Tanja Schwarz: Ich mag trotz allem das Selbstvermarkten nicht

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Tanja Schwarz Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Geboren 1970, schreibe ich erzählende Prosa und saß im Deutschen Literaturinstitut Leipzig meistens hinter Juli Zeh. Mein literarisches Debüt heißt „der nächtliche Skater“ und erschien bei Gustav Kiepenheuer einen Tag nach dem 11. September 2001. Eine Reihe von Stipendien, Reisen nach China und Nigeria und eine große Patchworkfamilie führte zu einem bewegten und nicht nur vom Schreiben ausgefüllten Dasein. Zwischen 2002 und 2012 arbeitete ich an meinem „Weltroman“ über den Einzelnen in der globalisierten Welt, das abendländische Ich und seine Verflechtungen zwischen Megacities und versteppten Landschaften. 2012 veröffentlichte ich den „Weltroman“ als E-Book bei Amazon Kindle. Derzeit schreibe ich an einem weiteren Roman.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich bin am Abend zuvor mal wieder am Schreibtisch eingeschlafen, habe mich zu den Kindern gelegt und den Vogelstimmenwecker auf 4 Uhr gestellt. Seit dieser Umstellung des Tagesrhythmus hasse ich Vögel. Zwischen 4 und 6 uhr morgens tue ich mir abwechselnd leid und arbeite an meinem Roman. Dann: Kinder wecken und wegschaffen, Jobs, Netzwerken und Soziale Medien bewirtschaften, Jobs, Kinder, Einschlafen am Schreibtisch.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Ich bin 35 und älter geworden und kann bei einigen Wettbewerben und Stipendienbewerbungen nicht mehr mitmachen. Ich habe mir als wenig computeraffine Person das E-Book-Erstellen, das Bloggen und die Facebookwirtschaft angeeignet und schätze die Unabhängigkeit vom jeweiligen Wetter in den Verlagen, wenn man nach langen Produktionsjahren mit einem Manuskript ankommt und die beliebten Genres sich ja so geändert haben. Ich möchte mir noch weitere Möglichkeiten des digitalen Veröffentlichens aneignen: Mein „Weltroman“ wäre auch noch als E-Book mit mehr multimedialen Elementen denkbar (Karten, Straßengeräusche, Links), er ist nicht notwendigerweise ein Durchlesebuch.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich mag trotz allem das Selbstvermarkten nicht. Ich würde gern leichter von einem Persönlichkeitsanteil zum anderen switchen und als Schreibende leichter und übergangsloser nach innen emigrieren können.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter www.tanjaschwarz.com, bei wikipedia, auf Facebook. Einen lustigen Trailer zum Weltroman kann man hier anschauen.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Tanja Schwarz

3 Kommentare

  1. KatjaSplichal

    „… und schätze die Unabhängigkeit vom jeweiligen Wetter in den Verlagen, wenn man nach langen Produktionsjahren mit einem Manuskript ankommt und die beliebten Genres sich ja so geändert haben“ – und das von einer, die das Selbstvermarkten noch nicht mal mag. Was heißt das denn, wenn man all die Rampensäue und Bühnenstürmer in die Betrachtung mit einbezieht?

  2. kerstin carlstedt

    Wahre Worte, Tanja, die neuen Entwicklungen… Fluch und Segen zugleich. Aber eins bleibt: man hat es einfach nicht in der Hand. Anyway, gut auf den Punkt gebracht, das Interview.

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