Ivonne Keller: Seit ich eng mit einem Literaturagenten zusammenarbeite, hat sich das Schreiben verändert

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Ivonne Keller und schreibe Frauenromane und Kurzgeschichten, von denen einige in Anthologien und Literaturmagazinen veröffentlicht wurden. Weil ich trotz Agentin keinen Verlag fand, habe ich im Frühjahr meinen Roman „Hirngespenster“ bei neobooks.com eingestellt, um an Leser zu kommen. Ergebnis: Der Roman wurde von der Community in die Top Ten gewählt und anschließend vom Lektorat für eine Veröffentlichung als Knaur eBook ausgewählt.

Ich schreibe über Frauen, die kurz davor sind auszuflippen. Wenn das Leben so anstrengend wird, dass die Fassade bröckelt, schaue ich genauer hin. Dabei mag ich es spannend, tiefgründig und komisch. Solche Bücher lese ich selbst auch am liebsten; ich liebe die Romane von Marian Keyes. Beim Lesen wie beim Schreiben will ich – bei allem Drama, das das Leben so bietet – zwischendurch auch mal lachen können.

Hauptberuflich arbeite ich als Personalerin bei einer Unternehmensberatung. Meine Arbeit macht mir viel Spaß und hat mir auch schon die ein oder andere Idee für meine Romane geliefert: Man hat es mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zu tun!

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wenn alles glatt läuft, und ich einen Sitzplatz in der S-Bahn auf meinem Weg zur Arbeit bekomme, schreibe ich die ersten Zeilen des Tages auf der halbstündigen Fahrt zwischen meiner Heimatstadt und dem Frankfurter Hauptbahnhof. Ich könnte ausschließlich in der Bahn schreiben. Am konzentriertesten gelingt es mir dort – noch besser als an meinem zweiten Schreibplatz: Meinem Bett. Abends, wenn die Kinder schlafen und alles erledigt ist, sitze ich mit meinem Notebook auf dem Schoss in den Kissen und schreibe.

Ich habe das Glück, nach einer Unterbrechung sofort wieder ins Schreiben hineinzukommen; es ist kein Nachteil, am Ende einer S-Bahn-Fahrt das Notebook zuzuklappen. Ich nehme wie beim Stricken den Faden einfach wieder auf und schreibe dort weiter, wo ich aufgehört habe.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Als ich vor vier Jahren meinen ersten Roman schrieb, erzählte ich frei von der Leber weg. Alles, was mir an lustigen Anekdoten in den Kopf kam, alles, was ich unterwegs aufschnappte, fand seinen Weg als kurze Episode in meinen Roman. Ich wusste nicht, wie die Sache enden wird und bekam mit Ach und Krach die Kurve. Beim zweiten Roman „Hirngespenster“ plottete ich grob, legte ein Excellsheet mit meinen Figuren und den wichtigsten Wendepunkten jedes Handlungsstrangs an und wusste, wie der Roman enden wird. Ansonsten ließ ich mich treiben. Für mich ist das eine sehr angenehme Art zu schreiben, weil sie mich in kein striktes Konzept presst.

Seitdem ich eng mit einem Literaturagenten zusammenarbeite, hat sich das verändert. Der Roman, an dem ich zurzeit arbeite, ist von Anfang bis Ende durchgeplant und ich habe eine Kapitelübersicht erstellt, an der ich mich orientiere. Es hat mich viel Kraft gekostet, meinen inneren Widerstand gegen diese Vorgehensweise aufzugeben und so viel theoretische Vorarbeit zu leisten. Jetzt, da ich am Schreiben bin, erkenne ich, dass diese Methode gut und sinnvoll ist, weil ich mich rein aufs Schreiben konzentrieren kann. Meine Befürchtung, ich würde nun meinen Roman ohne Herzblut „runterschreiben“, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Das Adrenalin fließt, sobald ich die Finger auf die Tastatur lege.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein größter Feind ist die Ablenkung durchs Internet. Da ich nur abends schreiben kann, hat mir mein Chefadministrator (mein Mann ;-)) zwischen 20 und 23 Uhr eine Internetsperre eingerichtet, damit ich gar nicht erst in Versuchung komme, „nur mal kurz“ auf Facebook zu surfen oder andere interessante Seiten aufzusuchen. So kann ich sicher sein, dass ich (fast) jeden Abend schreibe.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner Homepage: www.ivonne-keller.de,
unter Facebook www.facebook.com/ivonne.keller
und natürlich hier: www.droemer-knaur.de/autoren/Ivonne+Keller.7786240.html

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Ivonne Keller

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