Zoë Beck: Sich selbst um das Buchmarketing zu kümmern, hat enorm an Wichtigkeit gewonnen

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Zoë Beck. Ich habe noch ein, zwei andere Namen. Unter allen schreibe ich in der Hauptsache Bücher. Kriminal- und andere Romane. Ich übersetze auch welche aus dem Englischen, lektoriere und redigiere. Ja, alles für Geld, und ja, ich kann davon leben, seit 2004. Außerdem les ich noch furchtbar gerne. Für culturmag.de schreibe ich manchmal über das Gelesene und gelegentlich auch über den allgemeinen Schreibwahnsinn. Und dann mache ich natürlich noch alles andere, was so dazugehört, wenn man Bücher schreibt: recherchieren, auf Lesereise gehen, andere Menschen sanft davon überzeugen, dass sie doch auch mal was von mir lesen könnten.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Erst mal Sachen aus dem Weg räumen. Meint: Tageskram erledigen. Bürozeugs. Mails beantworten. Schauen, was sich in den sozialen Netzwerken tut. Informieren. Recherchearbeit. Was eben so alles anfällt. Wenn es dann langsam ruhiger wird, fange ich an zu schreiben. Ich schreibe gerne in die Nacht hinein, manchmal, bis die Sonne aufgeht. Nachts stört nichts und niemand mehr, und als ausgesprochener Nachtmensch kommt mir das sehr entgegen. Ein Postbote, der deutlich vor elf klingelt, eher weniger. Alle Versuche, meinen Rhythmus umzustellen, sind bisher gescheitert. Das war zu Schulzeiten schon so.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Sich selbst um das Buchmarketing zu kümmern, hat enorm an Wichtigkeit gewonnen. Der Markt ist schon immer recht unübersichtlich gewesen, und das ist mit der Zeit nicht besser geworden. Die Buchlandschaft verändert sich immer mehr, keiner weiß, welche Auswirkungen das E-Book auf Umsatzzahlen haben wird. Die großen Ketten reduzieren die Verkaufsfläche für Bücher, und nicht nur gemessen daran wird viel zu viel produziert. Die Marketingetats der Verlage sind auf wenige Titel verteilt. Und so weiter.

Besprechungen in der Presse verlieren den Einfluss, den sie mal hatten, die „private“ Empfehlung in sozialen Netzwerken, Foren, etc. hat an Bedeutung extrem zugenommen. Leser orientieren sich nun sowohl an Profirezensionen als auch an Buchtipps anderer Leser, tauschen sich online in Buchcommunitys aus, treten mit Autoren in direkten Kontakt. Sie sind misstrauisch geworden gegenüber den großen Stapeln der Handelsketten und den Bestsellerlisten.

Das hat Vorteile für die Autoren: Sie können umgekehrt auch in Kontakt mit den Lesern treten und so gezielt ihr Publikum finden. Das allerdings bedeutet einen hohen Zeitaufwand, und man muss auch Spaß daran haben. Den hab ich zum Glück. Ich arbeite jetzt zum zweiten Mal mit Thomas Zorbach von vm-people zusammen an einer Kampagne, die sich ohne Umwege an die Leser richtet. Die erste hieß 66letters und war ein Alternate Reality Game, in dem ein Teil des Romans „Das alte Kind“ weitergesponnen wurde. Jetzt habe ich für „Das zerbrochene Fenster“ fünfzehn Hörproben eingesprochen und verschicke sie nach und nach auf einer eigens produzierten USB-Karte an ausgewählte Leute.

Ich finde es wichtig, dass das Marketing über eine reine schriftliche Leseprobe hinausgeht. Die ist ja im Onlinebereich mittlerweile Standard. Ich weiß auch nicht, ob es unbedingt immer etwas im Non-Book-Bereich sein muss, ein Kuscheltier oder ein Seifenstück mit dem Titel meines Buchs fände ich jetzt irgendwie unpassend. Die Leser persönlich ins Boot zu holen und zu versuchen, sie zu begeistern und mit auf die Reise ins Buch zu nehmen, ihnen Lust auf die Geschichte zu machen – ich möchte, dass mir das gelingt.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Essensbeschaffung. Zu wenige gute Lieferdienste im Berliner Südwesten. Mein Lieblingsvietnamese hat keinen. Mein Lieblingsthailänder auch nicht. Und ich hab nicht immer so wahnsinnig viel Zeit zum Kochen.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.zoebeck.net
www.facebook.com/zoebeck75
www.twitter.com/beck_zoe

www.das-zerbrochene-fenster.de
www.66letters.net

Bildquelle: Victoria Tomaschko

2 Kommentare

  1. Pat McCraw

    Ja, erst wenn man selbst schreibt, versteht man diese seltsamen Widmungen in den Büchern wie „Ich danke meinem Mann, der mir immer etwas zu essen gebracht hat!“ :)

  2. Tizianoé Kritashuu

    „Das alte Kind“ habe ich gelesen, und ich war absolut begeistert, teilweise auch sprachlos, aber es ist schon ein Weilchen her. 66letters, und eine weitergesponnene Geschichte? Das klingt interessant!

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