Frauke Ehlers: Frauen in der Buchbranche – Weder Kind noch Karriere

Mehr über Frauke Ehlers

Zur Frankfurter Buchmesse 2010 gab das Netzwerk BücherFrauen das Buch „MehrWert. Arbeiten in der Buchbranche heute“ heraus. Es präsentiert die Ergebnisse der ersten berufsübergreifenden Studie zum Thema, die auch die Unterschiede der Situation für Frauen und Männer in den Fokus nimmt. Das Buch ist dazu ein schön gestalteter Band, der im Ulrike Helmer Verlag erschienen ist.

Die Studie basiert auf einer von Prof. Dr. Romy Fröhlich durchgeführten Online-Befragung mit einem Rücklauf von 1.234 vollständig ausgefüllten Fragebögen, 1.074 (= 87 %) von Frauen und 160 (= 13 %) von Männern. 18 % der Teilnehmenden waren BücherFrauen. Die Studie selbst wurde mit den Mitgliedsbeiträgen der BücherFrauen finanziert. Für Herstellung und Druck des Buches wurden SponsorInnen gefunden.

Im Folgenden eine Auswahl der Fakten, die auf eine tatsächliche Ungleichbehandlung in der Buchbranche hinweisen:

Im Durchschnitt verdienen Frauen in der Buchbranche 28 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Nur bei den Einstiegsgehältern und Teilzeitstellen gibt es keine Einkommensunterschiede. Ansonsten steigt die Differenz mit der Hierarchiestufe. Der Gender Pay Gap bei der Berufsgruppe Verlagskaufleute und BuchhändlerInnen liegt mit 36 % an der viertletzten Stelle im deutschen Vergleich. Nur beim Luftverkehr (-42 %), bei den Köchinnen (-39 %) und Feinmechanikerinnen (-38 %) ist die Lücke größer. Von den Befragten waren 69 % kinderlos, Frauen dabei doppelt so oft wie Männer.

Bei dem großen Anteil an Akademikerinnen ist das nicht überraschend, aber die Medien (Romy Fröhlich hatte zuvor auch eine Studie für den PR-Bereich und den Journalismus durchgeführt) zeigen sich damit als ein Arbeitsmarktfeld, in dem sehr hohe bis extrem hohe Kinderlosigkeit herrscht. Damit fällt ein bevorzugtes Erklärungsmuster, das den erschwerten Ein- und Aufstieg von Frauen auf die Doppelbelastung zurückführt, weg. Erstaunlich auch: Familiengründung führt bei den Männern zu einer Erhöhung des Gehalts. Bei Frauen dagegen sinkt es.

Die Studie wird in der Branche wahrgenommen und bei jenen diskutiert, die sich Gedanken um die Zukunft der Branche machen. Diese Diskussion wollen wir auch hier bei „Ich mach was mit Büchern“ weiterführen: Wie können wir mehr Frauen in Führungspositionen bekommen? Wie kann der Gender Pay Gap reduziert werden? Und wie ist es möglich, dass so viele Frauen für die Branche ausgebildet werden, dann aber verschwinden – ein Phänomen das als Women Drain auch in anderen Branchen und Studien bekannt ist?

Von den BücherFrauen wurden im November zwei öffentliche Podiumsdiskussionen zu dem Thema veranstaltet. Eine am 1.11.2010 von den BücherFrauen Frankfurt, deren Verlauf von Kathrin Grün auf dem Frankfurter Buchmesse Blog dokumentiert wurde. Während der Jahresversammlung der BücherFrauen im Schloss Fürstenried in München gab es eine öffentliche Podiumsdiskussion unter dem Motto „MehrWert. 20 Jahre BücherFrauen“, die auf den Börsenblatt-Seiten und auf der Internetseite des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels zu finden ist. Auch auf litaffin und dem Blog Ebensolch Rez-E-zine haben sich bereits spannende und verfolgenswerte Diskussionen ergeben.

Gespannt auf Rückmeldungen jeglicher Art

Frauke Ehlers für
BücherFrauen e.V.

8 Kommentare

  1. Katja Splichal

    Ist endlich auf meinem Nachtschrak angekommen -Danke Frauke!
    Ich hoffe sehr, wir können Dich bald in Leipzig begrüßen und unseren frauenlastigen Buch-Studiengängen den späteren Schritt an die persönliche Wunschposition erleichtern! – Oder zumindest den Wunsch danach wecken und bestärken!

  2. @Frauke Ehlers:
    Meine persönlichen Erfahrungen aus der Buchbranche (die ja eigentlich nicht meine berufliche ‚Heimat‘ ist) sind leider diese:
    Frauen, sehr gut qualifiziert, intelligent, ideenreich, von Kunden/Kollegen hoch geschätzt – stellen ihr LIcht leider allzu oft unter den Scheffel oder scheuen vor dem letzten Schritt, sich selbst offensiv zu verkaufen. So landen dann Chancen und Aufträge schon mal unerwartet bei der männlichen Konkurrenz, die nicht zwingend besser arbeitet, sich aber hemmungsloser vermarktet..
    Bitte unbedingt in Leipzig vorbeikommen und bei den Branchen-Studis klarstellen, dass vornehme Zurückhaltung und „Stand by/behind your/a man“ keine Karrierestrategien sind, sondern zu Unsichtbarkeit führen. Solche Verhaltensweisen führen noch nicht einmal zwingend zur Familiengründung – und dann stimmt die Schlagzeile leider ;-)

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