing Kurse und stürzte mich begeistert auf die Möglichkeit, mein Handwerk richtig zu erlernen.

Nachdem ‚Mein erster Selbstmord‘ trotzdem vergeblich bei Verlagen die Runde gemacht hatte, beschloss ich, das Buch selbst bei BoD herauszubringen. Sehr schnell begriff ich, dass noch mehr dazugehörte, denn wie sollten mich meine Leser finden? Also folgten Pressemitteilungen, ein eigener Blog für das Buch, eine Fan-Seite auf Facebook, und begleitendes Gezwitscher auf Twitter. Lesungen an ungewöhnlichen Plätzen (z.B. in einer Berliner Goldschmiedewerkstatt oder im Dresdener Schloss Übigau) gehörten genauso dazu wie ein Gewinnspiel auf meinem Blog (Torte und Buch). Die Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse war schließlich das Sahnehäubchen:

„Ein provozierend-irritierender Titel, ein fein gestaltetes Cover und ein sarkastisch-humorvoller Erzählton, den man nicht erwartet. Es ist ein Buch, das sprachlich aus der Masse der Einsendungen heraussticht“, hieß es in der Begründung. Das hat mir neue Leser und die Aufmerksamkeit der Verlage gebracht.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich bin eine Viel- und Gerneschreiberin. Unterhaltung, Erotische Romane, Fantasy, Kurzgeschichten, ich schreibe (fast) alles mit Begeisterung. Bisher dachte ich, das sei schwer unter einen Hut zu bringen. Jetzt überlege ich, als ‚Hybridautorin‘ unter verschiedenen Pseudonymen meine Romane sowohl selbst machen, als auch bei Verlagen herausbringen. Denn einerseits ist es schön, alle Fäden in der Hand zu halten, und selber über Cover, Inhalt und Gewinnspanne zu entscheiden. Andererseits ist es auch gut, mit einem Verlag einen starken Partner an der Seite zu haben. Ein erstes Erotikroman-Manuskript ist bereits an einen Verlag verkauft und für meinen neuen Roman ‚Liebesplunder‘ gibt es Interessenten. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Dinge weiterentwickeln werden.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich über den Austausch mit anderen Autoren, Verlags- und Büchermenschen; die Leipziger Autorenrunde z.B. war eine spannende und bereichernde Erfahrung!

Wo finden wir Sie im Internet?

Mein Blog: www.carolawolff.de

Twitter: @carolawolff

Blog zum Roman ‚Mein erster Selbstmord‘ http://meinersterselbstmord.wordpress.com

‚Mein erster Selbstmord‘ auf Facebook: http://www.facebook.com/MeinErsterSelbstmord

‚Mein erster Selbstmord‘ beim autoren@leipzig Award: http://www.indie-autor-preis.de/die-preistraeger.html

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: S. Felber, Literaturtest