Die folgenden fünf Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Miriam Albracht Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Literaturwissenschaftlerin und habe zusammen mit Düsseldorfer NachwuchswissenschaftlerInnen 2009 die Thomas Mann-Gesellschaft Düsseldorf e.V. (TMGD) gegründet. Zur Zeit promoviere ich über Thomas Mann.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Die Arbeit für die Thomas Mann-Gesellschaft läuft neben meinem normalen Beruf. Ich bin Mitarbeiterin am Institut für Germanistik der Heinrich-Heine-Universtät Düsseldorf, dort trifft man mich tagsüber. Meiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die TMGD widme ich mich deswegen meist abends und am Wochenende. Natürlich haben beide Jobs in erster Linie mit Büchern zu tun und es gibt zum Glück auch viele thematische Überschneidungen, so gibt es kaum einen Tag, an dem ich nicht Literatur recherchiere und lese – für meinen Beruf, meine Doktorarbeit und die TMGD.

Der Vorstand besteht aus einem Team von fünf Leuten, jeder hat hier seine festen, alltäglichen Aufgaben. Zu meinen gehören: Gestaltung und Aktualisierung unserer Vereinshomepage und unserer Facebook- und Google+-Seite, Betreuung des E-Mail-Accounts, Verfassen unseres Newsletters. Bei der Betreuung unserer ReferentInnen wechseln wir uns im Vorstand ab. In der Vorbereitung auf den Vortrag heißt es dann wieder recherchieren und lesen, sowohl die Werke Thomas Manns als auch die einschlägige Forschungsliteratur. Man muss sich auf seine Gäste und das jeweilige Thema gut vorbereiten, damit man die anschließende Diskussion leiten kann.

Viel Arbeit erfordert auch unsere Programmplanung. Das jeweilige Jahresprogramm muss früh geplant werden. Wir überlegen uns thematische Schwerpunkte, diskutieren über mögliche Veranstaltungsformate sowie Gäste und rechnen dann die Kosten durch. Darüber hinaus ist unser Vorstand zugleich auch das Herausgeberteam für unsere Schriftenreihe „Düsseldorfer Beiträge zur Thomas Mann-Forschung“. Für diese Arbeit geht immer sehr viel Zeit drauf: Man liest Korrektur, macht Änderungsvorschläge, verfasst ein Vorwort etc.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Die Vorstandsarbeit für unsere Gesellschaft ist mit der Zeit immer professioneller geworden. Wir alle haben ja zum ersten Mal eine Gesellschaft gegründet und mussten uns in alles erst einarbeiten. Die Startphase war besonders spannend, auch was das Medienecho anging. Und mit der Zeit ist unsere Frustrationsgrenze deutlich nach oben gegangen, wenn es mal Gegenwind gibt oder etwas nicht so läuft, wie geplant. Viele haben uns zu Beginn gefragt, wieso Düsseldorf eine Thomas Mann-Gesellschaft braucht, dies ist mitlerweile etwas verebbt, wir sind bekannter geworden und es ist nun leichter, viele interessante Gäste einzuladen.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein Problem ist es, junge Leute, also Studierende und Schüler, für unsere Veranstaltungen zu begeistern – selbst Germanistikstudierende! Viele haben Berührungsängste, was wissenschaftliche Vorträge oder Tagungen anbelangt. Sie denken, da trifft sich eine hochtrabende Elite, die über abwegige, für sie uninteressante Themen spricht. Klar, wir sind eine wissenschaftliche Gesellschaft, aber unserem Verständnis nach schließt das Unterhaltung, Begeisterung, Spaß bei der Sache keinesfalls aus. Im Gegenteil! Die Atmosphäre bei unseren Veranstaltungen ist immer sehr locker, jeder kann mitdiskutieren. Und wenn sich jemand zunächst in der großen Runde nicht traut, kann man dies noch hinterher in kleinerer Runde beim Bier nachholen – denn nach jedem Vortrag treffen sich alle, die wollen, in gemütlicher Runde und lassen den Abend ausklingen.

Wir bemühen uns zudem um ein breites Themenspektrum und um unterschiedliche Veranstaltungsformen und laden auch immer wieder junge NachwuchswissenschaftlerInnen ein, zu denen die Distanz vielleicht weniger groß ist. Zusätzlich haben wir deswegen unser Studierenden- und Doktorandenforum ins Leben gerufen, einige Studierende kommen aus der Region, auch internationale Gäste aus Belgien, den Niederlanden und Österreich waren schon dabei. Einmal im Jahr tagen wir zu einem bestimmten Thema, die besten Beiträge veröffentlichen wir in unserer Schriftenreihe. Dennoch: Wir wollen definitiv mehr Studierende als Mitglieder gewinnen!

Wo finden wir Sie im Internet?

Informationen zur Thomas Mann-Gesellschaft Düsseldorf gibt es unter www.thomasmann-duesseldorf.de sowie auf Facebook und Google+.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Miriam Albracht