Annette Schwindt wollte wie so viele eigentlich einen Roman schreiben. Doch daraus wurde (noch?) nichts. Zuerst jobbte sie als Literaturkritikerin bei einer Tageszeitung, dann veröffentlichte sie Glossen und Kurzgeschichten, wurde in Buchprojekte von anderen involviert, begann zu bloggen. Inzwischen hat sie sich als Fachbuchautorin einen Namen gemacht und berät Verlage bei ihren Aktivitäten im Social Web. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen mit Büchern und deren Geschichte:

Die meisten kennen mich vermutlich als Autorin von „Das Facebook-Buch“ im O’Reilly Verlag. Dass ich mal Autorin eines Fachbuch-Bestsellers werden würde, hätte ich nicht gedacht… Und das war ja auch alles andere als geplant!

Was Anfang 2009 eigentlich nur eine kleine Artikelserie in meinem Agenturblog werden sollte, wuchs sich zu einer unendlichen Geschichte aus. Zuerst fasste ich die Artikelserie zu einem pdf zusammen, das ich kostenlos online zur Verfügung stellte. Das verbreitete sich rasend schnell, die Rückfragen wurden immer mehr und die „kleine Serie“ läuft heute noch…

Durch diesen Buzz bildete sich eine eigenen Community, aus der eines Tages an mich herangetragen wurde, das Ganze doch auch als Print zu veröffentlichen. Ich kontaktierte zwei Verlage und am selben Tag, an dem mich der Lektor des einen Verlags besuchen kam, erreichte mich völlig unvorhergesehen die Anfrage von O’Reilly Verlag, ob ich nicht mit ihnen Buch machen wolle. Im selben Format wie „Das Twitter-Buch“ von Tim O’Reilly. Da konnte ich nicht nein sagen. Die erste Auflage erschien Mitte 2010, die zweite in diesem Sommer und das Buch ist inzwischen einer der Bestseller von O’Reilly Deutschland.

Eigentlich hatte ich gar kein Printbuch machen wollen, weil die Produktionsabläufe mit so einem schnelllebigen Thema wie Facebook kaum mithalten können. Aber da ich mein Blog und meine Fanseite sowie weitere kostenlose pdf-Dateien zu einzelnen Themen parallel betreibe (und mein Verlag nichts dagegen hat), kann ich so für meine Leser immer Updates bieten.

Im Gespräch mit meiner Lektorin Susanne Gerbert erfuhr ich, dass O’Reilly (als web- und technikaffiner Verlag) mich über mein Blog gefunden hatte und seine Autoren generell meist selbst über das Web oder bei Konferenzen und Barcamps anspricht. In der Regel gibt es eine Buchidee im Verlag und dann wird der passende Autor dafür aktiv gesucht. Während in den Anfangsjahren hauptsächlich Bücher von O’Reilly USA ins Deutsche übersetzt wurden, verlegt der deutsche O’Reilly Verlag inzwischen etwa zur Hälfte eigene auf Deutsch verfasste Bücher.

Bloggende Autoren (wie ich) können in solchen Fällen bereits über ihre bestehenden Veröffentlichungen ihre Kompetenz beweisen und haben sich so vielleicht auch schon einen Namen für ein Fachthema gemacht, bevor sie Buchautoren werden. Durch das Bloggen oder andere Social-Media-Aktivitäten bleiben die Autoren mit den Lesern im Gespräch und betreiben außerdem die beste Werbung für sich und ihr Buch – was dem Verlag nur recht sein kann. Der Verlag wiederum kümmert sich um Herstellung, Vertrieb und Marketing.

Ein anderes erfolgreiches Beispiel für so eine Buch-Entstehung ist meine Schweizer Kollegin Marie-Christine Schindler, die über Social Media und PR bloggt und mit einer Buchidee dazu an O’Reilly herangetreten war. Um auch die deutschen Besonderheiten dieses Themas abzudecken, nahm sie noch Tapio Liller mit ins Boot und zusammen veröffentlichten sie in diesem Frühjahr „PR im Social Web“, das sich auch zum Bestseller mauserte und in dem mein Buch wiederum als Sekundärliteratur auftaucht.

Bildquelle: Annette Schwindt

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