Marion Tauschwitz: Mit Menschen im Gespräch zu bleiben, ist mir wichtig

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich lebe in Heidelberg, habe hier studiert, meine beiden Söhne sind hier auf die Welt gekommen, ich habe hier gelehrt. Bücher habe ich immer schon geliebt, bis 2006 habe ich sie gelesen oder rezensiert. Nach Hilde Domins Tod, deren Freundin ich in ihren letzten fünf Lebensjahren war, habe ich mich auf die andere Seite geschlagen: Ich habe drei Jahre lang an der Biografie dieser bemerkenswerten Frau gearbeitet. Das Schreiben hat mir und das Lesen den anderen so viel Freude bereitet, dass ich dabei geblieben bin. Nach meiner autobiografischen Novelle erschien zur Buchmesse 2011 mein erster Roman.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich bin sehr diszipliniert. Ich stehe jeden Morgen um 6.30 Uhr auf, lese die Zeitungen, frühstücke. Dann werden die Maschinen angeworfen: Spülmaschine, Waschmaschine, Alibi für die Hausfrauenpräsenz. Dann starte ich meinen Computer: für mein Schreiben, für vielfältige Korrespondenz – meist per email – beantworten und auf den Weg schicken, um mich dann bis zum Mittag energisch dem aktuellen Projekt zuzuwenden. Nach dem Mittagessen, sommers wie winters, gehe ich eine Stunde spazieren. Da bekomme ich den Kopf frei und finde meistens die Übergänge und Formulierungen, um die ich gerungen habe. Am Nachmittag – mit einer Kaffeepause – folgt wieder Schreibarbeit. Wenn Recherchen notwendig sind, zum Beispiel Fahrten ins Literaturarchiv Marbach, dann beginnt der Tag schon entsprechend früher. Aber abends um 19 Uhr ist Schluss mit geistiger Arbeit. Das habe ich schon zu Schul- und Studienzeiten so gehandhabt. Ich war noch nie ein Nachtarbeiter. Auf ein schönes Essen am Abend und dazu ein erquickendes Gespräch freue ich mich jeden Tag neu.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Manchmal nimmt man die Veränderungen nicht wahr, wenn man behutsam in eine neue Aufgabe hineinwächst. Die Alltagsstruktur ändert sich durch familiäre Ereignisse oft einschneidender, so dass immer wieder eine Neuorientierung gefragt ist. Das war bei mir durch den frühen Tod meines Mannes so. Aber jede Umorientierung birgt neue Chancen. Mit Menschen im Gespräch zu bleiben, ist mir wichtig. Das lag mir als Lehrerin und Dozentin am Herzen, das genieße ich heute bei Lesungen. Erfreulicherweise bin ich viel unterwegs. Natürlich ist die Internetpräsenz wichtig geworden. Vor zehn Jahren noch hätte ich gewettet, dass mir meine Schreibmaschine heilig und das Internet überflüssig ist. Die Wette hätte ich verloren.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Da jedes neue Projekt eine neue Herangehensweise fordert, fällt ein typisches Problem bei der Arbeit eher nicht an. Auf der Vermarktungsebene dagegen ist man als „alleiniger Mensch“ – um ein Lieblingswort von Hilde Domin einzusetzen – permanent gefordert, eine Lösung zu finden, um sich ins Spiel zu bringen. Man hat keine Lobby oder keine großen Marketing-Strategen hinter sich und muss wirbeln. Das erfordert Ideen und Einsatz. Doch auch da erleichtern die Medien die Möglichkeiten enorm. Dennoch darf man nicht müde werden: weder physisch noch psychisch.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meiner homepage: www.marion-tauschwitz.de
auf der Autorenseite meines Verlags:
und bei facebook.

Bildquelle: Marion Tauschwitz

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