Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Uta Werner-Ullrich Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Uta Werner-Ullrich und mache was mit Büchern: Ich lese sie vor.

Seit 2010 bin ich als Vorleserin unterwegs. Mein Konzept war anfangs etwas anders. Im Laufe der Zeit hat es sich entwickelt und inzwischen geht es bei mir hauptsächlich um Kinder und Kinderbücher. Ich veranstalte Lesungen und Mitmachprogramme, die immer im direkten Zusammenhang mit Büchern und guten Geschichten stehen. Unsere Kinder sind anspruchsvoll. Vorlesen alleine genügt manchmal nicht. Die meisten Kinder erreiche ich aber, wenn ich sie selbst Bestandteil der Geschichten werden lasse. Sie tauchen ab in die Welt der Bücher und erleben die Abenteuer hautnah.

Die Klassiker der Kinderbuchliteratur liegen mir dabei ganz besonders am Herzen. Märchen spielen natürlich noch immer eine große Rolle. Das hatte ich wirklich unterschätzt! Am liebsten aber wähle ich Bücher als Vorlage, die eher unbekannt sind.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Das ist immer ein Mischung aus allem: Absprachen mit Veranstaltern, Recherchieren und Programme entwickeln, Angebote erstellen, Netzwerken, nach besonderen Büchern und Buchempfehlungen stöbern, Ideen an meinen eigenen Kindern ausprobieren, Diskussionen mit dem weltbesten Zuhörer – meinem Mann – und natürlich vorlesen üben. Dann das eigentliche Vergnügen: Märchenführungen im Schloss Bad Homburg, Kindergeburtstage, Mitmachlesungen und Geschichtenerfinder Workshops. Zwischendurch gehe ich auch noch meiner 2. Berufstätigkeit nach und erledige für andere Selbständige Büroarbeiten. (Nein, vom Vorlesen allein kann ich noch nicht leben!)

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Buchpreise haben sich erhöht und Veranstaltungsbudgets wurden niedriger.

Ich bin ja noch relativ neu in diesem Bereich und kann dazu nicht viel sagen. Verändert hat sich meine persönliche Einstellung. Anfangs wollte ich einfach nur vorlesen. Heute ist es mir wichtig, Kinder neugierig auf Bücher zu machen und ans Lesen heran zu führen. Ich schaue genau hin und höre zu. Wenn sie mir z.B. bei einer Märchenführung im Schloss von dem Film „Rapunzel neu verföhnt“ erzählen, werde ich nicht sagen, dass das nicht die echte Geschichte ist. Aber es ist mir wichtig, die Dinge ins richtige Licht zu rücken. Ich frage nach, warum das Mädchen im Märchen eigentlich Rapunzel heißt. Dann kann ich ein paar Salatblätter aus der Tasche holen, mein altes Märchenbuch aufschlagen und vorlesen, „wie es wirklich war“…

Man muss mitreden können und wissen, womit Kinder sich beschäftigen und welche Medien sie beeinflussen – dabei helfen mir meine eigenen Kinder ganz großartig!

Nach jeder Veranstaltung komme ich mit neuen Eindrücken und Ideen nach Hause. Es ist ein wirklich großes Vergnügen!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Manchmal finde ich Mütter, Omas und Lehrerinnen problematisch, die Kinder begleiten und sich dann nicht auf das kindliche Niveau einlassen können. Sie fordern Aufmerksamkeit ein und sind schrecklich unentspannt. Das ist sehr schade, kommt aber vor. Für diese Fälle habe ich meine Tricks und inzwischen kann ich ganz gut damit umgehen.

Männer können das oft besser, echt!

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

In erster Linie natürlich alle, die etwas „mit Kindern machen“ oder sich vorstellen können, Kinder in ihren Fokus zu rücken. Kinderbüchereien, Museen, Schlösser, Burgen, Grundschulen, Kindergärten, Kulturtreffs usw.

Möglicherweise sehen Kinderbuchverlage darin auch eine interessante Ergänzung oder Alternative zu Autorenlesungen?

Ich freue mich einfach über jeden, der mehr davon erfahren möchte.

Wo finden wir Sie im Internet?

Homepage: www.vorlesen-lassen.com

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Uta Werner-Ullrich